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dicker Hund
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Eintrag: 17.03.2017

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Videodrome

Herstellungsland:Kanada (1983)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Science-Fiction
Alternativtitel:Network of Blood
Zonekiller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,79 (43 Stimmen) Details
inhalt:
In diesem Film von David Cronenberg ('Scanners'), dem Spezialisten für Science-Fiction-Schocker, geht es um eine Fernsehsendung, die ihre Zuschauer verführt und manipuliert, um auf diabolische Weise Kontrolle über sie auszuüben. In ihrer ersten großen Kinorolle spielt Rockstar Deborah Harry eine perverse Showmasterin und James Woods ('Auf die harte Tour') stellt einen Kabelprogrammierer dar, der auf der Suche nach dem ultimativen Videokick ist. Die bizarren Spezialeffekte dieses außergewöhnlichen Thrillers schuf Oscar-Preisträger Rick Baker ('American Werewolf', 'Krieg der Sterne'). 'Videodrome' ist ein spannender Science-Fiction-Alptraum über eine Welt, in der Videos das Leben der Menschen beherrschen und in tödlicher Weise verändern können.
eine kritik von dicker hund:

Zwei Jahre nach "Scanners" dürstete es David Cronenberg nach neuer Sci-Fi-Horror-Kost, die in Gestalt von "Videodrome" Form annahm. Die in der obigen Inhaltsangabe genannten Stars sind Hochkaräter, die hier vollkommen überzeugen. James Woods als Max verkörpert den Zwiespalt zwischen Angst und Faszination optimal, seine Affäre Nicki wird von Deborah Harry alias "Blondie" als reichlich gestörte und doch anziehende Figur in Szene gesetzt. Nur bei ihrem Stelldichein dürfen die beiden nicht so recht aus den Vollen schöpfen, denn ihr Verkehr geriet ultrakurz und reichlich steril.

Auch sonst geizt der Film angesichts der Pornografie-Hintergrundgeschichte erstaunlich hartnäckig mit nackter Haut. Lediglich in die seltenen Anschauungs-Clips verirrt sich schon einmal eine blanke Brust (Sex 3/10). Erfreulicherweise hat Cronenbergs Werk genug Feinkost zu bieten, um die hierdurch geprellte Currywurst zu beschwichtigen. Der brisante Plot um Reizüberflutung, Manipulation durch die Medien, Snuff und virtuelle Pseudonyme war seiner Zeit meilenweit voraus - und die genannten Themen waren im Erscheinensjahr nicht im Ansatz so Kino-präsent, wie sie das heute sind. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Look zahlreicher Szenen längst nicht so gut gealtert ist wie Story und Botschaft. Über die damals noch modernen Videokassetten könnte man vielleicht noch hinwegsehen - die Fernsehapparate, die wie Kaminöfen aussehen, karikieren aber schon fast die alten Röhren-Glotzen. Mit böser Zunge ließe sich eine gelegentliche Nähe zur unfreiwilligen Komik nachsagen (Humor 2/10).

Erstaunlicherweise kann derlei Kritik indes nicht gegen die Effekte vorgebracht werden. Was hier an Morph-Spielereien zu sehen ist, geriet ebenso zu einem Blickfang wie die Bildkompositionen zur Thematik "Die Technik und der Mensch". Der gelinde gesagt unappetliche Anblick so mancher Mutation sorgt für wirkungsvollen Schauer (Horror 6/10). Schön düster ertönen dazu die unbequemen Synthie-Mischungen. Und wenn in bedeutungsschwangeren Dialogen erörtert wird, welches Bedrohungsszenario sich hinter der skrupellosen Snuff-Organisation verbergen könnte, kann der Zuschauer kaum noch abwarten, das nächste Geheimnis gelüftet zu sehen. Vorhersehbar sind die Abläufe währenddessen kaum. Vielmehr kann als störend empfunden werden, dass nach einer Vielzahl verschwörerischer Twists irgendwann der rote Faden verloren geht. Die Geschichte schneidet derart viele heikle Thematiken an, dass das Drehbuch irgendwann dann doch dezent überladen wirkt.

Als zurückhaltender erweist sich das Gesamt-Szenario da schon - zumindest in Anbetracht des Sujets - in Sachen Härte. Die Gewalt (6/10) beschränkt sich zunächst nur auf die sehr knappen Filme im Film, die Snuff zeigen sollen, und ein paar blutige Erschießungen. Erst in den letzten zehn Minuten kommen plötzlich derbe Make-Up-Einlagen zum tragen, die ihre Wirkung im Kontrast zur vorherigen Durststrecke keineswegs verfehlen. Dass der Film in Deutschland aber noch immer indiziert ist, erscheint wegen dem bißchen Gekröse doch arg unberechtigt.

Denn diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) sollte trotz ihrer extremen Thematik nicht als früher Torture-Porn, sondern vielmehr als nachdenkliches und gewissermaßen zeitloses Kunstwerk angesehen werden. Der Subtext um mediale Risiken, die gehobene Schauspiel- und Trick-Kunst sowie der effektive Einsatz von Musik und griffiger Rhetorik lohnen eine Entdeckung, die jüngeren Zuschauern nicht mit vorgeschobenen Jugendschutzargumentationen vorenthalten werden sollte. Von schon eher als Grenzgänger zu qualifizierenden Neuinterpretationen des Sujets um das Geschäft mit dem Blutdurst der dekadenten, konsumfreudigen Kundschaft wie "Hostel" oder gar "A Serbian Film" ist "Videodrome" brutalomäßig und auch im Hinblick auf Freizügigkeit weit entfernt. Das gilt übrigens sowohl für die R-Rated, auf der dieses Review beruht, als auch für die Unrated, die bei Sichtung des Schnittberichts mal wieder nur verstreute Sekunden "gekürzten" Inhalts als Annex an bereits bekanntes Bildmaterial zurückreicht, ohne das irgendetwas davon hierdurch neu, krasser oder schlüpfriger wäre.

 

7/10
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Kommentare

17.03.2017 09:29 Uhr - Intofilms
3x
Wie immer glänzend geschrieben in unverkennbarer Hundemanier! :)
Inhaltlich kann ich dir auch weitgehend zustimmen. Ich finde nur, dass der Film in überhaupt keiner Hinsicht angestaubt wirkt. Er hat natürlich schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und das führt dann schon mal zu einer von heutigen Standards abweichenden optischen Erscheinung etwa von TV-Geräten. Mich stört so was aber überhaupt nicht. Im Gegenteil. Das ist dann wieder so eine Retrocharmeoffensive, der ich mich nur zu gerne geschlagen gebe. "Videodrome" ist vielleicht sogar mein Lieblingsfilm von Cronenberg. Die Effekte sind der absolute Wahnsinn, ebenso die mehr als abgefahrene Story. Und die beiden Hauptdarsteller sind einfach großartig. Von gibt's auf jeden Fall eine knappe 10, auch weil dieser Film selbst für Cronenberg-Verhältnisse so außergewöhnlich originell ist. Die verstörend-provakante Optik übersetzt diese Grundtendenz unerschrocken und ziemlich konsequent in die entsprechenden Bilder.
Vielleicht hättest du noch kurz auf das Konzept des 'New Flesh' eingehen können, weil es hier ja doch von zentraler Bedeutung ist.

17.03.2017 09:33 Uhr - Horace Pinker
3x
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Wiedermal tolles und lesenswertes Review, in welchem du einige nachvollziehbare Interpretationen einbringst und auch auf die meisten wichtigen Punkte eingehst, ich hätte lediglich noch ein paar Worte mehr über die tollen Effekte abseits der blutigen Szenen verloren, wie etwa Max aufklaffender Bauch oder die "lebendigen" Fernseher. Was die Wertung angeht würde der bei mir um einiges besser wegkommen (9-10 Punkte), da mir die Mischung aus einer sozialkritischen und spannenden Story, großartigen handgemachten Effekten (die imho nicht schlecht gealtert sind, ist aber sicherlich Ansichtssache) und einem Hauptdarsteller der seine Rolle imho perfekt verkörpert. Empfehlen kann ich hier übrigens das Release von Arrow, welches die Unrated Fassung mit einer Vielzahl interessanter Extras zu bieten hat.

17.03.2017 09:47 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 10
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.534
Vielen Dank! Die von Euch genannten Punkte, auf die ich nicht so konkret eingegangen bin, fallen unter Informationen, die ich als Spoiler werten würde...

17.03.2017 09:52 Uhr - Intofilms
2x
Ich hasse Smartphones. Zum Schreiben umfangreicherer Posts sind die Dinger denkbar ungeeignet. Man vergisst hier ein "mir" und dort passt die Anbindung eines Satzes (vorletzter) nicht so recht. Man hat damit einfach keinen guten Überblick. Wenn man die Defizite dann bemerkt, ist es meist auch schon zu spät, weil der Horrorstromer mittlerweile schon eine mächtige Dosis abgegeben hat. :))))))

17.03.2017 10:35 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 551
Super Review, stimme dir völlig zu, vor allem, was die Indizierung betrifft. Ich persönlich würde dem Film aber wie meine Vorredner auch 10 Punkte geben, dafür bin ich ein zu großer Fan und der Film war zu einflussreich;-)
Dein Schlenker von "The Video Dead" hierhin ist übrigens super, finde eh, dass sich Filme immer gegenseitig befruchten und man sich nach den Zusammenhängen leiten lassen kann.

17.03.2017 12:47 Uhr - cecil b
3x
DB-Co-Admin
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Wie immer sehr schmackhaft und schlüssig verfasst!

Ich gebe dem Film noch zwei Punkte mehr, aber deine Wertung ist nachvollziehbar. Woods und Blondie: diese Konstellation hat auch schon was. Und der King des Bodyhorrors ist ein Ding für sich!

Meine 5 jahre alte Review schick ich ma ebend zu den Kommentaren. ;)

17.03.2017 19:16 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 10
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Klasse Review zu einem Film, der bisher völlig an mir vorbeigelaufen ist. Trotz deiner kritischen Position locken mich die höheren Wertung der Kommentatoren, diesen filmischen Film auf die "Watch-Liste" zu setzen.

17.03.2017 21:42 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
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Vorbildlich apportierte Kritik aus dem Doggydrome. :)

17.03.2017 23:52 Uhr - DriesVanHegen
1x
User-Level von DriesVanHegen 3
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 130
Ich habe ihn letztes Jahr zum ersten Mal geschaut und war...ernüchtert.
Leider bin ich mir nicht gänzlich sicher weshalb. Ich mag Cronenberg, vor allem seine "Früh"werke, und seine Sichtweise auf Biologie/Technologie und den Menschen. Natürlich komme ich nicht umhin, zu sagen, dass vor allem die teils drastischen Effekte äußerst verlockend sind. Quasi wurde ich von VIDEODROME beinah unterwältigt, da ich allein aufgrund der Handlung deutlich mehr Offenheit erwartet habe.
Natürlich dennoch ein toller Film, aber als ich nach Jahren des Hören-Sagens endlich selber Sehen durfte...war die Erwartung einfach zu groß. Aber ich denke in einem ruhigen Moment werde ich mir den Streifen noch das ein oder andere Mal ansehen.

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