So, ich mach dann mal ne Präsi auf die wohl einige hier gewartet haben:
Akira
Akira...dieser Name sollte wohl den meisten hier ein Begriff sein (sogar den absoluten Anime No-Go Usern). Wer von Akira noch nie gehört hat, hat entweder über die Jahre gepennt oder kriegt einfach nichts mit.
Akira ist unbestritten einer der größten Meilensteine im Anime-Universum! Kein anderes Werk hat bis zum Erscheinen von Ghost In The Shell die weitere Entwicklung des Genres so nachhaltig beeinflusst. Der Manga „Akira" war der erste Manga, der in Deutschland veröffentlicht wurde. Der Anime, der erste, der bei uns ins Kino kam. Er brachte damals auch das Kiddy Image von Animes zum Wanken. Dank diesem Meisterwerk ist das Medium Anime überhaupt zu uns und den Amis rübergeschwapt.
Für die paar armen Seelen die Akira tatsächlich nicht kennen, hier die
Story
Am 16. Juli 1988 wird fast ganz Tokio in einer gewaltigen nuklearen Explosion vernichtet. Dies ist auch der Beginn des 3. Weltkrieges.
31 Jahre später, 2019, ist Tokio als Neo-Tokio wieder aufgebaut. In der düsteren Metropole wimmelt es von Gangs und Terroristen, die von der korrupten Regierung nur mühsam mit militärischer Gewalt unter Kontrolle gehalten werden können. Aufstände und brutale Bandenkriege prägen das Leben in den Straßen.
Die Freunde Tetsuo und Kaneda sind zwei Jugendliche, die in Neo-Tokio leben. Schule und dergleichen interessieren sie nicht sonderlich, sie machen lieber mit ihrer Motorradgang nachts die Straßen unsicher und liefern sich auf ihren Bikes unerbittliche Kämpfe mit rivalisierenden Gangs. Eines Abends, als sie einen Kampf mit den "Clowns", einer weiteren Gang austragen, trifft Tetsuo auf einen sonderbaren "Jungen". Sein Körper sieht aus wie der eines Kindes, aber das Gesicht ist das eines alten Mannes. Kurze Zeit nach dem Zusammentreffen taucht das Militär auf, nimmt Tetsuo gefangen und führt später an ihm Experimente durch.
Durch die Experimente hat Tetsuo starke psychische Kräfte erhalten, die er schon bald nicht mehr kontrollieren kann. Während Kaneda versucht Tetsuo zu befreien, verliert dieser immer mehr die Kontrolle über seine Kräfte.
Die AnimationenEs versteht sich natürlich von selbst, dass der Film zeichnerisch mit heutigen Animes nicht mithalten kann. Was dabei oft vergessen wird, ist der fehlende Einsatz von Computer und Folien-Technik. „Akira" ist tatsächlich einer der letzten Animes, der komplett von Hand gezeichnet wurde. Und mit diesem Wissen erscheinen die Animationen des Klassiker auch in einem anderen Licht. Angefangen, mit den Hintergründen, die in ihrer Qualität den heutiger Animes in nichts nachstehen, sind es vor allem die hervorragend umgesetzten Actionsequenzen die den Zuschauer in Erstaunen versetzten. Rauchentwicklungen, Schüsse, Explusionen, Fahrzeugbewegungen, die Motorik der Akteure, fallende Glasplitter Und - Und - Und . . . Alles wurde sehr realitätsnahe, und physikalisch korrekt mit einer unglaublichen Detaildichte umgesetzt. Erreicht wurde dies durch die Anzahl der Einzelbilder. Denn während eine normale Bildsekunde aus 24 Einzelbildern besteht, bestritt man für „Akira" den gigantischen Aufwand, satte 36 Bilder pro Sekunde zu zeichnen.
Der SoundBeim Sound ging man ebenfalls keine Kompromisse ein. Kristallklar vernimmt der Zuschauer eine Fülle von vielseitigen Umgebungsgeräuschen den kompletten Film hindurch, wie das Beispiel einer Bar-Szene veranschaulicht: Schritte auf Parkett, eingeschenkter Alkohol, tuschelnde Gäste, Motorengeräusche von der Straße, Musik aus einer Jukebox, das Knarren der Tür usw..
Die Musik des Film unterstreicht mit einer Mischung aus Marsch und Oper die göttlich-apokalyptische Stimmung des Animes. Während in ruhigeren Szenen kaum Musik zum Einsatz kommt, was man als angenehme Verschnaufpause zwischen spannenden Actionszenen werten kann.
Die alte deutsche Synchronisation von 1988 weicht natürlich vom Original ab, doch sorgen die bereits damals hervorragenden Sprecher für echten Lauschgenuss. Anlässlich einer DVD-Neuauflage im Jahre 2005 gab Panini eine neue Snychronisation in Auftrag, die viel wortgetreuer ist, als die Damalige. Auf diese Weise wird der komplexe Plot um einiges verständlicher. Allerdings war Panini so schlau und engagierte dafür nur erstklassige und bekannte Synchronsprecher, die auch die neue Synchro zu einem Hörgenuss machen.
Die AtmosphäreDie Atmosphäre des Animes setzt von Anfang an auf die düstere Seite der menschlichen Schöpfungskraft. Neo-Tokyo ist ein verdreckter und übersättigter Moloch und nur der Gipfel eines verrottenden Eisbergs. Der gewinnbringende Aufschwung ist vorbei. Regierungsgegner versuchen mit Terroranschlägen die Regierung zu beeinflussen. Da Regierung selbst unfähig und durch und durch korrupt ist, weiß auch die Bevölkerung nicht, auf wessen Seite sie sich schlagen soll. So kommt es immer öfter zu Demonstrationen, die immer mehr in gewalttätige Ausschreitungen enden. Angeheizt wird die Stimmung Weltuntergangs-Predigern, die endlich das reinigende Feuer herbeisehnen. Dazwischen sind die Loser und Vergnügungssüchtigen, die sich einfach treiben lassen und miese Rocker-Banden die sich aus Langeweile prügeln, bestehend aus Jugendlichen, die keine Perspektive haben. Alles in allem ergibt sich eine hässliche Welt, in der Keiner leben möchte.
Das Szenario wirkt deswegen so bedrückend, weil es trotz der Futuristik sehr realistisch gestaltet wurde. So blickte man bereits beim Entwerfen des Drehbuches auf die Nachkriegs-Ära Deutschlands und Japans.
Die CharaktereDie Charaktere des Films sind ebenfalls nicht das, was man sich als klassische Helden oder Bösewichte vorstellt. Die Grenzen sind hier zunächst verschwommen und klären sich erst im Laufe der Zeit zwischen gut und böse auf. Ein genauer Blick auf das Umfeld unserer Akteure macht es sehr nachvollziehbar, warum man in so einer kalten Welt nur zu einem fiesen Arschloch mutieren kann und sich zu Banden zusammenrottet. Es ist die einzige Möglichkeit sich zu behaupten. Alleine ist man verloren. Für Kaneda und Tetsuo ist ihre Gang sogar eine Art Familienersatz, in der es gilt zusammenzuhalten! Doch während Kaneda versucht, sich trotz seiner beschissenen Lage ein bißchen Menschlichkeit zu bewahren; hadert Tetsuo sehr mir seinem Schicksal und bricht schließlich unter der Last seiner neugewonnenen Göttlichkeit zusammen. Der unausweichliche Konflikt scheint also von vornherein bereits vorprogrammiert.
Die StoryDie düstere Story des Animes beschäftigt sich mit der unbändigen Schöpfungskraft des Menschen, und wie sie auch zu dessen Fluch geraten kann. Der spannende Konflikt zwischen Kaneda und Tetsuo ist eigentlich nur eine explosive Nebenhandlung in einem moralischen Lehrstück über den angeborenen Hang zum Größenwahn, der in jedem Menschen steckt. Dabei sind Tetsuo`s Handlungen und Motivationen stellvertretend für die gesamte Spezies Homo Sapiens.

Jetzt gehen wir mal genauer auf die Charas ein.
Kaneda Shotaro
Kaneda ist Anführer einer Motorrad-Gang und gleichzeitig Tetsuos bester Freund.
In seiner Gang hat er das Sagen und wird auch als Autoritätsperson geschätzt, womit Tetsuo nicht so sehr klar kommt. Zudem macht Kaneda sich oft über ihn lustig und behandelt ihn als wäre er ein Kind. Er ist sehr aufmüpfig und zollt keinem Respekt, sogar über Polizeibeamte macht er sich regelrecht lustig. Kaneda kann auch ordentlich zuhauen, was man in unzähligen Kämpfen mit der verfeindeten Gang Clowns sieht. Im eigentlichen Sinne ist er jedoch für seine Freunde da, man kann sich auf ihn verlassen und er lässt einen nicht im Stich, das ist auch der Grund warum von ihnen so geschätzt wird. Wenn Kaneda ein Mädchen interessant findet, lässt er so schnell nicht ab und setzt alles daran sich mit selbiger zu verabreden.
Tetsuo Shima
Tetsuo Shima ist Kanedas bester Freund und Mitglied in seiner Gang. Die beiden freundeten sich als kleine Kinder im Heim an.
Er hat leichte Minderwertigkeitskomplexe, so hat er es unter seinen Freunden nicht leicht und wird nicht richtig von den anderen ernst genommen. Er kann die Prahlereien Kanedas nicht ausstehen und will nicht, dass dieser ihm immer aus der Patsche hilft. Man merkt deutlich, dass er in jeder möglichen Situation Stärke beweisen will und so lässt er sich auch nicht leicht unter kriegen. Im Grunde kann man jedoch sagen, dass seine Freunde es ernst mit ihm meinen und wenn er Probleme hat, kann er eigentlich, auch wenn er sie meistens ablehnt, auf die Hilfe der anderen zählen. Wenn es um die Kämpfe mit der verfeindeten Gang Clowns geht, weiß er sich gut zu wehren und macht vor nichts Halt.
Kei
Kei ist eine relativ junge Frau und Mitglied einer revolutionären Organisation, geleitet von Nezu, welche im Geheimen gegen die Regierung und deren Experimente agiert. Für ihr Alter verhält sie sich ziemlich erwachsen und ist sehr zielstrebig. Sie war auch mit an der Entführung von Takashi (#26) beteiligt, welche jedoch scheiterte.
FazitBei einer Entstehungszeit von fast Vier Jahren setzte man bei diesem Anime-Film auf Qualität, die der Manga vorgab. Der Film ist ein MUSS für jeden Anime-Fan, aber auch Anhängern sozialkritischer Sience-Fiction-Hammer wie „Blade Runner" durchaus zu empfehlen. Jedem sei auch angeraten den Manga zu lesen, der noch wesentlich komplexer und sozialkritischer ist als der Anime. Zudem enthüllt der Manga das eigentlich Ende der Geschichte, denn er wurde erst 1990 fertig gestellt.
