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cecil b
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Eintrag: 28.02.2017

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Schlock - Das Bananenmonster

(Schlock)
Herstellungsland:USA (1973)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Komödie, Trash
Alternativtitel:Bananenmonster, das
Banana Monster, The

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Eine US-Kleinstadt wird von dem Schlockthropus, einem prähistorischen Wesen halb Affe halb Mensch, unsicher gemacht. Das haarige Untier soll schon hunderte von Menschen getötet haben. Kann das Tier von der Polizei, der Bürgerwehr, dem Militär, oder gar von einer sanftmütigen Schönheit aufgehalten werden?
eine kritik von cecil b:

 

Die Filme von Regisseur John Landis (DIE GLÜCKSRITTER, DER PRINZ VON ZAMUNDA) sind ein Stück Hollywood, aber Landis ist gewiss kein Oscar-Kandidat, sondern eher einer von denen, die man vorsichtig einen Kultfilmregisseur nennen kann. Hat Landis doch Filme wie BLUES BROTHERS und AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON, seltsame Bastarde aus verschiedenen Genres, und das legendäre Musikvideo zu MICHAEL JACKSONS THRILLER gedreht. Landis Filme haben alle eines gemeinsam: Den Sinn für Humor. Der ist manchmal platt und albern (National Lampoon’s Animal House), kommt aber auch mal in schwarz und satirisch daher, wie in John Landis Spielfilmdebüt SCHLOCK, für das Landis auch das Drehbuch geschrieben hat. In diesem Film schießt der Humor aus allen Rohren, schwärzer als in Landis späteren Filmen, die meist etwas zahm sind. SCHLOCK wurde auf dem Fantafestival als bester Film ausgezeichnet, und auf dem Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films für den Golden Scroll nominiert. Kein schlechter Schnitt, für einen Low-Budget-Film, in dem der Regisseur höchstpersönlich als Affenmonster verkleidet Menschen erschreckt, und teilweise (blutleer) in Stücke reist. Produziert wurde der Film in erster Linie von Landis Stamm-Produzenten George Folsey Jr. und Walk of Fame-Sternchen Jack H. Harris.

 

 

Über 200 Personen sollen es sein, die da auf dem Vorplatz des Peace Park tot auf dem Boden liegen. Man ist sich aber nicht sicher, um wie viele Tote es sich genau handelt, da manche der Kadaver so zerhacktstückt sind, dass man die in Müllsäcken gesammelten Körperteile erst einmal genau zuordnen muss. Der TV-Reporter im karierten Tweed-Anzug, Joe Putzman (Eric Allison:Blood Mania), teilt uns lächelnd mit, dass der Zuschauer, der errät, wie viele Leichen in den Müllsäcken vorhanden sind, 10 Flaschen Cola und ein kostenloses Menü bei Kentucky Fried Chicken gewinnt. Ein ernsthafter kleingewachsener Kriminalmeister (Saul Kahan, Drei Amigos,† 2003), beinahe ein Zwillingsbruder von Woody Allen, taucht mit vielen Polizisten auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. Das Gemetzel müsse das grauenvolle Werk des "Bananenkillers" sein, der immer Bananenschalen am Tatort hinterlässt. 

SCHLOCK konzentriert sich wenig auf eine Parodie von King Kong, näher betrachtet kann man darin vor allem eine leichtfüßige Satire darauf sehen, wie eine Gesellschaft mit dem Fremden überfordert sein kann, sie Ängste vor dem Unbekannten aufoktroyiert bekommt, und wie die Ängste das Grauen heraufbeschwören. Auch wenn er fast durchgehend im Bild ist, der Affe dient in erster Linie als Spiegel für das Verhalten der uniformierten, wissenschaftlichen und bürgerlichen Gesellschaft, die versucht mit der Situation umzugehen. Es ist smart erdacht, dass die meisten Figuren erst dann in Panik ausbrechen, wenn ihnen die Gesellschaft vermittelt, dass dies angebracht sei. Und der Affenmensch wird meistens erst dann zum Ungeheuer, wenn er in diese Position gebracht wird, das Prinzip vom Ungeheuer auf ihn projiziert wird. Das Monster, für dessen Existenz Professor Shlibovitz eine interessante Theorie hat, ist neugierig, und nicht jede Figur findet das erschreckend. Genauso platt wie entwaffnend sind es dann oft die Kinder, die unverbildet sind, oder die Blinden, die mit dem Herzen sehen, und nicht mit den Augen der gesellschaftlichen Norm, die Polizisten, Bürgerwehren und andere Blindgänger in Rage bringt. Und kann die blinde Liebe in Form von der Mittzwanzigerin Mindi (Eliza Roberts, Dead End, Ex von Eric Roberts) unserem besonderen Affen den rechten Weg weisen?

Landis Satire beinhaltet hunderte von teilweise platten Kalauern. Schielen, am Hintern kratzen, Blinde die gegen Schränke laufen, so etwas ist Nonsens. Aber wenn sich z. B. Bobby, Billy, Barbara, und Betty unterhalten: B: "Was denkst du?" , darauf B: " Weiß ich nicht. Bobby, was denkst du?", B: "WeIß ich nicht. Betty, was denkst du?" Betty: "Weiß ich nicht", dann bringen Kalauer den Zuschauer halbwegs amüsant über die Runden, bis dann wieder wirklich gelungene satirische Szenen beweisen, dass es Landis gelungen ist, mit der Hilfe einer King Kong Parodie einen gewitzten, und gar nicht so dummen Blick auf das naive, wenn nicht gleich primitive, Bürger- und Beamtentum zu werfen. Und Landis Talent präsentiert sich schon in seinem Erstling, bei allen widrigen Umständen.

 Schlock ist tagsüber manchmal nah daran zu grell beleuchtet zu sein, die Nacht ist für die Arbeiter hinter den Lampen eine noch etwas zu große Herausforderung. Die Effekte, die Kostüme, das Make-up, und die Akteure mit ihren Grimassen, könnten aus Didi Hallerfordens Sketchen stammen, das Make-up wurde aber vom mittlerweile mit Oscars überhäuften Großmeister Rick Baker (An American Werewolf in London, Ed Wood, Wolfman) kreiert. Das Spiel aller Akteure ist gut auf die Sketch-Comedy abgestimmt, und geht nie darüber hinaus. Oft bringt Landis die Figuren so in Position, dass allein schon deren Aussehen humorvoll als Kontrast zueinander zelebriert wird. Wenn die Schnitte von Landis Stammgast George Folsey Jr. mal ruckartig zwischen dem Blick auf einen breitgefächerten Wahnsinn einer Masse und den Nahaufnahmen auf die Grimassen der Figuren wechseln, dann ist dies ein Kunststück, welches die Verrücktheit nur umsomehr verdeutlicht. Der Wahnsinn wird inszenatorisch z. B. auch dann gut verdeutlicht, wenn rasende Autos auf dem Highway unkontrolliert nach links und rechts schlittern, und die von Robert E. Collins (3 Emmys für u. a. Miami Vice) geführte Kamera bewusst in alle Richtungen wackelt. Landis inszeniert bewusst die Un­kon­t­rol­lier­bar­keit, und der Freejazz von Schauspieler (Havanna) und Komponist David Gibson reiht sich wunderbar in dieses skurrile Geschehen ein. Die Ironie lebt auch davon, dass der Zuschauer meistens mehr weiß als die Figuren. Da unterhalten sich z. B. mehrere Figuren über ihre Befürchtungen, und der Zuschauer muss vielleicht während dieser Unterhaltung  lachen, weil in dieses Gespräch eingefügte Sequenzen darauf hinweisen, wie naiv die Befürchtungen sind. 

 

 

John Landis' Spielfilmdebüt SCHLOCK ist teilweise albern und platt, hat bei der sehr hohen Gagdichte aber so manchen Treffer. Die Idee des Films, und Landis Talent, machen SCHLOCK zu einer sehenswerten schwarzen Komödie, sofern sich der Zuschauer mal auf einen wirklich durchgeknallten Trash einlassen möchte. Frank Drebin lässt grüssen.

6 Punkte, mit Welpenschutz für Anfänger: 7 Punkte

7/10
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Kommentare

28.02.2017 17:12 Uhr - Intofilms
1x
Bravo, cecil! :))
Insgesamt eine hervorragende Rezension, wobei mich aber vor allem dein dritter Absatz total beeindruckt hat. Sehr schöne Reflexionen sind das! Du hast mir definitiv einen sehr guten Eindruck vom Film verschafft und ich muss sagen: Den möchte ich unbedingt noch sehen! :))

Übrigens, ich würde Landis nicht "vorsichtig", sondern mit voller Überzeugung "einen Kultfilmregisseur nennen"! :))

28.02.2017 18:07 Uhr - NoCutsPlease
2x
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Locker und gleichzeitig analytisch formulierter Tipp!
Dieses Frühwerk von Landis ist mir bislang überhaupt nicht untergekommen, aber es klingt wirklich interessant.

'Schlock' würde übrigens ein tolles moderates Schimpfwort abgeben:
Was bist du nur heute wieder für ein Schlock?
Hier sind echt ein paar Schlocks unterwegs.
Diese Hose kann ich unmöglich tragen, darin sehe ich aus wie ein Schlock.
...
;)

28.02.2017 18:18 Uhr - Horace Pinker
1x
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Endlich, nach langer Durststrecke mal wieder ein gewohnt wortgewandtes, kompetentes und unterhaltsames Review von Maestro Cecil ! Habe von dem Werk auch noch nie was gehört und kenne von Landis ehrlichgesagt bisher nur seine beiden Masters of Horror Episoden, werde aber bei Gelegenheit vlt. mal eine Sichtung riskieren.

28.02.2017 19:33 Uhr - cecil b
3x
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Danke für das schmackhafte Künstlerbrot, die Herren! ;)

Introfilms: Der dritte Absatz beinhaltet auch den Grund, warum ich diesen Film so großzügig bewertet habe. :)

NCP: Wieder was gelernt! :)

Horace Pinker: Och, ich brauch auch mal gelegentlich ne kreative Pause. Und es gibt ja glücklicherweise sehr viele spitzenmäßige Autoren, die die Filmfans hier gut bedienen. Einige 'Meister' mit viel Leidenschaft zum Film. Die Hitchcock-Kracher muss ich noch nachholen! :)

SCHLOCK ist natürlich weniger bekannt, bedenkt man welche Filme Landis später gedreht hat. Auf Scheibe gibt es den offiziell noch nicht, nur als geschnittene VHS.

Meine 'Affen in Filmen'- Trilogie ist nun fast beendet. Spätestens nächste Woche beende ich diese, mit einen seeeeeehr alten Fim. Und King Kong heißt der nicht.

01.03.2017 09:40 Uhr - leichenwurm
1x
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Pah... legendärer Nonsense... zum brüllen komisch ;-) ! Klasse Review cecil. Zum schreien lustig ist auch der damalige deutsche Kinotrailer mit seinen marktschreierischen nonsense Floskeln der Marke : "Dieser film handelt nicht von einem amerikanischen Werwolf... Deshalb heißt er Schlock-Das Bananenmonster!" "Es schlockt around the clock das es nur so rockt!" Etc.pp. ;-)) !

01.03.2017 09:49 Uhr - JasonXtreme
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Ein Titel den ich kenne, den Film noch nicht - scheint es aber wert zu sein! :D Das Ding juckt mich jetz schon, dank Deiner anschaulichen Rezi

01.03.2017 12:20 Uhr - cecil b
1x
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Dank auch an euch, ihr Recken! Jason und Michael, Brüder im Geiste. ;)

leichenwurm: Danke für den Tipp! Achtung winzige Spoiler (egal): https://www.youtube.com/watch?v=ZwA2ZBsUpt8 Könnte mir solche Trailer en Masse anschauen. :)

Jason: Kommt ab und zu im TV, bei e-bay und auf Flohmärkten, als VHS. :)

01.03.2017 16:55 Uhr - Angertainment
1x
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Cecil - nur ein Wort: "Bravo!"

01.03.2017 19:05 Uhr - cecil b
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Angertainment-nur ein Wort: "Danke!"

01.03.2017 22:35 Uhr - naSum
1x
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Nachdem ein herrlich bescheuerter Titel mich da ins Review lockte, musste ich erneut über deine Fähigkeit staunen, aus dem oberflächlich plumpesten Schwachsinn dennoch einen tiefgreifenden Subtext herauslesen zu können. Das hat mich damals auch bei deiner Crank Review so in Staunen versetzt.

02.03.2017 10:11 Uhr - cecil b
3x
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Mit roten Wangen: Danke! Bei z. B. Actionfilmen und vielen Slashern kennt mein Interpretations-Elan allerdings seine Grenzen. ;)

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