Regisseur Naoyuki Tomomatsu ist Freunden japanischer Seltsamkeiten vielleicht wegen seiner "Rape Zombie"-Filme oder "Erotibot" bekannt. Der hier besprochene Fun-Splatter "Stacy" war 2001 seine zweite Regiearbeit.
Üblicherweise sagt es bei einem Film nichts aus, wenn die beteiligten Unternehmen vor dem eigentlichen Beginn eingeblendet werden. Bei "Stacy" ist dies anders, denn das Label "GAGA" hat sich einen Firmennamen ausgesucht, der in der deutschen Umgangssprache synonym für "bescheuert" gebraucht wird und hier wie ein böses Omen zur Beschreibung des Gezeigten passt. Selbst wenn man Sympathien für japanischen Girlie-Splatter der Marke "Tokyo Gore Police" hat, sollte man eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen. Denn die grenzdebile Grundidee ist noch das Beste, was sich bei der Autopsie dieses Produkts außerhalb der blutigen Effekte finden lässt:
In "Stacy" zombifizieren Teenagerinnen in Schuluniform, weshalb Weltuntergangsstimmung herrscht. Zwei Säuberungsgruppen, eine offizielle aus Männern in Uniform und eine inoffizielle aus Frauen in hübschen Kimonos, konkurrieren dabei um den Tötungsmarkt. Ein solcher entsteht, weil aufgrund einer neuen Gesetzeslage sonst nur nahe Angehörige die "Stacies", wie die untoten Mädchen genannt werden, töten dürfen. Das bringen sie aber oft nicht übers Herz.
Aus diesem Stoff hätte man selbst mit knappen Mitteln einen irrwitzigen Flick zusammenschustern können. Dass dies nicht geglückt ist, ahnt man schon wegen der plumpen Art, wie gleich zu Beginn Seitenhiebe auf die Größen des Genres um gewandelte Wesen ausgeteilt werden. Da heißt die offizielle Säuberungsgruppe eben "Romero-Wiedermord-Einheit", die Konkurrenzorganisation "Drew" und eine via Werbespot angepriesene Kettensäge "Blues Campbell". So etwas ist lustig gemeint (Humor 5/10) und könnte ja theoretisch auch zünden, langweilt aber durch die stoische Mimik der miserablen Schauspieler und die darauf abgestimmte, unmotivierte deutsche Synchro, die in der für das Review genutzten DVD-Fassung von Cult Movies alternativlos ist. Die stocksteifen Darbietungen würden höchstens zu den Zombies passen, deren Statistinnen jedoch die hohe Kunst des Overactings bevorzugen. Genauso wenig subtil wie die Anspielungen auf die Vorbilder formuliert wurden, sind die simplen Dialoge und rekordverdächtig zähen Monologe verfasst, die die austauschbaren Figuren verzapfen. Beispielhaft sei das Verhalten der ein paar Tage vor der Verwandlung stehenden Schulmädchen genannt, die als Vorspiel zu ihrem Exitus in die "Prä-Mortem-Extase" verfallen, was ihr nervtötend klamaukhaftes Gekicher erklären soll. "Ich muss bald sterben, tötest Du mich? Hihihi...". Den Wunsch würde man am liebsten vorzeitig erfüllen. Hinzu tritt nicht enden wollendes Füllwerk wie ein dämliches Puppentheaterspiel.
Beißt sich der Zuschauer durch diese drehbuchimmanenten Zumutungen durch, erhält er als Entschädigung eine ordentliche Portion sauber gestalteter, handgemachter Goreszenen der derben Sorte (Gewalt 8/10), die Kannibalismus und Amputationen bereithalten. Gelegentlich eingespielte Darstellungen von Leichensäcken mit zuckenden Überresten erinnern zudem daran, dass man hier mit einem Sujet aus dem Bereich des Horrors (5/10) zu tun hat. Das Gezeigte wäre für einen Beitrag in einer Kurzgeschichtensammlung durchaus goutierbar, ist aber für eine Spielfilmlänge von 80 Minuten entschieden zu wenig. Denn gruselig sind weniger die Kunstbluteinsätze als vielmehr die selbst für Amateurfilmverhältnisse extrem schwache Inszenierung:
Das apokalyptische Rahmenszenario wird mit wenigen Standbildern heruntergerotzt. Wenn der Score ertönt, klingt er mal nach Porno und mal nach Schnulze, wenn nicht stattdessen die viel zu leise eingespielten rockigen Riffs gerade noch zu hören sind. Gemeinsam haben die akustischen Untermalungen nur den Umstand, dass sie nahezu stets deplatziert wirken. Die Setgestaltung macht ebenfalls einen wenig durchdachten Eindruck - hier eine naturbelassene Waldlichtung, dort ein paar sterile Räume, die hastig mit zwei bis drei Möbeln und einer Handvoll Gegenständen gefüllt wurden, damit sie bewohnt aussehen. Genauso uninspiriert geht die Kamera vor, die fast durchweg frontal auf die Gesichter der untalentieren Mimen hält. Als so ziemlich einzige Variante hat sie eine Drehung um 90 Grad parat, wahlweise im Uhrzeigersinn oder dagegen, um ihr nicht immer ganz eingefangenes Ziel zu präsentieren. Das Potential der eigentlich interessanten Story bleibt dabei unangetastet wie ein verschmähter pubertärer Liebhaber. Vages Geschwafel mit pseudo-philosophischen Inhalten ertönt wiederholt aus dem Off und wird schließlich bei der überfälligen Näherung an den Abspann fürchterlich eloquent, ohne dass zu diesem Zeitpunkt auch nur noch entfernt ein Bezug zu den vorherigen Inhalten hergestellt werden kann. Die Geschichte um pubertierende Mädchen, die außer Rand und Band geraten, schreit bis dahin regelrecht nach Erotik. Diese Rufe verhallen aber ungehört, beschränkt sich dergleichen doch auf gelegentliche Auftritte in kurzen Röcken (Sex 1/10). Nach der Sichtung fühlt man sich schließlich wie ein Fußball-Fan nach einem verschossenen Elfmeter des angefeuerten Teams.
Der interessanteste Aspekt an diesem bescheidenen Vertreter seiner Zunft (3/10 Punkten) ist seine Beschlagnahme. Jedoch sollten selbst Gorehounds vorgewarnt sein, denn die hier gebotenen Schauwerte lassen weitgehend Kreativität vermissen. Der abgestumpfte Nerd wird das alles schon einmal gesehen haben. Ansonsten wird nicht mehr geboten, als Olaf Ittenbach selbst an einem schlechten Tag mindestens genauso "gut" hinbekommen würde.
3/10