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Clemens
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Eintrag: 17.04.2015

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Drei Engel für Charlie

(Charlie's Angels)
Herstellungsland:USA (2000)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Komödie

Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,95 (31 Stimmen) Details
inhalt:
Ihr Auftrag: Einen entführten Milliardär befreien und dessen Firma Knox Technologies vor dem sicheren Ruin bewahren. Unter der Leitung ihres charismatischen Playboy-Bosses, berühmt-berüchtigt dafür, sich selbst seinen engsten Mitarbeitern nie persönlich zu zeigen, greifen die drei Engel auf ihren weiblichen Charme sowie eine gehörige Portion Hightech und Kampfsport zurück, um sich selbst, Charlie und das Leben tausender Unschuldiger zu retten.
eine kritik von clemens:

Manchmal werden erfolgreiche Ideen aus dem Zufall geboren. Es war die damals 25-jährige Drew Barrymore, die den Stein ins Rollen brachte, der nicht nur ihrer Karriere noch einmal den großen Schub gab, sondern auch zu einem der größten Überraschungserfolge der frühen Nuller Jahre avancieren sollte. Barrymore, die damals doch noch die eine oder andere Party daheim schmiss [allerdings längst nicht mehr so wild und selbstzerstörerisch wie in den Achtzigern!], hatte bei eben jenen einen separaten Filmraum eingerichtet, in dem nonstop irgendwelche Videos liefen. Besucher kamen rein, glotzten kurz auf die Leinwand, nahmen sich ein Gläschen oder einen Snack und gingen wieder. Doch dann liefen eines Tages einmal Wiederholungen der alten Kult-Serie Drei Engel für Charlie (1976-1981), ein Großteil der Gäste blieb am Bildschirm hängen und verließ erst den Raum, nachdem er zumindest die laufende Folge zuende gesehen hatte. Und in diesem Augenblick fasste Drew den Plan, jene scheinbar längst vergessene Serie für einen Kinofilm wieder aufleben zu lassen.

 

Farrah Fawcett (RIP), Jaclyn Smith und Kate Jackson waren es, die Ende der Siebziger Jahre gefühlt jedem zweitem Herren der Schöpfung in den US von A den Kopf verdrehten (Cheryl Ladd, Shelley Hack und Tanya Roberts waren rückblickend betrachtet nur Ersatzleute). Drei Engel für Charlie hatte zwar unabstreitbaren, anspruchslosen Trash-Appeal und unterm Strich gestaltete sich jede Folge gleich, doch die stets gut aufgelegten, nicht unattraktiven Damen, die äußerst stimmigen Schauplätze im sonnigen Kalifornien und kurzweilig inszenierten Fälle hatten definitiv Charme und Wiedererkennungswert - und machen wir uns doch nix vor, bei einem Miami Vice beipielsweise ging es irgendwann auch nur noch um die Optik. Dieses Merkmal behielten die Macher im Kinofilm, der im Herbst 2000 in die Lichtspielhäuser kam, bei - und man muss sagen, glücklicherweise taten sie dies. Echten Anspruch hatte die Serie nie und auch die Verfilmung will von der ersten Sekunde an nichts anderes sein, als locker-flockiges Popcorn-Entertainment. Das zeigt sich schon bei der ersten Szene, in der bei einer Actionsequenz in luftigen Höhen sämtliche Gesetzmäßigkeiten von Physik und Biologie mit Schmackes über Bord geworfen werden und alles noch viel übertriebener daherkommt als selbst im unrealistischsten James-Bond-Film. Macht nix, denn die drei Mädels sollen lieber ihre Matten in Zeitlupe durch die Gegend pfeffern oder in knappen Bikinis ihre Körper präsentieren. Das gelingt recht ordentlich denn alle drei Hauptdarstellerinnen haben ersichtlich Spaß an der Arbeit.

Cameron Diaz (Vanilla Sky, Gangs of New York) gibt als Engel Natalie die Frau mit dem Bleifuß, die in regelmäßigen Abständen auch mal ins Fettnäpfchen tritt. Funktioniert ausgesprochen gut, denn die Ex von Jared Leto und Justin Timberlake präsentiert sich in ihren Filmen gerne mal selbstironisch - und die Martial-Arts-Szenen machen bei Diaz und ihren ellenlangen Beinen tatsächlich was her. Drew Barrymore (E.T., Verrückt nach dir) darf als Dylan gemäß ihres - damaligen - Images das typische Bad Girl mimen, das stilecht im Judas Priest-Shirt gekleidet die Bösen vermöbelt und dazu auch mal einen nicht unbedingt kinderfreundlichen Spruch von sich gibt (also für Ami-Verhältnisse, versteht sich). Da sie wie bereits angesprochen auch als Produzentin auftritt, legt sie eine besonders energievolle Leistung an den Tag; ihre Dylan ist frech und süß zugleich und schont in ihren Kampfszenen weder sich selbst noch erst recht ihre Gegenspieler. Last but no least darf man sich noch auf Lucy Liu (Elementary, Kill Bill - Vol. 1) freuen, die von allen drei Engeln noch am ehesten ernstzunehmen ist und nicht komplett wie aus einem Comicheft zu stammen scheint. Obwohl auch bei ihr der Humor nicht zu kurz kommt (Stichwort: Blaubeer-Muffin...), ist ihre Alex eher bodenständig und als Technik-Freak, sowie glaubwürdigste Kampf-Dame noch am nähesten an der Realität. Was alle drei Damen gleich haben: die Spielfreude ist ihnen zu jeder Sekunde anzusehen, sowohl in den Sexbomben- als auch in den Actionszenen machen sie alle drei eine erstaunlich souveräne Figur und die Chemie untereinander passt hervorragend. So kritisch man den Cast auf den ersten Blick auch sehen mag, so fantastisch harmoniert er allerdings tatsächlich.

Das hat sich scheinbar auch auf die Nebenfiguren übertragen, denn da haben wir eine ganze Garde von teils äußerst berühmten Namen. Der gute alte Bill Murray (Ghostbusters, Die Geister die ich rief...) fühlt sich in seiner Rolle des Bosley, der die Verbindung zwischen den Engeln und Auftraggeber Charlie herstellt, sichtlich wohl - kein Wunder, wer wäre bei den Mädels auch nicht gerne der Hahn im Korb?! Der obligatorische trockene Humor Murrays zündet in gewohnter Weise (erwähnte ich bereits, dass auf Arne Elsholtz als Synchronsprecher wie immer absoluter Verlass ist?) und selbst wenn der Mann auch die eine oder andere Slapstick-Einlage überstehen muss, so wirkt er dennoch absolut erhaben. Kurz gesagt: Mr. Murray geht immer! Sam Rockwell (Iron Man 2, The Green Mile) weiß als millionenschwerer Technik-Guru zu gefallen - und ohne groß spoilern zu wollen, sei an dieser Stelle gesagt, dass er eine beträchtliche - wenngleich vorhersehbare - Wandlung vollzieht. Zusätzlich haben wir noch Kelly Lynch (Virtuosity) als Rockwells rechte Hand (und ebenfalls Kampfbraut), Luke Wilson (Idiocracy) als in Engel Natalie verschossenen Barkeeper, Matt LeBlanc (Friends) als Lucy Lius Boyfriend, Mr. Badguy himself Tim Curry (Es) als mega-unsympathischer Konzernboss, Drew Barrymores damaliger Real-Life-Gefährte Tom Green (Road Trip) als...ja, als Tom Green eben und in Mini-Rollen LL Cool J (Halloween H20) und Melissa McCarthy (Taffe Mädels) - man sieht, die betreffende Castingagentur hat sich wirklich nicht lumpen lassen. Ein paar Worte mehr zu Crispin Glover, der ebenfalls in einer recht aufsehenerregenden Nebenrolle zu sehen ist. Dass der Kerl schon früher einen Hang zu schrägen Frisuren (Zurück in die Zukunft) und...sagen wir mal "ungewöhnlichen Bewegungsarten" (Freitag der 13. - Part IV) hatte, ist bekannt, aber wieviele Krabben man ihm bei diesem Film in die Unterhose gesteckt hat, spottet jeglicher Beschreibung. Als namenloses Klappergestell (im OT "Thin Man") erhält Glover den Luxus, keine Zeilen aufsagen zu müssen und stattdessen lediglich wild durch die Gegend zu kreischen und Kette zu rauchen; zudem wirkt sein angestrengt böser Blick beinahe schon belustigend und als Bonbon schwebt er durch die gefühlt 30 Zentimeter breite Lücke zwischen zwei Gittern. Sein Nahkampf gegen alle drei Engel (!) (also ehrlich, Mädels!) ist folglich zwar hervorragend choreografiert, aber wenn Cameron Diaz locker mal 10 Meter durch die Luft fliegt und ihn mit einem gezielten Powerkick ebenso weit weg schleudert, sind wir wieder im Comic-Style. Aber wie auch immer: Glover ist gleichfalls mit Feuereifer bei der Sache. Im Originalton dürfen sich Kenner zudem auf die Stimme von John Forsythe (RIP) freuen, der Obermacker Charlie bereits in der TV-Serie sprechen durfte.

Inszenatorisch wurde bereits viel angesprochen und tatsächlich sind Charlies Engel anno 2000 voll auf die MTV-Generation zugeschnitten. Dass man die Regie Big King...äh, sorry McG [der Joke musste jetzt einfach sein, sorry liebe Leser!] auf Bestreben von Drew Barrymore anvertraute, der seit dem vierten Terminator für viele Filmfans mehr als nur ein rotes Tuch ist, spricht Bände. McG, zuvor eher als Produzent und Musikvideo-Regisseur in Erscheinung getreten (u.a. Sugar Ray, Korn und The Offspring), durfte am Set der Engel dann auch seine ganz eigene typische Art ausleben. "3 Engel für Charlie" wirkt durchweg weniger wie ein ernstzunehmender Kinofilm - noch nicht einmal wie eine selbstironische Actionkomödie - sondern wie eine Mischung aus Videospiel, Musikvideo und Comic. Die billige Story um einen gekidnappten Software-Guru ist von Anfang an nur Staffage, um die Engel alle fünf Minuten die Klamotten und Frisuren wechseln zu lassen, abenteuerliche Stunts zu vollziehen und regelmäßig einen treibenden Rock- oder Big Beat-Song einzubauen. Die Engel können und wissen alles, und ziehen selbst Batman zu Adam-West-Zeiten die Strumpfhose aus; sie sind unverwundbar, machen jeden Typ der ihnen über den Weg läuft zum Horst und haben selbst in den schweißtreibendsten Actionszenen immer den Stylisten am Wegrand stehen. Das Bild ist mega-stylisch, alles ist bunt und schillernd, die Klamotten scheinbar mit einer ganzen LKW-Ladung aus dem Prada-Store angekarrt. Und die Musik? Da muss ich wirklich festhalten: der Soundtrack ist Bombe und würde jedes CD-Regal und jeden mp3-Player erhellen. Ob treibender R&B von Destiny's Child, harter Rock von Aerosmith, klassisch-eingängiger Poprock von Heart (natürlich mit ´Barracuda´ vertreten) und zwei Aushängeschilder von Rap- (Sir Mix-a-Lot mit seinem unvermeidlichen ´Baby Got Back´) und Electro-Mucke (The Prodigy mit dem gleichfalls sattsam bekannten ´Smack My Bitch Up´) - der Soundtrack hat durchgängig starkes Niveau und treibt den Film gekonnt voran. Kein Wunder also, dass der Film (obwohl er mit einem Budget von knapp 100 Mio. Dollar alles andere als billig war) mehr als nur zu einem Überraschungserfolg avancierte und sich Drew anerkennend auf die Schultern klopfen durfte: Alles richtig gemacht!

 

Fazit: Man kann Kritiker verstehen, die "3 Engel für Charlie" als Blödsinn abtun. Mit Realismus gibt sich der Film von Beginn an nicht ab, stattdessen wird feinste Popcornunterhaltung geboten, ohne jeglichen Anspruch. Die drei Mädels werden passend in Pose geworfen, der Soundtrack hat gefälligst "cool" zu sein, die Story so dünn wie Heidi Klums Untergebene und die Action möglichst laut und spektakulär. Die drei Hauptprotagonistinnen Diaz, Barrymore und Liu erweisen sich als absolutes Traum-Trio und auch in den Nebenrollen weiß ein altgedienter Superstar wie Bill Murray zu gefallen. Wer sich den Streifen nicht ohne die rosarote Fanbrille antun kann, darf sehr gerne zwei, drei Punkte abziehen, für mich bleiben aufgrund des hohen Unterhaltungswerts und der gewollten Lockerheit akzeptable

6/10
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Kommentare

17.04.2015 13:08 Uhr - NoCutsPlease
1x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.550
Sehr gelungenes Review! Umfangreiche Informationen und äußerst unterhaltsam formuliert.

17.04.2015 14:01 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
User-Level von Gorno 12
Erfahrungspunkte von Gorno 2.460
17.04.2015 13:08 Uhr schrieb NoCutsPlease
Sehr gelungenes Review! Umfangreiche Informationen und äußerst unterhaltsam formuliert.


Dem kann ich nur zustimmen. Die Einleitung gefällt mir, wusste vorher nicht wie es zur Filmidee kam. Den Film finde ich ebenfalls ziemlich amüsant, würde ihm auch etwa eine 6.5/10 geben.

17.04.2015 14:01 Uhr - NICOTERO
1x
User-Level von NICOTERO 1
Erfahrungspunkte von NICOTERO 15
Sehr gutes Review zu einem Film Der nun für einmal wirklich nicht mehr als 2/10 verdient hat. Schrecklich. Meine Meinung. Mit diesem "McG" werde ich einfach nicht warm.

17.04.2015 16:29 Uhr - Grrrg
2x
User-Level von Grrrg 5
Erfahrungspunkte von Grrrg 338
Gut geschriebene Kritik. Allerdings: wenn du nicht spoilern willst, dann lass es doch einfach. Den einzige größeren Twist im Film würde ich nicht in eine Besprechung einbauen.

18.04.2015 01:01 Uhr - Clemens
DB-Helfer
User-Level von Clemens 10
Erfahrungspunkte von Clemens 1.361
Danke Leute!
@ Grrrg: Ich weiß jetzt nicht zwangsläufig wo das Problem liegt. Letztlich habe ich über Rockwell nix gespoilert, wer immer auch den Streifen noch nicht gesehen hat, weiß nach dem Review nicht, was mit ihm abgeht oder abgehen wird. Wie dem auch sei.

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