"Vengeance"
http://www.ofdb.de/film/167557,VengeanceDas hätte so ein klasse Film werden können.
Johhnie To versteht es wirklich sehr stylische Bilder zu erzeugen. Man nehme hier nur die Szene, wo
Costello mit den 3 engagierten Killern (schön, dass
To auch hier wieder auf alte, bekannte Gesichter setzt) die Szenen nachstellt,
die sich während der Ermordung im Haus seiner Tochter abgespielt haben. Oder die Schießerei nachts im Wald. Das ist schon sehr kunstvoll inszeniert. Gerade in Verbindung mit dem Score und den Bildern in Zeitlupe (fallende Blätter im Wald z.B.).
Was ich dann aber wiederum sehr schade finde, ist, dass
To es einfach nicht schafft, das Potential, das in solch einer Geschichte steckt, voll auszuschöpfen und gradlinig weiterzuerzählen. Dieses Problem hat er aber in all seinen Filmen. Manchmal mehr, manchmal weniger.
Was hat er sich denn z.B. bei der Schießerei am Strand gedacht?
Die Idee, dass sich die zwei Gruppen wie in einem mittelalterlichen Kampf gegenüberstehen und der ehemalige Boss der 3 Auftragskiller wie ein Feldherr auf einem Metallgerüst über dem ganzen steht, und das Geschehen aus der Ferne beobachtet bzw. befehligt, war in meinen Augen absolut unpassend.
Auch der Einfall, das sich die zwei Gruppen hinter großen Altpapierblöcken verschanzen, die sie
synchron vor sich herrollen, bis sie sich in der Mitte des Feldes zum Showdown treffen, war einfach zu dick aufgetragen.
Richtig dick aufgetragen wurde dann hier:
Costello, den seine drei Profikiller (vor dem oben erwähnten Shoot-Out) bei einer alleinerziehenden Asiatin und ihrer Kinderhorde an einem Strandrestaurant gelassen haben, hört in den Nachrichten vom Tod seiner drei Freunde, geht ans Wasser, kniet in den Sand und verharrt dort betend wohl einige Stunden bis in die Nacht hinein (zwischendurch kniet er auch mal bis zum Hals im Wasser..). Mitten in der Nacht, der Vollmond scheint gigantisch am Nachthimmel, erscheinen Costello im Mondlicht die Silhouetten seiner getöteten Tochter, deren Familie und die der drei toten Profikiller. An Kitsch und mystischem Blödsinn ist diese Szene kaum zu überbieten.
Einen Film, der wirklich gut anfängt, so in den Sand zu setzten, ist schon traurig.
Hier wurde zwar vieles richtig gemacht, aber auch viel, sogar sehr viel Potential verschenkt. Verdammt schade.
Filme bis zum Schluss gradlinig ohne jeglichen Kitsch zu inszenieren, geht wohl bei
To nicht. Das fällt bei all seinen Filmen auf.
6/10.