Leichte Spoiler inside.So schön kann der Untergang der Menschheit sein....
In zwei Teilen erzählt
Lars von Trier seine Vision vom Ende der Welt, wobei der erste Teil das Thema nur beiläufig aufgreift. Viel mehr geht es um die schlichtweg als Qual zu bezeichnende Hochzeit von
Justine (großartig:
Kirsten Dunst).
Scheinbar generell ein wenig labil, wird dieser vermeintlich schönste Tag im Leben jeder Frau mehr und mehr zum Albtraum, schert sich doch kaum jemand darum, dass sich alles um die Braut drehen sollte. Im Gegenteil, die getrennten Eltern bekriegen sich vor der gesamten Gesellschaft, die Schwester will strikt den Zeitplan einhalten, der Chef hätte gerne an diesem Abend noch die glorreiche Idee für eine Werbekampagne, und der Schwager lässt immer wieder durchblicken, wie viel Geld ihn diese Feier auf seinem abgelegenen Luxus-Anwesen kostet. Fast wirkt
Justine selbst wie ein Planet, der aus der Umlaufbahn geschubst wird durch die vielen kleinen Einschläge, so dass sie sich immer wieder sozusagen eine Auszeit von der eigenen Feier nimmt und stattdessen lieber den Neffen zu Bett bringt oder mal eben ein Bad nimmt. Letztlich wird so sogar die Hochzeitsnacht zum Debakel mit Folgen für die (allerdings auch knappe) Zukunft...
Im zweiten Teil liegt der Fokus dann mehr auf der eigentlichen Katastrophe.
Justine, wie von all dem Balast und den Zwängen befreit, wirkt anfangs apathisch und dann immer mehr gelöst und zufrieden mit dem nahenden Ende. "Niemand wird die Menschheit vermissen.", so ihre fast lapidare Antwort auf die immer panischer werdende Schwester
Claire (ebenfalls sehr gut:
Charlotte Gainsbourg). Die beiden Charaktere haben sich scheinbar umgekehrt im Vergleich zum ersten Teil.
Von Trier zeigt das Ende in wunderschönen, ruhigen Bildern, unterlegt immer wieder sehr passend mit
Wagners "Tristan und Isolde". Wie bei "Antichrist" gibt es einen Prolog in Zeitlupe, der Szenen wie Gemälde zeigt und zumindest mich sofort in eine nahezu hypnotisierte Gelassenheit versetzt hat. Der erste Teil ist dann deutlich von sehr warmen Farben gekennzeichnet, während Teil 2 mit dem näherrückenden Planeten immer kälter und nüchterner wird, gleichzeitig aber mit der unaufgeregten Inszenierung dennoch bei aller Gefahr nicht angsteinflößend wird. Die Konzentration auf diesen einen Schauplatz ohne Bilder von Massenpaniken, verzweifelten Regierungstreffen oder gar aufsteigenden Atomraketen als letzte Rettung sorgt beim Zuschauer, vorausgesetzt er lässt sich auf die Bilder ein und ist in der richtigen Stimmung dafür, für eine irgendwie gleichgültige Haltung dem nahenden Tod gegenüber, ohne das negativ zu meinen.
Ich zumindest habe mich sehr schnell auf der Seite von
Justine gefühlt, der im ersten Teil recht übel mitgespielt wird und die sich jetzt endlich mit einer unendlichen Gelassenheit dem Schicksal ergeben kann. Da fällt das Warten auf den 21. Dezember doch gleich viel leichter...
"Nur"
9/10 Punkte, weil ich mir den Schwerpunkt etwas mehr auf Teil 2 gewünscht hätte. Ansonsten ein fantastisch emotionaler Film, der aber wie gesagt den richtigen Moment braucht.
P.S.:
Udo Kier hat mir in der Riege der Nebendarsteller (und das sind IMO neben
Kirsten Dunst und
Charlotte Gainsbourg alle) als beleidigter Hochzeitsplaner mit einem kleinen Running Gag am besten gefallen. Auch hier ist der Humor aber sehr wohldosiert vorhanden.