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Die toten Augen des Dr. Dracula

(Operazione paura)
Herstellungsland:Italien (1966)
Genre:Horror, Mystery
Alternativtitel:Toten Augen, Die
Kill, Baby... Kill!
Curse of the Dead
Curse of the Living Dead
Operation Fear
Don't Walk in the Park

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Der scheinbare Selbstmord des Dienstmädchens Irena lässt Inspektor Kroger in ein kleines Dorf reisen, zu welchem auch das Schloss Graps gehört, in welchem Irena angestellt war. Zusammen mit dem Arzt Paul Eswai stellt Kroger fest, das Irena bereits das 12. Todesopfer ist, welches in letzter Zeit Selbstmord begangen haben soll. Die Dorfbewohner jedoch glauben, dass der Geist eines jungen Mädchens für die Morde verantwortlich ist. Und tatsächlich kommt es immer wieder zu geisterhaften Erscheinungen, welche weitere Todesfälle nach sich ziehen. Immer mehr Spuren deuten zum Schloss der Baronessa Graps. Als Dr. Eswai auch die Leiche von Kroger findet, vermutet er, daß alle Leute sterben müssen, die jemals das Schloss besucht haben. Ein großer Irrtum. Denn die unzähligen Zimmer des Schlosses verbergen ein Geheimnis, daß viel fürchterlicher ist, als Eswai es sich je vorzustellen vermag.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA

Es gibt wohl kaum einen bescheuerteren Titel für einen Gruselfilm, vor allem, wenn man weiß, dass Dracula nie seinen Doktor gemacht hat und er im Film selbst überhaupt nicht vorkommt. Im Original gibt es keinerlei Bezug zum berühmtesten Vampir aller Zeiten. Und der deutsche Trailer mit so hirnverbrannten Sprüchen wie „Kommen Sie vertrauensvoll zu Dr. Dracula. Er behandelt ihre Gänsehaut.“, „Wünschen Sie eine Horror-Spritze? Dr. Dracula bedient sie prompt!“ oder „Leiden Sie unter Verfolgungs-wahn? Dann schnell zu Dr. Dracula! Er sorgt für Entspannung durch Spannung!“ dürfte wohl so ziemlich jeden – von hartgesottenen Trashfilmfans vielleicht mal abgesehen – in die Flucht schlagen. Einen solchen Titel, bzw. Trailer hat dieser Film von Mario Bava, der im Original den Titel Operazione Paura trägt, nicht verdient, handelt es sich hierbei doch um ein Highlight des europäischen Gothic Horror-Films.

Die Toten Augen Des Dr. Dracula markiert Bavas Rückkehr zum Gothic Horror, mit dem er seine Regiekarriere begonnen hatte (Die Stunde, Wenn Dracula Kommt, 1960). Vorher hatte Bava den Italowestern Nebraska Jim (1966) und das Wikinger-Abenteuer Eine Handvoll Blanke Messer (1966) gedreht, die nicht gerade zu den Herzensangelegenheiten des Regisseurs gehört haben sollen. Der Film basiert auf einem Drehbuch, geschrieben von Romano Migliorini und Roberto Natale. Die Story des Films stammt ebenfalls von den Autoren, wurde aber auch von Bava mitentwickelt. Zur Besetzung des in Calcata (in der Provinz Viterbo in der italienischen Region Latium) gedrehten Films gehören Giacomo Rossi-Stewart (1925-1994 / The Night Evelyn Came From The Grave, 1971), Erika Blanc (Tödlicher Hass, 1973), Fabienne Dali (Zucker Für Den Mörder, 1968) und Piero Lulli 1923-1991 / Töte Django, 1967). Angeblich soll der Film in nur zwölf Tagen gedreht worden, was aber nicht der Wahrheit entsprechen dürfte – Darstellerin Erika Blanc erinnert sich an zwanzig Drehtage und Bavas Sohn Lamberto, der den Film als Regie-Assistent betreute, spricht von einem Monat.

Dr. Paul Eswai (Giacomo Rossi-Stewart) wird von Inspektor Kroger (Piero Lulli) in ein abgelegenes Dorf gerufen, um den Tod einer jungen Frau zu untersuchen. Die Ermittlungen der beiden stoßen im ganzen Dorf auf Ablehnung, niemand will mit den beiden zusammenarbeiten. Dabei scheint der Tod der Frau nur einer von vielen mysteriösen Todesfällen innerhalb der Dorfgemeinschaft zu sein. Die Spur der beiden Ermittler führt zum Schloss der Familie Graps …

Man darf sich nicht vom Titel und der Werbekampagne des Films abhalten lassen – Die Toten Augen Des Dr. Dracula ist (trotz seines nicht gerade üppigen Budgets) alles andere als ein billiges Trashfilmchen, sondern ein hervorragender, klassischer Gruselfilm italienischer Produktion, der vor allem durch seine unglaublich dichte, unheimliche Atmosphäre besticht, die heutzutage kaum ein (Horrorfilm)Regisseur hinbekommt. Diese Atmosphäre ergibt sich durch ein gekonntes Zusammenspiel von Kameraführung, Schnitt, Musik und Beleuchtung. Bereits die Eröffnungssequenz zeigt dieses Zusammenspiel in Perfektion und sorgt für eine wohlige Gänsehaut. Aber selbst die Creditsequenz zu Beginn, die in vielen anderen Filmen einfach nur ein notwendiges Übel ist, ist in Die Toten Augen Des Dr. Dracula ein Highlight. Die Kamera umrundet eine Burgruine und ein Dorf, das derart verfallen wirkt, das man es kaum noch als solches bezeichnen will, und sorgt – im Verbund mit der düsteren, unheilschwangeren Musik – für eine schaurige Grundstimmung. Und diese Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Die Musik kündet die ganze Zeit über von sich anbahnenden Bedrohungen, die Kulissen (z.B. der Friedhof oder das Schloss der Familie Grasp) sind unheimlich detailverliebt, die Nebelmaschine wird regelmäßig angeworfen und manche Bilder (z.B. das aus der Ferne betrachtete Bild der Totengräber, die einen Sarg davontragen) sind so einprägsam und stimmungsvoll, dass man sie sich als Gemälde ins Wohnzimmer hängen möchte. In puncto Atmosphäre und filmischer Handwerkskunst macht Die Toten Augen Des Dr. Dracula alles, aber wirklich alles richtig!

Aber die Atmosphäre des Films ist nicht seine einzige Stärke. Auch die (ziemlich stringente) Handlung des Films hat alles, was ein klassischer Gothic Horror-Film braucht. Aus heutiger Sicht mag die Geschichte um einen alten Fluch vielleicht etwas angestaubt wirken; trotzdem ist diese immer noch spannender und interessanter als die des zigsten C-Horror-Zombie/Torture Porn/Backwood Horror-Aufgusses, der allwöchentlich den Markt überschwemmt. Es ist wirklich schauderhaft anzusehen, was da heutzutage teilweise den Markt überschwemmt – denn genau diese von mir genannten Zombie/Torture Porn/Backwood Horror-Filme der zweiten, dritten und vierten Klasse fallen unter die Bezeichnung „Low-Budget-Horrorfilm“ wie Bavas Filme damals...nur hatte man da trotz des schmalen Budgets immer noch den Eindruck, dass da echte Künstler (Man beachte nur die Beleuchtung von Die Toten Augen Des Dr. Dracula) am Werk waren, während man sich heute einfach alles digital zusammenrotzt.

Wenn man Die Toten Augen Des Dr. Dracula einen Vorwurf machen möchte, dann ist es die weitgehend hölzern agierende Darstellerschaft. Insbesondere Giacomo Rossi-Stuart strahlt das Charisma einer Marionette aus und Piero Lulli übertreibt seine Rolle ein wenig. Fabienne Dali ist – genau wie Erika Blanc – in erster Linie hübsch anzusehen. Beide Frauen sind zweifelsohne attraktiv, aber Dali wirkt in ihrer Rolle der Kräuterhexe etwas zu pathetisch inszeniert und auch Erika Blanc hat – auch wenn es sich einer Dame gegenüber, die sich in Interviews betont sympathisch gibt, etwas böse anhört – wenig mehr zu tun als das bangende Opfer zu spielen. Dem gegenüber steht Giana Vivaldi, die ihre Rolle als böse Baroness amtlich ausübt. Horrorfilme sind nicht unbedingt auf Lee Strasberg Academy-Absolventen angewiesen, aber hier fällt deutlich auf, dass Bava schon bessere Schauspieler zur Verfügung hatte, wie z.B. Telly Savalas (Kojak, 1973-1978) in Lisa Und Der Teufel (1973).

Trotzdem ist Die Toten Augen Des Dr. Dracula ein hervorragender, klassischer Gruselfilm, der zwar nicht an Die Stunde, Wenn Dracula Kommt (1960) herankommt, aber dennoch ein eindrucksvoller Beleg dafür ist, was der italienische Meister des Horrorfilms aus bescheidenen finanziellen Mitteln machen konnte. Außerdem weiß der Film – über fünfzig Jahre nach seiner Entstehung – immer noch zu fesseln und zu begeistern.

9/10
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Kommentare

21.04.2017 00:19 Uhr - TheRealAsh
1x
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Sehr geniales Review für einen Film, den ich ebenfalls wie waxwork noch nicht gesehen habe. Muss ich mir jetzt leider auch holen.

Bava ist leider ein Fass ohne Boden, ich schau mir die die ich habe immer wieder an, ob Bay of Blood, Blutige Seide oder Wild Dogs (etc.), der Mann bleibt einfach genial

21.04.2017 00:21 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Dein Lob!

"Bay Of Blood" finde ich auch cool! "Blutige Seide" steht bei mir dieses WE an. Hab mir die Blu Ray von "Arrow Video" geholt. "Wild Dogs" kenne ich leider noch nicht.

21.04.2017 00:32 Uhr - TheRealAsh
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Dann schreib doch bitte ein review, mich interessiert deine Meinung hierzu sehr. Der giallo aller gialli.

Ich habe übrigens auch die arrow, überragend!

21.04.2017 00:49 Uhr - Intofilms
1x
Heute werden wir mal wieder mit einer erstklassigen Bava-Kritik 'bestraft'. Molto fantastico! ;))

Wenn ich mich jetzt richtig erinnere, dürfte der Film auch so ziemlich die dicksten, zähesten Spinnweben (auch eine sehr beliebte Gothicgruselzutat :) aufbieten, die mir bis jetzt in Filmen untergekommen sind, hihi...
Ja, genau wie du bin ich ein begeisterter Fan von Bavas "Toten Augen". Filme wie dieser sind einfach zeitlose Gruselklassiker! Ich muss hier auch immer an die ungefähr zur gleichen Zeit entstandenen wundervollen AIP/Corman-Produktionen wie zum Beispiel "Das Pendel des Todes", "Die Verfluchten", "Das Grab der Lygeia" usw. denken, die alle mit ganz einfachen, aber sehr effektiven Mitteln stets die gleiche schaurig-schöne Grundstimmung heraufbeschwören. Horrorherz, was willst du mehr?!!
"Die toten Augen des Dr. Dracula" eine 9/10?
Ja, was denn sonst!!!!! ;)

21.04.2017 13:36 Uhr - leichenwurm
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Jau... DER ist vor ein paar Tagen auch in meine Sammlung gewandert. Hatte aber noch nicht die Ruhe den zu gucken. Die Vorfreude steigt nach deinem Review natürlich nur noch mehr. Ich bin gespannt... ;-) !

21.04.2017 14:01 Uhr - cecil b
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Hut ab für Bava und Punisher77!

21.04.2017 22:44 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Euer Lob :-)!

@Intofilms:
Stimmt, die Spinnweben waren in der Tat äußerst dicht, widerstandsfähig und ekelig...hätte ich mal erwähnen können.

@TheRealAsh:
Ein Review zu dem Film kommt bestimmt. Könnte nur vielleicht ein wenig dauern, da mein Urlaub jetzt zu Ende geht und ich weniger Zeit zum Schreiben haben werde.

27.04.2017 09:20 Uhr - Dissection78
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Ein atmosphärisch ganz starker Gothic-Horrorgrusler Bavas. In meinen Augen braucht er sich vor "Die Stunde, wenn Dracula kommt" nicht zu verstecken.
Und ich muss gestehen, die reißerischen Trailer der 60er- bis 80er-(Horror-)Streifen gefallen mir irgendwie. Man darf sie nur nicht zu ernst nehmen, wobei sie sich ja auch selbst nicht allzu ernst nehmen.
Übrigens: Sehr schicke Kritik, Herr Punisher! :)

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