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DriesVanHegen
Level 3
XP 130
Eintrag: 04.10.2017

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Der Nebel

(The Mist)
Herstellungsland:USA (2007)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Brume
Stephen King's The Mist

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,94 (95 Stimmen) Details
inhalt:
Ein kleines Dörfchen an der Küste von Maine wird ohne Vorwarnung von einem unheimlichen Nebel heimgesucht, in dem sich mörderische Kreaturen tummeln. Einer bunt zusammengewürfelten Truppe von Überlebenden gelingt es, sich in einem Supermarkt zu verbarrikadieren. Erschwert wird die verzweifelte Situation durch die anwesende Mrs. Carmody, eine religiöse Fanatikerin, die den Angriff als Zorn Gottes wertet und dafür plädiert, den Allmächtigen mit einem Menschenopfer zu besänftigen. Als immer mehr Menschen sterben, schlägt die Stimmung zu ihren Gunsten um.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von driesvanhegen:

Frank Darabont hat eine vergleichsweise kurze Filmographie vorzuweisen, jedoch stehen die mir bekannten Werke seines Œuvre - DIE VERURTEILTEN, THE GREEN MILE, die erste Episode aus THE WALKING DEAD - und eben DER NEBEL für qualitatives und gefühlvolles Filmerlebnis. Wobei wenigstens die beiden erstgenannten schon heute zu absoluten Klassikern avanciert sind. Darabont hat sich zufälligerweise als angesehener Verfilmer von Vorlagen nach Stephen King erwiesen und so überrascht es nicht, dass auch DER NEBEL auf einer Kurzgeschichte von King basiert, die ich hier jedoch nicht kenne.

Ich wage dennoch die Behauptung, dass die filmische Umsetzung durchaus Kings Geiste entspricht: ein sicheres, bekanntes und vor allem absolut alltägliches Familienleben wird jäh von unerklärlichem Schrecken heimgesucht. Hier schleicht sich der Schrecken in Form eines dichten und schweren Nebels auf recht anmutigen Sohlen an. Nach einem Sturm, der sein Haus in Mitleidenschaft gezogen hat, macht sich David Drayton mitsamt Sohn und Nachbar auf, Baumaterialien und Verpflegung im örtlichen Supermarkt zu besorgen, um sich auf zukünftige Unwetter vorzubereiten. Auf der Fahrt dorthin fällt schon eine außergewöhnliche militärische Präsenz in's Auge und der am Morgen über das Wasser aufziehende Nebel dringt in die Stadt ein. Ein verletzter und panischer Mann warnt alle vor dem ominösen Nebel und empfiehlt, sich im Supermarkt zu verschanzen...

Was folgt ist effektvoller Creature-Horror zum einen und beklemmende Gesellschaftsstudie zum anderen. DER NEBEL schafft es wunderbar unter dem Deckmantel eines Horrorthrillers religiösen Eifer und allgemein den Umgang von Menschen miteinander zu thematisieren. Besonders eindrucksvoll-erschreckend ist hierbei die zunehmend einvernehmende Person der biblischen Fanatikern Mrs Carmody. Während Drayton mit seinen Anhängern versucht der Situation kühl und rational beizukommen, kann Carmody immer mehr Leute um sich scharen, indem sie mit passenden Bibelzitaten um sich wirft und von Strafe und Erlösung predigt. Je aussichtsloser die Situation erscheint, desto anziehender erscheint Carmody mit ihrem Eifer und Erlösungstheorien für viele Gruppenmitglieder. Schließlich gipfelt der blinde religiöse Gehorsam in Blutopfern, um den angeblich erzürnten Gott zu besänftigen. Dialoge und das Miteinander (beziehungsweise Gegeneinander) der im Supermarkt gefangenen, stellen somit Hauptaugenmerk Darabonts dar, die Monster im Nebel rücken zeitweise deutlich in den Hintergrund. Trotzdem wurde nicht darauf verzichtet, entsprechende Schauwerte einzubauen. Da schwirren grotesk entwachsene Insekten durch die Luft oder ziehen sich riesige Tentakel erbarmungslos ihre Opfer aus dem sicheren Bereich des Marktes. Die Spannung zieht der Film neben der immer brisanter werdenden Atmosphäre im Supermarkt auch daher, dass der Zuschauer genau so wenig über die Geschehnisse außerhalb weiß und dadurch genauso verunsichert und verängstigt zurückgelassen wird. Spätestens wenn riesige sechsbeinige Kreaturen durch die nebelverhangene Landschaft stapfen, wird klar, dass King nicht weit entfernt von Lovecraft ist und wie angreifbar der Mensch eigentlich ist.

Unterstrichen wird diese Annahme nur um so mehr vom absolut niederschmetternden Finale, welches Darabont im Vergleich zur Vorlage deutlich und vor allem deutlich krasser gestaltet hat. DER NEBEL hat eines dieser WTF-Enden, welches einen beim ersten Mal ansehen absolut umhaut und sprachlos zurücklässt.

Die Umsetzung hat Darabont bewusst klassisch gehalten. Viele Szenenübergänge werden mit fade outs gestaltet und nehmen neben ruhigen Kamerafahrten und vergleichsweise wenigen Schnitten Tempo aus dem Film und legen den Fokus noch deutlicher auf die charakterliche Ebene. Es sei noch anzumerken, dass Darabont eine Director's Choice-Fassung angefertigt hat, die den Film in stimmungsvollen schwarz-weiß betrachten lässt. Zwar im Besitz der 3 Disc Edition, habe ich diese Fassung leider noch nicht gesehen. Aber selbst ungesehen kann man hier attestieren, dass diese der ausweglosen, unwirklichen und bedrückenden Atmosphäre nur zuträglich sein kann.

So überzeugend wie die handwerkliche Arbeit fällt die schauspielerische leider nicht durchweg aus. Vor allem Thomas Jane in der Hauptrolle spielt ziemlich dürftig und wenig konstant überzeugend. Dafür sitzen die Nebenrollen, allen voran Mrs Carmody (Marcia Gay Harden) und Ollie (Toby Jones).

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Kommentare

04.10.2017 22:05 Uhr - dicker Hund
3x
User-Level von dicker Hund 10
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.534
Das Review ist kein "Mist", sondern trifft den Film gut. Ich empfehle aber eine Spoiler-Warnung.
Kleine Anekdote meinerseits:

Spoiler

Als ich den im Kino gesehen habe, hat das Publikum bei der Erschießung von Mrs. Carmody applaudiert.

Spoiler Ende

04.10.2017 22:08 Uhr - DriesVanHegen
2x
User-Level von DriesVanHegen 3
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 130
Dem Publikum im Saal kann man da nur beipflichten!

05.10.2017 07:37 Uhr - Intofilms
1x
Formidable Rezi, Dries! ;)
Ich kenne die Buchvorlage auch nicht, wage aber trotzdem die Behauptung, dass die Macher hier wahrscheinlich das absolute Optimum herausgeholt haben. Mich erinnert der Film mit seiner ruhigen, geradlinigen Erzählweise oft an die stimmungsvollen SciFi-/Monsterfilme der Fünfziger. Das gilt natürlich vor allem auch für seine inhaltlich-thematische Beschaffenheit. Die alternative Schwarzweißfassung, die ich beschämenderweise immer noch nicht kenne, dürfte diese zurückblickende Haltung noch zusätzlich verstärken. Müsste ich jetzt langsam unbedingt mal sehen!

Die größten Vorzüge dieses wunderbar atmosphärischen Horrorfilms sind die von Beginn an äußerst mysteriöse, spannungsgeladene Grundstimmung, das ultimative, beispiellos drastische Schockende und natürlich die vor gesellschafts- und religionskritischen Bezügen nur so strotzende, parabelhafte Erzählung selbst. Schauspieler, Effekte, Musik, Kamera usw. finde ich ebenfalls sehr gut und perfekt stimmig. Von mir gibt's daher eine bärenstarke 9/10 für einen der besten neueren Horrorfilme! ;)

05.10.2017 13:07 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.418
Tolles Review zu einer meiner favorisierten King Verfilmungen Dries! Es gelingt dir effektiv die Stärken von The Mist herauszuarbeiten und lesenswert zu präsentieren. Es ist schon eine Weile her das ich die Kurzgeschichte gelesen habe, aber soweit ich mich erinnern kann stimmt die Adaption, vom fieseren Ende mal abgesehen, zum Großteil mit der literarischen Vorlage überein.

05.10.2017 19:18 Uhr - DriesVanHegen
2x
User-Level von DriesVanHegen 3
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 130
Danke Leute, hier scheint der Film ja einhellig gemocht zu werden.
Vielleicht schaff ich es eines Tages noch die s/w-Fassung zu schauen :D

05.10.2017 19:37 Uhr - Intofilms
Maine ist mir übrigens schon des Öfteren in Büchern, Filmen, Hörspielen, Reportagen usw. begegnet und hat mich immer schon unglaublich fasziniert. Ich stelle mir diese Gegend mit den vielen Wäldern und der rauen Küste irgendwie als einen ziemlich unheimlichen, düsteren, aber auch sehr inspirierenden, kontemplativen Ort vor, wo man sich endlich mal auf das Wesentliche besinnen und so ganz zu sich finden kann. Ähnliches assoziere ich auch mit Norwegen. Dort müsste ich wirklich mal ausgedehnt Urlaub machen. Ach, wäre das schön...! :)

05.10.2017 23:35 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 10
Erfahrungspunkte von naSum 1.404
Schönes Review Herr Schlagzeuger. Der scheint ja doch was zu taugen... Hatte den schon so gut wie abgeschrieben.

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