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DriesVanHegen
Level 2
XP 82
Eintrag: 08.03.2017

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Ex Drummer

Herstellungsland:Belgien (2007)
Genre:Drama, Komödie

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,89 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Dries, erfolgreicher Autor und Berufszyniker, steht vor der ersten Herausforderung seines Lebens: Für drei abgewrackte Existenzen aus dem tiefsten Sumpf der belgischen Provinz soll er den Schlagzeuger in einer Punkrock-Band geben. Fanziniert von Dreck und Elend, willigt Dries ein und wird zum Mitglied der "Feminstis". Fortan ist er immer dabei: im Proberaum auf dem Bauernhof von Jans Eltern, wo die Mutter den kranken Vater per Zwangsjacke ans Bett fesselt, in blutigen Apartment von Koen, der nur Lust empfindet, wenn er Frauen misshandelt, und in dem verkommenen Loch, in dem Ivans Frau auf der Couch vor sich hindämmert und das schreiende Baby mit Haschisch ruhig stellt. Dries ist ein Beobachter, der neugierug die Verkommenheit der Welt in sich hineinsaugt und abends heimkehrt in sein Designerloft hoch über den Dächern von Oostende, wo ihn seine hübsche Frau und manchmal auch eine Gespielin erwartet. Wie ein Gott steigt er immer wieder hinunter in den Sündenphul, kommentiert, manipuliert, intrigiert...... bis er sich schließlich selbst als mytischer Erlöser wähnt, der die Welt um hre Übel erleichert. Die Katastrophe ist unaufhaltsam - am Ende steht ein abscheuliches Blutbad. Basierend auf dem bislang für unverfilmbar gehaltenen gleichnamigen Kultroman des skandalumwitterten Bestsellerautors Hermann Brusselmanns gelingt es Regisseur Koen Mortier mit EX DRUMMER ein hochexplosiver Sozial-THriller. Zwischen Delirium und Scharfsinn, ein tabuloses Porträt einer Gesellschaft am Abgrund und eine ätzende Kritik an einem Zeitgeist, der nur seinem eigenen Ethos verpflichtet scheint: Knallhart, blutig, exzessiv und abstossend...aber von entwaffnender Ehrlichkeit.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von driesvanhegen:

Wenn man filmisch mit der KinoKontrovers-Reihe vertraut ist, könnte man meinen, dass nach den drei Einstiegsfilmen - die sich als wahre Dampframmen in Magen und Psyche des Zuschauers erwiesen - das qualitativ ansprechende kontroverse Kino nach und nach ausging.
2007 folgte jedoch ein belgischer Beitrag, der frisches und vor allem kontroverses Blut in die auszusterben drohende Reihe pumpte.
Die Rede ist von Koen Mortiers EX DRUMMER.
Ein Film, der anfangs wie eine bitterböse schwarze Komödie daherkommt, allmählich aber immer groteskere und abstoßendere Ausdrucksformen findet, so dass dem Zuschauer das anfängliche Lachen im Halse stecken bleibt (vgl. Interview im beigelegten Booklet).

Die Inhaltsangabe bringt es treffend auf den Punkt: Dries missbraucht die sozial unter ihm stehenden als eine Art "Lustobjekte" - er schubst sie nach Belieben hin und her, erteilt Befehle und verlangt absoluten Gehorsam. Er manipuliert, stellt bloß und ist ein aalglatter König, der hoch oben über all dem Mief, dem Verkommenen und der Verwahrlosung thront.
Neben den - ebenfalls in der Inhaltsangabe ersichtlichen - psychisch und physisch degenerierten "Feminists" ("Vier behinderte Kerle sind doch genauso viel wert, wie vier feministische Schlampen" - Dries"), tauchen noch etliche andere skurille Gestalten auf.
Zu nennen wären da Jans übergewichtige Mutter - die in Verhältnis mit Koen hat -; "Großer Schwanz" ("Ist das im übertragenen Sinn gemeint oder heißt der wirklich so?" - "Wär's 'ne Frau, würde sie "Große Fotze" heißen!") und etliche andere kaputte Existenzen.
Neben diesen bitter anzusehenden Charakteren, verhilft die von der Kamera eingefangene Tristesse, das Unwohlsein der Zuschauer zu steigern. Einziger Lichtblick ist Dries' Designerloft hoch über Ostende. Sonst wirft das Objektiv seinen entlarvenden Blick auf verrottende Höfe, versiffte und blutbespritzte Wohnungen. Auch vor einer kalten Nervenheilanstalt wird nicht Halt gemacht!

Zwischendrin gibt es echte Penetrationen, schwule Vergewaltigungen und Gewalt gegen gesellschaftliche Minderheiten, das alles wieder unterbrochen von wunderschön ruhigen Szenen, die nachdenklich stimmen, ob ihrer Eindringlichkeit. Begleitet werden diese aufwühlenden Szenen von emotionaler oder auch aggressiver (Punk)Musik. Nachdem der Film ein wütendes Ende fand, empfehle ich, den beigelegten Soundtrack der Kaufversion zu hören.

Neben der stimmigen Musikuntermalung, sei noch die grandiose Kameraarbeit genannt, die mit einigen visuellen Spielereien aufwarten kann: wildes Gezucke in der tobenden Publikumsmenge beim Punkkonzert, ruhige Aufnahmen bei regennasser Straße und der schonungslose Blick hinter besser verschlossene Türen, wenn es sein muss, ebenso genauso verquer wie die Psyche einiger Protagonisten. Nicht zu vergessen das Intro. Eine willkommende Abwechslung Film und Vorspann elegant miteinander zu verweben.

Was mit tiefschwarzem Humor beginnt, endet jedoch tragisch - und vor allem sehr, sehr unbequem.
Ohne zu viel vorwegnehmen wollen; was am Ende bleibt ist Folgendes: die Unterschichten, die Spielbälle der Großen sind die, die sich an einfachen Dingen des Lebens erfreuen und trotz allem Grotesken zum Trotz als Einzige menschliche Züge in sich vereinen.

All das gezeigte Elend lässt sich schwer abschütteln. EX DRUMMER bietet viele Szenen, die sich einbrennen; bietet viele abstoßende und verachtende Mono- und Dialoge; bietet so einiges an Diskussionspotential. Bei all dem Ekel und der Abscheu gibt es zum Glück stellenweise wieder solche Übertreibung, die all das wieder erträglicher erscheinen lassen und auf angenehme Distanz rücken. Es bleibt die Frage: sind wir nicht alle ein bisschen Dries? Zu Hause vom gemütlichen Fernsehsessel aus, ergötzen wir uns am Leid der Armen und Assozialen. Lachen über die Witze von Dries und erheben uns unbewusst über jene Figuren aus dem im Film präsentierten Ostende. Sind wir nicht genau solche manipulierenden Egomanen wie Dries?

 

Noch ein aktueller Nachtrag: die KK-Reihe ist seit den Zeiten, in denen ich diese Rezension schrieb, zwischendurch leider in ihrer ursprünglichen Form verstorben, wurde aber Gott sei Dank reaninmiert!

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Kommentare

08.03.2017 20:21 Uhr - cecil b
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Sehr gutes Review zu einen meiner Lieblingsfilmen!

Seeehr geil: "Bei all dem Ekel und der Abscheu gibt es zum Glück stellenweise wieder solche Übertreibung, die all das wieder erträglicher erscheinen lassen und auf angenehme Distanz rücken. Es bleibt die Frage: sind wir nicht alle ein bisschen Dries? "

Hut ab! Stay sick ;)

08.03.2017 21:39 Uhr - naSum
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Tut mir Leid, wenn ich hier widersprechen muss, aber nach deinem starken Review zu A Serbian Film, kommen mir hier der interpretativ symbolische Kunstfaktor, die satirischen Figuren und vor allem der sich aufdrängende sozialkritische Unterton zu kurz, wobei es sich meiner Meinung nach um die drei wesentlichen Elemente des Filmes handelt. Neben der von dir beschriebenen Musik versteht sich.

08.03.2017 21:56 Uhr - NoCutsPlease
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Und wieder eine ausgefeilte Kritik von unserem Gummiwurmgesicht. :)
Den Film habe ich noch nicht gesehen und ich weiß auch nicht, ob das für meinen Geschmack zu sehr in Richtung "Szenetitel" geht, aber ich behalte ihn mal im Hinterkopf.
Übrigens offenbart sich dein bewusster Verzicht auf eine Punktewertung als sehr vorteilhaft, denn so ist man umso mehr gezwungen deinen Eindruck genau herauszulesen.

08.03.2017 22:14 Uhr - cecil b
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@naSum Man hätte mehr zu den von dir benannten Punkten schreiben können, aber im Grunde sind die Punkte ja drin, und ich finde dass der Stil und das Gefühl des Films gut rüberkommt. MMn. Wie auch immer. ;) Die Musik steht für sich: https://www.youtube.com/watch?v=y_VYGg81dSU

09.03.2017 09:22 Uhr - JasonXtreme
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Ich kenne den Fim bisher auch nicht, aber er juckt mich durchaus - vor allem weil ich nun ein recht gutes Bild davon habe.

09.03.2017 09:52 Uhr - DriesVanHegen
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08.03.2017 21:39 Uhr schrieb naSum
Tut mir Leid, wenn ich hier widersprechen muss, aber nach deinem starken Review zu A Serbian Film, kommen mir hier der interpretativ symbolische Kunstfaktor, die satirischen Figuren und vor allem der sich aufdrängende sozialkritische Unterton zu kurz, wobei es sich meiner Meinung nach um die drei wesentlichen Elemente des Filmes handelt. Neben der von dir beschriebenen Musik versteht sich.

Sicherlich kann man immer mehr interpretieren, inbesondere bietet sich EX DRUMMER sehr dafür an. Ich möchte jedoch ermöglichen, dass der Zuschauer den Film selbst erfühlen kann, ohne sich eine schon im Vornherein von einer Interpretation leiten zu lassen. Zumindest die Sozialkritik habe ich für mich ausreichend angemerkt, nur eben in sehr peripherer Form. Das Erleben der Selbstoffenbarungen während des Finales beispielsweise möchte ich eben Niemanden vorwegnehmen. Ich finde es auch schade, dass die Inhaltsbeschreibung schon recht viel vorwegnimmt.

Danke wieder einmal an alle (lobenden) Kommentatoren und natürlich an naSum für die kritischen Anmerkungen. Vielleicht findet sich mal ein Film, den ich durch und durch "zerfasere" ;)


09.03.2017 14:49 Uhr - naSum
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Meines Erachtens geht es gerade um die von mir angemerkten Punkte, weshalb ich dir widersprechen musste, da ich deinen Eindruck vom Film nicht vollends treffend fand.
Geschrieben hast du aber gut, das möchte ich noch nachtragen!

Und unsere unterschiedliche Ansicht auf den Film, auch wenn sie nicht kompatibel ist, bereichert nicht nur die Vielfalt, sondern kann als Kritik zur beidseitigen Entwicklung dienen.

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