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DriesVanHegen
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Eintrag: 11.10.2017

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City of the Dead

The Human Centipede II (Full Sequence)

Herstellungsland:Niederlande, Großbritannien (2011)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror
Alternativtitel:The Human Centipede 2 (Full Sequence)

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,58 (99 Stimmen) Details
inhalt:
Martin Lomax arbeitet als Nachtwächter in einer Tiefgarage in London und schaut sich während der Arbeit den Film "The Human Centipede (First Sequence)" auf seinem Computer an. Beeindruckt vom Film, beschließt Lomax den Film selbst nachzustellen und entführt 12 Menschen um auch sie zu einem menschlichen Tausendfüßler zu verbinden.
eine kritik von driesvanhegen:

Die letzte Minute aus THE HUMAN CENTIPEDE [FIRST SEQUENCE] läuft über den Bildschirm. Eine direkte Fortsetzung, ähnlich HATCHET könnte man somit denken. Doch weit gefehlt. Nach einem Kameraschnitt setzt der Abspann des ersten Teils ein und plötzlich sieht man diesen über den Bildschirm wandern. Jedoch nicht über den eigenen, sondern auf einem Laptop, noch dazu in schwarz-weiß. Da wird klar, dass Tom Six erneut wenig auf gängige Konventionen gibt.

Statt den Film also direkt fortzusetzen, wird gewissermaßen eine Metaebene eröffnet. [FIRST SEQUENCE] wird zu einer reinen Fiktion degradiert, welche wohl bekannt zu sein scheint, aber genauso polarisiert, wie der "richtige" Film zu seinem realen Release. Mit Martin Lomax findet der [FIRST SEQUENCE] innerhalb von HUMAN CENTIPEDE II [FULL SEQUENCE] einen glühenden Verehrer. Mehrmals täglich schaut sich Martin den Film während der Arbeitszeit an und hat eine regelrechte Obsession für diesen entwickelt. Sein heimliches Ziel ist es, Doktor Heiter nachzueifern und die fiktive Idee des menschlichen Tausendfüßlers in der Realität umzusetzen. Als Nachtwächter in einer Tiefgarage kann er sich, auf recht unentdeckte Weise, seine Versatzstücke zusammensammeln...

Die Grundidee der Fortsetzung bleibt dem Original also treu. Trotzdem ist ein gänzlich anderer Film entstanden. Während der Fokus im ersten Teil noch bei den Opfern lag und die Handlung aus deren Perspektive erzählt wurde (was jedoch von Lasers Präsenz überschattet wurde), befasst sich die Handlung nun mit Martin und seinem Vorhaben. Dabei ist Six wieder ein Kunstgriff geglückt, denn der Hauptdarsteller ist wie schon Dieter Laser das Aushängeschild des Films. Laurence R. Harvey ist so authentisch abstoßend, dass es verdammt schwer fällt, ihn nicht automatisch als Martin zu bezeichnen. Ein vielleicht etwas hochtrabender Vergleich, aber ähnlich geht es mir mit Spinell als Frank Zito. Beide performen erschreckend echt. Martin Lomax stellt den absoluten Prototypen des Verlierers und Nerds dar: dicke Brille, Glubschaugen, Asthmatiker, fett, bei der Mutter lebend und ein Nischenhobby betreibend. Zu den optischen Eigenheiten gesellen sich väterlicher Missbrauch und ein ebenso schmieriger wie selbstgerechter Psychologe. Man sollte nicht zu viel Interpretation betreiben, vor allem nicht, wenn es sich um einen augenscheinlichen Exploitationfilm handelt, aber man könnte Überlegungen anstellen, ob Tom Six sich mit Martin und dessen Lebensumständen nicht einen kleinen Spaß bezüglich Fans und Rezeption der [FIRST SEQUENCE] erlaubt hat. Sonderlich gut weg kommt bei dieser Betrachtung allerdings keine der Parteien.

Wo Laser neben der brodelnden physischen Präsenz zusätzlich mit seinem herrischen Befehlston den ehemaligen Chirurgen sehr überzeugend geben konnte, muss man Harvey fast schon distanziertes Spiel einräumen. Der Film kommt fast gänzlich ohne Dialoge aus, Harvey zumindest trägt in diesen nichts bei. Seine Person artikuliert sich durch Schnaufen, Wimmern, Husten und wütendes Gejammer. Das mag wenig anziehend klingen, passt aber perfekt zum verschrobenen Sonderling den er verkörpert. Neben der völlig anders beleuchteten Handlung geht der Film auch mit seinem Protagonisten einen völlig anderen Weg. Auch die Entscheidung inhaltlich keine direkte Fortsetzung zu drehen, sondern einen doch unvorhergesehenen Weg zu nehmen, empfinde ich schon fast als erfrischend innovativ.

Was bei beiden Filmen jedoch identisch ist: der Hype und die Aufnahme durch Medien und Fans noch lange vor abgeschlossenem Release. Während bei der [FIRST SEQUENCE] allein die Idee als Gesprächsstoff herhalten konnte, der eigentliche Film sich aber zahmer herausstellte als erwartet, konnten die Meldungen bei der [FULL SEQUENCE] aus den Vollen schöpfen: Verbot; Zensur; Freigabeverweigerung; schlussendlich Rücknahme des Verbotes, aber nur für eine gekürzte Fassung und schlussendlich für Deutschland die Beschlagnahme nach §131 StGB. Die dynamische Zensurgeschichte ließ vermuten, dass nun endlich all das, was der Vorgänger versprach, aber nicht zeigte, hier onscreen zu erleben sein würde.[FULL SEQUENCE] gibt dem Zuschauer das, was der Titel andeutet. Wo in Teil eins noch klinisch akkurat zu Werk geschritten wurde, schnippelt und näht hier ein Amateur an seiner Fantasie herum, was entsprechend grafische Resultate zu Tage fördert. Tatsächlich ist die Kameraarbeit deutlich zeigefreudiger und es werden einige schmerzhafte Szenen (Zähne, Patellasehne) und Geschmacklosigkeiten (Stacheldraht, Neugeborenes) präsentiert. Dabei kippt gegen Ende hin die durchweg düstere Stimmung kurzweilig in eine unfreiwillig komische pubertäre Phase, die nicht so recht in das schonungslose Gesamtbild passen möchte.

Von einem Kunstfilm ist THE HUMAN CENTIPEDE II [FULL SEQUENCE] mit Sicherheit weit entfernt, die in schwarz-weiß gehaltene Optik, verleiht einigen Bildern aber tatsächlich etwas künstlerisches und trägt maßgeblich zur trostlosen und brutalen Atmosphäre bei. Wem die Idee des ersten Filmes in ihrem wahnwitzigen Irrsinn zugesagt hat, aber die Umsetzung zu prüde fand, der sollte einen zweiten Anlauf mit dem Mittelteil der Trilogie versuchen. Schlussendlich erwartet hier eine völlig übersteigerte Kultidee, die gezielt aus dem Ruder läuft und das Publikum versucht mit Vorsatz zu entrüsten.

Ich jedenfalls freue mich auf den abschließenden dritten Teil, der wieder ziemlich kontrovers (weil angeblich langweilig) diskutiert wird und noch einmal ein gutes Stück anders sein soll.

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Kommentare

11.10.2017 14:31 Uhr - Ghostfacelooker
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Grins nachdem ich ja im ersten Review Teil schrieb das es keine Sichtung von Teil 2 geben wird ich aber neuerdings Calahans Möglichkeit des nur halb oder viertel gesichteten Film als Review kenne, könnte ich auch über meine 25 Minuten dazu schreiben^^^^^^âber ich denke kaum das er das Schimmern dieses Werks erzielte das du hier erzeugst.

11.10.2017 14:57 Uhr - dicker Hund
2x
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100prozentig akkurate Besprechung, die zu Recht besonders auf den Hauptdarsteller eingeht. Mit den Tausendfüßlern verhält es sich ähnlich wie mit den texanisch-massakrösen Motorsägen-Freunden: Teil 2 hält, was Teil 1 versprach;-)

11.10.2017 15:02 Uhr - TheRealAsh
3x
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du bist ja gut drauf, Driesknödel, das nimmt doch schon mit, oder? Ich empfehle dir jetzt nicht noch die Vomit-Gore-Trilogie oben drauf, da kann die Psyche ernsthaften schaden nehmen. Schöne Kritik jedenfalls zu keinem schönen Film, aber einem extremen und auch sehr interessanten;-)

11.10.2017 15:08 Uhr - NoCutsPlease
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Kritik Nummer 2 weiß ebenfalls zu gefallen und mich in positivem Sinne verdrieslich zu stimmen. ;)

Das Sequel habe ich mich nicht gesehen, aber irgendwann ist der auch mal fällig.

Edith: Patellasehne

11.10.2017 15:10 Uhr - DriesVanHegen
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Danke Leute!

@Ash:
Mitnehmen tut mich ein solcher Schwachsinn eher weniger, da müssen dann geerdetere Werke ran.
Die VG-Teile stehen (bis auf den 3., ich warte noch auf das Blacklave-Release) nahezu ungesehen im Schrank. Mehr als Durchspulen habe ich noch nicht geschafft.
Ich glaube aber, ich werde erstmal den Tausendfüßler-Zyklus beenden und mich dann aber weiterhin an kontroverser Kost versuchen.
Die vom Hund vor einiger Zeit rezensierten ALL NIGHT LONGs wollte ich mir eigentlich auch noch einmal geben und besprechen.

@NCP:
In der Tat, muss ich meine Humanbiologie-Vorlesung wohl doch noch einmal rekapitulieren. Ist verbessert, danke!
Verdrieslich :D

11.10.2017 16:24 Uhr - Horace Pinker
1x
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Deine beiden Human Centipede Kritiken sind dir sehr gut gelungen, du schaffst es dabei ein deutliches Bild der Werke zu erschaffen, deine eigenen Eindrücke und Interpretationen zu vermitteln und gut proportioniert einige interessante Hindergrundinfos einzustreuen, einfach Driestastisch ;)
Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit einen der Centipede Filme zu sichten, allerdings ist bei mir schon wegen den stark divergierenden Meinungen ein gewisses Grundinteresse vorhanden und nach dem positiven Kanon deiner Besprechungen werde ich bei sich bietender Gelegenheit zugreifen um mir selbst ein Bild machen zu können.

11.10.2017 22:57 Uhr - naSum
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11.10.2017 15:02 Uhr schrieb TheRealAsh
du bist ja gut drauf, Driesknödel, das nimmt doch schon mit, oder? Ich empfehle dir jetzt nicht noch die Vomit-Gore-Trilogie oben drauf, da kann die Psyche ernsthaften schaden nehmen. Schöne Kritik jedenfalls zu keinem schönen Film, aber einem extremen und auch sehr interessanten;-)


Ash, es gibt mittlerweile bereits vier Teile, die ich mir unlängst sogar angetan habe...^^

Dries, du Human Reviewpete, auch dieses Schreibwerk ist eine lesenswerte und fundierte Besprechung. Auf deine Eindrücke zum sehr trashigen und komödiantisch überzogenen dritten Teil bin ich gespannt, sowie auf die Arsch-zu-Mund Aneinanderreihung der Buchstabenfolgen.

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