Sorry
dozz, ich mag Dich und Deine (bisweilen als "Gutmenschentum" verhöhnten) Beiträge sehr, aber hier muss ich Dir ganz entschieden widersprechen:
dozz hat geschrieben:
Naja es gibt doch hier immer Diejenigen, die die Kirche/Glaube oder was auch immer, es muss ja jetzt nicht wieder darauf hinauslaufen, als besonders schlimm betrachten. Sich dann aber darüber aufzuregen, dass man ja auch schon als Kind irgendwann mal in den Religionsunterricht geschickt wurde, finde ich lachhaft. Als ob es einmal so viel Unheil bringen würde, sich als Kind paar Bibelstories anhören zu müssen. Also bitte. Abgesehen davon glaube ich, dass eine gewisse Grundahnung über Kirche etc. gar nicht schlecht ist. Außerdem musst du es auch so sehen, Eltern vermitteln nun mal Werte an ihre Kinder und wenn sie selbst gläubig sind und meinen, ihrem Kind da auch etwas vermitteln zu müssen, finde ich das nicht schlimm.
Wenn Eltern ihrem Nachwuchs im privaten Umfeld diesen oder jeden Glauben bzw. diese oder jene politische Ausrichtung eintrichtern wollen, ist das (bis zu einem gewissen Grad) ihr Recht, das sehe selbst ich ein. Doch dass in einer Schule eines angeblich säkularen Staates Kinder
gezwungen werden (es gab damals keine wirkliche Alternative!) sich Woche für Woche die gleichen Lehren einer bestimmten Ideologie anzuhören, läuft darauf hinaus, dass sich diese Gedanken im Kopf des Kindes festsetzen, und das ist nichts Anderes als schlichte Propaganda - "nur" eben auf die Kleinsten der Gesellschaft gemünzt. Und genau DAS finde ich schlimm, denn Kinder sind unfassbar leichtgläubig - wenn Du selbst mal welche hast, wirst Du verstehen, was ich meine

. Das ist einerseits gut, weil man ihnen lebenswichtige Dinge beibringen kann, ohne ausufernde Diskurse mit ihnen ausfechten zu müssen. Andererseits gefährlich, weils sie "den Großen" nacheifern und ihren Worten Glauben schenken. Dass es "nur" mit Bibelgeschichten im Kindergarten anfängt macht das Problem dann auch nicht kleiner, sondern zeigt nur, wie nötig es die Kirche hat, neue Mitglieder zu rekrutieren und welch perfide Methoden sie zu diesem Zweck gebraucht.
dozz hat geschrieben:
Ich selbst z.B. war früher oft in der Kirche, in irgendwelchen Jugendgruppen, wurde auch konfirmiert usw. und habe trotzdem immer alles hinterfragt. Heutzutage bin ich schon noch gläubig
Und warum wohl, glaubst Du, ist das so?
dozz hat geschrieben:
, habe aber mit der Kirche rein gar nichts zu tun und glaube auch nicht an die typisch christliche Vorstellung von Gott. Und ich teile auch einige Ansichten von Atheisten. Die Kirche als Instrument finde ich z.B. auch in vielen Belangen sehr schlecht.
Welche Gemeinsamkeiten sollten das sein? "Atheismus" verneint die Existenz eines göttlichen Wesens, die Ablehnung der "Kirche" ist da eher ein Nebenprodukt...
dozz hat geschrieben:
Ich glaube daher nicht, dass irgendein Kind mit Religionsunterricht zu einem Glauben anerzogen wird, denn man hat wenn man älter ist immer noch genug Zeit, sich damit zu befassen und das für sich herauszufinden.
Es wird doch aber der Grundstein gelegt, in einem Alter, in welchem sich das Welt- und Menschenbild gerade formt. Das allseits beliebte Argument "man kann sich ja später immer noch dagegen entscheiden" ist mMn blanker Hohn, da in den meisten Fällen weltfremd, ansonsten wäre die "religiöse Verteilung" wohl kaum so homogen, wie sie es nunmal ist. Hättest Du etwa nichts dagegen, wenn Dein Kind dazu gezwungen würde, sich in der Schule "ein paar Geschichten" über hakennasige kinderfressende Juden anzuhören? Gabs nämlich schon, und zwar mit großem Erfolg! Godwin-Überdrüssigkeit? Gut, von mir aus auch, dass in Westdeutschland imperialistischer Egoismus herrscht und die Kinder ihren Stuhl zur Schule mitbringen müssen (damals selbst in der DDR erlebt!). Ob HJ, Jungpioniere, Kirchenlager etc. - die Inhalte mögen sich drastisch unterscheiden, die
Methoden der jeweiligen Propaganda ähneln sich frappierend - immer wird möglichst früh mit möglichst harmlos wirkenden Geschichten angefangen, auf denen man dann Jahr für Jahr aufbauen kann. Es gibt nicht umsonst (selbst innerhalb der Kirche) den Begriff der "Religionsmündigkeit", ohne welche eine Taufe zumindest umstritten ist. Zweifellos sollte jedoch religiöse Erziehung - in welchem Umfang auch immer -
allein Sache der Eltern sein.
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PSN-ID: Tarantoga80
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