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Angertainment
Level 15
XP 3.852
Eintrag: 09.03.2017

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Dark Intruder - Verzweifelter Wahnsinn

(Kong bu ji)
Herstellungsland:Hongkong (1997)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Intruder

Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,95 (20 Stimmen) Details
inhalt:
Die junge Chinesin Yan tötet eine Prostituierte, um deren Identität anzunehmen, damit sie illegal nach Hongkong einreisen kann, denn sie wird von der Polizei gesucht. Sie schafft es, sich einen neuen Pass machen zu lassen und nimmt sich daraufhin den Taxifahrer Chen Chi-Min vor, dessen Identität ihr Mann übernehmen soll. In der Wohnung des Taxifahrers entbrennt ein unglaublicher Terror ....
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von angertainment:

Nach Klamauk, Action und anderem Metier - verschlägt es mich irgendwann immer wieder nach Hongkong. Genauer gesagt in die dunkleren Ecken Hongkongs.

Hier gibt es dann öfter mal das sagenumwobene Prüfsiegel "Category III", welches die ansässige Prüfstelle eingeführt hatte, um das unvorbereitete Publikum nicht mit dem Gezeigten oder dem gesamten Kontext zu verstören, da hier Altersfreigaben bzw. Empfehlungen erst relativ spät gegen 1988 ausgesprochen wurden. Das der Filmmarkt sich dann sogar explizit auf diese einkategorisierten Titel spezialisiert hat, war der Startschuss für einige kontroverse Titel die Anfang der 90er Jahre geschaffen wurden und auf Grund der drastischen Darstellungen weltweite Aufmerksamkeit erlangten. And the Rest is History...

Wer die Inhaltsangabe zum Titel liest (falls noch nicht geschehen, bitte jetzt...), ist vermutlich durch die dünne Storybeschreibung geneigt den Film einfach links liegen zu lassen. Jedoch kann der Film mit seiner perfiden Art und der beklemmenden Grundstimmung ein flaues Gefühl im Magen erreichen, wenn man sich darauf einlässt.

Denn die Antagonistin ist nicht nur eine gesuchte Verbrecherin, die eine neue Lokation zum Ausleben der niederen Instinkte sucht, sondern hat noch weitere Beweggründe, die aber bis zum bitteren Finale verborgen bleiben. Was diesen Category III-Titel von Anderen unterscheidet ist das Fehlen jeglicher humorvoller Einlagen - Dies ist auf der einen Seite erfreulich, da es eben viele ähnlich gelagerte Filme gibt, deren ernster Tonus dadurch nahezu unterbrochen wird (was oft auf Unverständnis beim Zuschauer trifft, da beispielweise Klamaukszenen nach einer gezeigten blutigen Vergewaltigung folgen) Die beständig anhaltende Ausweglosigkeit und fast nihilistische Stimmung tritt dem Zuschauer mehrfach in den Magen und wird durch die nicht enden wollenden Leiden der Figuren mehrfach unterstrichen. Durch das angesprochene Fehlen der lockeren Gags ist Dark Intruder in seiner Ausrichtung umso konsequenter.

KLEINE SPOILERWARNUNG

An dieser Stelle sei auch das hervorragende Schauspiel und die gelungene Charakterzeichnung erwähnt. Denn die Darstellung der undurchsichtigen kühlen Psychopathin ist erschreckend gelungen, sowie der anfangs noch (fast) sympathische Vatercharakter, der in deren Falle läuft und im späteren Verlauf als seelisch gebrochener Mann zu sehen ist. Kleine Momente, die hin und wieder doch etwas Menschlichkeit aufblitzen lassen, schaffen es die Figuren eben nicht zu unwirklichen Bestien werden und deren Handlungen umso realisticher als auch fieser erscheinen zu lassen. Als gegen Ende der Wahnsinn Einzug hält und nur noch Leere statt Hoffnung in den Gesichtern zu lesen ist, entfaltet der Film einen wunderbar düster-kalten Schauer.

SPOILERWARNUNG ENDE

Regie sowie das Drehbuch stammen von Kan-Cheung Tsang, welcher hiermit sein Regiedebut und gleichzeitig seine einzige Regiearbeit ablieferte, da diese leider nicht den verdienten Erfolg zugesprochen bekam. Was aber nicht seine kreative Ader berührte, so schuf er unter anderem mehrere Drehbücher zu Filmen mit Stephen Chow wie Shaolin Kickers oder durchgedrehten Komödien wie Kung Fu Hustle, CJ7 und anderen massentauglicheren Werken. Die Inszenierung von Intruder ist jedenfalls gewollt ruhig und auch das Spiel der Kamera mit der ewig lauernden Dunkelheit und dem nie enden wollenden Regen funktioniert toll. Auch der gewählte Score ist keineswegs aufbrausend oder in den Vordergrund gedrängt, sondern hält sich stets ruhig und düster im Hintergrund - passend zu der ewigen Nacht im Film.

Einzig die deutsche Synchro ist ein Graus, nicht wegen der Übersetzung aber wegen der schrecklich billigen Pornosynchro. Der Film ist keine Schlachtplatte und hat es auch nicht nötig sich hinter selbstzweckhaften Gewaltdarstellungen zu verstecken, sondern könnte durchaus als perfider Thriller auch ohne diese Szenen funktionieren - wird aber durch die kleinen expliziten Einschübe noch obendrauf garniert. So ist die gewählte Portion der Gewaltdarstellung nicht übertrieben blutrünstig, aber noch immer verstörend effektiv genug um dem Zuschauer den Terror entsprechend zu vermitteln.

Mit dem historischen Hintergrund, das der Film 1997 zu einem Zeitpunkt erschien, als es Hong Kong und China ohnehin schon schwer hatten, mit dem Vorurteil der Kolonie-Bürger gegenüber den Festlandbürgern aus China, könnte man dem Film zusätzlich noch einen Subtext zusprechen. Hier wird mit dem gezielten Identitätsdiebstahl eine illegale Flucht von China nach Hong Kong beschrieben und gleichzeitig auch der Gesellschaft eine Warnung ausgesprochen. Es wird gekonnt damit gespielt, die Republiksflüchtlinge als böse Eindringlinge in die bisher funktionierende Gesellschaft zu metaphorisieren. Gleichzeitig wird hier aber der Taxifahrer aus Hong Kong auch nicht als Heiliger dargestellt, da er immerhin eine wissentliche Begegnung mit einer Prostituierten sucht und seine Familie auch generell vernachlässigt. Der Titel Intruder ist meiner Meinung nach also nicht nur auf die Antagonistin und das Eindringen in das Leben des gefolterten Taxifahrers gemünzt.

Insgesamt ist Intruder ein ruhiger, pessimistischer Film, der konsequent eine finstere Geschichte erzählt, ohne die nötige Tiefe zu vernachlässigen die eine gelungene Charakterzeichnung braucht um auch mit den Figuren mitzufiebern/mitzuleiden. Kein Splatterfilm ohne Birne, auch wenn die Gewaltspitzen auch Gorehounds ansprechen dürften.

Deprimierend, intensiv, finster. Kein Vergnügen und daher empfehlenswert!

8/10
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Kommentare

09.03.2017 16:44 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 20
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 8.905
Ha, na endlich mal ein Titel aus der flippigen Anger-Goes-Asia-Reihe, den ich auch kenne! ;)
Ich habe den Film nach meinem Bewertungsempfinden als passable 7/10 in Erinnerung. Die zahlreichen schlechten/schwachen Bewertungen hier kann ich mir nur deshalb erklären, weil wohl manche Zuschauer zu sehr auf einen reinen Folter-/Splatterstreifen gehofft hatten.

09.03.2017 17:41 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 9
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.102
Sehr treffende Kritik zu einer gelungenen Düsternis-Suppe aus Fernost!

09.03.2017 19:00 Uhr - naSum
1x
User-Level von naSum 7
Erfahrungspunkte von naSum 605
"Deprimierend, intensiv, finster" klingt für mich nach einer klasse Mischung.
Der Titel ist notiert und wird bei Gelegenheit dank deines eindrucksstarken Reviews gesichtet .

09.03.2017 21:07 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 17
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 5.955
Wiedermal ausgezeichnete Kritik zu Exportware aus der ehemaligen britischen Kolonie. Es gelingt dir Dark Intruder sehr gut und mit einem angenehmen Schreibstil vorzustellen und die wichtigsten Infos passend einzubauen (der einzige Punkt den ich vlt noch eingefügt hätte, wären die Namen der Hauptdarsteller) und auch deine eigene Interpretation mit einzubringen. Witzigerweise habe ich schon oftmals die gekürzte JK Fassung dieses Films in Videotheken rumstehen sehen, da der aufgrund des hohen Spannungsgrads, der schön düsteren Atmosphäre und dem Verzicht auf unpassenden Klamauk recht ansprechend klingt werde ich mir mal bei Gelegenheit eine unzensierte Fassung besorgen.

10.03.2017 09:07 Uhr - DriesVanHegen
User-Level von DriesVanHegen 2
Erfahrungspunkte von DriesVanHegen 47
Ich kann ebenfalls den naSum zitierten Schlusssatz zum Besten geben. Mehr würde mir derzeit zum Film nicht einfallen; die Sichtung liegt jedoch schon gefühlte 10 Jahre in der Vergangenheit.
Mir war er damals allerdings ZU deprimierend, ZU finster und ZU intensiv gewesen. Weshalb ich damals keine Empfehlung ausgesprochen hätte. Heute sieht das Ganze wie ich vermute anders aus und ich sollte ihm noch einmal eine Chance geben.

10.03.2017 09:50 Uhr - Angertainment
1x
DB-Helfer
User-Level von Angertainment 15
Erfahrungspunkte von Angertainment 3.852
Vielen Dank für das positive Feedback an alle fleissigen Schreiber ;)

@Horace Pinker: Da die Hauptdarsteller sonst in keinem bekannteren Werk vertreten sind, habe ich das weggelassen um nicht sinnlos mit irgendwelchen Namen zu blenden - deren Leistung habe ich aber entsprechend gewürdigt. Und mit eigene Interpretation habe ich soweit eingebracht wie es ging, ohne den finalen Twist vorwegzunehmen. Hätte dann zu viel verraten müssen. Aber danke für die konstruktive Kritik.

10.03.2017 15:53 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 16
Erfahrungspunkte von cecil b 4.720
Einfach Top!!!!!!!!

Ich habe aus Spoilergründen nicht alles gelesen, aber genug, um zu wissen, dass deine Review sehr gut gelungen ist, und mich dieser düstere Hong Kong Kracher 'begeistern' kann!

11.03.2017 07:27 Uhr - Angertainment
DB-Helfer
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Danke Cecil, habe die "kleine Spoilerwarnung" eher aus Vorsicht gesetzt, verrate nicht wirklich was in dem Absatz - aber wollt auch mit Andeutungen nicht die Grenze überschreiten. Freut mich wenn ich dein Interesse geweckt habe.

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