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Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück| Herstellungsland: | Deutschland, Luxemburg, Frankreich (2015) | | Standard-Freigabe: | FSK 16 | | Genre: | Drama, Historie | | Alternativtitel: | Colonia |
| Bewertung unserer Besucher: |
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Note: 7,00 (1 Stimme) Details
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inhalt: Chile, 11. September 1973. Hunderttausende protestieren auf den Straßen Santiagos gegen General Pinochet, der sich gegen den Präsidenten Salvador Allende an die Macht putscht. Unter den Demonstranten sind auch Lena (Emma Watson), die als Stewardess am Tag zuvor in Chile gelandet ist, und ihr Freund Daniel (Daniel Brühl), der als Fotograf in Santiago lebt. Unzählige werden in den Wirren des Aufruhrs vom Geheimdienst verhaftet, so auch Daniel und Lena. Daniel wird noch in der Nacht an einen unbekannten Ort verschleppt.
Nach dem ersten Schock versucht Lena herauszufinden, was mit Daniel passiert ist. Doch die Mitstreiter seiner Studentengruppe tauchen unter und auch die Deutsche Botschaft verweigert ihr jede Hilfe. Bei Amnesty International hört sie das erste Mal von der berüchtigten Colonia Dignidad, einer abgeschotteten deutschen Sekte im Süden Chiles, die enge Verbindungen zum Geheimdienst unterhält: es geht das Gerücht um, dass auf dem Gelände der Colonia Gefangene gefoltert werden – und Daniel vermutlich dort gefangen gehalten wird.
Völlig auf sich allein gestellt, entschließt sich Lena, der mysteriösen Sekte beizutreten und so Daniel wiederzufinden. Doch schon bald erkennt sie, in welch aussichtslose Situation sie geraten ist, denn noch nie ist jemandem die Flucht aus der Colonia gelungen...
Mein Hang zu Filmen mit realen Hintergründen sollte mittlerweile ja durchaus bekannt sein, daher ist es wohl auch wenig verwunderlich, dass ich mir den 2015 entstandenen Thriller Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück Für eine Rezension ausgesucht habe. Die Thematik der Sektengemeinde um Paul „Pius“ Schäfer, der diese in den 60er Jahren in Chile gründete, interessiert mich seit jeher sehr, und ich war natürlich gespannt wie das filmisch umgesetzt sein wird. Natürlich könnte man daraus gut eine reißerische Nummer machen, obschon die Grausamkeiten physischer und psychischer Natur ungleich hoch waren. Regisseur Florian Gallenberger bastelte daraus aber eine teils fiktive Geschichte, die trotzdem die Fakten auf den Tisch zu bringen weiß. Mit John Rabe überzeugte er mich bereits, als er das Nangking-Massaker aufarbeitete, ungleich gespannter war ich also auf diese Arbeit.
Wir befinden uns in Santiago de Chile im Jahr 1973. Daniel unterstützt den sozialistischen Präsidenten Allende, und erhält einen Überraschungsbesuch seiner Freundin Lena. Am Morgen des 11. September ist plötzlich alles anders. Augusto Pinochet stürzt in einem Putsch Allende, das Militär sondert die Sympathisanten aus. Menschen werden hingerichtet, Daniel wird in die Colonia verschleppt, und soll unter Folter sein Tun für Allende gestehen. Lena schleust sich heimlich in die Colonia Dignidad ein um Daniel zu befreien, doch dort herrscht Paul Schäfer mit eiserner Hand. Frauen und Männer sind getrennt untergebracht, die Regeln sind hart und unmenschlich, jede Tat hat sofortige und schmerzhafte Konsequenz. Lena gibt trotz allem nicht auf, und versucht Daniel ausfindig zu machen…
Natürlich gibt die Geschichte um Lena und Daniel soviel nicht her, aber sie ist erfreulicherweise ohne großen Kitsch und einen Aufhänger um ins Geschehen zu kommen braucht man auch. Daniel Brühl und Emma Watson spielen richtig gut auf, und tragen ihren Teil dazu bei, dass die Handlung um die beiden Hauptakteure Sinn macht, und gerade Brühl hat sich für mich wirklich zum Darsteller gemausert, der international absolut bestehen kann. Das eigentliche Thema ist hier jedoch die Colonia Dignidad und Paul Schäfer, und da hat Gallenberger wiedermal ganze Arbeit geleistet. Ganze vier Jahre recherchierte und arbeitete er an diesem Film, ein ähnlicher Aufwand wie seine zwei Jahre Aufenthalt in China damals für John Rabe. Die Machenschaften von Schäfer, die Verbindungen zum Pinochet-Regime und die Bereitstellung der unterirdischen Gänge als Folterverließ für dessen Geheimdienst, der Waffenhandel, die pädophilen Neigungen Schäfers sowie dessen sadistische Ader und das knallharte und unmenschliche Führen der Kolonie wurden mehr als prägnant eingefangen.
Das liegt zum einen an Gallenbergers Recherchearbeit und dem Fakt, dass er Fotos und Berichte sichten konnte, die vorher nie jemand zu Gesicht bekam, zum großen Teil aber an einem Mann: Michael Nyqvist! Der Hauptdarsteller der Stieg Larsson Millenium-Trilogie, mittlerweile auch aus John Wick oder Mission Impossible – Phantom Protokoll, stellt hier eine derart hassenswürdige personifizierung der Figur Paul Schäfer dar, dass man ihm permanent den Tod wünscht. Vor dieser Leistung muss man einfach den Hut ziehen. Der Hass und die Verachtung die er mit einem Blick versprühen kann, die Lust am Quälen und psychischen Herabsetzen von Personen, habe ich in einem Film selten so authentisch gesehen. Auch die restlichen Darsteller fügen sich hervorragend ins Gesamtbild ein, auch wenn sie oftmals nur schmückendes Beiwerk sind, und charakterlich nicht vertieft werden, da sie der möglichst realistischen Darstellung der Gepflogenheiten und des Alltags in der Colonia sind.
Die gezeigten Grausamkeiten belaufen sich weniger auf die Folterungen des Geheimdienstes, als vielmehr auf das Geschehen in der Kolonie selbst. Vieles wird nur angedeutet, im Falle Daniels Folterung kurz eingeschoben, oder die kleinen Szenen in denen näher auf Schäfers Hang zu Kindern eingegangen wird. Gerade diese Szenen nehmen einen aber durchs Wegschwenken mehr mit, als man es vermuten würde. Die Szene in der Dusche, in der Pius den Kinderchor singen lässt, während er sich die Schuhe auszieht und zu den drei duschenden Jungs läuft, lässt einen mit offenem Mund dasitzen. Leerlauf oder spannungsfreie Szenen existieren nicht, da Gallenberger gekonnt und recht rasant durch die Szenerie führt, was sich auch am flott inszenierten Ende zeigt, was ohne lange Umschweife den Film zu einem ordentlichen Finale führt.
Was mich die Wertung etwas runterfahren lässt ist, dass ich gerne einen längeren Film mit tieferen Einblicken in dieses System gehabt hätte. Zwar ist die Spielzeit mit knapp zwei Stunden durchaus ordentlich, aber die Machenschaften Schäfers, die Verwicklungen mit der deutschen Botschaft, dem Waffenhandel und der Kollaboration mit dem Regime hätten noch so viel Stoff hergegeben, der in der kurzen Zeit leider nur ansatzweise angerissen wurde. Das ist rein filmisch gesehen absolut nachvollziehbar, für mich also nur ein persönliches Manko, da so die Spannungskurve einfach wesentlich prägnanter genutzt werden konnte. Für den Zuschauer, der hier einen Thriller mit realem Hintergrund sehen möchte, also sicher hundertpro die richtige Entscheidung! Am Ende weisen noch einige Texttafeln auf den weiteren Verlauf der Colonia Dignidad und Paul Schäfer hin, sowie etliche fotografische Originalaufnahmen.
Gedreht wurde das Ganze übrigens richtig international in Luxemburg, München, Berlin und Buenos Aires, während die Produktion von Majestik, Rat Pack, Rezo Productions und Fred Film gestemmt wurde, mit Unterstützung von Pro Sieben und Sky, gefördert von der EU. Benjamin Herrmann von der Majestik Filmproduktion hat bereits für John Rabe als Produzent fungiert, und für den 2001 als besten Kurzfilm oscarprämierten Quiero ser, ebenfalls unter der Regie von Florian Gallenberger. Martin Wuttke hat übrigens eine kleine Rolle zu Beginn, in meinen Augen leider völlig verschenkt und daher unnötig. Musikalisch gibt es zeitgemäß Samba pa ti von Santana, Ain’t no sunshine und Try von Janis Joplin auf die Ohren.
Eigentliche Wertung 8-9/10 - aber ich haue mal die 7 raus wegen der genannten Punkte
7/10
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Kommentare
 DB-Helfer  17  5.300 |
Da bekommt "Viva Colonia" doch gleich einen ganz anderen Touch. ;-)
Für Xtreme-Verhältnisse ist das schon ein ziemlich üppiger Text, aber historische Hintergründe brauchen ihren Platz und man kann letztlich nur dazulernen.
Klingt auf jeden Fall sehr interessant! |
 DB-Helfer  12  2.060 |
Ja so ist das bei mir, wenn mir was thematisch liegt, dann hab ich auch mal mehr Böcke - um bei Colonia zu bleiben ;) sicher kann man hier noch ausführlicher werden, aber das geht ja dann zu weit weg vom Film selbst. Wobei ich persönlich bei sowas gerne viel Background lese - ist aber ja nicht jedermanns Sache hier |
 DB-Helfer  4  227 |
Würden den auch noch sehr knapp 7 Punkte geben. Das Ende ist so unrealistisch hannebüchen, dass es den Film einen Punkt kostet, sonst wären es 8 gewesen.
Ansonsten stimme ich mit den positiven Punkten deines Reviews überein. Vor allem hätte mehr Spielzeit auch noch mehr Tiefe innerhalb der Colonia und v.a. noch über die Zustände und Veränderungen in Chile vermitteln können.
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 DB-Helfer  12  2.060 |
Ja das Ende ist halt rein fiktiv gehalten, und daher vielleicht nicht der richtige Weg gewesen - aber ich fand es noch ok so. |
 DB-Helfer  4  227 |
02.08.2016 15:51 Uhr schrieb JasonXtreme
Ja das Ende ist halt rein fiktiv gehalten, und daher vielleicht nicht der richtige Weg gewesen - aber ich fand es noch ok so.
Darum geht es mir noch nicht einmal. Es ist viel mehr ein unlogisches Handeln. Möchte aber nicht spoilern, da man selbst mit Spoiler-Warnung all zu oft ungewollt mitliest :-)
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  7  604 |
Hört sich ein wenig wie eine salonfähige Nobelversion von "FacCia di Spia" an. Vielleicht mal was zum Leihen. Kritik liest sich schön flüssig. |
 DB-Co-Admin  15  3.862 |
Ich finde es großartig, dass Du immer mal wieder deutsche Werke wie "Michael Kohlhaas", "Der Tod in Berlin", "Duisburg-Ruhrort" oder "Der Fall Barschel" rezensierst (ich weiß schon, "Colognia Dignidad" ist eine Co-Produktion mit Frankreich und Luxemburg), dabei fair und ausgewogen urteilst und nicht in den Chor der "Deutsche Filme sind per se scheiße"-Nörgler miteinstimmst. Da hast Du bei mir schon mal einen Stein im Brett. Und der Text ist natürlich auch aller Ehren wert.
Den Film habe ich zwar noch nicht gesehen, aber da ich mich für jenes religiös-faschistoid-totalitäre System Paul Schäfers schon zuvor interessierte, ist er auf meiner langen To-Watch-Liste vermerkt... und gerade eben ein gutes Stück nach oben gerückt. Besten Dank mal wieder! :) |
 DB-Helfer  12  2.060 |
@ Dissection
Vielen lieben Dank! Für mich ist der durchaus großteils deutsch :) aber das Herkunftsland entscheidet für mich, wie Du schon sagst, nicht über einen guten Film. Es gibt nicht viele Gute, aber es gibt sie :)
@ dicker Hund
So würde ich es nicht sagen, weil die Foltergeschichte des Regimes nur am Rande angeschnitten wird - aber natürlich durch die unmenschliche Behandlung der Schäfchen Schäfers auch wieder irgendwo bei Folter landet. Sehenswert aber auf jeden Fall - und auf keinen Fall typisch deutsch ;) |
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