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Punisher77
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Für ein paar Dollar mehr

(Per Qualche Dollaro in Più)
Herstellungsland:Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien (1965)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Western
Alternativtitel:...et pour quelques dollars de plus
For a Few Dollars More
La Muerte tenía un precio
Por unos cuantos dólares más
Por unos pocos dólares más

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,42 (38 Stimmen) Details
inhalt:
Für ein paar Dollar mehr:

Eastwood kehrt zurück als wortkarger Fremder namens Monco in Leones "Dollar-Nachfolger": Um sich das Kopfgeld für die Bande des skrupellosen Banditen El Indio (Gian Maria Volonté) zu sichern, hecken er und sein Konkurrent Mortimer (Lee van Cleef) den Plan aus, Monco in die Höhle des Löwen einzuschleusen. Doch Mortimer verschweigt, dass er auch noch eine ganz persönliche Rechnung mit El Indio offen hat ...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                      FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR

Sergio Leones Für Eine Handvoll Dollar (1964) war ein Überraschungserfolg gewesen, der die Karrieren von Regisseur Sergio Leone, Hauptdarsteller Clint Eastwood und Komponist Ennio Morricone begründet hatte. Außerdem hatte der Film ein neues Genre initiiert: den Italowestern!

Die Für Eine Handvoll Dollar – Produzenten drängten verständlicherweise auf eine Fortsetzung und bewilligten Sergio Leone ein weitaus höheres Budget: 600.000 Dollar. Zum Vergleich: Für Eine Handvoll Dollar (1964) hatte 200.000 Dollar gekostet. Neben Ennio Morricone war natürlich auch wieder Clint Eastwood wieder mit von der Partie, der für seine Teilnahme an Für Ein Paar Dollar Mehr eine Gage von 50.000 Dollar bekam. Eastwood musste allerdings erst überzeugt werden, da er Für Eine Handvoll Dollar noch nicht gesehen hatte. Also zeigte man Eastwood und ein paar Freunden eine italienische Kopie des Films (Eine englischsprachige Version gab´s noch nicht), die für so große Begeisterung sorgte, dass Eastwood wieder mit Leone arbeiten wollte.Den Schurken des Films sollte wieder Gian Maria Volonte spielen, der bereits in Für Eine Handvoll Dollar eine grandiose Vorstellung gegeben hatte.

Das Budget des Films gestattete Leone nicht nur, seine kreativen Schwingen auszubreiten, sondern auch einen weiteren amerikanischen Hauptdarsteller anzuheuern. Zunächst wandte sich Leone an Lee Marvin (Das Dreckige Dutzend, 1967), doch der verlangte ein paar Dollar zu viel. Danach fragte Leone bei Henry Fonda und Charles Bronson nach, die er schon für Für Eine Handvoll Dollar haben wollte, aber beide lehnten ab.Doch dann erinnerte sich Sergio Leone an Lee Van Cleef aus High Noon – Zwölf Uhr Mittags (1952), der seit seiner Vorstellung in diesem Westernklassiker auf Nebenrollen als Bösewicht abonniert war. Leone war begeistert von Van Cleefs Gesicht und schickte ihm einen Agenten mit einem Koffer voll Geld mit der Auflage, Van Cleef für Für Ein Paar Dollar Mehr unter Vertrag zu nehmen. Leones Agent kam zur richtigen Zeit. Van Cleef hatte gerade eine Alkoholentziehungskur hinter sich und war seitdem vom Pech verfolgt. Er versuchte sich erfolglos als Maler, konnte seine Stromrechnung nicht mehr bezahlen und stand kurz davor, obdachlos zu werden. Leones Koffer voller Geld war da ein Geschenk des Himmels. Für 17.000 Dollar Gage flog Van Cleef umgehend zu Leone nach Rom, um nur kurze Zeit später am Set zu erscheinen. Das Hauptdarsteller – Trio war perfekt.Da Für Ein Paar Dollar Mehr eine italienisch – spanisch – deutsche Produktion war, spielte mit Klaus Kinski auch ein großer deutscher Schauspieler eine Rolle in Für Ein Paar Dollar Mehr eine Rolle. Kinski hatte kurz zuvor einen Part in dem Filmklassiker Dr. Schiwago(1965), der den Auftakt für zahlreiche Auftritte in internationalen Filmen bildete. Kinskis Part ist zwar kurz, aber genial und erinnerungswürdig!

In Für Ein Paar Dollar Mehr bricht Volonte als der psychopathische Schwerverbrecher El Indio aus dem Gefängnis aus. Kaum auf freiem Fuß, plant er direkt seinen nächsten Coup: einen Überfall auf die Bank von El Paso. Das ruft die Kopfgeldjäger Monco (Clint Eastwood) und Colonel Douglas Mortimer (Lee Van Cleef) auf den Plan. Während Monco nur am Kopfgeld interessiert ist, das Indio und seine Bande einbringen, hat Mortimer noch eine alte Rechnung mit Indio offen. Obwohl sie verschiedene Ziele verfolgen, arbeiten Monco und Mortimer zusammen, um Indio zur Strecke zu bringen …

Man merkt Für Ein Paar Dollar Mehr an, dass Sergio Leone seine Vorstellungen erstmals so verwirklichen konnte, wie er es sie sich vorgestellt hatte. Der Film ist eine knappe halbe Stunde länger als sein Vorgänger, da er jeder Hauptfigur eine eigene Episode widmet. Diese Episoden sind für die Handlung vielleicht nicht zwingend erforderlich, erlauben den Figuren aber, ihren individuellen Stil zu demonstrieren. Und Stil ist in Leone – Western mindestens genauso wichtig wie die Handlung.Außerdem zeigt uns Leone viel mehr vom Wilden Westen als zuvor. Zum ersten Mal kommt in seinem Film ein Zug vor und es gibt viel mehr Schauplatzwechsel. Die Stadt El Paso beispielsweise ist mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert worden und deutet bereits die atemberaubenden Kulissen von Sergio Leones späteren Filmen Zwei Glorreiche Halunken (1966) und Spiel Mir Das Lied Vom Tod (1968) an. Im Gegensatz zu den meisten US – Western bemüht sich Sergio Leone in seinen Filmen um größtmögliche Authentizität. So zeigt Leone z.B. die Kneipen des Wilden Westens genauso wie sie waren: als verräucherte Kaschemmen ohne Glanz und Gloria, die wenig mit den blankpolierten Saloons vieler US – Western gemein haben. Diese Authentizität ist es, die diesen und auch Leones andere Western so sehenswert macht.

Clint Eastwood brilliert in der Rolle des Monco. Er ist weitgehend identisch mit der Figur, die Eastwood in Für Eine Handvoll Dollar spielte – mit der Ausnahme, dass Monco (Der in der deutschen Fassung Joe heißt) ein Kopfgeldjäger ist. Neben seiner blitzschnellen Revolverhand  darf Eastwood in Für Ein Paar Dollar Mehr wieder einmal seine unnachahmliche Coolness demonstrieren – z.B. wenn er aufreizend lässig seine Zigarillos anzündet oder wenn er das Geschehen um sich herum mit trockenen Sprüchen kommentiert. Auf die Frage, warum er einen Freund von Indio aus dem Gefängnis befreit hat, antwortet Monco – umgeben von schwerbewaffneten Banditen – mit „Weil es für ihn ein hohes Kopfgeld gibt.“Mit Lee Van Cleef als Colonel Douglas Mortimer hat Eastwood/Monco einen ebenbürtigen Partner, der das totale Gegenteil von ihm ist. Während Monco äußerst verwegen und zerlumpt wirkt, legt der von Lee Van Cleef eindrucksvoll gespielte Mortimer Wert auf gepflegte Kleidung und gute Manieren. Er ist ein echter Gentleman, der sich selbst bei der Verfolgung eines Verbrechers noch die Zeit nimmt, sich bei dessen Freundin für sein unangemeldetes Eindringen zu entschuldigen. Im Umgang mit Waffen ist er jedoch genauso geschickt und kaltblütig wie Monco. Eine alte Regel besagt, dass jeder Film nur so gut ist wie sein Schurke. Auch in dieser Hinsicht ist Für Ein Paar Dollar Mehr ein Meilenstein des Genres. Gian Maria Volonte spielt mit El Indio einen Bandenchef, der skrupellos und gewalttätig ist und dessen geistige Gesundheit nicht gerade durch den permanenten Konsum von Marihuana gefördert wird. Außerdem hat er eine Vergangenheit als verschmähter Liebhaber. Er wurde von Mortimers Schwester abgewiesen und als er sie und ihren Partner im Bett erwischt, tötet er ihn und nimmt sich Mortimers Schwester mit Gewalt und treibt sie in den Selbstmord. Diese Sequenz taucht mehrmals in alptraumhaften Rückblenden auf und verleiht Indio mehr Tiefe als so manch anderem Italowesternschurken.

Wie für den Vorgänger schrieb Ennio Morricone auch die Musik für Für Ein Paar Dollar Mehr und erneut ist die Musik ein enorm wichtiger Bestandteil des Films. Dabei dient der Score nicht nur der akustischen Untermalung einzelner Szenen, sondern nimmt auch eine die Handlung bestimmende Funktion ein. Gemeint sind die Spieluhren von Mortimer und Indio. Wenn die Musik beim Duell verstummt, wird geschossen. Im brillanten Showdown stimmt die Spieluhr gleichzeitig Indios Totenlied an.Besagter Showdown ist die Krönung des Films. Morricones treibende Musik, die Kamerarbeit und die zahlreichen Großaufnahmen sorgen für ein Höchstmaß an Spannung. Diesmal ist Eastwoods Figur allerdings nicht am abschließenden Duell beteiligt – er sorgt mit Mortimers Spieluhr lediglich dafür, dass die Abrechnung zwischen dem Colonel und Indio „ordnungsgemäß“ verläuft. Dass das Duell in einem Kreis stattfindet, deutet bereits den Showdown des legendären Nachfolgers Zwei Glorreiche Halunken (1966) an, an dessen alles überragende Klasse Für Ein Paar Dollar Mehr allerdings nicht ganz herankommt.

Obwohl Für Ein Paar Dollar Mehr einige (für damalige Verhältnisse) sehr harte Szenen enthält, war Leone weniger an der Gewalt interessiert als an den Ritualen, die ihr vorausgehen. Das Ritual, das ein Duell einleitet, wird auch in Für Ein Paar Dollar Mehr genüßlich zelebriert und in die Länge gezogen – der Akt des Sterbens dagegen ist sehr kurz.

Auf der anderen Seite bietet Für Ein Paar Dollar Mehr auch jede Menge Witz. So macht sich Monco beispielsweise einen Spaß daraus, Mortimers Anweisungen nicht zu befolgen und für sich auszulegen. Auch die Szene, in der sich Monco beim „Propheten“ nach Mortimer erkundigt und in der dieser gallige Kommentare über die Eisenbahn (Ein Thema, das Leone in Spiel Mir Das Lied Vom Tod noch einmal aufgreift) abgibt, ist ziemlich humorvoll.

Für Ein Paar Dollar Mehr ist ein Meilenstein des Westerns und der Filmgeschichte, der seinen Vorgänger überragt, aber nicht über das letzte Quäntchen Genialität verfügt, das Leones spätere Filme Zwei Glorreiche Halunken (1966), Spiel Mir Das Lied Vom Tod (1968) und Es War Einmal In Amerika (1984) zu unsterblichen Klassikern werden ließ. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau – gesehen haben muss man den Film auf jeden Fall!

 9,5/10

 

9/10
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Kommentare

18.10.2014 08:15 Uhr - Frank the Tank85
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So muss ein Review aussehen.Clint is einfach die coolste Sau der Filmgeschichte.

18.10.2014 12:20 Uhr - Tom Cody
2x
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WOW. Großartiges Review zu einem der Top-Italowestern. Toll geschrieben und mit jeder Menge interessanter Details versehen.
Auch hier steht wieder alles drin, was gesagt werden muss. Die Details aus der Lee Van Cleef-Biographie waren mir z.B. auch unbekannt.

Hach, dieser Leone-Film hat ebenfalls wieder so viele, unvergessliche Szenen:
- wenn Colonel Mortimer eiskalt (und unter Beschuss) den Schulterkolben für seinen Colt auspackt und befestigt.
-wenn Monco sich in das Pokerspiel einmischt: "Worum spielen wir?" "Um deine nackte Haut!"
-das spaßige, nächtliche Kräftemessen zwischen den beiden Kopfgeldjägern.
-wenn Mortimer sich mal eben das Streicholz an Klaus Kinskis Buckel anzündet!
-wenn Monco am Ende die Leichen zählt, feststellt dass einer fehlt, sich umdreht und das letzte, sich gerade anschleichende Mitglied der Bande erschießt.
- Monco als Schiedsrichter beim Duell.

Ist mal jemanden aufgefallen, wie die beiden Kopfgeldjäger den Steckbrief von El Indio betrachten? Monco (dem es nur um die Belohnung geht) schaut auf den Geldbetrag und Col. Mortimer (aus den bekannten persönlichen Gründen) auf das Gesicht von El Indio. :-)

18.10.2014 23:51 Uhr - WEBOLA
Mein absoluter lieblings Italowestern und einer der besten die ich kenne!


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