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 Betreff des Beitrags: Titicut Follies
BeitragVerfasst: 26. Aug 2008, 00:32 
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Hat Jemand den Dokumentarfilm gesehen?
Titicut Follies
Wo bekommt man den Film her????
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Quelle: OFDb - ManCity

TITICUT FOLLIES von Frederick Wiseman ist einer der kompromisslosesten – und auch kontroversesten – Dokumentarfilme, die jemals veröffentlicht wurden.

TITICUT FOLLIES ist jedoch keine typische Dokumentation. Es gibt keinen Sprecher (der Wahrheiten oder auch Unwahrheiten erzählt), auch keine Interviewsequenzen. Der Film ist eine 60er-Jahre-Momentaufnahme der unmenschlichen Zustände im "Bridgewater State Hospital" in Bridgewater, Massachusetts. Das "Spital", deren Insassen alle als geisteskrank und/oder sexuell gefährlich katalogisiert wurden, erinnerte zu dieser Zeit eher an ein typisches, heruntergekommenes Gefängnis.

"Titicut Follies" ist der Name einer Gesangs- und Tanzgruppe, die aus Insassen dieses Krankenhauses besteht. Titicut ist der indianische Name des Gebiets rund um das Krankenhaus in Bridgewater, das englische Wort Follies bedeutet Verrücktheiten. Zu Beginn und am Ende des Films sieht man Bühnenaufnahmen der "Titicut Follies"-Truppe, sonst gibt es im gesamten Film keine Musik zu hören.

In Amerika war TITICUT FOLLIES viele Jahre lang verboten. Nein, mit der MPAA hatte dies natürlich nichts zu tun (der Film hätte zum Beispiel ja auch "unrated" veröffentlicht werden können). Das zuständige Gericht in Massachusetts teilte die Auffassung, dass die Privatsfähre einiger Insassen verletzt würde. Das Filmverbot kam den zuständigen Behörden von Bridgewater, dem damaligen Direktor usw. natürlich gar nicht ungelegen...

Die Kameraführung ist teilweise etwas unruhig, die schwarzweißen Aufnahmen mögen unspektakulär wirken. Details werden aber tatsächlich in aller Deutlichkeit gezeigt: Ob Nacktheit oder ein Schlauch, der einem Patienten durch die Nase eingeführt wird, weil man ihn Zwangsernähren muss.

Wer sich fast täglich irgendwelche True Gore-Dokus ansieht, dürfte TITICUT FOLLIES vermutlich so uninteressant und wenig sehenswert finden wie Mainstreamer, die sich gar nicht erst einen Schwarzweiß-Film ohne Score ansehen möchten.
Und das ist sehr schade!

TITICUT FOLLIES ist ein wirklich eindrücklicher Dokumentarfilm, der mich nachdenklich gestimmt hat. Und er ist einer der wenigen Filme, die auch tatsächlich etwas bewirkt haben: Dank dem Film haben sich die ursprünglich menschenverachtenden Bedingungen in dieser Bridgewater-Einrichtung verbessert.


Zuletzt geändert von Cyco23 am 30. Aug 2008, 04:01, insgesamt 2-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26. Aug 2008, 01:06 
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Hattest du ja schon mal kurz im Giftschrank Thread angesprochen,klingt sehr Interessant.
Werde mich mal Kundig machen wie/wo man dran kommt.

Bei einer art Dokumentation dürfte es aber auch nicht so tragisch sein wenn man sich eben diese irgendwo downloadet , wenn man das Werk anders nicht bekommt.
Aber erst mal schauen

Hier mal eine Kritik die ich dazu finden konnte.

-"TITICUT FOLLIES" is a great work, a near-masterpiece not just of the documentary form, but of moviemaking in any category. It’s a film that transcends the time and place of its manufacture, and it should be seen not just by documentarians and film students but by anyone interested in the movies as a medium capable of powerfully presenting the human condition.-
Ray Greene, Village View

Edit
Habe was gefunden weiß aber nicht ob noch aktuell.
Ist auch nicht so Billig.
http://www.ioffer.com/si/titicut%20follies :?

_________________
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http://youtu.be/vvFD7urcHZE

"We never say what we think, and we never believe what we say, and if we tell the truth by accident, we hide it under so many lies that it is difficult to find out"


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BeitragVerfasst: 26. Aug 2008, 02:20 
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Banned & Censored Cinema
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BeitragVerfasst: 26. Aug 2008, 02:56 
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Titicut Follies
A film review by Christopher Null - Copyright © 2005 Filmcritic.com

One of cinema's most notorious movies, Titicut Follies was shot inside a Massachusetts federal correctional institute for the mentally insane, capturing the deplorable conditions of its facility and unbelievably poor mental health of its residents. Patients who should ostensibly be being cured are instead being force-fed, beaten, and left naked and raving in empty cells. The film was quickly banned; the only way to see it is via underground (read: Internet) means. Graphic and deeply disturbing, this grainy black & white work isn't for everyone, but Frederick Wiseman's insights into the cold truth of the crazy-folk prison system is one film that any fan of film and history truly needs to seek out


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BeitragVerfasst: 26. Aug 2008, 04:19 
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Quelle: Wikipedia:
The dispute marked the first known instance in the history of the American film industry that a film was banned from general distribution for reasons other than obscenity, immorality or national security. It was also the first time that Massachusetts recognized a right to privacy at the state level.


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BeitragVerfasst: 26. Aug 2008, 06:05 
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Sehr guter aber auch verstörender Dokumentarfilm , der ohne Moderation auskommt. Echt bedrückend, wenn man das Leiden dieser Menschen sieht. Das Photo von dem alten Mann, der sich weigerte zu essen und dann nackt in einen Raum geführt wird um dort mittels Sonde künstlich ernährt zu werden und die Zigarettenasche des Wärters fällt mit hinein in den Trichter :shock: . Auf dem nächsten Bild ist er dann Tot...hammer hart.

Kenne von Ihm auch noch Domestic Violence. Sehr erschütternde Doku über ein Frauenhaus in den USA.

_________________
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Gutes muss nicht zu Gutem und Böses nicht zu Bösem führen.
Manche stehlen und werden nicht erwischt und leben glücklich weiter, Lügner und Betrüger werden in Ämter gewählt, andere wollen jemandem bei einer Panne helfen und werden dabei von einem Laster überrollt.
Wie man das Blatt spielt, das man erhält, alleine das zählt.

http://www.youtube.com/watch?v=lQALLGsn-Fk


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BeitragVerfasst: 30. Aug 2008, 01:16 
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"Titicut Follies" hat ansonsten Niemand gesehen?
oder kennt den Film vom Namen her?
Quelle:
-http://www.filmzentrale.com/rezis/titicutfolliesbl.htm

Titicut" ist der indianische Name des Gebiets rund um das Bridgewater-Krankenhaus in Massachusetts. "Follies" ist englisch und bedeutet soviel wie "die Verrücktheiten". "Titicut Follies" ist der Name einer Sänger- und Tänzergruppe, bestehend aus Insassen dieses Krankenhauses, die jedes Jahr eine vermeintlich fröhliche Show bieten. Diese Insassen werden als "geisteskrank" oder "sexuell gefährlich" katalogisiert, werden für paranoid und schizophren befunden. Das Bridgewater-Krankenhaus jedoch bietet kaum eine gesunde Alternative zum Gefängnis. Die Wärter und Leiter von Bridgewater gehören der Gefängnisbehörde an – nicht dem Gesundheitsministerium. Und so bekommt keiner der Bridgewater-Insassen die Behandlung und Pflege, die sie verdienen.



Mitte der Sechziger Jahre bekam der junge Dokumentarfilmer Frederick Wiseman die staatliche Erlaubnis seinen Film in dieser Bridgewater-Einrichtung zu filmen. Eine ungeheure, einzigartige Chance, die der Filmemacher weise nutzte. Die Lebensbedingungen innerhalb von Bridgewater sind menschenverachtend. Wir sehen, wie die Patienten nackt durch die Gänge getrieben werden um grob rasiert zu werden und dann wieder zurück in ihre Zellen gesteckt werden. Die Insassen bekommen ein Frühstück und werden dann im Zweiergespräch mit einem Doktor nach ihren Vergehen und Kindheitserinnerungen befragt.



Wisemans Kamera bleibt dabei größtenteils ruhig. Selbst wenn wir mit ansehen müssen, wie der Insasse Jim, ein ehemaliger Lehrer, nach der Rasur nackt in seine leere Zelle ohne Mobiliar, ohne Toilette, ohne Menschlichkeit gestoßen wird und in vor Schmerz und Wahnsinn schreit, hält er weiter drauf. Seine Kamera ist eine erschreckend beobachtende, die uns nicht die Erleichterung des Wegsehens gewährt. Kurz nach der Uraufführung von "Titicut Follies" kam es genau aufgrund dieser Arbeitsweise zur Anklage vor dem Massachusetts Supreme Judicial Court. Wiseman würde die Intimsphäre der Insassen verletzen, indem er ihre Vergangenheit, ihr Wesen und – am allerdeutlichsten – ihre nackten Körper zu deutlich filmen würde.



Das führt natürlich zu einer wichtigen, ethischen Auseinandersetzung mit dem Film. Darf Wiseman die Patienten in Bridgewater auf eine derartige Weise filmen? Nimmt er ihnen durch das Abbilden ihrer schrecklichen Situation das letzte Körnchen Menschenwürde? Wirklich interessant wird die Diskussion, inwiefern Wiseman uns durch den Schnitt manipuliert. Er setzt war keinen redaktionellen Voice-over ein, der die Geschehnisse kommentiert, schafft es aber dennoch durch das Gegenüberstellen von Szenen und Bildern uns in unserer Meinung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Man denke an die schockierende Szene, in der ein alter Insasse beschließt, lieber tot zu sein, als weiterhin unter den quälenden Umständen in Bridgewater vor sich hin zu vegetieren. Er hört auf zu essen.Eines Tages sind wir Zeuge, wie die Wärter den alten Mann nackt in eine Halle führen. Die Wärter binden den Mann an seinen Füßen fest, während einer der Doktoren einen Schlauch unfassbar weit in die Nase des Patienten schiebt. Immer in der Gefahr, aus Versehen auch Asche von seiner brennenden Zigarette in den Trichter fallen zu lassen, gießt der Doktor flüssige Nahrung durch die Nase des Mannes um ihn künstlich zu ernähren. Diese Szenerie unterbricht Wiseman mit einer Szene aus naher Zukunft. Ähnlich aufgebahrt wie in der vorherigen Aufnahme liegt derselbe Mann nun tot auf einer Liege. Watte wird ihm unter die Augenlider gestopft. Eine solche Montage lässt sämtliche Gründe für den Tod aus und setzt die unmenschliche Behandlung im Krankenhaus eventuell fälschlicherweise gleich mit den Ursachen für das Ableben des alten Mannes.



Die Doktoren und Direktoren der Anstalt kommen durchweg schlecht weg, während freiwillige Helfer und einige Wärter fairerweise gut dargestellt werden. Die Szene, in der eine Freiwillige einen Dankensbrief eines ehemaligen Insassen bekommt, scheint die Balance zu wahren und die sonstigen, oben erwähnten Anklagen zu rechtfertigen. Der Höhepunkt der Unverständlichkeit der Direktoren wird in einer der letzten Szenen gezeigt. Im Laufe des Films trafen wir auf den jungen Vladimir, der einen ungarischen, zynischen Doktor anbettelte, aus der Anstalt entlassen zu werden, um endlich seine Haftstrafe antreten zu können. Vladimir, der seit einem Jahr in Bridgewater ist, artikuliert seine Position eindeutig und gesund: Er wäre weder schizophren noch geisteskrank. Er wurde einst nur zu Observationszwecken in die Anstalt gebracht und hätte längst entlassen werden sollen, da er nicht krank sei. Doch je mehr sich Vladimir über die Ungerechtigkeit aufregt, desto eher diagnostizieren die Doktoren Paranoia und Schizophrenie. Als Vladimir beteuert, dass das Umfeld von Geisteskranken und die vielen Beruhigungsmittel ihm Schaden zufügen würde, fällen die Doktoren eine unfassbare Entscheidung: Vladimir wird in Bridgewater bis auf weiteres behalten und die Dosis der täglichen Beruhigungsmittel wird erhöht.


Am Ende von "Titicut Follies" stehen zwei Texttafeln. Nach der Freigabe des Films, ein Vierteljahrhundert nach Fertigstellung, sollte Wiseman deutlich machen, dass sich seitdem die Zustände in Bridgewater verändert und verbessert hätten. Laut dieses letzten Satzes hat also die Anklage des Films gefruchtet. Und wenn die Lebensumstände in Bridgewater humanistischer und medizinischer sind, so kann man den Film trotz seiner kontroversen Natur nicht verurteilen. "Titicut Follies" ist harter Stoff, aber dokumentarisch absolut wichtig. Einer der direktesten, krassesten, kompromisslosesten Wahrheitsverfilmungen, die das Dokumentarfilmgenre hervorgebracht hat. Ein großes, humanistisches, engagiertes Werk, das nicht davor zurück scheut, Unbequemes und Hässliches zu zeigen.


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