SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Suche:
Böses Spiel mit Zombies Uncut AT-PEGI mit superschnellem Gratisversand ab 39,99€ bei gameware Dead Island Definitive Edition Uncut AT-PEGI mit superschnellem Gratisversand ab 29,99€ bei gameware
Dimetrodon12
Level 5
XP 432
Eintrag: 12.10.2017

Amazon.de


Thats It (OmU)
Blu-ray/DVD Mediabook
Cover A 46,83
Cover B 46,83



The Autopsy of Jane Doe
Blu-ray 13,99
DVD 12,99

Jenseits der Stille

Herstellungsland:Deutschland (1996)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Drama
Alternativtitel:Beyond Silence

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (1 Stimme) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von dimetrodon12:

Review: Jenseits der Stille

 

Bei mir persönlich haben deutsche Filme immer einen recht schweren Stand. Ich würde das darauf zurückführen, dass heutzutage ein Großteil des Mainstreamkinos aus deutscher Produktion durch Komödien mit Til Schweiger und/oder Matthias Schweighöfer vertreten wird. Zwar lassen sich mit Sicherheit auch hier Filme finden, die durchaus weitaus besser sind, als man es auf den ersten Blick erwartet, viele kleinere Filme, besonders aus anderen Genres entgehen aber leider dem gewöhnli­chen Kinogänger. Ich wollte nun mit diesem Review einen Film würdigen, der mir besonders viel bedeutet und heute (ich kann leider nicht für das Erscheinungsjahr sprechen, da war ich noch zu jung) leider vielen nicht mehr allzu viel (bis gar nichts) sagt: Jenseits der Stille.

Der Film beginnt seine Geschichte mit der Kindheit von Lara, der Tochter von zwei tauben Eltern. Von früh auf lernte sie Gebärdensprache und hilft ihren Eltern in wichtigen Lebenssituationen aus, in dem sie für sie übersetzt. Darunter leiden allerdings Laras schulischen Leistungen und ihr Sozial­leben. An einem Weihnachtsfest mit der Familie kommt es jedoch zu einer Veränderung, nachdem Laras Tante Clarissa ihrer Nichte eine Klarinette schenkt. Lara entdeckt die Musik und das Musizie­ren für sich, etwas worüber sie sich mit ihren Eltern nicht austauschen kann und was zu Spannun­gen zwischen ihr und ihrem Vater führt.

Die erste Hälfte des Films erzählt von der Kindheit Laras. Trotz einiger intensiver Momente bleibt der Film insgesamt auf einer eher friedlichen Note. Konflikte werden hier immer wieder angedeu­tet, wechseln sich jedoch mit ruhigeren Momenten und fröhlichen Montagen der Familie ab. Dem Zuschauer bietet sich dadurch ein einfacher Zugang zu der Lebenssituation von Lara ohne ihn mit einer Vielzahl an Problemen zu erdrücken. Im Gegensatz wird an vielen Stellen sogar mit ein wenig Humor versucht, die teilweise etwas tragische Stimmung wieder aufzuhellen. Der klare Fokus der ersten Filmhälfte liegt, neben der Vorstellung Laras, auf dem Entdecken der Musik. Dabei sei er­wähnt, dass hier niemand in musikalischen Fachbegriffen ertrinken wird, es geht viel eher um die Freude, die man aus Musik schöpfen kann, ob man nun selber spielt oder zuhört.

Und genau darin liegt der zentrale Konflikt der zweiten Filmhälfte, die von Lara als junger Erwach­senen berichtet. Von ihrer Tante angeheizt, möchte sie in Berlin Musik an einer renommierten Musikhochschule studieren. Während ihre Mutter versucht, sich in Laras Welt zurechtzufinden, kommt ihr Vater nicht mit den Zielen und Wünschen seiner Tochter zurecht. Er beginnt, Lara für al­les schlechte in seinem Leben verantwortlich zu machen.

Wo die erste Filmhälfte diesen Konflikt nur kurz mit einfließen lies, wird hier in die Vollen gegan­gen. Die wütenden Streitgespräche in Gebärdensprache gehören mit zu den besten Szenen des Films, wenn sie auch alles andere als unterhaltsam sind. Neben dem zentralen Konflikt zwischen Lara und ihrem Vater gibt es auch mehrere andere Faktoren, die die Geschichte beeinflussen und mal für Trauer, mal für Freude sorgen, denn auch hier wird nicht ganz auf Humor verzichtet, dieser muss jedoch ein paar Schritte zurücktreten. Insgesamt ist die zweite Filmhälfte dramatisch stärker als die erste, sorgt jedoch mit einer Liebesgeschichte, die auf die weitere Handlung jedoch keine weiteren Auswirkungen hat und am Ende auch nicht weiter Erwähnung findet, für einige Längen. Der Übergang zwischen den beiden Phasen, Kindheit und junge Erwachsene, verläuft dafür großar­tig. Es kommt während einer Vorführung beim Schulelternabend zu einem Zeitsprung und am Ende des Liedes ist Lara 18 Jahre alt. Ähnlich leicht wird auch der Zuschauer von dem einen Teil in den anderen überfrachtet. So beginnt auch der zweite Teil nicht sofort mit einer Überdosis an Traurig­keit sondern entwickelt seine Probleme über Zeit. Zusätzlich wird dem Zuschauer in einigen seich­teren Szenen immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich emotional wieder etwas zu beruhigen.

Von schauspielerischer Seite muss man an dieser Stelle die beiden Damen hervorheben, die dafür verantwortlich sind, dass aus Lara ein Charakter geworden ist, in den man sich gut versetzen kann. Sylvie Testud spielt Lara als junge Erwachsene mit einer guten Mischung an innerer Ruhe und Ver­nunft, sie wie ihrem eigenen, leicht Sturen Verhalten. Damit meistert sie sowohl die ruhigen, trauri­gen Szenen, als auch die hitzigeren Diskussionen. In der bereits erwähnten Liebesgeschichte geht ihre Leistung leider etwas unter, was ich jedoch auf das Skript zurück führen würde, dass ihr an die­sen Stellen nicht die glaubwürdigsten Dialogzeilen und Handlungen zur Verfügung stellt. Dennoch schafft sie es zu überzeugen und wurde dafür auch mit dem Deutschen Filmpreis beehrt. Tatjana Trieb übernahm den gleichen Charakter in ihren jungen Jahren und steht ihrem erwachsenen Co-Star in nichts nach. Besonders die ruhigeren Momente kauft man ihr gut ab. Leider verfolgte sie, mit einer einzigen Ausnahme, ihre Karriere als Schauspielerin nicht weiter.

Der wahre Hauptcharakter des Films ist für mich jedoch nicht Lara, oder aber ihre Eltern oder die Tante, sondern, wie könnte es anders sein, die Musik. Und die ist perfekt. (An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass mich der Soundtrack des Films durch große Teile meiner eigenen Kindheit be­gleitet hat, also bin ich hier möglicherweise etwas voreingenommen.) Niki Reiser zeigt sich verant­wortlich für den Soundtrack und schuf damit eine gute Mischung aus fröhlichen, schnellen Tonab­folgen für die Lichtblicke im Film, so wie deutlich ruhigere Melodien, für dramatische Stellen. Da­bei passen die Bilder oftmals schön zu den Klängen und diese Kombination fördert immer die pas­senden Emotionen. Selbst wenn man sich nicht auf den Film einlassen möchte, kann ich es nur wärmstens empfehlen, einmal in den Soundtrack rein zuhören.

Alles in allem gibt es von meiner Seite aus eine klare Empfehlung für Jenseits der Stille. Als leich­tes Drama ist es ein trauriger Film, der es dem Zuschauer jedoch nie zu schwer macht, weiter zu­schauen. Besonders dank einiger humorvoller Einlagen deprimiert der Film weniger, als andere Bei­träge des Genres, ohne dabei zu vergessen, dass es sich hierbei immer noch um das Genre Drama handelt. Dank zwei guter Hauptdarstellerinnen und der großartigen Musik schafft der Film eine bleibende Erinnerung. Lediglich einige Szenen in der zweiten Filmhälfte trüben den Sehfluss des Zuschauers, da sie nicht vollständig in das bisher gezeigte Bild passen. Als erste Regiearbeit von Charlotte Link wurde der Film als bester fremdsprachiger Film bei den Oscars 1998 nominiert, ver­lor jedoch gegen die niederländische Konkurrenz. Links späterer Film Nirgendwo in Afrika erhielt 2003 jedoch die Trophäe.  

8/10
mehr reviews vom gleichen autor
Cure
Dimetrodon12
9/10
Life
Dimetrodon12
8/10
die neuesten reviews
Rover,
Ghostfacelooker
5/10
Tür,
cecil b
8/10
Autopsy
Mr.Tourette
7/10
Club,
Horace Pinker
6/10

Kommentare

12.10.2017 15:21 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.495
Super Sache, dass du mal wieder dein Rückensegel schwingst! :)
Der Titel klingt irgendwie bekannt, der Film selbst nicht. Gut verfasste Kritik, die Interesse weckt.

12.10.2017 15:45 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 558
Schöne Rezi, der Film hört sich gut an, kenne ich leider auch nicht, sondern nur "Nirgendwo in Afrika" vom letzten Mädelsabend im Kino, den ich dann abgeschafft habe;-) Obwohl der war jetzt nicht schlecht.

13.10.2017 19:33 Uhr - Dimetrodon12
1x
DB-Helfer
User-Level von Dimetrodon12 5
Erfahrungspunkte von Dimetrodon12 432
Danke euch beiden, freut mich wenn ich hier vielleicht ein wenig Intresse geweckt haben könnte, es lohnt sich auf jeden Fall.

Ist auch schön das man (bzw. in dem Fall ich) hier trotz der momentan sehr unregelmäßig erscheinenden Reviews immer ein nettes Willkommen zurück von einigen Lesern bekomme.

13.10.2017 19:39 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.066
Man bin ich dankbar dafür, dass du einen wohl sehenswerten deutschen Film so gekonnt vorstellst! Danke dafür!

Mein nächstes Review wird auch zu einem recht jungen durchaus sehenswerten Film verfasst, zufälligerweise. :) Die Wertung ist auch dieselbe!

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
SB.com