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 Betreff des Beitrags: Religion
BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 08:51 
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Ich mache diesen Thread auf, weil im "Gerade gesehen"-Thread eine kleine Diskussion zum christlichen Glauben entstanden ist, die sich an Mel Gibsons Verfilmung der "Passion Christi" entzündete, aber von meiner Seite auch das christliche Erlösungsverständnis sowie das altbekannte "Theodizee"-Problem (Wie kann ein Gott allmächtig sein, die Menschheit lieben und gleichzeitig das Leid der Menschen bewirken oder zulassen?) mit einschließt. Ich zitiere mal aus dem Thread:

Fussel hat geschrieben:
gen78 hat geschrieben:
Kane McCool hat geschrieben:
Sorry, wenn ich jemandem mit der Passion-Kritik zu nahe getreten sein sollte oder dergleichen, aber für mich war es insgesamt einfach kein guter Film.

das ist ja dein gutes recht, allerdings hättest du deine wortwahl besser wählen sollen.
ich fand es teils wirklich beleidigend.


Andererseits kann ich seine Kritik durchaus nachvollziehen - und dass er da gleich an den Kopf geklatscht bekommt, den Film nicht verstanden zu haben, weil er sich denen die "Die Passion Christi" in den Himmel loben nicht anschließt find ich ebenfalls nicht sonderlich nett.

Es ist ein paar Jahre her, dass ich den Film gesehen habe, daher gebe ich meine Meinung eher unter Vorbehalt ab, aber für mich war "Die Passion Christi" auch nicht mehr als ein - provokant gesagt - "Torture Porn" mit Kirchen-Bonus. Ich kann mich an keine Szene erinnern (da kann gerne auch mein Gedächtnis dran schuld sein), in der mal wirklich auf etwas anderes eingegangen wird als Jesus Leiden und der grauenhaften Taten die ihm angetan werden, dass was er bewirkt hat oder um es neutral auszudrücken "bewirkt haben soll" interessiert Mel nicht die Bohne. Natürlich gehört zu Jesus die Märtyrer-Rolle, aber ihn nur auf einen grausamen Tod zu reduzieren halte ich einfach für einen richtig schlechten Ansatz.

Ich bin nicht mehr wirklich das was man einen gläubigen Christen nennen kann, aber schließe für mich auch nicht aus, dass Jesus existiert hat, daher sehe ich den Film möglicherweise etwas neutraler: Aber wenn wir jetzt mal von "dem" Jesus ausgehen, dann denke ich doch, dass es da wesentlich mehr Aspekte zu beleuchten gibt. Für mich wird jedenfalls in "Die Passion Christi" einfach ein zu kleiner Teilaspekt beleuchtet als das ich dem Film was anderes abgewinnen könnte als seine - wenn auch sehr gut gemachten und durchaus intensiven und bedrückenden - Gewaltszenen.

Was wäre dass denn für ein Glaube den Mel Gibson uns da vorhält? Leidet, leidet, LEIDET was das Zeug hält?! Habt verdammt noch mal ein schlechtes Gewissen, weil Jesus für euch gestorben ist?
Ne, davon kann ich mich jetzt nicht überzeugen lassen und konnte ich früher auch nicht.

Das ist für mich ein Film, wo ich nicht einfach nur von der Geschichte ausgehen kann - wie viele andere auch, denn immerhin geht es um JESUS - aber gerade das macht den Film für mich so "schlecht".

Wie gesagt, das war meine Meinung zu einem Film, den ich ein paar Jährchen nicht mehr gesehen habe, daher kann ich mich auch irren. Aber das waren im Großen und Ganzen die Empfindungen, die ich hatte als ich den Film gesehen habe. Punktewertung lasse ich mal.


Mar hat geschrieben:
Fussel hat geschrieben:
Was wäre dass denn für ein Glaube den Mel Gibson uns da vorhält? Leidet, leidet, LEIDET was das Zeug hält?! Habt verdammt noch mal ein schlechtes Gewissen, weil Jesus für euch gestorben ist?
Ne, davon kann ich mich jetzt nicht überzeugen lassen und konnte ich früher auch nicht.


OT:
Man könnte auch fragen, warum es für die Erlösung der Welt (zu der der Tod Christi ja führen soll) notwendig ist, dass Gott bzw. Gottes Sohn erst mal gefoltert werden und am Kreuz sterben muss. Oder warum zwar eine Erlösung stattgefunden haben soll, deren Auswirkungen aber erst im Jenseits festzustellen sein sollen (womit es praktischerweise jeder Überprüfbarkeit entzogen ist). Oder warum Gott ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt auf die Idee gekommen ist, die Menschheit zu erlösen.

Kürzlich stand bei uns auch noch mal ein Ostergruß eines katholischen Geistlichen in der Tageszeitung. Darin hieß es (sinngemäß) in etwa: "Gott hätte damals den Tod und das Leid abschaffen können. Aber das tat er nicht, sondern er nahm selber Tod und Leid auf sich." Selbst wenn man letzteres glauben will: Weshalb hat er denn nun nicht den Tod und das Leid auf Erden abgeschafft? Das wäre doch - wenn man von einer Allmacht ("credo in deum omnipotentem") ausgehen will - nur mit Sadismus zu erklären, oder? Bzw. Masochismus, denn was bringt es - und wem? -, wenn er selber so viel Leid auf sich genommen hat?

Es gibt meiner Ansicht nach durchaus Gründe, die für die Existenz eines höheren Wesens oder höherer Wesen sprechen könnten, aber die christliche Version ergibt in meinen Augen keinen Sinn.


Werner hat geschrieben:
Mar hat geschrieben:
Weshalb hat er denn nun nicht den Tod und das Leid auf Erden abgeschafft? Das wäre doch - wenn man von einer Allmacht ("credo in deum omnipotentem") ausgehen will - nur mit Sadismus zu erklären, oder? Bzw. Masochismus, denn was bringt es - und wem? -, wenn er selber so viel Leid auf sich genommen hat?


Das ist extrem scheiße jetzt weil ich in ein paar Stunden in den Urlaub fahre, aber nach der Woche bin ich gerne bereit die Diskussion wieder aufzunehmen.

Warum hätte Gott Leid, Tod und Gewalt abschaffen sollen? Wären wir dann nicht nur noch Marionetten von Gott? Gott möchte das wir unser eigenes Leben leben. Warum sollten wir dann so leben wie er es uns vorgibt.
Wenn wir so Leben wie er es möchte, werden wir dafür ja auch groß belohnt (sprich Jesus ist für unsere Schuld gestorben und ermöglicht uns Gottesvergebung -> das wir in dem Himmel ewig leben können/dürfen!).
:wink:


Ewald Rosen hat geschrieben:
Fussel hat geschrieben:
Aber wenn wir jetzt mal von "dem" Jesus ausgehen, dann denke ich doch, dass es da wesentlich mehr Aspekte zu beleuchten gibt. Für mich wird jedenfalls in "Die Passion Christi" einfach ein zu kleiner Teilaspekt beleuchtet als das ich dem Film was anderes abgewinnen könnte als seine - wenn auch sehr gut gemachten und durchaus intensiven und bedrückenden - Gewaltszenen.

Der Film soll ja nicht von der "Frohen Botschaft" handeln oder dem Leben Christus' oder den angeblichen Wundern, die er gewirkt haben soll. Als Thema wurde ganz bewusst die Passion, also der Leidensweg, gewählt. Wenn ich richtig informiert bin, stellen die alljährlichen Passions-Prozessionen für viele Katholiken DAS religiöse Ereignis schlechthin dar, und die Inszenierungen sind mitunter wahrhaft schauerlich anzusehen, wenn ich da so an einige Bilder denke. Daher die eindeutige Ausprägung des Films.


@Mar:
Interessante Überlegungen. Da darf man gar nicht zu weit graben, fürchte ich, sonst kommt man womöglich noch zu einer ziemlich ernüchternden Erkenntnis, was den eigentlichen Ursprung dieses christlich-abendländischen Alleinstellungsmerkmals betrifft, etwa: Das Leid begründet sich selbst, und sein religiöser Begriff dient ausschließlich dem Zwecke, den Gläubigen bzw. Untertan mit hoffnungsvollen Aussichten im Diesseits bei der Stange zu halten, auf dass er sich nicht zu viele Gedanken mache, warum es seinesgleichen so beschissen geht und andere (von Gottes Willen) schwelgen dürfen. Der Weg zur Erlösung führt nun mal durchs irdische Jammertal, da fragt man nicht groß, das glaubt man einfach. ;)

Beklag' dich nicht, der arme Jesus hat noch viel mehr gelitten ... Iss endlich deine Suppe, die armen Negerkinder in Afrika müssen hungern.


So weit bis jetzt (falls ich einen wichtigen Beitrag aus dem Thread vergessen haben sollte, bitte mich darauf aufmerksam machen).

Hierzu sowie auch zu anderen Fragen zum Thema Religion kann hier gerne diskutiert werden, wobei es immer sachlich bleiben sollte. Nicht umsonst lautet eine alte Regel zu geselligen Diskussionen "Weder über Gott noch über die Politik", da sich hier leicht provokante und für Anhänger einer bestimmten Richtung beleidigende Äußerungen einfinden. Daran zeigt sich letztlich auch die Diskussionskultur eines Forums.

Ergänzt habe ich das ganze noch durch eine Umfrage (falls ich eine Religion vergessen haben sollte, bitte Bescheid sagen).

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So weit zur Eröffnung des Threads, und nun zu Werner ;) :

Falls wir davon ausgehen, dass Gott die Menschen geschaffen hat und allmächtig ist, d.h. jederzeit eingreifen kann, dann wären wir so oder so in gewisser Weise seine Marionetten. Nun passt es für mich nicht zusammen, dass ein allmächtiger Gott Menschen schafft, die dann aber von Anfang an tun, was er nicht will (angefangen mit Adam und Eva sowie Kain und Abel). Er hat also einen Konstruktionsfehler begangen? ("Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut." Genesis 1,31) Wenn Menschen gegen Gottes Willen handeln, warum hat er sie dann so erschaffen? Das hätte er doch voraussehen müssen.

Aber auch wenn ich selbst nun komplett nach "Gottes Geboten" lebe, kann es mir doch passieren, dass ich beispielsweise an einer langwierigen schmerzhaften Krankheit oder an einer Naturkatastrophe sterbe oder von einem Verbrecher schwer verletzt bzw. umgebracht werde. Dass Gott dem menschlichen Handeln Freiheit lasse, hört sich ja zunächst ganz gut an, aber wenn wir in einem extremen Beispiel annehmen, dass ein Mörder ein kleines Kind umbringt, dann würde sich Gottes Liebe zur Menschheit wohl eher darin zeigen, dass er das schlicht und einfach verhindert, als dass er den Mörder einfach machen lässt, weil ihm dessen freier Wille ja so wichtig ist.

Ewald Rosen hat geschrieben:
Da darf man gar nicht zu weit graben, fürchte ich, sonst kommt man womöglich noch zu einer ziemlich ernüchternden Erkenntnis, was den eigentlichen Ursprung dieses christlich-abendländischen Alleinstellungsmerkmals betrifft, etwa: Das Leid begründet sich selbst, und sein religiöser Begriff dient ausschließlich dem Zwecke, den Gläubigen bzw. Untertan mit hoffnungsvollen Aussichten im Diesseits bei der Stange zu halten, auf dass er sich nicht zu viele Gedanken mache, warum es seinesgleichen so beschissen geht und andere (von Gottes Willen) schwelgen dürfen.


So sieht es wohl (leider) aus.

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Zuletzt geändert von Mar am 9. Apr 2010, 19:58, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Religion
BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 09:15 
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Puh, ein schwieriges Thema. Damit kann man Stunden verbringen. Ich bin Atheist, das vorweg. Ich hatte nie das Bedürfnis, eine Kirche zu betreten, um eine für mich nicht greifbare Person um etwas zu bitten. Einzige Ausnahme waren die Montagsdemos in der ehemaligen DDR, weil wir uns in der Kirche und der Masse sicher fühlten. Jetzt könnte man sagen, dass sich tatsächlich unter dem Dach der Kirche ein kleines Wunder ereignet hat, ist doch der ganze Umbruch friedlich vonstatten gegangen. Hierfür danke ich der Kirche, da sie auch mir "Ungläubigen" Einlass gewährt hat.
Andererseits gibt es so viel Leid auf der Welt, welches ja von einem allmächtigen Gott verhindert werden könnte. Warum ließ er Sachen wie Josef Fritzl zu?
Gerade die katholische Kirche hat aber auch über Jahrhunderte immer wieder großen Einfluss auf die Politik genommen, Menschen mit anderer Gesinnung verfolgt, vertuscht, dementiert... Aktuell tut sie sich auch keinen Gefallen mit ihrem Verhalten bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle. Nein, das ist mir alles zu suspekt.
Ich respektiere den Glauben anderer Menschen und mache mich nur sehr selten mit kleineren Witzchen über sie lustig. Ich aber glaube an kein übergeordnetes Wesen. Für mich ist Religion nur Politik mit anderen Mitteln.

PS.: Die Umfragen funzen immer noch nicht. Vielleicht könnte einer der Mod`s da mal nachhaken.

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BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 10:01 
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Ich war mal Katholisch und bin vor einiger Zeit ausgetreten. Konnte mit dem Verein nie was anfangen,aber als Kind musste ich oft dahin und habe es gehasst. Ich halte von Religion nichts und bin der Überzeugung,dass die Religion den Menschen am Ende mehr Leid als Gutes gebracht hat. Angefangen beim verfolgen von religiösen Minderheiten über die Hexenverfolgung bis zu den Kriegen die durch sie entstanden sind.

Ich kann verstehen,dass die Menschen früher etwas brauchten an das sie glauben konnten,vor allem wenn es um Dinge ging die niemand erklären konnte. Das gab ihnen möglicherweise Kraft und die Hoffung das es dort oben doch etwas gibt was auf sie aufpasst. Wenn es donnerte oder die Erde bebte,dann waren natürlich Gott oder die Götter dafür verantwortlich,aber heute kann man es nunmal erklären und da frage ich mich: Wieso glauben die Menschen heute an etwas wofür es keinen Beweis gibt? Geht es ihnen dadurch wirklich besser?

Im Film Contact sagt irgendjemand sinngemäß:
Wieso sollte Gott die Erde und die Menschen erschaffen und sich dann ohne den kleinsten Beweis für seine Existenz im Hintergrund halten?

Meiner Meinung nach eine Gute Frage.


P.S.: Jeder darf so leben wie es ihm gefällt. Mit oder ohne Glaube.


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 Betreff des Beitrags: Re: Religion
BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 11:57 
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Stranger hat geschrieben:
Im Film Contact sagt irgendjemand sinngemäß:
Wieso sollte Gott die Erde und die Menschen erschaffen und sich dann ohne den kleinsten Beweis für seine Existenz im Hintergrund halten?

Interessante Frage eigentlich. Wäre das Universum von einem "Mensch" erschaffen worden, dann hätte er sich auf alle Fälle eindeutig gezeigt und Beweise geliefert. Daher denke ich, dass Gott eben "unmenschlich" (im Sinne von nicht menschlich) ist in seinem Handeln und Nicht-Handeln. Zwar hat er "den Menschen nach seinem Abbild geschaffen", wenn man der Bibel glaubt, aber offenbar gibt es ja noch genug Gegensätze. Die fehlende "Macht" beispielsweise... Hat Gott uns diese nicht gegeben aus Verantwortungsbewusstsein? Wollte er uns erst vor eine Herausforderung stellen? Oder hatte er schlichtweg Angst seinen Posten als alleiniger Gott zu verlieren?

Zu meiner persönlichen Einstellung: Ich schätze der Deismus trifft auf mich am besten zu. Ich glaube an "Etwas", aber ich glaube auch, dass sich dessen Anwesenheit schwer beweisen lässt - ebenso wenig wie dessen Abwesenheit. Vor allem glaube ich aber dass Gott für die Schöpfung des Universums und der Welt verantwortlich ist - und keine Einwirkungen mehr auf uns nimmt. Das bedeutet auch, dass der Mensch für sich selbst in jeder Lage verantwortlich sein muss und keine Entscheidungen oder Regeln auf ein höheres Wesen abwälzen kann.

Stranger hat geschrieben:
P.S.: Jeder darf so leben wie es ihm gefällt. Mit oder ohne Glaube.

Ganz großes Dito!

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 Betreff des Beitrags: Re: Religion
BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 12:15 
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Fussel hat geschrieben:
Ich glaube an "Etwas", aber ich glaube auch, dass sich dessen Anwesenheit schwer beweisen lässt - ebenso wenig wie dessen Abwesenheit.


Das trifft in etwa auch auf mich zu. Ich halte es wie gesagt für wahrscheinlich, dass es eine höhere Macht gibt, aber dass es dem Menschen nicht möglich ist, über diese gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen. Womit ich mich wohl in der Nähe des Agnostizismus befinde, aber genau passt das ja nun auch nicht. Das germanische Heidentum finde ich abgesehen davon sehr interessant und beschäftige mich mit dessen Überlieferung sehr gerne.

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BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 12:41 
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Stranger hat geschrieben:
Wieso glauben die Menschen heute an etwas wofür es keinen Beweis gibt? Geht es ihnen dadurch wirklich besser?

Ich denke schon, dass viele Menschen in ihrem Glauben einen gewissen Halt für ihr vielleicht suboptimales Leben finden. Und wer sich dadurch bestärkt fühlt und u.U. nicht die persönliche Reißleine zieht oder andere Dummheiten macht, dem sei es gegönnt.

Ansonsten sehe ich es ähnlich wie der Undertaker: Ich glaube auch nicht an ein höheres Wesen oder ähnliches. Der katholischen Kirche bin ich vor ca. 15 Jahren abhanden gekommen, war aber auch nie "aktiver" Christ und bin auch nicht mit sonntäglichen Kirchgängen oder dergleichen aufgewachsen. Über die bereits erwähnte mehr als mangelhafte Bereitschaft in Sachen Aufklärung von Missbrauchsfällen kann ich ebenfalls nur den Kopf schütteln. Eine Modernisierung auch z.B. in Sachen Zöllibat wäre zu wünschen, auch wenn es meine Einstellung im Allgemeinen nicht ändern würde.

Wer glauben möchte, soll das gerne tun, solange mich nicht jemand zwanghaft davon überzeugen will. Und ob jemand nun zu Gott, Buddha, Allah, dem Mann im Mond oder wem auch sonst spricht, sei mir auch egal. Nur jegliche Form von Fanatismus in dieser Hinsicht finde ich unerträglich, und da hat die Religion, wie von Stranger auch schon erwähnt, ja dummerweise über alle Jahrhunderte und in allen Formen zahllose Beispiele hinterlassen....

P.S.: Alte Kirchen sehe ich mir aber wiederum sehr gerne an. Auch Filme, Bücher oder Lieder mit der Thematik (siehe Signatur) lehne ich nicht grundsätzlich ab. Interessant ist das schon, aber ich sehe mich eben mehr als Außenstehender und Betrachter, der offen für alle Arten von Glaube ist, ohne ihn selbst zu praktizieren.

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Ich glaube schon an eine Macht die über den Menschen steht, aber mit diesem ganzen christlichen Zeug kann ich nichts anfangen obwohl ich offiziell noch Katholik bin.
Imo ist die Kirche und ein großer Teil des christlichen Glaubens einfach veralteter Schwachsinn: Jahrhundertelang war die Kirche quasi Staatschef, dann kam die Industrialisierung, die Zivilisation hat sich so schenll entwickelt wie in Jahrtausenden nicht.
Die Kirche hat das natürlich überdauert und spielt noch eine zentrale Rolle wenngleich sie langsam aber stetog zurückgedrängt wird. Ich bin mir sicher in nochmal 100-200 Jahren wird sie nicht mehr viel zu melden haben.


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Undertaker hat geschrieben:

PS.: Die Umfragen funzen immer noch nicht. Vielleicht könnte einer der Mod`s da mal nachhaken.


Habe gehakt. Wird sich drum gekümmert werden, wurde mir gesagt.

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Ich bin evangelischer Christ und besuche in der örtlichen Gemeinde regelmäßig die Gruppe für Jugendliche und junge Erwachsene, wo auch sehr häufig über Religion und deren Sinn diskutiert wird.

Meine Ansicht dazu: Die Entstehung des Universums ist wissenschaftlich erwiesen (zumindest fast). Ob ein mächtiges Wesen wie Gott existiert bezweifle ich stark, trotzdem glaube ich an die Dinge aus der Bibel und bete auch (ab und zu). Mag sich blöd anhören, aber ich finde es gibt im Leben ein gutes Gefühl wenn man an jemanden oder an etwas glaubt und sich diesem anvertrauen kann (z.B. durch beten), auch wenn man weiß das es eine höhere Macht nicht gibt oder zumindest nicht geben sollte.
Der wirklich gläubige Christ bin ich aber auch nicht und ich war schon seit rund 2 Jahren nicht mehr im Gottesdienst.

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Ich finde gewisse Grundsätze des christlichen Glaubens gut, mit der Kirche sowie der Bibel kann ich mich nicht anfreunden. Klar kann man in die Bibel einiges reininterpretieren, dennoch ist sie für mich eigentlich mehr ein Märchen-Buch.

Mir persönlich gibt es nichts, mich in (schlechten) Zeiten auf Gott zu berufen, verurteile aber niemanden der das macht.

Durch meine Arbeit als ambulanter Altenpfleger habe ich auch sehr viel mit türkischen Menschen zu tun gehabt und auch die religiösen Praktiken und Überzeugungen kennengelernt. Den Islam habe ich leider als menschenverachtende und aggressive Religion kennengelernt, bei dem vor allem die Frauen in einer Art und Weise behandelt und unterdrückt werden, mit der ich nicht einverstanden sein kann.

Klar kann man sagen, nicht alle üben ihren Glauben extrem aus (es kann ja auch in anderen Religionen der Fall sein), aber gerade durch meine Arbeit ist mir der Islam eben sehr negativ aufgefallen. Aber Religion ist halt eine Sache, die jeder für sich selbst entscheiden muss.

Die Passion Christi ist übrigens einer der schlechtesten Filme, die ich je gesehen hab.

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