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BeitragVerfasst: 11. Mär 2011, 10:41 
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hawkeye hat geschrieben:
Neophyte hat geschrieben:
Aber zum Thema: Es ist ein Scherbengericht; eine formelle Farce. Es ist zweckmäßig auf der Meta-Ebene, um den Anschein eines fairen Prozesses zu wahren, der sich jedoch schnell selbst demaskiert (durch den "Staatsanwalt" und die Präsenz des Gen. Mireau der Dax fragt ob er die Authorität und Authenzität des Gerichtes anzweifelt.) Dies alles macht eben jenes Szenario dichotomisch (Begriffszweiteilung). Hoffe halbwegs Aufschluss gegeben zu haben ;)

Über Sinn und Unsinn von Fachbegriffen brauchst du (mit mir) nicht zu diskutieren. Da rennst du offene Türen ein. Ich verstehe jetzt aber auch wie der Satz gemeint ist - mein Verständnis der drei Wörter wich leider ein wenig von deiner Erklärung ab. Ich bin mir aber auch nicht zu fein, dann einfach zu fragen, anstatt den Fehler erstmal bei dir zu suchen.

Neophyte hat geschrieben:
hawkeye hat geschrieben:
(So manch ein Kritiker deines Fremdwortgebrauchs soll gerüchteweise in Deutschklausuren im Bereich "ausreichend" anzusiedeln sein.)

Mir doch rille ;) Hätte ich schon die Gilles Deleuze Bücher gelesen und deren Wissen verwendet, wäre die ganze Sache eventuell ausgeartet ;) :)

Gesunde Sichtweise.

Neophyte hat geschrieben:
Nunja, ich kann ja nicht zu jedem Film der mir so gut gefällt so viel schreiben, zumindest nicht auf Kommando. Aber sei versichert, ich habe noch genügend Reservierungen vornehmen lassen ;)

Ich wollte damit auch nicht verlangen, dass jedes Post gleich derart "ausartet". Manchmal sind ja auch ein paar kurze Zeilen interessant oder gar erhellend ;).


Fragen kostet ja nix.
Ich möchte, wenn ich mir schon die Mühe mache und mich meist für mehrere Stunden an eine derartige Ausführung setze (welche für gewöhnlich Monatelang in der Mache ist, z.B. hatte ich mit dieser hier im Oktober angefangen, auch wenn ich freilich nicht jeden Tag etwas schrieb), den entspr. Film von mehreren Sichwinkeln aus betrachten. Dies setzt zu allererst einmal mehrfache Sichtung voraus, und schon allein dazu ist nicht jeder Film geeignet. U.U. hole ich sogar noch dazugehörige Literatur an Board, wie hier mit den Stanley Kubrick Archieves geschehen, von denen ich auch das Zitat übernommen habe The Paths of Glory lead but to the Grave. Desweiteren sind Filmhistorische Bücher sehr nutzenswert, sowie Bücher mit Filmkritiken, etc.
Zum Beispiel werde ich für die nächste Besprechung sogar Schopenhauer & Freud mit zu Rate ziehen (der Film schreit quasi danach, also tu' ich ihm diesen Gefallen) :)
In anderen Worten: Die Zutaten für eine Rezession sind reichhaltig, der Entstehungsprozess lang und die Chance das es nur 5 oder 6 Zeilen werden, ist sehr gering ;)

@supercreep: Weißt schon wie ich's meinte ;)

@ Klotz: Danke :)

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Die Wahrheit ist für wenige, der Trug so allgemein wie gemein. Gracián
Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, daß er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt. Schopenhauer
Wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Wert mehr, daß Menschen leben auf Erden. Kant
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Tod dem € und der EUdssr!


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BeitragVerfasst: 11. Mär 2011, 15:38 
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Ich sitze gerade an einem Lubitsch-Text, der dann heute, oder die Tage, hier on geht. :)

Bis zum nächsten Neo-Text belege ich aber noch schnell einen Fremdsprachenkurs. :P :wink:

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BeitragVerfasst: 11. Mär 2011, 18:46 
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Ich will endlich eine Vorstellung von Noisy Requiem. :wink:

Aber auch alles andere ist gut und macht immer Spaß zu lesen.

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„You give me a time and a place, I give you a five minute window. Anything happens in that five minutes and I'm yours.
No matter what. Anything happens a minute either side of that and you're on your own.“


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BeitragVerfasst: 18. Mär 2011, 14:21 
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Ja, Noisy Requiem - Das ist aber auch ein Wahnsinnsstreifen Bild

Eine entspr. Besprechung wäre aber extremst schwierig; da müsst' ich schon beinahe kapitulieren und oder mehrere Bücher zur Allgemeinkenntnis bzgl. Film als Ausdrucksmittel lesen als ich dies' Jahr noch schaffen könnte... Der Film stellt sovieles auf den Kopf... Und wieder Bild

Eine einzige Trope!

@ Frankie: So schlimm ist es doch gar nicht... ;)

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BeitragVerfasst: 18. Mär 2011, 14:51 
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Neophyte hat geschrieben:
Eine einzige Trope!
Musste mich in 'nem Seminar zum Thema Bildanalyse mal mit Filmsemiotik (Metonymie, Synekdoche und Trope) herumschlagen. Die Trope hab' ich nie ganz kapiert. Herr Monaco führt in seinem Buch nur ein Bsp. auf ("Der andalusische Hund"), das im Internet auch immer wieder herangezogen wird. Er verweist dabei auf ein französisches Wortspiel. Mir zu hoch! Kannst du mir den Begriff vielleicht Mal anhand eines simpleren Beispiels erklären?!

Vor allem der Unterschied zum Symbol ist mir unklar, da Monaco schreibt:
Zitat:
Die Trope ist daher das verbindende Element zwischen Denotation und Konnotation. Wenn eine Rose eine Rose eine Rose eine Rose ist, ist sie nichts anderes, und ihre Bedetung als Zeichen ist eindeutig denotativ. Aber wenn eine Rose etwas anderes ist, ist eine "Wendung" gemacht und das Zeichen für eine neue Bedeutung erschlossen worden.
Bei aller Liebe, aber hier hackt es gewaltig!


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BeitragVerfasst: 18. Mär 2011, 15:02 
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Creeds hat geschrieben:
Neophyte hat geschrieben:
Eine einzige Trope!
Musste mich in 'nem Seminar zum Thema Bildanalyse mal mit Filmsemiotik (Metonymie, Synekdoche und Trope) herumschlagen. Die Trope hab' ich nie ganz kapiert. Herr Monoaco führt in seinem Buch nur ein Bsp. auf ("Der andalusische Hund"), das im Internet auch immer wieder herangezogen wird. Er verweist dabei auf ein französisches Wortspiel. Mir zu hoch! Kannst du mir den Begriff vielleicht Mal anhand eines simpleren Beispiels erklären?!

Vor allem der Unterschied zum Symbol ist mir unklar, da Monaco schreibt:
Zitat:
Die Trope ist daher das verbindende Element zwischen Denotation und Konnotation. Wenn eine Rose eine Rose eine Rose eine Rose ist, ist sie nichts anderes, und ihre Bedetung als Zeichen ist eindeutig denotativ. Aber wenn eine Rose etwas anderes ist, ist eine "Wendung" gemacht und das Zeichen für eine neue Bedeutung erschlossen worden.
Bei aller Liebe, aber hier hackt es gewaltig!


Hehe; ja den Text kenn ich nur zu gut... Auch mit diesem "Wenn eine Rose eine Rose eine Rose eine Rose ist, ist sie nichts anderes, und ihre Bedetung als Zeichen ist eindeutig denotativ" hat ich so meine Problemchen, obgleich es relativ simple ist. Eine Trope ist für mich so etwas wie eine Zusammenfassung von Monacos "Metonymie, Synekdoche, Icon, Index & Symbol". Insb. Metonymie & Synekdoche kann man beidseitig auslegen - das eine kann auch zugleich das andere sein. (So habe ich es mitunter aufgrund der Bebilderung verstanden; wenn ich mich recht entsinne waren dort Bilder von Antonionis "Rote Wüste" und Godards "Chinesin"). Ein Beispiel habe ich hier schon einmal gegeben; wenn du dir die Mühe machen magst nocheinmal meinen Schriebs zu "The Way to Shadowgarden" durchzulesen; zumind. den Abschnitt Gesicht/Trope. Eine personifizierte Trope ist, wenn man so will und ich so drüber grüble, der Tod in Bergmans "Das Siebte Siegel", oder Terence Stamps Figur in Pasolinis "Theorem".

Es kann auch sein das er nur dieses eine Beispiel anführt (vielleicht das berühmteste überhaupt, mit der Hand und den Ameisen), weil die Trope extremst sporadisch ist - doch dies ist, wie so vieles im Leben, und insb. im Film (bzw. der Besprechung) Auslegungssache.

Inwiefern ich dir nun habe helfen können, ist eine andere Frage, deren Antwort nur du kennst... ;)

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BeitragVerfasst: 18. Mär 2011, 16:13 
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Neophyte hat geschrieben:
Es kann auch sein das er nur dieses eine Beispiel anführt (vielleicht das berühmteste überhaupt, mit der Hand und den Ameisen), weil die Trope extremst sporadisch ist
Das ist für mich der Knackpunkt! Ist die Trope tatsächlich so selten und daher vernachlässigbar? Geht man von der Verbildlichte-Redewendung-Definition Monacos aus, darf doch aufgrund der Neigung des Mediums, Dinge zu überzeichnen, eigentlich angenommen werden, dass sie oft genutzt wird - insbesondere natürlich auch dann, wenn es surreal wird (da passt das Bsp. mit dem personifizierten Tod gut rein). Mir ist nur unklar, wie ich sie eindeutig identifizieren kann. Die Trennschärfe zu den anderen Begriffen (Index, Synekdoche und Co.) fehlt mir.
Neophyte hat geschrieben:
...doch dies ist, wie so vieles im Leben, und insb. im Film (bzw. der Besprechung) Auslegungssache.
Und gerade deshalb macht es ja auch so viel Spaß, sich über die Qualität von Filmen zu streiten. :wink:
Neophyte hat geschrieben:
Inwiefern ich dir nun habe helfen können, ist eine andere Frage, deren Antwort nur du kennst...
Hundertprozentig glücklich bin ich zwar noch nicht... trotzdem vielen Dank! :wink:


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BeitragVerfasst: 29. Apr 2011, 09:20 
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Wann gehts denn hier weiter?
Ich werde meine nächste Vorstellung so gegen Ende Mai anräumen.

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BeitragVerfasst: 27. Mai 2011, 10:56 
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Mein nächster Beitrag kommt leider erst Mitte Juni; ich muss noch ein oder zwei Zitate abgleichen. Ein kleines Problem habe ich aber jetzt schon; die Meldung:

Zitat:
Dein Beitrag enthält 62070 Zeichen. Es sind maximal 60000 Zeichen erlaubt.


Naja, dann halt zwei Posts...

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BeitragVerfasst: 2. Jun 2011, 10:39 
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Morgen gibts hier wieder was zu lesen; könntes es zwar heut schon einstellen, aber am Männertag habt ihr sicher besseres zu tun ;)

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BeitragVerfasst: 3. Jun 2011, 06:58 
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Aufgrund der Zeichenbegrenzung eines hießigen Forumspostings auf 60000 bin ich gezwungen meinen kleinen Text auf zwei Postings aufzubrechen, da ich ihn auf gar keinen Fall "zusammenstutzen" werde, geschweigedenn will.

Punishment Park

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Folgender Text ist ein bescheidener Versuch meinerseits etwas Analyse-"ähnliches" aufzustellen, über einen Film der sich, wie wir sehen werden, selbst analysiert und obendrein eine (obgleich eventuell nur oberflächliche, was durch den narrativen Rahmen bedingt ist) Analyse eines kulturellen Krisenherdes ist. Ich werde mitunter nicht nur auf Philosophen wie Arthur Schopenhauer und Immanuel Kant, auf Psychologen wie Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, auf den Autor Franz Kafka, den Musiker Eminem sowie auf dem Regisseur Peter Watkins selbst verweisen, sondern sie, sofern es mir angebracht scheint, direkt rezitieren.

1.) Vorwort bzgl. Peter Watkins:

Peter Watkins ist in der Filmwelt keinetwegs ein unbeschriebenes Blatt. Er ist ein ausgezeichneter Dokumentarist und ein fantastischer Regisseur mit einem - wie ich aufzeigen werde -, feinfühligen Händchen für den "Schnitt". Es war 1965, als man ihn bat eine Dokumentation über Kriegsangst zu machen, mit dem Hintergrund der nuklearen Bedrohung welcher die Welt seinerzeit ins Angesicht starrte, (was sie nachwievor tut). Man hätte keinen besseren für ein derartiges Unterfangen auswählen können, denn heraus kam The War Game, der mit extremst großem Abstand realistischste "Film" dieser Art (1). Er war den Auftragsgebern so derart realistisch das er gar verboten, und demnach nicht ausgestrahlt wurde. Doch auch vor "The War Game" hat Watkins das Thema Krieg in Kurzfilmen behandelt, wie mit The Forgotten Faces & Diary of an unknown Soldier geschehen. Nach "The War Game" kam Culloden, der den Stil des hier besprochenen "Punishment Park" quasi vorwegnimmt. Man kann also ohne weiteres sagen, das Peter Watkins sich in und mit diesem Thema auskennt, einen Standpunkt vertritt und er seine Hausaufgaben gemacht hat. Watkins ist Kritiker des Tötens für irgendwelche Ideologien Dritter und dies kristallisiert sich in jeden der genannten Filme auch fein heraus; einschließlich The Gladiators.
"Punishment Park" ist ein Klon zwischen Watkins früheren Filmen, von denen ich eben ein paar nannte, und späteren Werken wo er sich hauptsächlich auf bestmöglich-fundierte Berichtserstattung bezieht, wie z.B. Privilege der zugleich ein Klon ist, da er auch fiktive Elemente enthält. Mit Evening Land schuf Watkins erneut eine Kritik an den Medien, mit Hilfe einer Mixtur von Fiktion und "Tatsachen"; der diesbezügliche, fast 6-stündige Geniestreich La Commune (Paris 1871) treibt diese Prozedur wissent- und willentlich auf die Spitze, und ist nocheinmal eine Referenz an "Culloden" & "Punishment Park". Insbesondere The Media Project, welcher reinrassige Kritik an den Medien durch Medien ist, sei hervorgehoben. Um mit diesen Film im besonderen irgendetwas anfangen zu können, empfiehlt es sich aber, entweder davor oder danach, seinen Aufsatz Media Crisis zu lesen, welcher hochinteressante Aspekte und Ansätze beinhaltet.
The Freethinker & Edvard Munch, beides großartige Filme, sind autobiographische Dokumentationen zwei sehr berühmter und kontroverser Schweden - der Maler, Edvard Munch und der Schriftsteller August Strindberg -, sowie letztendlich der Beweis dafür das Watkins die immanenten Grenzen des Genres "Dokumentation" elegant ausgeweitet hat. Peter Watkins ist meiner Ansicht nach, wie oben schon kurz erwähnt, einer der größten, besten und wichtigsten Regisseure des Weltkinos, und obendrein leider Gottes das was als "unsung Master" bezeichnet wird. Mit folgenden Text will ich anhand seines meiner Ansicht nach besten Films, (in Farbe), versuchen darzulegen, warum er für mich diesen Rang innehält (2).

Deskriptive & essentielle Einleitungszitate:

Zitat:
Under the provision of Title 2 of the 1950 Internal Security Act, also known as the McCarran Act, the President of the United States of America is still authorized, without further approval by Congress to determine an event of insurrection within the United States and to declare the existence of an "internal security emergency". The President is then authorized to apprehend and detain each person as to whom there is reasonable ground to believe probably will engage in certain future acts of sabotage. Persons apprehended shall be given a hearing, without right of bail, without the necessity of evidence and shall then be confined to places of detention.


Zitat:
Punishment Park, described by the United States Senate Subcommittee On Law And Order as "a necessary training for the law officers and National Guard of the country in the control of those elements who seek the violent overthrow of the United States government and the means of providing a punitive deterrent for said subversive elements".


Whoohh, it's gonna get hot - It's gonna get real hot! (3)

2.) "Punishment Park" = "apotropäischer Euphemismus": (1)

"Der schlimmen Sache einen guten Namen geben um ihre Ungunst abzuwenden." Das Wort "Euphemismus" kann im Grunde ausgelassen werden, denn es ist kein "guter Name", sondern ein Name der Programm ist, er ist eine Form der Bestrafung; eine hochgradig unmenschliche obendrein. (Doch dazu weiter unten mehr.) Das Wort "apotropäisch" müsste im Gegenzug unterstrichen werden, zumindest von Seiten der "USA" aus, da sie, die US-Repräsentanten (im Sinne von den Gesetzestreuen, hiermit sind also alle die gemeint, die nicht in Handschellen vor- bzw. abgeführt werden) des Films in der Tat davon ausgehen, das der "Park" lehrreich sein wird, ja, "apotropäisch", was nichts anderes bedeutet wie als "größeres Unheil abwehrend".
Eine Allegorie für den gesamten Film kann schon bei Fanz Kafka gefunden werden; so braucht es nicht viel Überlegung um in seiner kleinen, schönen und sicher ironischen Geschichte von 1920, "Kleine Fabel", den gesamten Film wiederzuerkennen. Für diejenigen die die Geschichte nicht kennen:
Franz Kafka hat geschrieben:
">>Ach<<, sagte die Maus, >>die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, das ich Angst hatte, ich lief weiter und weiter und war glücklich das ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu daß ich schon im letzten Zimmer bin und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.<< >>Du mußt nur die Laufrichtung ändern<<, sagte die Katze und fraß sie."


3.) Selbstanalyse des Films:

Der Film erklärt sich von selbst, und deckt ebenso seine feinen Intentionen auf, ohne jedoch dem Zuschauer für Dumm zu verkaufen, und sein Motiv wahrlich auf's Auge zu drücken. Diverse Zitate die diesen Prozeß darstellen, folgen.
Zitat:
My responsibilities as a citizen in this country do not include killing for it!

Zitat:
Do you want me to tell you what's immoral? War is Immoral. Poverty is immoral. Racism is immoral. Police Brutality is immoral. Oppression is immoral. Genocide is immoral. Imperialism is immoral. This country represents all those things.

Zitat:
Senator George McLewis resigned from the Senate today after 22 years of active service. He said in a press conference shortly after that he could no longer participate in what he called the "dismantling of basic freedoms" for which this country was established. In a statement, he mentioned specifically the types of "repressive" legislation which led to the sudden resignation, including the no-knock laws and the stop-and-frisk-laws, cancellation of immunity from the 5th Amemdment cases, preventative detention, the activation of detention camps and quasi-judicial tribunals. He said that he was particullary disturbed by the reported activities of the Punishment Parks.

Zitat:
You are trying to put radicals on trial as scapegoats for the problems you get from your own system!

Der Film spielt an bis zu 6 verschiedenen Fronten: "Tribunal" - das Zelt mit Correctiongroup #638, Die Polizisten unter sich, Correctiongroup #637 die auf 3 Gruppen gesplittet wird, sowie die Komiteemitglieder unter sich. (Hinweis: "Correctiongroup" wird von diesem Punkt an immer mit "CG" abgekürzt).
Als die Komiteemitglieder unter sich interviewt werden, sagen diese sie täten ihr bestes den Angeklagten ein faires Verhör zu geben, und das diese es nicht zu schätzen wüssten. Unnötig zu erwähnen das Watkins hier mal wieder eine Meisterleistung an Schnitt hinlegte, denn während sich die Komiteemitglieder an Aufschnitt und kalten Getränken bedienen, schleppen sich die Mitglieder der CG 637 durch die Wüste. (Weitere schnitttechnische Glanzleistungen folgen in einem seperaten Unterpunkt.) Hier wären nun ein paar medizinische Fakten recht interessant, die als Zitate aus dem Film übernommen sind.
Zitat:
The normal human body temperature is 98.6 degree Fahrenheit. An increase in body temperature of 6 to 8 degrees above normal for any extended period, means death.

Zitat:
The desert heat is a killer. It will burn your skin, sap your strength, cut your efficiency, drain the moisture from your body and thicken your blood unless you drink water.

Zitat:
When the human body has suffered a dehydration of between 6 to 10%, it experiences dizziness, difficulty in breathing, decreased blood volume, indistinct speech and finally an inability to walk. Distance to the United States Flag: 23 Miles.

Nun versetze man sich in die Lage der CG 637 Mitglieder und behaupte allen Ernstes der Park sei eine faire Alternative, wobei man zusätzlich bedenken muss das keines der CG 637 Mitglieder Wasser mitbekommt, das ganze Szenario 3 Tage dauert und die Temperaturen sich bei bis zu 111 Degrees, also ~ 44°, aufhalten. Wenn er (u.a.) eines ist, dann blanker Sadismus (was mitunter dazu führte das man Watkins einen Sadisten schimpfte, was jedoch öberflächlicher gar nicht betrachtet sein könnte.) Er ist allem voran, aus Sicht der Angeklagten, das kleinere, notwendige Übel was die Verurteilten freiwillig in Kauf nehmen, denn so wird jeder Angeklagte vor die Wahl gestellt ob er nun (minimum) 5 bis hin zu (maximum) 21 Jahren oder gar lebenslänglich ins Gefängnis will, als "political criminal", einzig und allein dafür das er seine Meinung sagt, äußert und eventuell lebt (dazu weiter unten mehr).
Man sagt weiterhin, das man froh ist Kamerateams vor Ort zu haben, in der Hoffnung das deren Aufnahmen in einem so-breit-als-möglichen Raum und Rahmen der Sache der Regierung helfen sollen. Die Aufnahmen seien unparteiisch, so heißt es. Dies ist eine Lüge deren Impertinenz schier grenzenlos ist. Ein Schnitt ist meist bzw. immer eine "Lüge" im Dienste des Gesamtbildes, soll heißen, das eine Dokumentation von Geschehnissen, mit nur ausreichend gefilmten Material im Schneideraum quasi jede Form annehmen kann, vom Pro zum Contra, und dies führt Watkins nicht nur hier via Monolog vors geistige Auge des sich-aktiv-am-Film-beteiligenden-Zuschauers; nein, er führt dieses Konzept mit "Punishment Park" als "Fiktiv-Doku" und somit Vertreter des "direct-cinema" - und nichts anderes ist der Film - an sich vors Auge, setzt es somit in die Praxis um. Deshalb, sagte er auch schon so richtig:
Peter Watkins hat geschrieben:
In fact, the only Constitutional freedoms regarding the mass media which exist thus far, are those enabling the media to do whatever they wish with the public (under the guise of 'freedom of speech')

Und selbst wenn die Aufnahmen tatsächlich unparteiisch wären, was sie quasi nicht sein können - so könnten die Aufnahmen niemals der Sache der Regierung helfen. Ein Jeder mit normalem Menschenverstand, "schlägt" sich automatisch auf die Seite der Angeklagten, da sie sehen werden das die Angeklagten dem ausgesetzt sind, was Immanuel Kant schon einst so scharfsinnig als "Vernünftelei" bezeichnete (1). Die Sympathien sind hier also glasklar verteilt, ausgerahmt und mit Steckfähnchen markiert.
Ein Sinn, ja der Hauptsinn der "Aufnahmen" im Zelt während des Tribunals, sowie von den Kamerateams in der Wüste, besteht darin durch schlichte Abschreckung Dritte von Nachahmung und oder Fortsetzung derartiger antiautoritärer Aktivitäten die zur baldigen Anwesenheit vor einem derartigen Tribunal führen könnten, abzuhalten. Somit ist die sublime Intention auch die der (Selbst)Zensur der menschlichen Natur. Der Mensch begrenzt sich ohnehin schon arg und stark genug indem er sich selbst irgendwelche Regeln auferlegt (2) & (3). Wenn der Mensch von allem was ihm glücklich macht und ihm/ihr teuer ist - und unter Umständen gewalttätig, sprich: gegen seinen Willen - getrennt wird, so ist damit zu rechnen das er ggf. seinerseits ebenso zur Gewalt greifen wird (in dem Wissen das diese Aktion weitere Reaktionen hervorrufen kann und allem Anschein nach auch wird, ja, selbst in dem in diesem Moment bewusst ignoriertem Wissen das man Feuer besser nicht mit Feuer bekämpft). Diese aufgrund ihrer universellen Richtigkeit unabstreitbare Tatsache wird auch vom Film via Monolog bestätigt:
Zitat:
I think that people become violent when they are deprived of their basic human needs. I think that they become violent when that is their only alternative to achieving the satisfaction of those needs.

Es ist als gäbe man einem Armen den Schlüssel zum Tresor der größten Bank des Landes und bitte ihn höflichst, an seine Moral appellierend, das Geld doch bitte nicht zu stehlen, sondern stattdessen schön brav weiter in Armut zu leben, denn nur so bräuchte er keine rechtliche Verfolgung zu befürchten und mit dem Gesetz ist das ja immer so eine Sache... aber, "wer am Grill verhungert ist selber Schuld".
"Up is down and black is white" gilt auch auf die Meinungen die hier dargelegt werden, ja, es ist das uraltes Lied vom "Pro & Contra". Beide Parteien des Tribunals, die Komiteemitglieder wie als auch die Angeklagten, sowie weiterhin gen Ende sogar die Polizisten und die Kameracrew, drehen sich mit ihren Argumenten im Kreis; sie sähen ihre Saat auf totem Boden, sie scheinen nicht die gleiche Sprache zu sprechen. So sagte doch auch schon Helvetius:
Zitat:
Nur der Geist vermag den Geist zu vernehmen; er ist eine Saite die nur im Zusammenklang ertönt.
(4)
Selbst in Ingmar Bergmans Szenen einer Ehe hieß es schon einst so richtig - um Helvetius zu untermauern:
Zitat:
Sie verstehen einander nicht. Sie müssen alles erst in eine dritte Sprache übersetzen die sie beide verstehen.

Was diese dritte Sprache ist, erklärt letzter Nebensatz des ersten Zitates im 4. Unterpunkt; jener Nebensatz trifft deshalb so vorzüglich ins Schwarze, weil das dort genannte eben eine der wenigen universellen Sprachen ist, die selbst der größte Idiot versteht. Schopenhauers Definition vom "Eifer" wäre hier wahres Gold wert, so lautet sie doch:
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:
Der Eifer, deshalb blind genannt, macht uns unfähig die fremden Argumente zu erwägen, oder selbst unsere eigenen hervorzusuchen und geordnet aufzustellen.

Weiterhin könnte man hier einwerfen, eben um dies soeben rezitierte in seiner Richtigkeit zu begleiten:
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:
Liebe und Haß verfälschen unser Urteil gänzlich: an unsern Feinden sehen wir nichts, als Fehler, an unsern Lieblingen lauter Vorzüge, und selbst ihre Fehler scheinen uns liebenswürdig. Eine ähnliche geheime Macht übt unser Vorteil, welcher Art er auch sei, über unser Urteil aus: was ihm gemäß ist, erscheint uns alsbald billig, gerecht, vernünftig; was ihm zuwider läuft, stellt sich uns, im vollen Ernst, als ungerecht und abscheulich, oder zweckwidrig und absurd dar.
(5)

4.) Das Tribunal: Farce

Wie in dem dieses Review einleitenden Zitat nachzulesen ist, soll jeder der "Angeklagten" eine Anhörung erhalten. Die entsprechende Anhörung findet für die Betroffenen bestenfalls auf der Meta-Ebene statt. Sie sind in dem Moment für schuldig befunden, als ihre Namen ausgesprochen wurden. Weiterhin sind die besagten Individuen der Laune der Komiteemitglieder ausgesetzt; sowie blanker Willkür, die Urteile, so möchte man glauben (und es fällt schwer irgendetwas anderes auch nur im entferntesten für möglich zu erachten), werden nach Schema F verteilt. Ein Jeder der sogenannten "Angeklagten" muss sich wahrlich so vorkommen wie eine Maus vor einem Tribunal voller Aasgeier, welche der Maus hinterhältigst versprechen sie nicht zu zerfetzen und zu fressen. (Dies ist die zweite, subtilere Anwendungsmöglichkeit von Kafkas oben rezitierter "Kleinen Fabel") (1).
Zitat:
You talk as if this is some great civilized, non-violent place. And it ain't. America is as psychotic as it is powerful, and violence is the only goddamn thing that will command your attention!

Zitat:
I would like to read you something: "The streets of our country are in turmoil. The universities are filled with students rebelling and rioting. Communists are seeking to destroy our country. Russia is threatening us with her might and the republic is in danger. Yes, danger from within and without. We need law and order or our nation cannot survive." We might all be forgiven for supposing those to be the words of our President. But they are not. Those words were uttered in 1932 by Adolf Hitler. We know what kind of law and order followed in that country!

Der Vergleich mit "Nazi-Germany" ist überaus angebracht (ebenso die Erwähnung und (früher im Film auch die vorkommende) Vergleichung mit Hitler), so erinnern doch die Verhörszenen stark an die McCarthy-Ära, und dies war, mit Ausnahme der gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen auch nichts anderes - ein demütigendes, enthumanisiertes, gefährliches Absprechen von Rechten die man als selbstverständlich erachtete; eine Prozedur die die Betroffenen sozusagen "brandmarkte", und ein Musterbeispiel dessen ist, was passieren kann, wenn man nichts aus der (in diesem Fall sogar jüngsten) Vergangenheit zu lernen imstande ist. Hier wäre nun ein guter Punkt um ein Zitat aus Oliver Stones besten Film, JFK, anzuführen, das dieser Prozedur einen passenden Namen gibt:
Zitat:
When it feels like it, smells like it and looks like it, you call it what it is: facism!

Aus einer geschnittenen Szene desselben Films stammt ein weiteres Zitat was auch auf "Punishment Park" wunderbar passt:
Zitat:
Dr. Best, Himmler's right-hand man in the Gestapo, once said: "As long as the police carries out the will of the leadership, it is acting legally." And that mindset allowed for over 400 political murders to occur in the Weimar Republic from 1923 to 1932.

Im Grunde wird es schon gen Anfang des Films in aller Deutlichkeit gesagt als es da heißt "quasi-judicial tribunals". Hier bietet sich nun eine hervorragende Möglichkeit um auf Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung zu verweisen, denn beide Pole, der Wille und die Vorstellung sind in diesen Szenen klar und deutlich vorhanden, so ist die USA (durch ihre Vertreter) klar als der Wille zu definieren, wohingegen man die Angeklagten demnach folgerichtig als Vorstellung zu klassifzieren hätte; sie sind "der Wille und die Vorstellung" ihrer jeweiligen Standpunkte. Um dies zu verdeutlichen: Die US Regierung ist der stärkerer Wille, der, nach Schopenhauer, stets regiert, und diese Stärke wird hier durch Überlegenheit in bloßer Anzahl, sowie in Autorität dargelegt - Es drängt sich das Bild des sprichwörtlichen "Sitzen am längeren Hebel" auf, nicht wahr? Desweiteren wäre die Regierung in diesem Falle das, was Schopenhauer demnach als objektive Auffassung der Welt darstellte; sie wäre somit physisch. Die Angeklagten hingegen verkörpern die Welt als Vorstellung; sie sind die idealistische Ansicht der Welt, daher die metaphysische. Jedoch hört ein Ideal auf Ideal zu sein sobald es realisier(t)bar ist, und sofort spinnt der Wille sich ein neues Ideal, was zu immer weiteren, eventuell auf den ersten Blick konfus wirkenden Verbesserungsvorschlägen / Modifikationen zu führen vermag. Und dies ist eventuell (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) der Grund für die Anwesenheit mancher der Angeklagten, denn sie sagen ja selbst schon zu Beginn, das sie nicht wüssten weswegen man sie verhaftet habe.

5.) Stilistische Betrachtung:

"Direct cinema", selbst diese Filme, bzw. derartige (mir bekannte) Vertreter sind meist immanenter - dieser jedoch ist transzendenter Natur, was u.a. mit derartigen Kleinigkeiten bewerkstelligt wird, wie das selbst die Kameracrew den CG 637 Mitgliedern ein "sit down" zuruft, als ein Scharfschütze auf sie anlegt und sie auffordert sich hinzusetzen und zu ergeben, was sich somit als, laut Regeln dieses "Spiels", rückwirkende Umwandlung in ihr vorher verkündetes Urteil auszeichnet.
Man muß stets im Hinterkopf behalten, das die "Angeklagten" (im Tribunalszelt) nicht nur an den Stuhl gekettet werden, sondern ihnen auch Handschellen angelegt sind, und meist mindestens ein Marshal, bis hin zu 3 Marshals, hinter ihnen steht(en); demnach folgerichtig sehen wir auch desöfteren einen "posierenden" Marshal, mit Waffe im Holster. Die konstante Präsenz des Gesetzes (außerhalb dessen was die Tribunalmitglieder repräsentieren) und die durch eben dieses Gesetz repräsentative Einengung der menschlichen Natur, Freiheit und des menschlichen Willen im allgemeinen ist somit kontinuierlich bewerkstelligt und ihre bedrückende Wirkung ist spürbar; beinahe schon greifbar.
Das Format des sogenannten "Vollbild", dies ist, keine Frage, ein beengendes und manchmal sogar höchst unreales Format, wird hier bis zum äußersten genutzt. Eben aufgrund zuvor genannter Beengungseffekte werden so manche Szenen, insb. jedoch die Tribunalszenen transzendiert und die Beengung die ein jeder der Angeklagten spüren muss, wird auch für den Zuschauer spür-, beinahe riechbar. Durch dies Vollbildformat, welches hervorragend geeignet ist um Höhen und Tiefen darzustellen (Man denke an Shining), wird die Sicht auf das wesentliche beschränkt (im positiven Sinne), was zugleich eine Metapher ist, da die CG637 in der "großen, unendlich weit scheinenden" Wüste, dennoch eingeengt ist - mit der Polizei auf ihren Fersen.
In Filmfachbegriffe gepackt, beinhaltet "Punishment Park" ein wahres Arsenal an Zutaten. Zunächsteinmal ist der Film ganz klar eine "artisanal production." Der Film arbeitet mit "direct sound" (und auch einem kleineren eigens komponierten Tonteppich). Bzgl. des Bildes allein arbeitet der Film mit "zoom", "whip pan", "establishing shot", "reestablishing shot", "racking focus", "reframing", "deep space", ja sogar dem "tracking shot", von alledem rechnet man in den hier gegebenen örtlichen Rahmen, zumindest mit letzteren nicht. Man darf von einen derartigen Film nicht verlangen das er einem Bilder bringt die "deep focus" sind (welche zwar sporadisch aber dennoch vertreten sind); nichts könnte verheerender sein als eine derartige Annahme oder gar Forderung (1). Stattdessen bringt uns "Punishment Park" teils hochgradig unscharfe, manchmal sogar verwaschene Bilder. Natürlich ist dies nicht schön; stellt sich aber auch zugleich die Frage: Warum sollt' es denn schön sein? Wozu eine derartig, streng genommen, traurig-pessimistische Geschichte in fröhlich-optimistischen Bildern erzählen? Dies vorliegende Konzept muss so sein, (und ist folgerichtig auch mit Bravura ausgeführt), da sonst die visuelle Ebene der narrativen widersprechen würde, und man unter Umständen einem mit-sich-selbst-unvereinbaren-Clinch erzeugt hätte, der den Film nur schaden kann (2).
Ironisch ist hingegen die Montage bzgl. Officer Edwars, der, anwesenden Militärs, Polizisten und National Guard Angehörigen Waffenfunktion- und auswirkungen erklärt und vorführt, was immer wieder durch Gegenschnitte der sich bereits in der Wüste befindlichen CG 637 Mitglieder, sowie der Mitglieder der CG 638, welche genau dies noch vor sich haben, nun aber erstmal die vielleicht größere Farce bewerkstelligen müssen, mit hochgradig bornierten Repräsentanten der USA zu "argumentieren", unter- oder richtiger, aufgebrochen wird. Dies ist also ein Vorführeffekt - sogar ein Lehrbeispiel dessen - wie man an drei verschiedenen Fronten zugleich sein kann, und man die jeweiligen narrativen Fäden weiter verfolgt. Doch zum Thema "Schnitt" im folgenden Abschnitt mehr.
Im übrigen möchte ich hier die darstellerischen Leistungen hervorheben. Alle, ausnahmslos alle dieser Leistungen, sind absolut glaubwürdig, was eventuell daran liegen könnte, das nahezu jeder der hier vor die Kamera kommt, kaum bis hin zu keine Schauspielerfahrungen hat(te), was bewusst paradox klingt und auch so wirkt; doch tut dies dem realistischem Spiel der Akteure keinerlei Abbruch - im Gegenteil, es untermauert es sogar, mit einer Substanz die, getrocknet, fester ist als Beton. Hinzukommt das diese Leistungen mit der des Films, welche ich bis hierhin versucht habe darzustellen, und was sogleich fortgesetzt wird, "Hand in Hand" gehen, und es gibt quasi nichts was der Zuschauer lieber sieht, oder?

6.) Schnitttechnische Betrachtung:

Watkins bedient sich hier mehrerer Schnittvariationen, von denen sich bei erster Sichtung nur wenige unterscheiden bzw. hervortun, doch wenn man sich den Film unter diesem Blickwinkel allein anschaut, werden so manche davon gleich sehr viel deutlicher:
Der metaphorische Schnitt: Als auch der Anwalt der die Angeklagten unterstützen soll, einschreitet: "I think we should realize the dangerous degree in which the violence of the students is now being overplayed and the violence of the establishment is being deliberately minimized." Wir sehen vorher das Resultat eines Übergriffes der CG 637 Mitglieder auf einen Scharfschützen, welches 2 Tote zur Folge hat (Den Schützen und 1 CG 637 Mitglied), und währenddessen sowie danach, wieder die Verfolgerperspektive der Polizei.
Der Song des CG 638 Mitgliedes Nancy Smith sowie die dazugehörige Montage ist ein wahres Feuerwerk an Metaphorik: Die Kamera ist auf den Senator: "Celibate ass-lickers / Riding cars made of gold", Schnitt auf Verfolger-P.O.V. eines der National Guard Jeeps: "Taken from the poor they've gathered to their fold / Father Pig leads a flock of sheep. Father Pig makes..." Schnitt auf die übrigen CG 637 Mitglieder die sich sitzend wärmen (aufgrund des gravierenden Temperaturunterschiedes in der Wüste am Morgen im Vergleich zum restlichen Tage) "... ready for the slaughter. Celibate snatch-men / Their rhytm is the way." Schnitt zurück ins Tribunal, auf den Vorsitzenden: "Poor ladies get the babies", Schnitt zu Nancy Smith selbst: "But Father Dick has the say." Unnötig die damals nicht gleichberechtigten Frauen für letzteren Satz als Metapher anzuführen. Hinzukommt die Frage von Nancy Smith "Who's dying? Who's dead that was sitting right here?", gefolgt von einem Schnitt auf 2 Leichen der CG 637. Wie es zu ihrem Tod kam, sowie zum Mord an einem Polizisten auch, wird nicht gezeigt, somit haben wir es hier mit mehreren narrativen Ellipsen zu tun, (zu Ellipsen weiter unten mehr) und dies sind nur 2 Beispiele hierfür; außerdem ist letzteres auch ein Beispiel für den Aktion-Reaktion-Schnitt ((somit vereinigt dieser Schnitt allein also 3 Deutungsvariationen in sich), wofür Beispiele noch folgen) und diese Prozedur reiht sich wunderbar in die Gesamtästhetik des Films ein, und zeigt gleichzeitig ihr tadelloses funktionieren.
Der "Auf den Punkt" Schnitt: Officer Edwards zeigt seinen Leuten wo sie ein Individuum treffen müssen, sollten sie dies als nötig erachten. Watkins schneidet auf die CG 637 die ihren Vorsprung vor der Polizei aufbauen wollen, ein Mitglied dieser Gruppe sagt noch: "I don't think they're trying to kill us." Wieder Schnitt auf Edwards: "Get him in that area, he's going down, he's got to go down and he's gonna go down hurting." Wieder Schnitt auf das CG 637 Mitglied: "I think they're just making it difficult." Dieses spezielle Mitglied sagt auch das er die Möglichkeit in einer Revolution Gewalt anzuwenden nicht nur nicht bedacht habe, sondern auch für unnötig erachte. Doch hinterher ist man immer schlauer, so auch dieses CG 637 Mitglied, welches (in einer herausragenden Sequenz, siehe weiter unten) erschossen wird.
Der Aktion-Reaktion Schnitt: Ein Mitglied der CG 637 sagt: "Everyday you walk outside your house, some guy takes a shot at you, man, some pig in a goddamn uniform." Schnitt zu Edwards, der die Streuwirkung der Schrotflinte vorführt: "Watch the pattern of the buckshot." Schnitt zurück auf CG 637 Mitglied: "And they say "this is democracy"." Schnitt zurück zu Edwards der abdrückt. (Das "takes a shot at you" wird hier anhand dieser Schnittprozedur metaphorisiert, hätte von daher auch unter metaphorischen Schnitt gepasst, und deshalb kann es auch als Klon dieser beiden Schnittpraktika angesehen werden.)
Außerdem: Ein Mitglied der CG 638 sagt "When fired upon, I believe in firing back." Wir sehen als nächstes wie zwei Mitglieder der CG 637 von der Polizei niedergeschossen werden. Weiterhin ist hier die dramaturgische Zuspitzung einzuordnen, denn als ein Polizist von Angehörigen der CG 637 getötet wurde, traten spezielle Maßnahmen ein, die besagen das alle Mitglieder der CG 637 bei Sichtung sofort zu verhaften sind, und falls notwendig, Gewalt anzuwenden ist, und je nach Ermessen auch scharf geschossen werden darf. (Diese Maßnahme unterliegt bloßer Willkür seitens der Polizisten und ist eine wunderbare Bestätigung dessen was ich zuvor via Schopenhauer-Zitat [Liebe und Haß...] anmerkte).
Der non-lineare Schnitt: Watkins springt auch, obgleich selten, auf der Zeitebene hin und her um somit irrwitzige Schnitte zu vollbringen, wie wenn z.B. ein Mitglied der CG 637 niedergeschossen wurde, um ihn danach in verhältnismäßig guter Gesundheit sagen zu hören und sehen: "It's just a matter of staying alive." Desweiteren hören wir verschiedene Meinungen von CG 637 Mitgliedern, die quasi alle nicht-gewalttätiger Natur sind, die in einem Moment sitzen und verschnaufen, und sich im nächsten Moment in "deep space" durch die Wüste schleppen; dies wird kontrastiert mit einem Schnitt auf die Polizeikräfte die ihnen bereits auf den Fersen sind, wobei insbesondere hier die im vorherigen Abschnitt angesprochene Maßnahme der Polizei zu bedenken ist.
Der transzendierende Schnitt: Als von 4 Mitgliedern der CG 637 2 erschossen werden, später noch ein dritter, (ich möchte hinzufügen, während die Kameracrew dabei ist und die Kamera "läuft", sprich "on-screen"), und dies nur weil sie Steine in Richtung National Guard werfen um ihren Frust Luft zu machen, und selbst die Kameracrew in Deckung geht und ein "Cut the Camera. Cut! Cut!" zu hören ist, ist definitiv der Punkt erreicht an dem der Film die so wahnsinnig schwer zu erzeugende Transzendenz vollführt hat. Merkwürdigerweise wirkt dies gerade deshalb so seltsam echt, da dies der einzige Punkt im Film ist, wo auch Watkins selbst nicht wusste, was passiert - der Effekt war keinetwegs kalkuliert, wie alles andere im Film, sondern ein Zufallsprodukt; ein Unfall welcher sich als Segen herausstellen sollte. Hinzuzufügen wäre die Arroganz von Officer Edwards und seinen Leuten, die glauben mit gutem Recht zu handeln, als sie ein Mitglied der CG 637 niederschießen, welches wegzurennen versucht, obgleich dies Unterfangen eine klassische Verzweiflungstat ist, da er eben keine Chance hatte und sprichwörtlich "nowhere to go"; und selbst der Dokumentarist darauf schreit "We've seen this! This is going on NBC!" worauf Edwards zuerst antwortet "I don't give a flying fuck what you've seen. I don't care if you take it and jam it up your ass." um danach hinzuzufügen "As soon as you're through with your little hysterics, we can go on with these proceedings." Besonders in diesem Zusammenhang ist das zweite Zitat des Films "JFK" zu bedenken.
Der elliptische Schnitt: Soeben genanntes Beispiel ist zugleich ein elliptischer Schnitt. Ellipsen, sprich Zeitsprünge die den Verfremdungseffekt bewirken könn(t)en das man meint irgendetwas verpasst zu haben, sind eine ganze eigene Kunst für sich. Sie sind es die von jetzt auf gleich zu Eskalationen in der Handlung führen können (wie auch der non-lineare Schnitt, die sich in ihren Eigenschaften recht ähnlich sind - jedoch einen gravierenden Unterschied beinhalten). Ellipsen sind Straffungen des narrativen Zeitraums und dienen der Darstellung des jeweiligen Zeitrahmens. Vorhergenanntes Beispiel ist insofern ein elliptischer Schnitt das er ebengenanntes vollbringt: In einem Augenblick sehen wir noch 4 Mitglieder der CG 637, die soeben den Scharfschützen "ausgeschaltet" haben und sich hinter einem Felsvorsprung verschanzen, im nächsten Moment haben sie keine Waffen mehr und die Polizei will sie festnehmen, was zu vorhergenannter Eskalation führt. Ein weiteres Beispiel ist die "Militantengruppe" der CG 637 die oben genannten Polizisten getötet haben, was die benannte dramaturgische Zuspitzung zur Folge hat. Nach dem oben genannten Beispiel des metaphorischen Schnittes, welcher sich jedoch, wie schon erwähnt als "Triple-Header" herausstellt, ist hier ein "reinrassiger" elliptischer Schnitt festzustellen als wir von jetzt auf gleich erfahren das 2 Überlebende CG 637 Mitglieder einen westdeutschen Tontechniker als Geisel genommen haben. Wir erfahren nie wie oder wann. Ebenso wenig erfahren wir was der getötete Polizist am Haus wollte, wo man ihn letztlich tötete, was den Stein, so könnte man meinen, ins Rollen bringt, insbesondere wenn man bedenkt das keine Filmminute vorher noch gesagt wird: "Time remaining before the beginning of the police pursuit: 50 minutes".
Die Kunst des elliptischen Schnittes besteht darin, im Gegensatz zum non-linearen Schnitt, dennoch eine Möglichkeit der linear-narrativen Nachvollziehbarkeit sowie Glaubwürdigkeit bestehen zu lassen, was hier jedoch in genannten Beispielen arg strapaziert wird. Der non-lineare Schnitt springt, wie auch der elliptische auf der Zeitachse, nur das letzterer in nur eine Richtung kann, vorwärts; der non-lineare kann quasi zu jeder Zeit in jede Richtung, und deshalb ist die Beherrschung des elliptischen Schnittes soviel schwerer, eben weil seine Auswirkung um so vieles größer ist; bei quantitavier Unterlegenheit im Vergleich zum non-linearen Schnitt, denn letzterer kann sich sozusagen selbst vervollständigen und ggf. korrigieren im Sinne von ergänzen; seine Schlüssigkeit ist also automatisch gegeben.
Der prophetische Schnitt: Als Nancy Smith aufgeregt schreit "You're gonna put a bullet..." schneidet Watkins urplötzlich auf die oben erwähnten 2 Leichen der CG 637 Militantengruppe und nimmt somit vorweg, was demnächst (im Falle der CG 638) erneut passieren könnte. Weiterhin ist dieser besondere Fall ein Hybrid aus den Schnittverfahren "Aktion/Reaktion", "Auf den Punkt" sowie "Ellipse".
Radiodurchsagen: Ein nicht zu unterschätzendes Element des Films sind die Radiodurchsagen. Folgendes Beispiel schließt unmittelbar an eben genannte Sequenz an, und schildert diese somit, wenn man alles vorhergenannte bedenkt, als Bravuravorführung der Intention des Films.
"We Americans are known throughout the world as forward-looking people. The President said the USA is a symbol of progress, of hope and of just and orderly growth". Dies wird fortgeführt mit "B-52 bombers hit guerilla infiltration routes along the Cambodian border north of Saigon today." Das Maß der Ironie, der Realitätsverfemdung sowie Verzerrung dieser seitens der US Regierung - in Betracht der hier gezeigten Geschehnisse - könnte kaum größer sein, und es ist durchaus denkbar das sich beim Zuschauer ein Lächeln, Grinsen oder gar Lachen zeigt bzw. hörbar macht, oder aber das sich blanke Empörung einstellt. (1)
"Punishment Park" ist ein schier unübertreffliches Beispiel dafür was man mit Schnitt erreichen kann, wozu ein Film, in den Händen eines Visionärs in der Lage ist. (2)

7.) Aktion - Reaktion = Teufelskreis:

Man beachte nur einmal die Berufe der Komiteemitglieder: Offizier der US Legion, Senator, Soziologie-Professor, Hausfrau und Vorsitzende der stillen Mehrheit für ein vereinigtes Amerika, Mitglied der Musterungsstelle für Wehrpflichtige (davon sitzen im Tribunal mehrere), Lehrer & Journalist, sowie ein FBI Agent... dies alles ist die Bestätigung dessen, was ich oben bereits anführte, das die Sympathien des Zuschauers wissentlich klar verteilt sind, was man den Film aber nicht ankreiden kann, eben da der - sagen wir mal - vernünftige Mensch, automatisch der "Partei der Angeklagten" angehören wird; und eben dadurch schafft es der Film auch, das man sich aktiv am Geschehen beteiligt, was, diese ganze Konstellation überblickend und im Widerspruch mit der offensichtlichen dramaturgischen Kalkulation stehend, schon ein kleines Wunder ist, oder aber genauer gesagt, es ist lediglich die erfüllte Pflicht des Regisseurs, deren wir hier Zeuge werden. Als Erweiterung von oben angeführter philosophischer Betrachtungsweise gewisser Elemente des Films, folgt hier nun eine psychologische Betrachtungsweise.
In psychologische Begriffe gefasst, ist die USA, im Film vertreten durch das Komitee und die Polizei im Großen und Ganzen, das was Jung die "Kollektivpsyche" nannte. Die "CG 637 & 638" (oder jede vorhergehende und folgende, was dies betrifft) wären demnach Revolutionäre, Rebellen, schlichtweg Aussteiger bzw. Verweigerer jener Kollektivpsyche der sie sich nicht länger anpassen können, da sie ihnen aus diversen Gründen widerstrebt; sie repräsentieren kurzum das was Jung so richtig als "Individuation" bezeichnet. Unter Individuation versteht Jung folgendes:
Carl Gustav Jung hat geschrieben:
Individuation bedeutet: Zum Einzelwesen werden, und, insofern wir unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden. Man könnte "Individuation" darum auch als Verselbstung oder Selbstverwirklichung übersetzen.

Ein herausragendes Beispiel hierfür, findet sich via Monolog auch im Film wieder. (1)
Zitat:
The only legimitate thing that I can think of doing is to use my body or well-being, my freedom or life to back up what I say.

Nun befürchtet die Regierung natürlich, genaugenommen sogar zurecht, das sich, wenn sich ersteinmal genügend Individuen zusammengefunden haben, eine "alternative Kollektivpsyche" bilden könnte, die der Regierung u.U. ihre Autorität streitig machen kann, auch "Revolution" genannt (2), und dies wird nun zu unterbinden versucht, mit Hilfe von Strafmaßnahmen, und daher ist der Titel "Punishment Park" so treffend wie nur irgend möglich. Vergessen wir aber nicht das folgende Bruchstück des dieses Review einleitenden Zitats: "without the necessity of evidence" und was hat man: Freiheitsberaubung sowie Verletzung der Unantastbarkeit der Menschenwürde - unter Umständen basierend auf bloßem Hörensagen -, nicht mehr und weniger; ergo kalkuliertes Verbrechen seitens der Regierung - denen doch eben als eines der "obersten Gebote" das Wohlergehen ihrer Bürger am Herzen liegen sollte. Freud sagte es schon so treffend, und deshalb ist es hier auch in voller Länge wiederzufinden:
Sigmund Freud hat geschrieben:
Bei den Einschränkungen, die sich nur auf bestimmte Klassen der Gesellschaft beziehen, trifft man auf große und auch niemals verkannte Verhältnisse. Es steht zu erwarten, daß diese zurückgesetzten Klassen den Bevorzugten ihre Vorrechte beneiden und alles tun werden, um ihr eigenes Mehr von Entbehrungen loszuwerden. Wo dies nicht möglich ist, wird sich ein dauerndes Maß von Unzufriedenheit innerhalb dieser Kultur behaupten, daß zu gefährlichen Auflehnungen führen mag. Wenn aber eine Kultur es nicht darüber hinausgebracht hat, daß die Befriedigung einer Anzahl von Teilnehmern die Unterdrückung einer anderen, vielleicht der Mehrzahl, zur Vorraussetzung hat, und dies ist bei allen gegenwärtigen Kulturen der Fall, so ist es begreiflich, daß diese Unterdrückten eine intensive Feindseligkeit gegen die Kultur entwickeln, die sie durch ihre Arbeit ermöglichen, an deren Gütern sie aber einen zu geringen Anteil haben. Eine Verinnerlichung der Kulturverbote darf man dann bei den Unterdrückten nicht erwarten, dieselben sind vielmehr nicht bereit, diese Verbote anzuerkennen, bestrebt, die Kultur selbst zu zerstören, eventuell selbst ihre Voraussetzungen aufzuheben. Die Kulturfeindschaft dieser Klassen ist so offenkundig, daß man über sie die eher latente Feindseligkeit der besser geteilten Gesellschaftschichten übersehen hat. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß eine Kultur, welche eine so große Zahl von Teilnehmern unbefriedigt läßt und zur Auflehnung treibt, weder Aussicht hat, sich dauernd zu erhalten, noch es verdient.

Man braucht kein Philosophieprofessor, Psychologe oder Genie zu sein, um die simple Logik dahinter zu verstehen und ihrer Richtigkeit zustimmen zu können. Dies Zitat wird weiterhin durch einen Monolog von Nancy Smith bestätigt, so ist sie es doch die da sagt: "I believe in destroying everything that you stand for, and destroying everything that you're trying to do."
Eine weitere Aktion/Reaktion ist das Aufteilen der CG 637 in vorerst 2, insgesamt aber 3 Gruppen: In Militanten, Semi-Militanten und Pazifisten. Lediglich letztere Gruppe, ist von folgendem auszuschließen; besondere bzw. zumindest gesteigerte Gültigkeit jedoch ist ihr in Bezug auf den Polizeiapparat des Films zuzuschreiben; so sagte Freud doch über den Herdentrieb:
Sigmund Freud hat geschrieben:
Aber die Masse zeigt, wenn wir sie als Ganzes ins Auge fassen, mehr; die Züge von Schwächung der intellektuellen Leistung, von Ungehemmtheit der Affektivität, die Unfähigkeit zur Mäßigung und zum Aufschub, die Neigung zur Überschreitung aller Schranken in der Gefühlsäußerung und zur vollen Abfuhr derselben in Handlung, dies und alles Ähnliche, was wir bei Le Bon so eindrucksvoll geschildert finden, ergibt ein unverkennbares Bild von Regression der seelischen Tätigkeit auf eine frühere Stufe, wie wir sie bei Wilden oder bei Kindern zu finden nicht erstaunt sind.

Und wieder ist es ein metaphorisches Gleichnis Schopenhauers das die Sache auf den Punkt bringt.
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:
Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nahe zusammen, um durch die gegenseitige Wärme sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder voneinander entfernte. Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so das sie zwischen beiden Leiden hin- und hergeworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.


8.) Die Reaktionen auf den Film zur Zeit seiner Veröffentlichung:

"They never knew what hit 'em!" Die USA war allzuoffensichtlich nicht vorbereitet auf Peter Watkins und auf das "revolutionary/subversive cinema", denn man bedenke zu welcher Zeit der Film gedreht wurde, subversive Filme waren die Antwort auf soziale Mißstände, so wie dieser es vorführt, und sie bewirkten entsprechende Reaktionen, sowie man diesen Film mit "Abscheu abstrafte". Aufstände waren keine Seltenheit, die Unfairness, wie auch oben schon erwähnt, war ubiquitär und nun kommt ein Engländer daher, der schon mit vorhergehenden Filmen für Furore sorgte... 1 + 1 ergibt nach wie vor 2.
Wie zu erwarten war, und wie ich eben kurz erwähnte, waren jene Reaktionen alles andere als positiv. Sie waren zu minimum 90% negativ. "Negativ" ist hiermit zu unterteilen in die eigentliche Bedeutung des Wortes, sowie in die erweiterte, was heißen soll: Schockierend. Watkins zeigte Amerika ein Amerika das diejenigen welchen die sich nicht gegen ihr System auflehnen (weil sie dazu keinen Grund sehen, oder in ihm glücklich sind, oder glauben glücklich zu sein oder aus welchem Grund auch immer), so noch nie gesehen haben - und, was man ihnen auch gar nicht verübeln kann -, so nicht sehen woll(t)en. Nur einem Nichtamerikaner kann ein derartig schonungsloser Film überhaupt gelingen. Watkins hielt Amerika einen Spiegel vor, und es erschrack vor seinem eigenen Anblick, ganz nach dem Motto: "Face the ugly truth!" Amerika ist eine Meisterin darin sich in der Weltöffentlichkeit als moderne Cleopatra oder sonst ein antikes Schönheitsideal zu präsentieren, als metaphorisches "Phantom der Oper", und wahrlich und wahrhaftig hat ihr Watkins die Maske abgenommen und als das Phantom der (Welt)Oper demaskiert wie nur wenige (sowohl vor (Godard (1)), wie als auch nach ihm - lediglich Michael Moore kommt hier noch ran (von den mir bekannten!)) es je vollbracht haben.
"Punishment Park" wurde mitunter deshalb so heftig attackiert weil nicht ein einziges Wort im Film positiver Natur bzgl. Amerika ist - und es darf auch keines fallen, da es das gesamte Konzept ruinieren, und somit "per definition" kontraproduktiv sein würde. Es geht hier schlicht und ergreifend um soziale Mißstände. Wie soll man da noch das entsprechende Land loben können, geschweigedenn: warum sollte man dies tun?! Dies wäre heuchlerische Bigotterie, nicht mehr und nicht weniger! (2) Oder, in den Worten eines CG 638 Mitgliedes:
Zitat:
You've spent 50 years evolving a propaganda system that'll take the truth and change it into what you wanna hear. You don't wanna hear shit that's gonna mean you might have to give up something! You don't want it.

Man könnte diesbezüglich durchaus soweit gehen zu sagen das der Film ein Propagandafilm ist (jedoch nicht "antiamerikanisch", sondern "anti-establishment"); und man hätte Recht (3). Dies würde, neben dem vorher bereits geschriebenen verdeutlichen warum es nur ein sehr streng limitiertes Release seinerzeit gab, was auch sehr kurz danach komplett getilgt und warum der Film bisher noch nie im US-TV gezeigt wurde (4). Jedoch, Vorsicht! Nur ein vollkommener Idiot vor dem Herren würde hier denken, das der Film ja nur die USA betrifft, und schlimmer noch, dies damit zu begründen versuchen das die jeweilige Epoche doch schon vorbei sei. Seine Beschränkung auf die USA, eben weil der Film dort spielt, wäre nur ein Pretext; ein dummer und allem voran ein gefährlicher, hervorgebracht von einem kaum vorstellbarem Ausmaß von Ignoranz und offensichtlicher Kurzsichtigkeit; ein "Pretext" dem dann seine Endgültigkeit - die eben nicht der Fall ist - (nicht umsonst fällt im Film sowie hier der kurze Vergleich mit Nazi-Germany & Hitler,) angedichtet wird!
In Robert Altmans schönen Film Nashville fällt diesbezüglich ein hübscher Satz, der meine Aussage unterstreicht:
Zitat:
You're all politics.

Und um im Englischen zu bleiben, sei weiterhin hinzugefügt: wheter you know it or not, wheter you like it or not; wheter you want it or not! Der Film betrifft alle und jeden. Er ist universell, und diese Zutat ist so selten, das selbst das Wort "ephemer" noch hochgradig ungenau ist - und eben genau aus diesem Grunde ist der Film zu lancieren. Er ist mit seinen 87 Minuten ein Pulverfass an Subversion wie es sie pro Dekade oder aller viertel-Jahrhunderte nur einmal gibt - im absoluten Höchstfall!

Fazit:

Fakt ist das "Punishment Park" auf vier Ebenen ist was er ist - auf filmischer Ebene: Ein Zeitdokument von unsagbarer Aktualität und somit gleichzeitig von ebensolcher Zeitlosigkeit, sowie ebenso der vielleicht sogar subversiveste Film der Filmgeschichte. Ein Film der die Methodik des "direct cinema" annimmt und projiziert, sowie teils sogar transzendiert. Auf einer anderen Ebene ist er weiterhin ein Angriff auf das was weltweit als "Demokratie" gilt, indem er zeigt wie leicht sie von einer Regierung missbraucht und aus den Angeln gehoben werden kann - und wie leicht es zu sein scheint, seiner angeblich "unantastbaren Menschenwürde" (1) beraubt zu werden. Auf einer dritten Ebene, ist der Film ein Plädoyer für vielseitige Berichtserstattung und somit ein Angriff auf das was Watkins "Mass-Audiovisual-Media" betiteln sollte (siehe Aufsatz Media Crisis). Auf seiner vierten Ebene ist er eine Allegorie: Die zivilen Opfer in Kriegszeiten sind meist oder gar immer die höchsten, so auch hier, denn die Mitglieder der CG 637 sind Zivilisten, und die Opfer der Polizei. Jene, welche demnach mit "Armee" gleichzusetzen wäre, und auch ist, da auch die National Guard dabei ist, hat verhältnismäßig geringe Opferzahlen, da sie "nur 2" zu beklagen haben. Natürlich sind die Köpfe des Ganzen die Regierungsmitglieder, in diesem Fall die Komiteemitglieder welche in ihrem Zelt sitzen, nach Bedürfnis essen und trinken können und keinerlei Verluste zu beklagen haben, aber auch aufgrund von Borniertheit und oben genannter Schopenhauer'ischer Definition des Eitels keine Einsicht zeigen - sie sind die wahrlich zu bemitleidenden.
Saint Augustine hat geschrieben:
No man is fit to inflict the Punishment until he has banished hate from his heart.

Man kann den Film lieben (aus Gründen die ich glaube angeführt zu haben) und man kann den Film (aus genau denselben Gründen) hassen; man kann ihn jedoch nicht anschauen und aus dem Gedächtnis verbannen, und dies ist, egal ob man den Film nun hasst oder liebt, unabstreitbar seine größte Qualität!
Das Schlußwort soll jedoch einer der ganz großen Denker haben und geben, da ich finde das es hier wunderbar passt und dem nichts weiter hinzuzufügen ist!
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:
Nur sofern es Stoff zum Denken gibt, vermehrt es unsere Einsicht und eigentliches Wissen.

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Die Wahrheit ist für wenige, der Trug so allgemein wie gemein. Gracián
Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, daß er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt. Schopenhauer
Wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Wert mehr, daß Menschen leben auf Erden. Kant
Der Mensch wird frei geboren, und überall ist er in Ketten. Rousseau
I gave up on my species. Carlin

Tod dem € und der EUdssr!


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BeitragVerfasst: 3. Jun 2011, 06:59 
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Quellen:
Peter Watkins' Aufsatz: Media Crisis
Carl Gustav Jung: Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten
Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse und Die Zukunft einer Illusion
Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung
Franz Kafka: Sämtliche Werke
Kristin Thompson & David Bordwell: Film History: An Introduction. 3rd. Edition/International Edition (Übersicht fachspezifischer Begriffe)

Fußnoten:
1.1 Zumindest ist mir bis heute kein Film in diesem Genre bekannt, den ich auf eine Stufe mit "The War Game" stellen würde.
1.2 Ich zähle Peter Watkins zu meinen Top 10 Regisseuren (und dieser Film ist nur ein Grund dafür); sowie als die #1 in der Kategorie Dokumentation (teils mit (ggf. auch ohne) fiktive(n) Elemente(n)). Desweiteren steht der hier besprochene Film zum Zeitpunkt der "Veröffentlichung" dieser Review auf Platz #2 der Liste meiner Lieblingsfilme.
1.3 Das vermutlich etwas irritierende, kursiv gehaltene "Whoohh, it's gonna get hot - It's gonna get real hot!" ist nicht nur auf den narrativen Rahmen der Wüste bezogen, sondern auch auf die teils sprichwörtlich hitzigen Wortgefechte im Tribunalszelt. Als ich dann Schopenhauer noch am selben Tag weiterlas, fand ich folgendes Zitat, in dem er mein "epigrammatisches Förmelchen" - wenn ich mich dessen rühmen darf - auf die ihn typische Weise gar bestätigt, (dessen ich mich selbstverständlich sehr freue).
Arthur Schopenhauer hat geschrieben:
Der Intellekt, als bloßes Werkzeug des Willens, ist von ihm so verschieden, wie der Hammer vom Schmidt. So lange, bei einer Unterredung, der Intellekt allein tätig ist, bleibt solche kalt. Es ist fast als wäre der Mensch selbst nicht dabei. Auch kann er dann sich eigentlich nicht kompromittieren, sondern höchstens blamieren. Erst wann der Wille ins Spiel kommt, ist der Mensch wirklich dabei: jetzt wird er warm, ja, es geht oft heiß her.

2.1 Die "Formel" "apotropäischer Euphemismus" sowie ihre Deutung ist oben genanntem Buch von C.G. Jung entnommen. Als ich dies laß, wusste ich sofort das ich sie hier mit "einarbeiten" werde.
3.1 Kants Definierung von "Vernünftelei", sowie sie im Schopenhauer-Buch: Die Welt als Wille und Vorstellung II/I abgedruckt ist, lautet:
Immanuel Kant hat geschrieben:
denn dies besteht eben in einem Subsumieren von Begriffen unter Begriffe, ohne Rücksicht auf den Ursprung derselben, und ohne Prüfung der Richtigkeit und Ausschließlichkeit einer solchen Subsumtion, wodurch man dann, auf längerem oder kürzeren Umwege, zu fast jedem beliebigen Resultat, das man sich als Ziel vorgesteckt hatte, gelangen kann; daher dieses "vernünfteln" vom eigentlichen sophistizieren nur dem Grade nach verschieden ist. Nun aber ist, im theoretischen, sophistizieren eben das, was im praktischen schikanieren ist.

3.2 Sigmund Freuds Essay Die Zukunft einer Illusion ist hierfür ein hervorragendes Beispiel in dem die Religion als Zwangsneurose beschrieben wird.
3.3 Ich habe lang mit mir gekämpft ob ich nun noch einen speziellen neunten Unterpunkt über folgende Thematik bringen soll oder nicht. Der Angeklagten Nancy Smith wird vorgeworfen das ihre Lieder aufrührerisch / staatsgefährdend seien. Dies provoziert wiederum eine eventuelle Argumentation dafür oder dagegen ob Menschen tatsächlich so einfach zu beeinflussen sind (nicht im Film; hier (Und wie Freud oben schon sagte ist der Mensch im "Rudel" wahrlich das, was allgemeinhin als "ein dummes Tier" gilt. Ich gehe hier jedoch vom einzelnen Menschen aus)). Nach besagter Bedenkpause will ich stattdessen nur eine kleine Formel einwerfen, über die man sich dann seinen Teil denken kann. Es heißt schon so richtig: "The picture speaks a thousand words". Es heißt auch so richtig: "Words are Weapons". Nun kombiniere man es und sage "Words are Weapons as are Pictures/Images - just as long as you know that they are weapons which, therefore, should be handled with care and concern, exclusively and respectively. Think before you speak and/or act". (Im Sinne dessen das man sowohl den Aufnahmen der Kamerateams als auch den Liedern von dieser Angeklagten, oder generell ähnlichen Liedern mehr Wirkung andichten kann als sie wirklich haben). Dem jedoch würde widersprechen das die Aufnahmen eine klare Sprache sprechen, und hier wende ich wieder das ein, was ich schon oben sagte: "Eine Dokumentation von Geschehnissen, kann, mit nur ausreichend gefilmten Material im Schneideraum quasi jede Form annehmen, vom Pro bis hin zum Contra". (Hier sei aber auch auf Vermerk 8.3 hingewiesen). Filme, Lieder und andere Medien sollten immer nur als dies betrachtet und in ihrem respektiven Rahmen beurteilt werden. Wenn man aber diese Medien dahernimmt, sie in einem gewissen Zusammenhang (ein)bringt, wie eben die Lieder der Nancy Smith, sie sozusagen (mit subversiven Texten) transzendiert, so ist es schnell geschehen das diese Grenze überschritten wurde und eben jene Medien als staatsgefährdend abgestempelt werden (Das klassische Suchen & Finden des Sündenbocks (Doch hier ist erweiterte Vorsicht von Nöten, denn so schnell wie man diese Dinge überbewerten kann, so leicht kann man sie auch unterschätzen!)). Stellt sich weiterhin die Frage warum sie diese Natura angenommen haben? Die Antwort ist simpel: Es ist das uralte Konzept von Ursache & Wirkung. Diese Prozedur und alles was mit ihr folgt, ist letzten Endes nichts anderes als das berühmte "um den heißen Brei herumreden", denn letzlich ist jeder für seine eigenen Handlungen verantwortlich. Um dies mit einem Zitat aus einem - ironischerweise - Song von Eminem (Who knew) zu bestätigen:
Eminem hat geschrieben:
[...]that woulda made you get a gun and shoot at a cop. I just said it, I ain't know if you'd do it or not.

Auf etwas sarkastischere Art kam ein weiterer, ähnlicher Kommentar dieses großen Künstlers in dem brillianten Song Sing for the Moment, zum Ausdruck:
Eminem hat geschrieben:
They say music can alter moods and talk to you. But can it load a gun up for you, and cock it too? Well, if it can than the next time you assault a dude, just tell the judge it was my fault, and I'll get sued.

Bezüglich der Gefahr der Unterschätzung hat Eminem im selben Song einen weiteren, herausragenden Satz verlauten lassen:
Eminem hat geschrieben:
I guess words are a motherfucker, they can be great, or they can degrade or even worse, they can teach hate.

3.4 Das Zitat von Helvetius ist ebenfalls Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung entnommen.
3.5 Gerade wegen diesem zweiten Zitats Schopenhauers ist es (mir zumindest) nahezu unmöglich, wahrlich und wahrhaftig unparteiisch zu sein, oder anderen derartige Einstellungen zu glauben; es scheint quasi unmöglich nicht in irgendeiner Form voreingenommen zu sein sobald man etwas zu etwas zu sagen hat, oder glaubt zu haben oder gar zu müssen, und dies spiegelt sich - in einem Filmforum ggf. durch Reviews, wie dieser -, auch wieder. Und einzig und allein deshalb schrieb ich im Fazit das man den Film aus denselben Gründen die ich hier anführe lieben oder hassen kann, man muß sie lediglich um 180° drehen, doch möge man bedenken das sich dann das im Review befindliche "Up is down and black is white" auf bizarre Art bewahrheiten könnte/würde... doch dies hieße nichts anderes als Diskussion; bleibt nur zu erörtern und/oder abzuwarten ob sie "kalt" oder "heiß" wird.
4.1 Ich habe bei der zweiten, subtileren Verwendungsmöglichkeit von Kafkas "Kleiner Fabel" ganz bewusst die Katze, im Dienste der Metaphorik, durch Aasgeier ausgetauscht.
5.1 Ich bin selbst ein sehr großer Freund und enormer Bewunderer der Tiefenschärfe.
5.2 Man denke nur an Nicholas Rays schlechtesten (mir bekannten) Film, Bitter Victory.
6.1 In meinem Fall war's alles zur mehr oder weniger gleichen Zeit, wobei die dominierende Gefühlsregung bei quasi jeder Sichtung variiert, was an sich schon ein kleines Kunststück ist.
6.2 Im Grunde verdient jede Tribunalszene eine ausführliche, gesonderte Analyse, da sie auch genügend Stoff dafür abgeben. Doch entspräche dies nicht dem Sinne einer "Filmkritik".
7.1 Ich darf anmerken das jenes Zitat von meinem Lieblingscharakter der CG 637 stammt.
7.2 Siehe z.B. Kairo.
8.1 Godard hat mitunter in 2 or 3 things I know about her, Masculin - Feminin und teils auch in Symapthy for the Devil die USA gekonnt attackiert. Am schönsten gelang ihm dies in letzterem Film mit einer in ihrer Einfachheit, jedoch auch Extremität, schwer zu übertrumpfenden Szene, indem jemand mit Dosenspray die Gleichung an die Wand sprüht: USA = Hakenkreuz.
8.2 Genau nach den Wunschfantasien Hollywoods.
8.3 In Bezug auf Dokumentationen kann (und wird?) man sehr schnell das Wort "Propaganda" in dem Raum schmeißen, und ihm hängt meist ein übler Beigeschmack an (zumal wohl 9 von 10 Personen dabei an Faschismus denken werden). Eine Dokumentation kann, wie schon zweimal gesagt in jede Richtung gehen, und deshalb, so sei hier hinzugefügt, ist es möglich das ihr so oder so das Wort Propaganda angehängt wird, da sie, in aller Regel und auch aller Voraussicht nach entweder die Pro oder Contraseite einnehmen wird. All dies ist abhängig vom jeweiligen Ausgangspunkt des/der entsprechenden Verantwortlichen. Nun kann der propagandistische Gehalt entweder aufdringlich oder subtil sein, objektiv (wohl eher sehr selten, auch in diesem Film bestenfalls in rudimentärem Maße vorhanden) oder subjektiv. Meines Erachtens nach ist "Punishment Park" ein herausragendes Beispiel dessen, was man zu sehen bekommt, wenn all diese - scheinbar unvereinbaren - Intentionen kollidieren und dabei entgegen aller Prognosen nicht voneinander abprallen, sondern miteinander verschmelzen. Hierfür, genau wie bei und für Punkt 3.5. ist insbesondere Schopenhauers Zitat bzgl. Haß und Liebe (Siehe Ende Unterpunkt #3), zu bedenken.
8.4 Was den Eindruck erwecken könnte das die USA ein kleines, verzogenes Kind ist, das man nicht auf seine Fehler aufmerksam zu machen braucht, da es, dickköpfig wie es ist, ohnehin nur seinen Willen kennt und diesen auch - komme was wolle, und seien dies weitere Fehler - durchboxen will und wird: siehe Bush-Regime. Desweiteren sagte auch ein möglicher Vertreiber des Films, warum sie ihn nicht "nehmen" können: "We would have the feds here, within 5 minutes".
Fazit. 1: Die Phrase "unantastbare Menschenwürde" ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jedem bekannt und sie ist lediglich das: eine Phrase. Mit viel positiven Sinn aber ohne Bedeutung. Ihre Worte sollen eudämonistisch wirken, Zuversicht spenden; sie sind aber anders ausgedrückt nichts weiter als schöne, jedoch leere Worte.

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Die Wahrheit ist für wenige, der Trug so allgemein wie gemein. Gracián
Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, daß er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt. Schopenhauer
Wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Wert mehr, daß Menschen leben auf Erden. Kant
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BeitragVerfasst: 3. Jun 2011, 07:02 
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WOAH! :shock:

Da muss ich mich später erstmal durchwühlen. Aber bereits jetzt gebührt Dir dafür mein Respekt und Dank.

Ich freu mich schon drauf.

Edit: So, habe den Aufsatz einmal durchglesen und kann schon jetzt sagen, dass er mir gut gefällt. Auf der Arbeit werde ich aber nicht drauf eingehen, da fehlt mir die Zeit - muss ja noch ein bisschen schlafen. :mrgreen:

Werde mich später spererat äußern und versuchen gebührend zu antworten, evtl. muss ich den Film dazu nochmals anschauen.
:D

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BeitragVerfasst: 5. Jun 2011, 12:58 
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Ein richtig guter und aufwühlender Film!

Eine etwas ausführlichere Kritik von mir gibt es hier zu lesen:

http://www.schnittberichte.com/forum/viewtopic.php?p=791715#p791715

P.S. Nix für ungut Neo, aber deine Rezension ist deutlich zu lang geraten, trotzdem vielen Dank für deine Mühe. :)

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BeitragVerfasst: 5. Jun 2011, 14:44 
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Beiträge: 3982
Ja, danke.
Hättest mir den Link zu deinem Schriebs auch via PN schicken können; vor allem aber kannst du aus meiner Abhandlung mal herauslesen warum deine Forderung einer neuen Schnittfassung unerhörter Quatsch ist. Und 7 Punkte für den Film sind (mir) mindestens 3 zu wenig. Und das mit "Schriebs" nicht falsch verstehen, das nenne ich immer so, egal wer's geschrieben hat; einschließlich mein Zeugs. Desweiteren habe ich mich sogar noch etwas kurz gefasst, da wär mehr drin gewesen. Alles in allem empfinde ich diese Abhandlung meinerseits als das beste was ich je schrieb, und für diesen Thread eventuell sogar das letzte; das weiß ich auch noch nicht genau, auf alle Fälle aber das letzte was aus den USA kommt.

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