
Stell' dir mal vor, du wärst eine halbe Ewigkeit auf einer einsamen Insel gefangen, keine Rettung in Sicht: Was würdest du tun?
Tom Hanks nimmt den Überlebenskampf auf, wenngleich noch mit anfänglichen Startschwierigkeiten (wer rechnet schon damit, auf einer einsamen Insel zu landen und erstmal eine ganz lange Zeit dort verweilen zu müssen?). Man könnte denken, dass der Film ziemlich schnell Langeweile aufkommen lässt, denn was soll schon großartig passieren!?
Aber weit gefehlt: Durch die tolle Inszenierung von
Robert Zemeckis ("Zurück in die Zukunft"), einem sehr erfahrenen Regisseur, und die unglaublich hingebungsvolle, schauspielerische Leistung von
Tom Hanks lässt der Film allerdings keine einzige Sekunde Langeweile zu; Zeit zum Luftholen gibt es eigentlich auch keine. Der Zuschauer fragt sich die ganze Zeit, was "Chuck Noland" (
Hanks) wohl als nächstes tun wird!? Wird er den Überlebenskampf gewinnen, oder wird er irgendwann, was wahrscheinlich die meisten Menschen tun würden, durchdrehen und seinem Leben ein Ende setzen!?
Es ist wirklich beeindruckend, wie sich "Chuck" von Tag zu Tag weiterentwickelt und den Kampf tatsächlich aufnimmt. Er versucht sich Essen und Trinken zu besorgen, öffnet die vielen FedEx-Pakete, die bei dem Flugzeugabsturz mit ihm ans Ufer der Insel gespült wurden, um vielleicht etwas Brauchbares zu finden. Eine kleine Hütte mit Dach wird aufgebaut, damit er nachts einen sicheren Schlafplatz hat. Ums Feuer muss er von nun an kämpfen, damit er es auch mal warm hat und sich einen Fisch/Krabbe brutzeln zu können. Auch das Verarzten von Wunden muss er selbst bewältigen. Natürlich wird auch ein Fluchtversuch gestartet ... Es gibt allerlei Dinge, die "Chuck Noland" zu bewältigen hat, um den Kampf gewinnen zu können. All das ist so wunderbar, packend und anspruchsvoll in Szene gesetzt, dass das Schauen einerseits Spaß macht, aber andererseits fühlt der Zuschauer natürlich mit, macht sich Gedanken darüber, wie es wohl wäre, wenn er selbst auf so einer Insel gefangen wäre, ohne echt Fluchtmöglichkeit oder die Möglichkeit auf eine Rettung.
Zwischenzeitlich ist dieser Survival-Trip schon extrem traurig und herzergreifend, wenn man mit ansehen muss, wie sich
Hanks' unter den in den Paketen gefundenen Produkten einen Volleyball zum Freund macht, als einer seiner "Feuer-Versuche" fehlschlägt.
Die Kameraarbeit ist fast noch besser als
Hanks' schauspielerische Darbietung: Teils gleitet sie durch das Setting, fast schwerelos - man fühlt sich mittendrin. Und besonders die ruhigen Momente (davon gibt es sehr viele) gefallen mir außerordentlich gut, denn die Kamera zeigt dann kaum Bewegung, sondern lässt den Zuschauer einfach nur am Geschehen teilhaben - man soll sich halt wie auf einer Insel fühlen - genial!
"Cast Away" ist ein ergreifendes, anspruchsvolles und sehr spannendes Survival-Drama, das den Zuschauer jede Sekunde an "Chucks" Leben und seinem Kampf gegen den Tod teilhaben lässt. Das Setting, also die Insel, ist traumhaft schön, aber auf der anderen Seite eben auch ein Alptraum. Tom Hanks spielt hier, meiner Meinung nach, die Rolle seines Lebens und macht diesen Film fast schon zu einem echten Meisterwerk; anfangs könnte man noch denken "Ein Mann landet auf einer einsamen Insel und muss knapp zwei Stunden lang ums Überleben kämpfen? Hört sich langweilig an...", doch schon früh wird man eines Besseren belehrt. Ein unglaublich anrührender Film, nahe der Perfektion!9 / 10