So, hier dann mal mein Gastbeitrag: Habe nämlich mal eine wahre, unbekannte Zombieperle gesehen

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Nr. 57 :
Graveyard Alive - A Zombie Nurse in Love
Erscheinungsjahr: 2003Freigabe: FSK 16VÖ: Frei erhältliche AmarayInhalt:Besprechung:Okay.
Die Story dieses kanadischen Low-Budget Films mit - seinerzeit - eigentlich ausschließlich unbekannten Darstellern, von denen man vermutlich nur von Hauptdarstellerin Anne Day-Jones nochmal öfter was gehört hat, wirkt zuerst einmal ziemlich strange, untypisch und - im Zusammenhang mit dem geringen Budget - nach einem, dem Zombiemythos erneut bösartig in Blödsinn verwandelnden, entmystifizierenden Trash- oder schlichtweg schlechten Film, wer lässt eine unbeliebte Frau via Zombievirus schließlich in eine beliebte, sexy, Frau verwandeln ?
Und so dachte ich auch, dass dieser Film vielleicht ungewöhnlich, aber insgesamt eher ruhig und langatmig sei, immer wenn ich vorab mal reingezappt hab, erwarteten mich ruhige Schwarzweißfilme ohne Dialoge. Schwazweiß ? Ja, damit wären wir beim ersten besonderen Punkt, der Film setzt komplett auf eine teilweise schön schrullige 40´s-Atmosphäre und so ist er komplett Schwarzweiß gehalten, Dialoge gibt es nur wenige und stattdessen dominieren ruhige Kamerafahrten und eine passende Musikuntermalung, Hektik oder Action sucht man auch vergeblich.
Man fühlt sich fast wie in der Twilight Zone und allein das dürfte schon Grund genug sein, dem Film die Aufmerksamkeit zu schenken, die er zweifelsohne verdient. Denn splatterfreie Low-Budget-Zombiefilme zu finden, die nicht auf Blut und Gfedärm, sondern auf Atmosphäre setzten ist so schon schwer genug, von gelungenen Beiträgen ganz zu schweigen...
Wie auch immer. Der mit 80 Minuten angenehm kurze Film ist in - ich glaub - 8 Kapitel unterteilt, die jeweils mit einer kleinen Zeichnung angezeigt werden. Die Schauspieler, allen voran Anne Day-Jones machen ihren Job gut und nur an die am Anfang sehr unpassende, die Atmosphäre zerstörende deutsche Synchronisation muss man sich etwas gewöhnen.
Während der ganze Film - der im übrigen beim Slamdance Film Festival zu Recht die Auszeichnung "Beste Kamera" bekam - aber mit schicken Einstellungen und dieser ruhigen, manchmal bedrohlichen Umgebung glänzt, so setzen zwei Traumsequenzen mit unehaglicher Musik dem ganzen die Krone auf, denn hier wird eine surreale, bedrohliche Stimmung erzeugt, die wirklich bemerkenswert ist und an düstere Kunstfilme oder Trips wie Eraserhead zu erinnern vermag.
Die ungewöhnliche Story wird nie außer Acht gelassen und wird ohne Leerlauf erzählt, es gibt sogar ein überraschendes, schön fieses Ende und eine Patty gerade zu Beginn überlegende Gegenspielerin.
Doch kommen wir zum wichtigsten Aspekt, wir sind hier ja schließlich ZOMBIE-Thread: Der Zombieaspekt. Wie die Story schon sagt, so wird die Zombiethematik hier dafür genutzt, aus einem "Mauerblümchen" eine sexy, selbstbewusste Frau zu machen, die auf alle Männer ansprechend wirkt, die dafür aber einen unstillbaren Heißhunger auf Blut und Menschenfleisch kriegt, der auch irgendwie befriedigt werden muss, was sich in der Pathologie natürlich problemlos anstellen lässt, solange genügend Leichen vorhanden sind...
Die Special-FX in den Zombieszenen können - da es ja nur SW ist - durchaus überzeugen, gerade in den später gezeigten Fressszenen inklusiver abgetrennter Körperteile. Man darf zwar keinesfalls Splatter oder viel Gore erwarten, aber das bisschen das da ist, weiß zu überzeugen. Was mich sehr erfreut hat, ist dass der Film ansonsten den typischen Zombieregeln folgt, so wird jeder gebissene auch infiziert, dass die Zombies sich danach noch wie Menschen verhalten tritt dank der Inszenierung in den Hintergrund und wirkt stimmig.
Ansonsten gibt es noch einen herrlich strangen und gruseligen alten Hausmeister mit Zombiebuch, der als erster die Gefahr und das Zombiegrauen erkennt und ehrfürchtig durch die Gänge läuft, doch nur als zwielichtiger, alter Tattergreis angesehen wird.
Grobe Anschlussfehler oder Probleme sind mir sonst keine aufgefallen, bis auf einen, der das Gesamtbild aber nicht trübt:
Fazit: Ein ruhiger, ungewöhnlicher Schwarz-Weiß-Low-Budget-Zombiefilm, der nicht auf Splatter und Gore, sondern Atmosphäre, eine Neuinterpretation des Zombiemythos und eine feine 40´s-Atmo setzt. Auf der DVD steht sehr treffend "Genreübergreifende Filmkunst" und genau so lässt sich der Film auch gut umschreiben: eine leider unbekannte Zombieperle, ein Juwel, dass ich jedem Genrefreund nur wärmstens empfehlen kann, grandios !Die Qualität der DVD kann ich nicht bewerten, da ich den Film auf einer, ähm, "Datendisk" gesehen habe, doch gibt es die Amaray für knappe 10€ auf Amazon, also lasst euch nicht von so manchen Kritiken täuschen, sondern lest lieber die auf Amazon.com und dann KAUFT DIESEN FILM !

Denn vermutlich keiner der ruhigeren Oldscool-Experimenten was abgewinnen kann, dem die Story zusagt, oder der einfach die beschriebene Atmosphäre kennt und liebt, wird den Kauf bereuen.
Bis denne, ich hoffe ich war überzeugend,
Koko