Monsters
Angesichts vieler negativer Kritiken kann ich nur vermuten, dass durch den Titel (und wohl auch den Trailer) hier etwas gänzlich anderes erwartet wurde, denn die "Monster" spielen hier nur eine Nebenrolle und legen die Basis für die Story:
ofdb hat geschrieben:
Vor sechs Jahren stürzte eine NASA-Kapsel, die Beweisproben außerirdischen Lebens innerhalb unseres Sonnensystems mit sich führte, über Mexiko ab. Die außerirdischen Spuren wurden freigesetzt und veränderten Flora und Fauna in dieser Region. In der Folge kam es zu Mutationen und nun ziehen riesige, krakenähnliche Mutanten über das Land und zerstören die Siedlungen, so daß sich die Regierungen schließlich gezwungen waren, ein großes Stück des Land, vom südlichen Teil der USA bis weit nach Mexiko zur infizierten Zone zu erklären, einem kaum zu durchquerenden Gefahrengebiet.
Nach einem Kreaturengefecht sucht in Mexiko der Fotograf Andrew (Scoot McNairy) auf Geheiß seines Bosses dessen Tochter Sam (Whitney Able) im Krankenhaus auf, um sie zurück in die Staaten zu geleiten. Die Zeit drängt, denn in zwei Tagen endet die Saison, in der es noch möglich ist, gefahrlos per Fähre in die USA einzureisen. Per pedes, Zug und Auto machen sie sich auf den Weg durch ein Land, das mit den Zerstörungen und Monsterattacken klar kommen muß. Als sie jedoch die Fähre verpassen, bleibt ihnen nur der illegale Weg durch die "Infected Zone". Mit einer Gruppe Schleusern machen sie sich auf den Weg, dessen Ende sie kaum erahnen können...
Im Making Of spricht Regisseur
Gareth Edwards davon, dass "Cloverfield" sozusagen das verfilmte 9/11 sei, wohingegen "Monsters" eben die Situation einige Jahre danach zeigt. Die Kreaturen sind Teil des Alltags geworden, die permanente "Bedrohung" wird mehr oder weniger gelassen hingenommen, auch wenn es immer wieder zu Zwischenfällen mit Toten und Verletzten kommt. "District 9" kommt einem dabei auch schnell in den Sinn.
Und genau diese Ist-Situation ist auch hier das zentrale Thema, nämlich wie zwei Menschen mit der Lage umgehen, in die sie wenn auch ungewollt gebracht werden. Dabei sind die Bilder von zerstörten Häusern und abgestürzten Hubschraubern keineswegs futuristische Sci-Fi, sondern könnten jedes aktuelle Krisengebiet auf dem gesamten Globus darstellen. Und auch die Einstellung der beiden Protagonisten und das Betrachten der nicht unmittelbar beteiligten Welt lässt sich mühelos auf die Situationen im Irak oder Libyen übertragen:
Zitat:
You know how much your father pays me for a picture of a child killed by a creature? $50,000.
You know how much he pays me for a picture of a happy child? Nothing...
Mit wenig Budget gelingt es
Gareth Edwards, einen bewegenden kleinen Film zu erstellen, der teils geradezu poetisch wirkt und im Kern eine völlig andere Aussage beinhaltet als der Titel vermuten lässt. Dass es sich nicht um einen riesigen Hollywood-Blockbuster handelt wird zwar insbesondere in den Effekten am Ende sichtbar, aber im Gegenzug werden uns wunderschöne Aufnahmen des mittelamerikanischen Dschungels gezeigt, die auch noch mit einem sehr schönen Score unterlegt sind. Zwei unbekannte Hauptdarsteller und ansonsten ausschließlich lokale Einheimische ohne Schauspielerfahrung unterstreichen die Darstellung.
Wer keine Sci-Fi-Krawallorgie sehen will, den erwartet ein Kleinod, das nur durch wenige inhaltliche Schwächen und Storylücken getrübt wird. Und wer gut aufpasst, der weiß auch am Ende, dass das nicht das Ende ist...
9/10 Punkte