(Solo-)Konzert für eine Pistole (Concerto per pistola solista) (1970)
Michele Lupo kredenzt uns hier einen etwas atypischen Giallo, sofern man den Film überhaupt in dieses Subgenre einordnen möchte, der von der Art und Umsetzung eher an einen klassischen britischen Whodunit-Krimi der Marke Agatha Christie erinnert, was sicherlich auch daran liegt, dass teilweise mit britischen Schauspieler direkt vor Ort gedreht wurde, während die genretypischen Gialloelemente nur vereinzelt vorzufinden sind. Angesichts einer Testamentsverkündung trifft sich eine - durchaus degenerierte - Adelsfamilie auf dem Stammsitz der Familie und nebst einigen familiären Intrigen, gibt es auch schon bald die erste Leiche, die natürlich auch die Polizei auf den Plan ruft. Während der Inspektor von Scotland Yard die meiste Zeit im Dunkeln tappt, ist es der unscheinbare Dorfpolizist - herrlich gespielt von Gastone Moschin - der am Ende den Fall auflösen kann. Der Film hat übrigens auch einen nicht von der Hand zu weisenden Komödieneinschlag, der anhand von Moschins Chrakter am deutlichsten wird. Abgerundet wird das in meinen Augen positive Bild durch die Kameraarbeit Guglielmo Mancoris, der mit ein paar interessanten Kompositionen aufwarten kann und dem tollen Score Francesco De Masis, der immer wieder Elemente Tchaikovskys aufgreift und verarbeitet. Tendenziell ist es sicherlich eher ein Film, der im sonntäglichen Nachmittagsprogramm laufen könnte und weniger in den Abendvorstellungen aber nichtsdestotrotz ist er überaus sehenswert. In Noten ausgedrückt: um 07/10.
Leider ist die Materiallage etwas suboptimal. Es gibt keine deutschen Heimkinoveröffentlichungen und die einzige mir bekannte DVD (veröffentlicht als "Weekend Murders") aus den USA von Code Red, die den Film im OAR von 2,35:1 in befriedigender-guter Bildqualität präsentiert, ist inzwischen wohl auch OOP. Wer sie noch für kleines Geld erwischen kann, darf aber beherzt zugreifen.