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samploo
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Eintrag: 27.10.2013

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13 Assassins

(Jûsannin no shikaku)
Herstellungsland:Japan (2010)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama
Alternativtitel:13-nin no shikaku
Thirteen Assassins

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,74 (19 Stimmen) Details
inhalt:
Lord Naritsugu ist ein perverser Sadist! Aus reinem Vergnügen tötet, foltert und vergewaltigt er unschuldige Untertanen. Leider ist der dekadente Adelige der Halbbruder des Shogun, was ihn unantastbar macht und ihm eine Stimme im Rat verschaffen wird. Sir Doi, der weise und loyale Ratgeber des Shogun, nimmt es auf sich, das "Problem" zu lösen. Lord Naritsugu muss sterben! Doi beauftragt den ehrenwerten Samurai Shinzaemon damit, den von einer zahlreichen Leibgarde beschützten Lord zu töten. Shinzaemon sammelt eine kleine Gruppe von tapferen, zu allem entschlossenen Samurai um sich. Die 13 Attentäter wissen sehr wohl, dass sie auf dieser Mission den Tod finden werden. Doch das Leben eines Samurai bemisst sich nicht nach Jahren!
eine kritik von samploo:
Einleitung:

Workaholic. Rebell. Enfant Terrible. Provokateur. Genie. All das kann man wohl auf Takashi Miike beziehen. Der Mann, der im Jahr auch mal ganze fünf Filme rausbringen kann - als Regisseur wohlgemerkt. Die Ergebnisse sind dabei stets sehr unterschiedlich. Kinderfilm, Komödie, Drama, Action, Fantasy, Sci-Fi, Horror oder Splatter - er hat sicher schon jedes Genre mindestens einmal durch.
Mit "13 Assassins" wollte er den "Chanbara"-Film wiederbeleben. Chanbara ist die japanische Bezeichnung für Samurai- bzw. Schwertkampffilme. Laut Miike haben viele Regisseure versagt, die in den letzten Jahren Remakes / Neuinterptretationen / neue Filme zu diesem Genre realisierten.

"Over the years, people have remade Kurosawa movies, but failed every time because they have not been able to adapt the story into something young audiences can understand." - Takashi Miike

Miike betonte zudem, dass viele neue Filme des Genres ein Problem gemeinsam haben - es werden unnötige Liebesgeschichten eingebaut oder moderne Verhaltensweise dazugemengt, statt sich auf das ursprüngliche Wesen bzw. dem Weg des Samurai, dem sogenannten "Bushidō", zu konzentrieren. Dies wolle er bei seinem Film tunlichst vermeiden.

"It was important to avoid doing what most modern-day chanbara do, which is to insert a love story, or interpose modern-day mindsets." - Takashi Miike

Jetzt wollte er es also selbst versuchen - mit seinem Remake zu Eiichi Kudo's Klassiker aus dem Jahr 1963 (welchen ich bis dato noch nicht gesehen habe), dem gleichnamigen "13 Assassins" (OT: "Jûsan-nin no shikaku").
Es werden übrigens oft Parallelen zu Akira Kurosawa's "Die sieben Samurai", vermutlich dem Samurai-Film schlechthin, gezogen. So wird in beiden Werken ein Dorf zu einer Festung umfunktioniert um daraufhin gegen eine Scharr von Gegnern anzutreten, was aber wohl die einzige, wesentliche Gemeinsamkeit zu ist.

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Filmkritik:

Zunächst möchte ich klarstellen, dass man den Film im Original-Ton (mit Untertiteln) schauen sollte. Nicht weil ich die deutsche Synchronisation geringschätzen möchte, sondern viel mehr, weil es gerade bei japanischen Samurai-Filmen fast unvermeidbar ist, da die Sprache hier oft einen Großteil der Authentizität und somit auch der Atmosphäre ausmacht.

"13 Krieger. 1 Armee. Totales Massaker." - So steht es auf dem Cover der BD/DVD geschrieben. Bevor man aber ein "300"-mäßiges Schlachtenepos erwartet, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass sich der Film von Beginn sehr, sehr viel Zeit nimmt, um Charaktere einzuführen, deren Motivation zur Teilnahme an der Operation zu erklären, das Geschehen und die allgemeine Lage zu verdeutlichen und natürlich auf besagtem Weg des Samurais mit all seinen daraus resultierenden (inneren) Konflikten einzugehen.

Der Film ist grundlegend in zwei Akte eingeteilt: Dem ruhigen, einführenden Teil, der sich mit den Charakteren und den Grundsätzen eines Samurai auseinandersetzt und dem Action-Teil, der den Kampf der Truppe gegen die vermeintliche Übermacht zeigt. Dazwischen gibt es keine nennenswerten Abschnitte, die irgendwelche Wendungen herbeiführen hätten können. Das tolle ist, dass beide Akte gleichermaßen zu überzeugen wissen und nahtlos ineinander übergehen, ohne dass es zu abrupt und plötzlich erscheint.
Von den 125 Minuten handeln sicher 70 Minuten allein von der Auftragsgebung, Kriegerauswahl, Training und dazwischen kurzen Flashbacks, die gleichermaßen die Grausamkeit des Lords Naritsugu (Gorô Inagaki) und somit auch die Notwendigkeit diesen zu eliminieren darstellen. Von Langeweile kann jedoch keine Rede sein, sofern man sich auch nur ein wenig für die Thematik an sich interessiert (was bei mir zweifellos der Fall ist, rannte ich doch vor acht Jahren als damals 15-Jaehriger nach Sichtung von "Ghost Dog - Der Weg des Samurai" in die nächste Bücherei, um mir das "Hagakure" [Band I und II in einem] zuzulegen). Das Vorgehen und die Entwicklung sind daher, für mich zumindest, einfach hochinteressant anzusehen. Man taucht regelrecht ab in diese Welt.

Auf der einen Seite sind also die dreizehn Krieger, einschließlich ihres Anführers Shinzaemon Shimada. Dass hier nicht jedem Einzelnen die gleiche Tiefe zugewiesen wird, sollte klar sein, da sich der Film sonst doch zu sehr ziehen würde. Dennoch wird auf genügend Charaktere mehr als ausreichend eingegangen und besondere Eigenarten und Gründe für ihre Teilnahme stellen sich genauer heraus, durch die man erstens die verschiedenen Samurai besser unterscheiden kann und zweitens einen näheren Bezug zu ihnen erhält.

Andererseits beschäftigt sich der Film auch mit den Samurai, die dem Fürsten Naritsugu dienen. Allen voran geht es hier um Hanbei (Masachika Ichimura), der ein ehemaliger Trainingspartner vom Anführer der dreizehn Attentäter und Protagonisten Shinzaemon (Kôji Yakusho) ist. Hier entstehen nämlich gewaltige Konflikte, die einerseits den gesunden Menschenverstand der Samurai auf die Probe stellen, andererseits jedoch auch die Loyalität und Treue des Fürsten gegenüber anzweifeln. Das Dilemma, dass der Kodex der Samurai mit sich bringt findet hier wieder viel Beachtung, was für diejenigen, die sich damit etwas auskennen, in jedem Fall ein interessanter Gesichtspunkt ist.
Dadurch verleiht Regisseur Miike auch den vermeintlichen Antagonisten ein Gesicht und zeigt, dass diese genaugenommen gar nicht direkt als solche zu bezeichnen sind, aufgrund des Kodex, den sie als Samurai zu befolgen haben, sondern nur ihrem sadistischen Fürsten unterstehen und sämtliche Befehle befolgen müssen. Sehr schön, dass Miike sich die Zeit dafür nimmt, diesen konfliktbeladenen Sachverhalt passend zu veranschaulichen.

Ab der zweiten Hälfte, wenn sich die dreizehn Verbündeten auf den Weg machen, können sich erstmals die toll eingefangenen Bilder bemerkbar machen. Das kommt besonders bei den Dschungelaufnahmen zur Geltung oder wenn die Kamera über selbigen hinwegfliegt. In höchstem Maße imposant.

Der letzte Akt, die letzten 40 Minuten, stellen den gesamten Showdown dar. Das klingt vielleicht etwas lang, gleicht sich aber mit dem vorangegangen ruhigeren Part perfekt aus. Es kommt durchweg zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf - ganz im Gegenteil, man fiebert bis zum Äußersten mit und der Spannungsgrad bewegt sich auf extrem hohen Niveau.
Die Inszenierung der Schwertkämpfe ist erstklassig, so wie man es schon länger nicht mehr genießen konnte. Der Choreograph hat hier offensichtlich ganze Arbeit geleistet, wenn man bedenkt, dass man nur zwei Wochen Drehzeit hatte und die Hälfte der dreizehn Samurai noch nie ein Schwert in der Hand hielt, geschweige denn wusste, wie man selbiges zu führen hat. Die Action verkommt in keinem Moment zur bloßen stylischen Präsentation ihrerselbst, wie in anderen "Style-over-Substance"-Produktionen. Stattdessen ist sie fortwährend beklemmend und unangenehm, was eine ungemeine Anspannung aufkommen lässt, was wiederum natürlich als positiver Aspekt zu verzeichnen ist.

Was den Gewaltgrad betrifft, so wird nicht mit Blutfontänen gegeizt und ab und an rollt auch mal der ein oder andere Kopf - man sollte hier aber berücksichtigen, dass es sich um einen Film von Takashi Miike handelt, der seinen Hang zum Morbiden, Abstoßenden und äußerst Brutalem schon oft gezeigt hat. In Relation dazu bewegt sich das, was man zu sehen bekommt noch in einem sehr humanen Rahmen. Man braucht sich also nicht abschrecken lassen, wenn man bisher (vielleicht nicht ganz zu Unrecht) Miike's Werke scheute. Grenzen des guten Geschmacks überschreitet er, wie für Einige z.B. in "Ichi - The Killer", hier folglich keineswegs.

Im Gegensatz dazu bewegt sich die Bildgewalt auf einem außergewöhnlich hohen Level. Aufregende Eins-gegen-Eins-Duelle oder auch Zwei-gegen-Zwanzig-Duelle, Brücken stürzen ein, Häuser werden komplett gesprengt und die Kamerafahrten durch das plötzlich nicht mehr allzu stille, dafür in Blut getränkte, von Schwertern und Pfeilen dominierte Dorf sind so intensiv, dass sie einem den Atem rauben.
Die Spannung bleibt bis zuletzt bestehen, wo es zu einem für Samurai-Filme typischen Showdown bzw. Duell kommt. Respekt dafür, dass Miike es geschafft hat den Spannungsbogen derart lange aufrecht zu erhalten, ohne ihn je auch nur annähernd einreißen zu lassen.


Sonstiges:

Einen Wermutstropfen gibt es leider doch. Die internationale Fassung, welche hier nur erhältlich ist, wurde leider um ca. 17 Minuten erleichtert. Hier werden japanische Mythen thematisiert, welche insbesondere mehr Aufschluss über einen der dreizehn Krieger bieten. Man hat sich aber wohl gedacht, dass der westliche Zuschauer sein Hirn nicht anstrengen möchte, weshalb man diese Szenen rausnahm, um einen nicht zu verwirren. Miike hat sich zwar selbst für diese Straffung für unseren Markt eingesetzt, aber dennoch gibt es gerade aufgrund gewisser fehlender Szenen einige Ungereimtheiten, die das Ende unrund wirken lassen. Nun muss man aber sagen, dass ein Großteil der Szenen als Deleted Scenes Material auf der DVD/BD vorhanden ist, aber eben nicht alles. Wieso man nicht beide Fassungen integrieren konnte, die Internationale und die Japanische, will sich mir nicht erschließen. Mehr dazu kann man in dem dazugehörigen Artikel hier auf SB.com nachlesen.


Fazit:

Wer eine Affinität zum Genre hat, der wird sich mit diesem atmosphärischen, bildgewaltigen und hochspannendem Film definitiv prächtig amüsieren können. Es werden sowohl leisere Töne angeschlagen, als auch Töne der härteren Gangart, dass es ordentlich kracht. Takashi Miike hat es mal wieder geschafft. 8.5/10
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