Für mich ganz klar einer der besten Animationsfilme aller Zeiten! Bam! So darf eine Review gerne beginnen, mit dem Fazit vorne weg.
Das letzte Einhorn hat mich schon während meiner Kindheit fasziniert und auch bis heute nichts von seinem packenden Charme verloren. Kaum zu glauben, das diese fantasievolle und mystische Erzählung schon über 30 Jahre auf dem Buckel hat - oder? Mal ganz davon abgesehen, dass der Film heutzutage immer noch von "unseeligen" Sequels oder Remakes verschont geblieben ist, was schon an einem kleinen Wunder grenzt. Das letzte Einhorn ist ein herausragendes Fantasy-Abenteuer, welches durch mitreissende Figuren und ebenso unterhaltsamen wie emotionalen Momenten punktet. Die Reise des Einhorns, das nach seines Gleichen sucht entführt den Zuschauer in eine fantasievolle Welt mit Zauberern, Banditen, gruseligen Burgen und einem Wanderjahrmarkt. In einer mysteriösen Fabelwelt, in der es Harpyen, Hexen, sprechende Skelette und wütende Feuerstiere gibt, sind auch die düsteren Elemente der Fantasie nicht zu kurz gekommen und fügen sich wunderbar in das Gesamtwerk ein.
Autor Peter S. Beagle legte das Buch zu Grunde und war mit Herzblut an der Umsetzung in ein Drehbuch dabei. So konnte die mystische Welt, die er im Buch beschreibt nicht nur vom geistigen Schöpfer selbst in den richtigen Winkeln und Passagen erzählt werden, sondern auch jede einzelne Figur so gut beleuchtet werden wie nötig. Seine sympatischen Figuren und geheimnisvollen Welten schaffen es mühelos den Betrachter in den Bann zu ziehen und werden durch die grandiose Visualisierung perfekt inszeniert. Auch wenn nicht jeder Handlungsstrang in den Spielfilm transportiert wurde, hatte immerhin der Autor selbst die Auslese getroffen. Er war einige Jahre zuvor auch der Drehbuchautor für die animierte Version des Herr der Ringe-Films nach Tolkiens Büchern.
Die für damalige Zeiten durchaus imposanten Animationen dieser internationalen Produktion wurden von einem japanischen Team übernommen, was der markante Zeichenstil schnell verrät. Das Animationsstudio, damals noch unter dem Namen Topcraft, war übrigens der Grundstein für das spätere populäre Studio Ghibli. Die Beteiligten haben nämlich kurze Zeit später bereits Nausicaä und daraufhin Mein Nachbar Totoro und Die letzten Glühwürmchen geschaffen und sich damit am Markt manifestiert. Selbst die einzelnen Figuren haben ihre feinen Nuancen im Zeichenstil, so ist beispielsweise das Einhorn/Amalthea weich und zart gezeichnet, ebenso gibt es weiche und anmutige Bewegungen, so wie ihr Wesen beschrieben ist. Die Gaukler, die Hexe oder König Haggard hingegen sind kantig und roh, haben Warzen und böse Augen. Das letzte Einhorn ist 1983 sogar als "Bester Animationsfilm" nominiert gewesen, hat aber leider gegen Don Bluth's Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH verloren, wobei ich einfach mal in den Raum stelle, dass die Jury mit ausländisch-beteiligten Produktionen meist nicht gerade fair umgeht, anderes Thema.
Als Regie-Duo sitzen Arthur Rankin Jr. und Jules Bass gemeinsam auf dem Klapperstuhl und können mit vielen gemeinsamen Produktionen ihre Erfahrung einbringen. Neben der eben bereits erwähnten Tolkien-Verfilmung gab es nämlich noch weitere Kapitel aus dem Hobbit-Reich, welche die beiden Regisseure gemeinsam hervorgebracht haben. Aber egal welche Produktion man sich ansieht, sticht Das letzte Einhorn locker mit eigenem Stil hervor und das dank der Synergie der tollen Drehbuchvorlage und der fantastischen Animationskünste der Crew.
Was bei Animationsfilmen ebenso eine wichtige Rolle spielt und für die Empathie mit den Figuren sorgt, sind natürlich die Sprecher. Bei der O-Ton-Fassung gibt es die stimmlichen Talente von dem damals noch jungen Jeff Bridges (Big Lebowski, True Grit), Mia Farrow (Rosemary's Baby), Alan Arkin (Inspektor Clouseau) und Angela Lansbury (Mord ist ihr Hobby). Für die hiesige Synchronfassung hat man sich auch nicht lumpen lassen und gleich eine ganze Brigade toller, markanter Sprecher wie Torsten Sense (Val Kilmer), Joachim Tennstedt (Michael Keaton, John Malkovich sowie Jeff Bridges) und sogar Filmlegende Christopher Lee, der seine Figur sowohl in der englischen Originalfassung als auch in der deutschen Variante selbst brilliert. Gerade die Figur des kauzigen und undurchsichtigen König Haggard bekommt durch Christopher Lee einen mysteriösen und unheilvollen Unterton.
Das alles wird wunderbar mit den wohlig klingenden Klängen und unsterblich romantischen Songs des Komponisten Jimmy Webb und der Band America untermalt, die seinen Soundtrack performen durften. Der Titelsong als solches ist inzwischen schon mehrfach gecovered worden, hat aber seinen Ursprung genau hier und spiegelt die gefühlvolle Seite der Geschichte des Einhorns und dem Wissen seiner Einzigartigkeit wieder. Der Song ist der perfekte Einstieg in die Geschichte und zieht einen vom ersten Ton an direkt in seinen Bann und leitet die Story ein.
Das fantasievolle Märchen besticht ebenso durch die erzählerische Dramaturgie, denn auch als reiner Unterhaltungsfilmlässt die Geschichte den Zuschauer das Schicksal der traurigen und Lebenssinn suchenden Figuren mitfühlen. Als sich gegen Ende die Situation immer weiter zuspitzt und die unheimlichen Begegnungen in Haggard's Schloss mit dem Fund der bedingungslosen Liebe und Opfern gipfelt - ist der Film perfekt abgeschlossen und lässt den Zuschauer zufrieden mit dem Wissen zurück, das es doch nicht das letzte seiner Art war... Man muss nur die Augen aufmachen.
Für mich ist Das letzte Einhorn wirklich ein Film, den man jedem empfehlen kann, der vor einer guten Fantasy-Geschichte nicht davonrennt.
10/10