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2001 - Odyssee im Weltraum

(2001: A Space Odyssey)
Herstellungsland:Großbritannien, USA (1968)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Science-Fiction

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,11 (19 Stimmen) Details
inhalt:
"2001: Odyssee im Weltraum" ist der Countdown in die Zukunft, der Ausblick über das Schicksal der Menschheit, die Suche nach der Unendlichkeit. Mit seinen atemberaubenden visuellen Effekten (ausgezeichnet mit dem Oscar®*), dem unentrinnbaren Konflikt zwischen Mensch und Maschine, der überwältigenden Verschmelzung von Musik und Bewegung wurde der Film so einflussreich, dass Steven Spielberg ihn als den alles bestimmenden "Urknall" seiner Filmemacher-Generation definierte. Vielleicht ist "2001" das Meisterwerk von Stanley Kubrick (der das Drehbuch gemeinsam mit Arthur C. Clarke verfasste) - in jedem Fall wird es noch viele Generationen erschüttern, begeistern und inspirieren.

Vor seiner Reise in die Zukunft besucht Kubrick unsere prähistorischen, affenähnlichen Vorfahren, um dann (mit einem der irrwitzigsten Schnitte der Filmgeschichte) viele Jahrtausende zu überspringen: Die Menschheit hat Kolonien im Weltraum gegründet. Von dort schickt Kubrick den Astronauten Bowman (Keir Dullea) in die Tiefen des Alls, jenseits der menschlichen Vorstellungskraft - und vielleicht sogar in die Unsterblichkeit. "Öffne das Schleusentor, HAL!" Eine absolut einzigartige Reise voller Staunen und Rätsel kann beginnen...

*1968: Beste visuelle Effekte
eine kritik von nasum:

Nachdem Stanley Kubrick 1964 eine Bombe liebte und die Erde mit einer Weltvernichtungsmaschine zu Grunde richtete, muss er kurz darauf, im Jahr 1968, in den Weiten des Weltalls neue Möglichkeiten des Lebens erforschen. Dabei kann er jedoch einem sozialen Dilemma erneut nicht entkommen und verstrickt sich wieder in soziale Untertöne, ethische Diskussionen und Philosophien. Das Thema Mensch VS Maschine erzählt er dabei gekonnt durch einen Flug in den Weltraum und lässt seine Protagonisten gegen die künstliche Intelligenz einer Maschine namens HAL 9000, sowie technische Entwicklungen antreten. Unterschwellig witzig sind dabei die kameratechnischen Möglichkeiten, die er selbst als Mensch in Perfektion ausschöpft und sich atemberaubender Spezialeffekte bedient. Einem Konflikt seiner Hauptfiguren gegen die Technik, stellt er selbst eine Glanzleistung der Symbiose entgegen und kann außerhalb seines Filmwerkes für dezente Schmunzler sorgen.

 

Während seine Astronauten Poole und Bowman das Raumschiff Discovery One auf einer Forschungsreise Richtung Jupiter steuern, steht ihnen der Bordcomputer HAL 9000 mit Statistiken, Berechnungen und Planung zur Seite. Gemeinsam mit einigen weiteren Besatzungsmitgliedern, die sich im eingefrorenen Tiefschlag befinden, sollen sie dem Auftauchen eines Monolithen auf dem Mond nachgehen. Während dieser Reise reflektiert sich das Geschehen immer wieder mit der Frage, wer die Mission eigentlich unter Kontrolle hat und leitet? HAL 9000 als Bordcomputer oder die Astronauten? Es entsteht ein sich langsam hochschaukelndes Machtspiel, indem ein als Fehlerfrei geltender Computer gegen den menschlichen Geist antritt und ein Katz- und Mausspiel beginnt. Nachdem HAL die tiefschlafenden Astronauten getötet und Poole in den Weltraum geschossen hat, stehen sich Bowman und HAL in einem ausdauernden Duell als Kontrahenten gegenüber. Die Thematik Mensch gegen Maschine drängt sich immer wieder auf und lässt sich durch die vorangegangenen Kapitel, in die Kubrick seinen Film untergliedert hat, wundervoll reflektieren und symbolisch übertragen. Während jetzt Bowman gegen HAL antritt, stehen sich in der Eröffnungsszene des Filmes zwei Gruppierungen von frühzeitlichen Affenmenschen gegenüber. Nachdem eine Gruppe Knochen als technische Werkzeuge entdeckt hat, kann sie siegreich aus dem Konflikt hervorgehen. Der Monolith steht dabei dominant und massiv inmitten ihres Lagers. Zwischen Bowman und HAL ist die Rollenverteilung nicht so deutlich gezeichnet, der symbolische Wert kann (noch) nicht klar übertragen werden, man ersehnt als Zuschauer aber ein sich aufdrängendes Finale. Psychoduelle zwischen Mensch und Maschine wägen langsam ab, wer seine Werkzeuge über den Gegner triumphieren lassen kann.

Die Bedrohlichkeit und spannende Atmosphäre kann Kubrick dabei mit der Gestaltung seiner Settings an Bord des Raumschiffes und wahnsinnig technischen Kamerafahrten drückend inszenieren. In perfekter Choreographie bewegt sich nicht nur Bowman durch das Set, sondern das Set selbst bewegt sich um Bowman. Ohne das erstklassige Making-Of in der Kubrick Collection kann man sich schier nicht vorstellen, wie Kubrick solche Kameramanöver geschossen haben könnte, daher sei es hier wärmstens empfohlen. Lange Takes, verrückte Fahrten, authentische Settings und eindrucksvolle Choreographien können von der schauspielerischen Leistung Bowmans glaubhaft untermauert werden. Als einziger Schauspieler kann er die Herausforderung tragen, die auf ihm lastet und im Dialog mit HAL entstehen feurige Dialoge, die ein Ringen um das Überleben, sowie ethische Diskussionen aufkeimen lassen. Wer hat Recht? Mensch oder Maschine? Ironischerweise kann man als Zuschauer feststellen, dass HAL erschreckend menschlich personifiziert werden kann und den Kampf gegen Bowman, der versucht ihn abzuschalten, in seinem Ermessen lenken und steuern kann. Das technische Werkzeug der Affenmenschen drängt sich hier erneut auf. Kann es sein, dass Kubrick hier eine genial verdrehte Absurdität konstruiert hat, in der die "Menschlichkeit" das Werkzeug des Computers HAL ist?

 

Ebenso taucht der Monolith zum Ende erneut auf und steht inmitten eines Schlafzimmers. Das Set ist nicht mehr futuristisch technisch, sondern weiß, nahezu steril gestaltet. Der Monolith überdauert, aber Kubricks Geschichte springt von Zeit zu Zeit und stellt die Menschheit in ihrer evolutionären Entwicklung verschiedener Epochen dar. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen dabei in symbolischen Andeutungen, technisch-ethischen Neuerungen, kognitiven Reifungsprozessen, sowie der stetigen Auseinandersetzung mit dem Tod.

 

Kubrick erschafft einen mystischen, visionären, sowie symbolschwangeren Film, der nicht nur seiner Zeit voraus ist, sondern Maßstäbe setzen soll. Nicht nur mit seinem Schaffen als Regisseur, sondern auch in den gedanklichen Ebenen seiner Geschichte reißt er Wände ein. Musikalisch setzt er dabei erstmals auf den Komponisten Györgi Ligetti, dessen orchestrale Musik er auch in Eyes Wide Shut wieder einbeziehen wird. Tragend, aber leicht experimentell trägt diese Musik den Geist des Filmes mit sich, wird aber leider nicht konsequent beibehalten. Weite Strecken des Filmes bleiben eingewickelt in Stille. Das trägt zur Einsamkeit in den Weiten des Alls bei, kreiert allerdings auch Längen. Zwar ist jede einzelne Szene in Perfektion umgesetzt, visuell von malerischen Bildern getragen und poetisch erzählt, doch in der Gesamtheit zieht sich dieses Meisterwerk manchmal wie Kaugummi.

 

Daher bekommt der Film von mir aufgrund extremer Längen nur 7/10 Punkte, auch wenn ich mir damit Feinde machen werde. Sobald er allerdings aus ist, bleibt er im Kopf und beschäftigt den Zuschauer über die Spielzeit hinaus. Jetzt kann er nachwirken, knackig verstanden werden und Durststrecken ausmerzen. Es entfaltet sich im Nachhinein seine prägende Wirkung, entfaltet Stärken und kann im Kopf sicherlich nochmal den ein oder anderen Punkt gutmachen.

7/10
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Kommentare

07.03.2017 18:49 Uhr - NoCutsPlease
2x
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Ich sage mal: typisch naSumanisch! ;)
Das ist mein eigens konstruiertes bestmögliches Lob für deine Arbeiten.
Deine Wertung ist sehr gut begründet und was ist schon EINE "dumme" Punktzahl im Vergleich zu so vielen erklärenden Wörtern?

"2001" braucht unbedingt einen Rewatch meinerseits. Allein aus dem Grund, dass ich damals nicht auf eine derart philosophisch ausgerichtete Art von Sci-Fi-Film vorbereitet war.

Kurioser Nebenfakt: "2001" war übrigens Kubricks einziger Oscargewinn - und das nicht etwa (wie man vielleicht vermuten würde) als Regisseur, Produzent oder Drehbuchautor, sondern für die visuellen Effekte.

07.03.2017 18:54 Uhr - naSum
2x
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Meine erste Sichtung war auch lange zurück und vor der aktuellen habe ich mich seit 3 Wochen gedrückt...^^
Ist halt harte Kost, aber am Ende doch lohnenswert.

Danke übrigens für das Lob und die Wortneuschöpfung! ;)

Ja, die visuellen Effekte sind atemberaubend. Vor allem wenn man sich im Making Of anschaut, wie enorm verrückt diese gestaltet und designed wurden. Sets, die sich an Kränen drehen, während Darsteller dadurch laufen und sich die Schwerkraft ständig verändert. Absolut verdienter Oscar!

07.03.2017 19:54 Uhr - cecil b
2x
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WOW! DIESEN Film zusammenfassend zu besprechen, das ist ein Kunststück! Und dieses Kunststück ist dir gelungen!

Was mir besonders gut gefällt, ist, dass du die ungewöhnliche Story gezielt mitsamt der aussagekräftigen Punkten wiedergibst, Interpretationen bzw. klar erkenntliche Aussagen des Films einfügst, aber noch etwas Raum lässt!

Natürlich werde ich diesen Film auch mal besprechen, aber das kann lange dauern, bis ich das mache. Ich warne alle im voraus, meine Interpretations-Freude geht bei diesem Film seeeeehr weit, der Text wird lang!!!!!!!!!!!! Meine Wertung steht fest: 100 Punkte. Weil der Film ein wenig angestaubt ist. ;)


07.03.2017 20:09 Uhr - naSum
1x
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Danke Cecil, der Spagat zwischen Interpretation und Spoilerfreiheit war nicht ohne, aber umso besser, dass dir meine Auslegung und Schreibart zugesagt haben. Ich habe auch bewusst versucht, mich von gängigen Aussagen über den Film zu distanzieren und einen eigenen Zugang darzustellen.
Konkreter ist da das Review von Dissection, das auch sehr gelungen ist.

Auf dein Review bin ich aber dennoch jetzt schon gespannt. Ich erwarte großes!

07.03.2017 20:24 Uhr - Horace Pinker
2x
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Tolle Kritik, in welcher du diesem Sci-Fi Klassiker eine würdige und schön formulierte Besprechung verpasst und deinen Eindruck vom Film sehr deutlich herausarbeitest. Ich würde übrigens auch 7-8 Punkte vergeben, da mir persönlich 2001 trotz toller visueller und Effekttechnischer Inszenierung sowie einer interessanten Geschichte teils etwas zu langatmig ist.
P.S. Folgt auch noch ein Review zur Fortsetzung 2010?

07.03.2017 21:00 Uhr - naSum
1x
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Danke sehr, Doc Dinosaur, ich fühle mich schmeichelhaft angeknabbert.

07.03.2017 20:24 Uhr schrieb Horace Pinker
P.S. Folgt auch noch ein Review zur Fortsetzung 2010?


Darauf machst du mich gerade erst aufmerksam und schließt eine filmische Lücke. Ich wußte, dass es literarische Fortsetzungen gibt, die ich nach der Sichtung begeistert gekauft habe, von deren Verfilmung wußte ich allerdings nichts.
Daher tendiere ich erstmal zu einem Nein, werde deine Anfrage jedoch im Kopf behalten.

07.03.2017 22:04 Uhr - MirkoKl
3x
Hut ab vor dieser Rezension. Treffender kann man diesen Film wohl nicht auseinander nehmen. Kann mich noch gut daran erinnern, wie ich den mit elf oder zwölf zum ersten Mal gesehen habe. Danach hatte ich zwar null Ahnung, was das ganze eigentlich sollte, war aber trotzdem vollkommen baff. Gibt wohl keinen anderen Film, der die Faszination der unendlichen Weiten so treffend bebildert. Die Länge finde ich dabei eigentlich gar nicht so hinderlich. Der Film fordert ohnehin, das man sich völlig auf ihn einlässt. Sehe gerade, das du noch mehr Kubrick-Reviews verfasst hast. Die muss ich mir doch gleich mal zu Gemüte führen.

08.03.2017 09:08 Uhr - JasonXtreme
2x
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Ja also Bombemrezi, mehr kann ich dazu nicht sagen!!! Ich persönlich nehme mich da raus, weil ich den einfach nur lang und langweilig fand. Der ging nie an mich, kein Plan wieso - aber ich bin ohnehin mit Kubricks Schaffen nie soooo warm geworden. Seine ersten vier Sachen kenne ich nicht, bleiben mir SPARTACUS und FMJ, die für mich gut sind

08.03.2017 13:18 Uhr - naSum
2x
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Die Länge ist sicherlich sehr personen- und situationsabhängig.

Danke erneut euch allen für das Lob!

Angertainment, auf Spartacus kannst du dich noch freuen, der steht noch bei mir in den Startlöchern und Full Metal Jacket ist ja bereits veröffentlicht.

09.03.2017 20:43 Uhr - Taran
2x
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Erfahrungspunkte von Taran 70
Sehr interessante Review über meinen absoluten und ewigen Lieblingsfilm.
Ich würde jedem raten die Romanvorlage von Arthur C. Clarke zu lesen (der auch am Drehbuch beteiligt war), dann wird der Film auch ein Stück weniger frei interpretierbar.
Die Haupthandlung des Films ist keineswegs Mensch gegen Maschine, sondern wie etwas später von Dir angedeutet geistige Evolution!!
Aber warum der Film aus filmhistorischer und technischer Sicht ein Meilenstein ist hast du wunderbar herausgearbeitet

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