THE LAST BOY SCOUT
Nachdem er mit Stirb Langsam 2 (1990) wieder einen Hit gelandet hatte, war Bruce Willis nicht gerade vom Glück verfolgt. Mit Hudson Hawk (1991) landete Willis einen kapitalen Flop und auch Filme wie Tödliche Gedanken und Billy Bathgate, die im gleichen Jahr erschienen und in denen Willis mitwirkte, waren alles andere als Blockbuster. Da ein dritter Stirb Langsam – Film noch in den Sternen stand, lag es auf der Hand, einen ähnlichen Film anzugehen – das Buddy – Movie The Last Boy Scout.
The Last Boy Scout versammelte jede Menge bekannte Namen vor und hinter der Kamera. Die zweite Hauptrolle neben Bruce Willis ging an Damon Wayans (Mo´ Money, 1992), während Chelsea Field (Harley Davidson & The Marlboro Man, 1991), Danielle Harris (Zum Töten Freigegeben, 1990 sowie zahlreiche Slashermovies), Halle Berry (Monster´s Ball, 2001) und Noble Willingham (Chinatown, 1974) in Nebenrollen auftraten. Eingefleischte Sons Of Anarchy – Fans bekommen hier zudem Kim Coates, der in besagter TV – Serie die Rolle des Tig Traeger spielt, zu sehen. Regie führte der 2012 verstorbene Tony Scott (True Romance, 1993), produziert wurde der Streifen von Joel Silver (Stirb Langsam, 1988) und das Drehbuch stammt von Shane Black (Lethal Weapon – Zwei Stahlharte Profis, 1987), der für seine Arbeit die Rekordgage von 1,75 Millionen Dollar einstrich.
Die Dreharbeiten waren nicht gerade ein Zuckerschlecken. Joel Silver und Bruce Willis übernahmen die Produktion und veränderten Blacks Drehbuch wie es ihnen passte. Tony Scott musste Szenen drehen, die er nicht mochte – man soll Scott sogar gedroht haben, ihn zu feuern, falls er sich nicht fügen sollte. Bruce Willis und Damon Wayans sollen einander überhaupt nicht gemocht haben, Komponist Michael Kamen soll den „First Cut“ des Films furchtbar gefunden haben und willigte nur ein die Musik zum Film zu machen, weil er ein gutes Verhältnis zu Willis und Silver hatte. Besagter „First Cut“ war auch der Grund, warum Stuart Baird (Cutter von Filmen wie Das Omen (1976) oder Lethal Weapon 2 – Brennpunkt L.A. (1989)) ins Spiel gebracht wurde, um The Last Boy Scout noch einmal zu überarbeiten. Ein weiterer Cutter, der an dem Film arbeitete, war Mark Goldblatt (Phantom Kommando / Rambo II – Der Auftrag, beide 1985), der sich bis heute weigert, in Interviews über The Last Boy Scout zu sprechen. Hinzu kam, dass der Film vor seiner Veröffentlichung gekürzt werden musste, um das gewünschte R-Rating zu bekommen. Warum das alles erwähnt werden muss? Weil The Last Boy Scout trotz allem ein echter Actionfilm - Klassiker geworden ist!
Der Tag hätte für den heruntergekommenen Privatdetektiv Joe Hallenbeck (Bruce Willis) nicht beschissener beginnen können. Nachdem er völlig verkatert in seinem Auto wach geworden ist, streitet er sich mit seiner Frau Sarah, ehe er herausfindet, dass sie ihn mit seinem Freund Mike (Bruce McGill – Cliffhanger, 1993) betrogen hat. Gut, dass da ein neuer Job ist, der Hallenbeck von seinen Problemen ablenkt. Er soll die Stripperin Cory (Halle Berry) überwachen, die angeblich von einem Spinner belässtigt wird. Das bringt den abgewrackten Ermittler in Kontakt mit Corys Lover, einem weiteren Verlierer: James Alexander Dix (Damon Wayans), einem kokainabhängigen Ex – Footballstar. Als Cory ermordet wird, versuchen die ungleichen Partner, ihre(n) Mörder zu finden und geraten mit der Football – Mafia von Los Angeles aneinander …
Angesichts der chaotischen Produktionsumstände ist es wirklich ein Wunder, dass The Last Boy Scout einer der besten Actionfilme der 90er Jahre geworden ist, der auch 25 Jahre nach seiner Entstehung immer noch auf allen Ebenen überzeugt.
Der wohl größte Pluspunkt des Films ist das Duo Willis / Wayans. Willis spielt hier einen Privatdetektiv, wie er abgewrackter nicht sein kann, eine völlig kaputte Version von John McClane, wenn man so will; obwohl das Leben Hallenbeck übel mitgespielt hat, hat er immer `nen coolen Spruch auf Lager und bewahrt sich auch dann auch noch seine unnachahmliche Coolness, wenn man ihm droht, ihm ein Auge herauszuschneiden. Bruce Willis ist selten so cool und souverän gewesen wie in The Last Boy Scout. Gleiches gilt für Damon Wayans, der als ausgebrannter Ex – Footballstar genauso überzeugt wie Willis in seiner Rolle. Auch wenn Shane Blacks Drehbuch mehrfach geändert wurde, sind es gerade die Wortgefechte, die den enormen Unterhaltungswert des Films ausmachen. The Last Boy Scout enthält derart viele brillante Dialoge, dass es den Rahmen jeglicher Kritik sprengen würde, sie alle aufzuzählen, weshalb man The Last Boy Scout unbedingt gesehen haben sollte.
Und auch die Nebendarsteller überzeugen, wie z.B. Chelsea Field als Hallenbecks leidgeprüfte Ehefrau, die die Frustration dieser Figur glaubhaft darstellt. Um bei Hallenbecks Familie zu bleiben – Danielle Harris ist nicht halb so nervig wie vergleichbare Kinderdarsteller, sondern ist ein durchaus wichtiges Element der Handlung; außerdem zeigt sie authentisch, von welchem Familienmitglied sie ihre große Klappe hat.
Aber auch die Gegenseite ist mehr als stark besetzt. Hier muss vor allem der leider im Jahr 2015 im Alter von nur 57 Jahren an den Folgen einer Lebererkrankung verstorbene Taylor Negron (Angels – Engel Gibt Es Wirklich, 1994) hervorgehoben werden, der hier mit sichtbarer Spielfreude einen der fiesesten Filmschurken der 90er Jahre gibt und dem Rest des Ensembles so manches Mal die Show stiehlt. Auch Noble Willingham brilliert in der Rolle des herrlich schmierigen Besitzers der L.A. Stallions – ein Schurke, den man gern hasst.
Aber The Last Boy Scout lebt nicht nur von seinen hervorragenden schauspielerischen Leistungen, sondern auch von seinen überragenden, von Tony Scott brillant inszenierten Actionsequenzen. Schon der spektakuläre Auftakt in einem Football – Stadion dürfte jedem, der The Last Boy Scout gesehen hat, nicht nur wegen seines Inhalts, sondern auch wegen seines Inszenierstils in Erinnerung bleiben. Und auch der Showdown, der ebenfalls in einem Football – Stadion stattfindet, ist so perfekt und packend in Szene gesetzt, dass er in puncto Spannung und Dramatik keinen Vergleich zu scheuen braucht – wer angesichts des The Last Boy Scout – Finales keine Gänsehaut bekommt, muss entweder emotional völlig abgestumpft oder vielleicht schon tot sein. Und auch in der Zwischenzeit geizt The Last Boy Scout nicht mit Schauwerten, sondern hält den Adrenalinpegel stets im roten Bereich. So gibt es zahlreiche spektakuläre Schießereien und halsbrecherische Verfolgungsjagden zu sehen, die sich durchaus auf Stirb Langsam – Niveau bewegen und jeden Fan gehobener Actionfilmkost mehr als zufriedenstellen sollten. Und auch wenn The Last Boy Scout für ein R-Rating zensiert worden sein sollte – der Streifen geizt nicht mit blutigen Einschüssen oder Nahaufnahmen von brennenden Menschen. Auch aus heutiger Sicht ist The Last Boy Scout härtetechnisch ein ziemlich ruppiger Streifen.
Unterm Strich hat The Last Boy Scout alles, was ein Actionfilm für die Ewigkeit braucht: Hervorragende Darsteller, eine spannende, wahnsinnig unterhaltsame Story, packend in Szene gesetzte, knallharte Actionszenen und ein enormes Tempo. Auch aus heutiger Sicht erscheint The Last Boy Scout unterhaltsamer als die letzten drei Stirb Langsam – Filme ... wer sich Actionfilmfan nennt, muss The Last Boy Scout einfach mindestens einmal gesehen haben!
10/10