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dicker Hund
Level 10
XP 1.534
Eintrag: 20.03.2017

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Violent Cop

(Sono otoko, kyôbo ni tsuki)
Herstellungsland:Japan (1989)
Genre:Thriller
Alternativtitel:Warning, This Man is wild

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,25 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Azuma ist Polizist. Er kennt kaum Grenzen, und seine Sprache ist Gewalt. Außer bei seinen Vorgesetzten und seiner Schwester löst er fast alle Probleme mit Gewalt. Die Polizei toleriert sein Verhalten sogar meistens. Als Azuma die Kriminalität dann auch in den eigenen Reihen aufspürt, wird der Kreislauf der Gewalt unaufhaltsam.
eine kritik von dicker hund:

"Violent Cop" war 1989 das Regiedebut und damit der erste von inzwischen 18 Filmen des japanischen Ausnahmetalents Takeshi Kitano, aus dessen Portfolio hier einmal "Hana-bi" und "Outrage" hervorgehoben seien. Sein unangenehmer Thriller startete direkt durch und ließ keine Spur von Anfänger-Unsicherheiten erkennen. Nicht einmal die Mehrfachbelastung, auch noch die Hauptrolle zu übernehmen, vermochte an Kitanos Entfaltung etwas zu ändern.

Denn die Figur des Azuma passt mit ihrer rohen Kaltschnäuzigkeit einfach perfekt zu dem Respekt einflößenden Herren mit der robusten Körpersprache. Seine harte Mimik lässt nicht nur beim Austeilen keine Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen. Wie zum Überfluss entläd sich die Brutalität ohne Unterschied, ob nun durch Polizisten oder Verbrecher, bevorzugt in Tritten gegen Personen, die schon am Boden liegen. Dieses Bild mausert sich zu einem regelrechten Markenzeichen des Films. Peinliche Befragungen gehören zur weiteren Tagesordnung - und lassen schon einmal flächendeckende Blutlachen an den Wänden zurück. Ähnlich sieht es aus, wenn die spärlich dosierten, aber infamen Shootouts sich partout nicht mit nur einem Einschuss begnügen wollen. Die Spitze der Grausamkeiten stellt allerdings eine siffige Vergewaltigung dar (Gewalt 6/10). Letztere verzichtet gnädigerweise darauf, die beteiligte Darstellerin über Gebühr zu entblößen (Sex 3/10).

Hierdurch würde auch ein erheblicher Teil der erhabenen Bildästhetik beeinträchtigt werden, in welcher Erotik ein textilfreier Fremdkörper wäre. Selbst am hellichten Tage setzt sich nämlich die Düsternis in den Kulissen durch, die wiederum trotz ihrer Alltäglichkeit eine ganz eigene, unangenehme Atmosphäre ausstrahlen. Beispielhaft sei das verschwenderisch geräumige, aber nahezu kahle Gangster-Büro genannt, dem man zutraut, es könne bei Zerstörung binnen Stunden durch ein anderes ersetzt werden. Würdig hierzu erweist sich die Kamera, die mit stoischer Gelassenheit umherschweift oder im Panorama verharrt, sobald dieses adäquater erscheint. Noch dazu verblüfft die Synchro mit verwegen kühlen Stimmen, die phasenweise vergessen lassen, dass die deutsche Sprache nun wirklich nicht den Klang des japanischen Originaltons hat und schnell irritieren kann. So gute Arbeit hat Seltenheitswert. Daneben verwöhnt noch der Blues-nahe Score das Ohr, der manchmal aus der inszenatorischen Negativität ausbricht, indem das Klavier durch seine eher friedlichen Töne mit dem trostlosen Geschehen aneckt.

Das tut auch der völlig überraschend eingestreute Humor (2/10), der ganz beiläufig ein kurioses Bargespräch oder das Gejammer eines risikoscheuen Polizei-Neulings beimengt. Dennoch bleibt die Mischung aus Tristesse und Erbarmungslosigkeit unangenehm. Gerade die misogynen Szenen fühlen sich aufdringlicher an als die Austeritäts-Entscheidung bei der Frage der blanken Haut vermuten ließe. Hier dürfte manches für Zartbesaitete schon weit über das erträgliche Maß hinausgehen (Horror 7/10). So überzeugend die hierdurch erzeugte Grundstimmung  ist, kommt der Plot spiegelbildlich nicht um einige Klischees herum. Die Darstellung von Frauen als schwache, auf Gedeih und Verderb vom Wohlwollen der prügelaffinen Männer abhängige Wesen fällt in ihrer Ausschließlichkeit unangenehm auf. Zudem tendiert der Erzählstil schon einmal in behäbige Gefilde, da sich bestimmte inszenatorische und narrative Komponenten mehrfach wiederholen, nachdem sie schon satt ausgereizt sind.

An der Einstufung des "Violent Cop" als große Filmperle (8/10 Punkten) ändert das aber nichts. Empfehlenswert ist der Film ohne Frage, sofern man ein Gefühls-Universum der Kategorie "Die Welt ist schlecht und voll von schlimmer Gewalt" ab kann. Dank Erwachsenenfreigabe der FSK für die ungeschnittene Fassung sind die Beschaffungsmöglichkeiten recht Schikane-arm.

8/10
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Kommentare

20.03.2017 08:33 Uhr - Horace Pinker
1x
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Wiedermal überzeugender reviewtechnischer Ausflug nach Fernost, der durch deinen üblichen gekonnten Formulierungsstil, die gut gewichtete Aufarbeitung aller wichtigen Facetten des Films und einer nachvollziehbaren Wertung brillieren kann. Ich würde Violent Cop ähnlich bewerten (u.U. sogar mit einem Punkt mehr), da Violent Cop imho ein äußerst gelungenes düsteres Copdrama mit gelegentlichen blutigen Gewaltszenen und überraschendem Humor (ich fand es am witzigsten wie sich Kitanos Figur immer Geld von anderen Polizisten geliehen hat) ist. Kitano ist für mich ohnehin der wahrscheinlich beste japanische Regisseur, der es auch geschafft hat in den verschiedensten Genres zu überzeugen, bisher habe ich noch keinen einzigen schlechten Film von ihm gesehen und bin auch schon sehr auf Outrage Final gespannt. Zudem ist es auch beeindruckend in welchen Feldern er noch so alles tätig ist (u.a. als Schauspieler, Maler, Komiker und Schriftsteller).
P.S. Übrigens war es ein glücklicher Zufall das Kitano bei Violent Cop die Regie übernahm, da er ursprünglich nur als Darsteller mitwirken sollte, den Posten allerdings übernahm nachdem sich der ursprüngliche Regisseur vom Projekt zurückzog.

20.03.2017 10:38 Uhr - DriesVanHegen
1x
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Den kenne ich leider noch nicht, aber der wird sich mit Sicherheit noch zu meinen paar Kitanos gesellen.
Dem Review nach scheint Kitano ja ohne Startschwierigkeiten gezündet zu haben, was es umso interessanter macht, sich seinen Erstling einzuverleiben.

20.03.2017 10:46 Uhr - cecil b
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Wie immer von dir, eine überaus gelungene, nachvollziehbare, und äußerst angenehm verfasste Review!

Ich persönlich sehe in Violent Cop noch etwas mehr, aber das ist ja nur meine Sichtweise. Die von dir benannte Abhängikeit und reduzierte Position der Frauen sind für mich eine Darstellung eines realen Dramas, einer realen Position der Frauen, die an der Seite der Brutalos leben. Zudem sehe ich dass die Machtlosigkeit der Polizei dargestellt wird. In einer Szene sitzt ein Polizist auf einem liegenden Gangster, vermeindlich in der dominanten Position, muss sich aber von dem Bösewicht verprügeln lassen. Für mich eine Metapher für die benannte Deutung. Die Machtlosigkeit führt für mich zum letzten Mittel, den Violent Cop, ein Teufelskreis der Gewalt. Aber ist nur meine Gedankenwelt dazu, deine Review ist schlüssig wie immer, und schließt nichts aus. Wie immer sehr gut gelungen, danke dafür!

20.03.2017 12:19 Uhr - hockeymask86
1x
Sehr gelungene Review zu einem tollen Film. Die deutsche Synchro ist in der Tat äusserst gut. Christian Brückner auf Kitano passt ausgezeichnet. In japan ist Kitano ja mehr als Stand-Up-Comedian und für`Takeshi`s Castle` bekannt. Seine hier in Europa gefeierten Filme,Wie z.B. Hana-Bi,sind da nicht so bekannt. Hab ich auf einer Internet-Seite gelesen. Ich hab nicht schlecht geguckt als ich gemerkt habe das er ja Fürst Takeshi himself aus `Takeshi`s Castle` ist.

20.03.2017 12:25 Uhr - NoCutsPlease
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Sehr interessante, verspielt formulierte und auf das Wesentliche fokussierte Kritik - typisch Hund eben. ;)
Mit Kitano hatte ich bislang noch so gut wie keine Berührungspunkte, deshalb dürfte das eine aufschlussreiche filmische Erfahrung werden.

20.03.2017 13:33 Uhr - dicker Hund
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Vielen Dank für Lob und Zusatzinformationen! So durchdachte Kommentare werten die Reviews auf;-)

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