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moviecrusher
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Eintrag: 17.03.2017

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Exorcismo

Herstellungsland:Spanien (1975)
Genre:Horror
Alternativtitel:Exorcism
Le Notti di Satana

Bewertung unserer Besucher:
Note: 1,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
"Der Exorzist" auf spanisch: Leila, ‘ne verwöhnte Göre aus reichem Hause, gerät in die Fänge okkulter Teufelsanbeter, dramatische Veränderungen ihrer Persönlichkeit inklusive. Leila, einst der Inbegriff von Nettigkeit, mutiert zusehends zur launigen Zicke, flucht wie ein Rohrspatz und scheint zudem in eine unheimliche Mordserie verwickelt, deren Opfer ebenfalls Verbindungen zur okkulten Szene aufweisen. Mama ist besorgt - und zieht einen Priester zu Rate, dessen Recherchen gar Unheimliches zutage fördern: Leila ist vom Teufel besessen. Jetzt kann nur noch eines helfen: ein Exorzismus alter Schule. Der Priester stellt sich dem Kampf gegen die Teufelsbrut ... denn schließlich hat's beim großen US-Vorbild ja auch funktioniert ...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von moviecrusher:

"Der Vatikan hat die 'Internationale Vereinigung der Exorzisten' offiziell anerkannt. Schon unter Papst Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte die katholische Kirche wieder deutlich mehr Teufelsaustreiber zugelassen." So titelte die Online-Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen" im Juli 2014. Klingt nach klassischem Schuss ins eigene Knie: Hat sich der olle Ratzinger damit doch augenscheinlich gleich selbst ausgetrieben. Von wegen "Wir sind Papst" ...

Hätte Ratze "Exorcismo" doch einfach mal so mitgenommen. Verbanne diese Schlaftablette von Film in den ewigen Schlund der Hölle - und schon ist die Welt ein Stück weit erträglicher. Kein Verlass auf diese klerikalen Flitzpiepen: Ratzinger ist weg, den Film gibt's aber noch immer. Das ewige Kreuz mit den kirchlichen Würdenträgern: Nur beim Angraben von Ministranten beweisen sie eine sichere Hand. Und so passiert Filmfans nach wie vor das Unvermeidliche: Sie stolpern über "Exorcismo", ein spanisches Rip-off von ... na, was wohl? ... William Friedkins "Exorcist" - und wünschen sich nach Ansicht dieses filmischen Schandflecks, das Gesehene im Nachhinein ebenfalls erfolgreich aus dem Gedächtnis exorzieren zu können. 

Dabei standen die Vorzeichen, es mit einem heiteren, billig runtergekurbelten, auf seine Weise aber doch unterhaltsamen Stücks Euro-Trash zu tun zu bekommen, nicht schlecht. In den Hauptrollen: Paul Naschy, die spanische Antwort auf Karloff, Price UND Lugosi sowie Maria Perschy, eine Ösi-Braut, die schon 1974 - ein Jahr vor "Exorcismo" - vergebens versuchte, dem "Geisterschiff der schwimmenden Leichen" davonzukraulen. Amüsante Kultbesetzung, Paulchen mal nicht als Werwolf - was soll da schon schiefgehen? Alles. 

Zu behaupten, die Story ziehe sich wie ein Kaugummi, wäre schlichtweg falsch. Vielmehr schmeckt sie wie ein altes, vergessenes Stück Hubba Bubba, das man vor Jahrzehnten unter den Küchentisch klebte, jetzt wiederentdeckt und sich dafür entscheidet, es trotzdem nochmal in den Rachenraum einzuwerfen. Beelzebubs Wirtin, in deren Körper es sich Luzifer diesmal bequem macht, hört hier auf den Namen Leila, eine verwöhnte Göre der Oberschicht, die durch falschen Umgang an okkulte Sekten-Spastis gerät und so - von ihr natürlich unbemerkt - die Nachricht "Zimmer frei" an Satan absondert. Davon sieht der Zuschauer allerdings wenig bis nix ... von einer sleazigen "Nackte Jungfrau am Opfer-Altar im Sonderangebot"-Sequenz mal abgesehen. 

Stattdessen sorgen Leilas plötzlich einsetzende Stimmungsschwankungen für Sorgenfalten auf der Stirn von Muttertier Perschy, die einen alten Vertrauten der Familie zwecks Aufklärung zu Rate zieht. Einen Psycho-Doktor? Nein, das wäre ja logisch. Mami wendet sich an Vater Dunning, einen Priester in Gestalt Paul Naschys, der in endlos anmutenden Gesprächen verzweifelt versucht, der Intention des Drehbuchautoren auf die Schliche zu kommen. Interessantes Detail am Rande: Die Story-Idee lieferte Naschy selbst - und dennoch tappt seine Figur gefühlte 78 von insgesamt 90 Minuten Laufzeit vollends im Dunkeln. Ist "Exorcismo" gar eine Fingerübung in Sachen Demenz? Ein klares Nein. Der Film ist einfach nur Schund ...

Wie gesagt: Naschy führt Gespräche. Mit Mama. Mit "Satansbraut" Leila. Mit dem Hauspersonal. Mit Leilas Geschwistern und Freunden. Und mit einem Inspektor. Dem übrigens peinlichsten Columbo-Abklatsch aller Zeiten. Hätte Peter Falk den je gesehen, hätte er sich unverzüglich ein zweites Glasauge gewünscht. Ach, die Polizei tritt auf den Plan, da der Film auch mit einer okkulten Mordserie aufwartet. Einer Mordserie, deren Thrill-Faktor jedoch jenen stundenlangen Beobachtens wachsenden Grases nicht übersteigt. Unterhaltungswert null. Als von Schmerzen gepeinigter Zuschauer stellst du dir spätestens jetzt die Frage nach dem Sinn des Lebens: Hab ich wirklich nix Besseres zu tun? Ist dieser Film eine Prüfung des Schicksals? Oder bin ich vielleicht gar schon tot?

Dann die Überraschung: Es tut sich was. Die bereits erwähnte "Nackte Jungfrau am Altar"-Szene ... allerdings so prickelnd umgesetzt wie ‘ne Dokumentation über Fußpilz. Dazu die ersten Anzeichen von Leilas Besessenheit. Sie feiert Geburtstag - und von einer Sekunde zur anderen beginnt sie, ihre Gäste zu beschimpfen. Und wie jede Teufelsbrut der Filmgeschichte plappert sie plötzlich in einer ihr fremden Sprache. In Sumerisch? Altägyptisch? Oder wenigstens Hebräisch? Falsch. Leila spricht Deutsch! Natürlich Schimpfwörter und dreckigen Sex-Talk. Schließlich ist die Zicke ja satanisch fremdgesteuert ... und fluchen gehörte ja schon bei Linda Blair zum guten bösen Ton.

Du blickst auf die Uhr. Erleichterung macht sich breit. Noch etwas mehr als zehn Minuten, dann ist der Spuk endlich vorbei. Aber wann wird in "Exorcismo" eigentlich exorziert? Jetzt ... kurz bevor's zu spät wäre. Naschy drischt ein paar Phrasen aus dem Teufelsaustreiber-Handbuch, die Windmaschine bläst den Vorhang ins Zimmer, das Bett wackelt, die Besessene levitiert. Wirkt wie vom Friedkin-Film reinkopiert, kann's aber nicht sein. Weil VIEL schlechter. Kurz vor knapp die Enthüllung: Beim einzigen bisherigen Exorzismus seiner Priester-Laufbahn bekam es Naschy schon mal mit demselben Dämon/Teufel zu tun. Paulchen ist verwirrt. Exakt diesen Moment macht sich Satans-Leila zunutze: Sie springt auf Paul. Es folgen zehn Sekunden Gerangel, bis Naschy das Teufelsweib ausknockt. Sie kullert unsanft die Treppe hinunter, das zugegebenermaßen passable "Teufels-Makeup" verschwindet, Leila ist wieder die Alte.

Ende? Nee, leider nicht. Plötzlich ist der Haushund (!) besessen, stürzt sich auf Paul. Auch hier behält Naschy die Oberhand, denn kurze Zeit später beißt auch der Vierbeiner ins Gras. Ende? Noch nicht ganz. Leila kommt nochmal zu sich, nur um die Äuglein Sekundenbruchteile später wieder zu schließen. Heißt jetzt genau was? Ist die Bitch endlich hinüber? Der Teufel erfolgreich ausgetrieben? Oder ist sie doch schon wieder besessen? Nun könnte man nachdenken, sinnieren, versuchen, das Ende des Films zu interpretieren. Macht man aber nicht. Schließlich überwiegt die Erleichterung, dieses filmische Waterboarding knapp, aber doch überlebt zu haben.

Die Moral von der Geschicht: Manchmal war Naschy wohl nicht ganz dicht. Trotzdem: Ich mag ihn. Ein Großteil seines Oeuvres überzeugt mit krudem Billig-Charme, vor allem als Werwolf verstand er es, zwar niveaulos, aber doch köstlich zu unterhalten. Auf den vom "Exorzisten" losgetretenen Besessenheitszug aufzuspringen erwies sich jedoch als katastrophaler Fehltritt. Klar, letztendlich ist "Exorcismo" nur eines von zahlreichen, grottenschlechten Teufelsaustreibungs-Rip-offs der Siebziger. Naschys Eintrag schafft es aber mühelos, den Bodensatz des Subgenres zu besetzen. Warum ergeht sich die Filmbranche eigentlich bis zum heutigen Tag in einer niemals enden wollenden Abfolge von Plagiaten bestenfalls ein- bis zweimal funktionierender Storylines? 

Was dabei meistens rauskommt zeigt "Exorcismo": Gähnende Langeweile, gekoppelt ans unsägliche Gefühl, das Ganze doch schon mal besser gesehen zu haben. Kein Wunder also, dass wir unsere Tortur der amerikanischen DVD-Veröffentlichung verdanken: War der deutsche Sprachraum doch klug genug, Naschys ungenießbares Satans-Menü von der Speisekarte hiesiger Releases zu streichen. Bis jetzt. Bedenkt man, was so alles auf heimischen Regalen herumgurkt, ist am Ende des Tages alles möglich. Daher schon jetzt die Warnung: Sollte "Exorcismo" mal hierzulande auftauchen, bitte niemals zugreifen. Der Gesundheit zuliebe. Zu empfehlen lediglich für medizinische Zwecke: Das Veröden von Krampfadern sollte damit nämlich klappen. Öd genug ist "Exorcismo" allemal ...

1/10
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Kommentare

17.03.2017 22:36 Uhr - Cruel_Hides
1x
Admin
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Haha unglaublich blumig, zynische und aufklärende Beschreibung. Jetzt bin ich aber neugierig geworden!

18.03.2017 01:14 Uhr - Intofilms
3x
Was den Leser bei deinen Texten regelrecht anfällt, ist natürlich deine unbändig-brillante Formulierungslust, die scheinbar keine Grenzen kennt. 'Rhetorische Amokläufe' würde ich das nennen. Dass du darüber hinaus über ein gewaltiges Filmwissen zu verfügen scheinst, könnte man dabei fast übersehen.

Ich ziehe meinen sprichwörtlichen Hut vor deinen beiden spektakulären Einstandsreviews! :))

18.03.2017 07:01 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 9
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.179
Zum piepen, nicht zum flitzen! Da strotzt ja jemand vor verbaler Kreativität. Habe mich köstlich amüsiert bei der Lektüre. Besten Dank.

18.03.2017 09:10 Uhr - Dissection78
1x
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Erfahrungspunkte von Dissection78 3.862
Leila spricht Deutsch?! Interessant. Denn gemäß den Simpsons kann jemand, der Deutsch spricht, kein schlechter Mensch sein.
Sehr schöne Schreibe, moviecrusher. Bitte unverzüglich so weitermachen!

PS:
Ich mag Naschy auch. Meistens. Manchmal.

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