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naSum
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Eintrag: 26.02.2017

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Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben

(Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb)
Herstellungsland:Großbritannien (1964)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Komödie, Krieg, Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:Dottor Stranamore Ovvero: come imparai a non preoccuparmi e ad amare la bomba, Il
Dr. Seltsam, oder Gebrauchsanweisung für Anfänger in der sorgenfreien Liebe zu Atomwaffen
Dr. Strangelove

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,17 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Ein geisteskranker amerikanischer General, Jack D. Ripper, fühlt sich durch die kommunistische Weltverschwörung mehr und mehr bedroht. Eines Tages dreht er völlig durch: Er setzt die amerikanische Atombombenflotte Richtung Sowjetunion in Marsch.
Weil der General das Geheimnis des Rückruf-Codes schließlich mit ins Grab nimmt, ist der amerikanische Präsident Muffley gezwungen, dem Sowjetpremier am Roten Telefon alle Einzelheiten über die anschwebenden Todesbomber zu verraten. Die rote Abwehr kann alle Bomber abschießen - bis auf einen!
eine kritik von nasum:

Als am Ende des zweiten Weltkrieges amerikanische Atombomben Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleich machten, für lange Zeit verseuchten und in der Bevölkerung eine weltweite paranoide Endzeitstimmung auslösten, begaben sich auf politischer Ebene zwei Großmächte in einen Wettstreit um die Vorherrschaft. Der Kalte Krieg hatte begonnen, in dem Amerika und die Sowjetunion unaufhörlich Angriffs- und Abwehrstrategien aufrüsteten, um einem befürchteten Erstschlag der jeweils anderen Partei mit vernichtenden Mitteln entgegentreten zu können. Unmut und Unwissenheit in der Gesellschaft schürten diese Angst um geheime Vernichtungspläne, was der Situation unweigerlich weiter zuarbeitete.

Ebenso wurde ein Filmemacher namens Stanley Kubrick von dieser Thematik betroffen und setzte sich damit intensiv auseinander. Anders als ein Großteil der Gesellschaft versank er dabei nicht in Angst, sondern leistete einen abstrusen und satirischen filmischen Beitrag, der die Situation des Kalten Krieges auf höchstem Niveau parodieren sollte, dabei jedoch keineswegs geschichtliche Fakten und Aktualität einbüßte.

 

Mit Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben, der im Originaltitel weitaus treffender bereits im Titel die gesellschaftlichen Sorgen verkörpert (Dr. Strangelove or: How i learned to stop worrying and love the bomb), schuf er damit sein erstes Meisterwerk, das der Gesellschaft einen präzisen und treffsicheren Spiegel vorhielt. Einen Spiegel, den er ebenso in A Clockwork Orange und später in Full Metal Jacket gekonnt einzusetzen vermochte.

 

Der Film, der 1964 noch in schwarz-weiß gedreht wurde, leistet bereits in dieser Farbgebung seinen Zweck. Schwarz-weiß, Krieg-Frieden, Amerika-Sowjetunion, Angriff-Verteidigung, all das spielt hier schon mit hinein, kann aber am deutlichsten in der Denkweise der gegnerischen Großmächte verankert werden, die sich in ihrem schwarz-weiß Denken verrannt haben. Hierzu können im Film etliche Hinweise entdeckt werden, allen voran, das exzentrische und teilweise in Overacting übergehende Schauspiel, sowie die satirisch überzeichneten Charaktere. Zu nennen sind hier der größenwahnsinnige General Jack D. Ripper, der in seiner Rolle erschreckend überzeugend brilliert, der überforderte Präsident Merkin Muffley, sowie der böse, betrunkene russische Politikerstab. Zur Maximierung des Effekts dieser parodierten Rollen, treffen allesamt in einem Atomschutzbunker aufeinander, um gemeinsam die Vernichtung der Erde abzuwenden. Die Ankunft Dr. Seltsams, als Wissenschaftler soll dabei zwar beratend unterstützen, zeigt aber auch die verschwimmende Grenze von Genie und Wahnsinn auf. Der flotte Dreier aus Militär, Politik und Wissenschaft in einem Raum entpuppt sich dann als Selbstläufer dreier Parteien, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Dabei ist die Story sehr simpel. General Jack D. Ripper startet auf eigene Faust einen nuklearen Angriff auf die Sowjetunion, ohne die Genehmigung des Präsidenten. Durch die Zerstörung der Kommunikations-Codes kann die entsendete Bomberstaffel nicht zurückgerufen werden. Präsident Merkin Muffley bleibt nichts anderes übrig als sich mit dem russischen Präsidenten zusammenzuschließen, um die Katastrophe abzuwenden. Da der Russe eine Weltvernichtungsmaschine hat, die bei dem kleinsten Angriff alles Leben auf der Erde auslöscht, müssen die Bomber abgeschossen werden. Was dabei an Konfliktpotential im Konferenzraum entsteht gleicht einer Essensschlacht auf einem Kindergeburtstag. Niemand hat Schuld, jeder hat Recht, alle schreien sich an und dazu gesellt sich die paranoide Angst vor der Spionage des Gegners. Ein politisches und machtgeschwängertes Kräftemessen setzt sich in Gang.

 

Kubrick weiß, eine von Männern dominierte Gesellschaft gekonnt in Szene zu setzen, die sich in Angst und Machtgier verstrickt hat und dabei die Kontrolle verliert. Enorm pessimistisch, wie auch sarkastisch weiß er das politische Kräftemessen und Wettrüsten mit etlichen sexuellen Anspielungen und versteckten Witzen zu flankieren. Bereits in der Eröffnungsszene sieht man eine sexualisierte Szene, in der ein Kampfflugzeug von einem anderen Flugzeug betankt wird. Der Tankschlauch wird eingeführt, langsam wird vor und zurückgewackelt. Eine ruhige, dynamische Kameraführung suggeriert Einfühlsamkeit und Ruhe, die Musik trägt mit „Try a little Tenderness“ ihren Teil dazu bei. Ebenso entmachtet Kubrick Personen des Kriegsgeschehens mit sexualisiertem Witz, beraubt sie ihrer Bedrohlichkeit und will einer Angst in der Gesellschaft den Wind aus den Segeln nehmen. General Jack D. Ripper ist nach dem Sexualstraftäter Jack the Ripper benannt und nötigt seine weibliche Sekretärin mit sexistischen Aussagen. General Turgidson heißt übersetzt „angeschwollen“ und Präsident Merkin Muffleys Name geht auf umgangssprachliche Bezeichnungen für das weibliche Geschlechtsteil zurück. Diese Betitelung zeigt sich auch in der Unterwürfigkeit Amerikas vor dem männlichen Gegner Russlands.

Mit viel Witz und übertriebener Albernheit zeigt Kubrick, wie er zum Thema Krieg steht, was er von Waffen hält und wie sehr er dies alles ablehnt. Mit der Rolle des Dr. Seltsam als verrücktem Wissenschaftler im Film parodiert er sogar noch die Parodie ins Äußerste, um einem Film, der in der ersten Hälfte voller Gewalt und Kriegshandlungen trieft, in der zweiten Hälfte mit wirklich sinnlosen Statements, nichtssagenden Diskussionen und schwellenden männlichen Egos die dominante Kraft des Krieges zu nehmen. Dabei trifft er zielgenau die Angst der Gesellschaft auf den Punkt und platziert seinen Film inmitten aktueller Geschehnisse seiner Zeit.

 

Fazit: Dr Seltsam zu bewerten fällt trotz mehrfacher Sichtung, thematischer Auseinandersetzung und persönlicher Begeisterung nicht leicht. Objektiv muss ich 10 Punkte vergeben, da eine symbolische Überzeichnung der Gesellschaft absolut gelungen ist und dieser Film einen wichtigen Beitrag zum damaligen zeitlichen Geschehen beitragen konnte. Subjektiv muss ich auf 7-8 Punkte runterschrauben​, da gerade die exzentrischen Charaktere mit ihrem Overacting nach mehrfacher Sichtung etwas anstrengend sind. Der Klamauk Faktor ist halt echt sehr hoch, speziell in der zweiten Filmhälfte.

Aber in Zeiten mit Putin und Trump könnte die Wertung auch wieder ansteigen, sowie auch die Aktualität!

7/10
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Kommentare

26.02.2017 15:15 Uhr - NoCutsPlease
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Kreativ verfasst und schön zu lesen!
Deshalb lasse ich auch die Finger von Kubrick, damit die naSumanie blühen und gedeihen kann. ;)

26.02.2017 15:40 Uhr - naSum
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Danke sehr, das geht runter wie Butter ;)

26.02.2017 22:01 Uhr - dicker Hund
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Hochinteressante Titelwahl und ansprechende Lektüre zu einer weiteren Bildungslücke meinerseits. Schau hier sehr gerne nach, was jenseits von bluttriefenden No-Brainern und ihrer Verwandtschaft noch entdeckenswert sein könnte;-)

27.02.2017 11:57 Uhr - Punisher77
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Exzellent verfasstes Review! Der Text weckt das Interesse am Film und beleuchtet alle relevanten Aspekte, um sich einen ersten Eindruck von "Dr. Seltsam" zu machen. Tolles Review!

27.02.2017 13:15 Uhr - naSum
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Danke sehr, freut mich das es euch gefällt. War auch spaßig zu schreiben, wegen den ganzen Interpretationsmöglichkeiten.
In dem Film gibt es einfach so viel zu entdecken!

27.02.2017 14:30 Uhr - cecil b
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Ich schließe mich den Kommentatoren an!

Der Film ist so speziell, und ich war zu jung, als ich den gesehen habe. Ist ja nicht weg. ;) Und Kubrik ist immer genial. Immer.

27.02.2017 19:40 Uhr - naSum
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Cecil, schön das du zurück bist.
Dr Seltsam wird dir gefallen, speziell mit seiner Bildsprache, Symbolik und den versteckten metaphorischen Witzen.

27.02.2017 22:01 Uhr - cecil b
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Ich bin nie weg. ;) Mal brauche in eine Pause, von der 'Öffentlichkeit', da bin ich intern tätig.

28.02.2017 09:05 Uhr - NoCutsPlease
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Rüge an naSum: Solch einen empfehlenswerten Titel NIE NIE NIE...NIE wieder in der sonntäglichen Gewinnspielflut platzieren! ;)

28.02.2017 11:37 Uhr - naSum
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28.02.2017 09:05 Uhr schrieb NoCutsPlease
Rüge an naSum: Solch einen empfehlenswerten Titel NIE NIE NIE...NIE wieder in der sonntäglichen Gewinnspielflut platzieren! ;)


Ich ärgere mich auch selbst! Hatte am Sonntag einfach Zeit zu schreiben und nicht an sowas gedacht.
Du hast also Recht. Asche auf meinen Tomaten!

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