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TheRealAsh
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Eintrag: 21.04.2017

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Der Blade Runner

(Blade Runner)
Herstellungsland:USA (1982)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:Aufstand der Anti-Menschen
The Blade Runner
Blade Runner - The Final Cut
Blade Runner - Metropolis 2020
Dangerous Days

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,27 (98 Stimmen) Details
inhalt:
Man schreibt das Jahr 2019. Den Replikanten, künstlichen Menschen, ist bei Todesstrafe die Rückkehr zur Erde verboten. Doch trotzdem kehren eines Tages einige dieser Wesen zurück. Diese besondere Spezies verfügt über Kraft und Intelligenz mehrerer Menschen und ist von diesen kaum zu unterscheiden. Sie sollen unschädlich gemacht werden. Nur eine Spezialeinheit kann sie aufspüren: die Blade Runner. Eine atemberaubende Hetzjagd durch die futuristische Welt beginnt.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Drei Dinge vorweg:

1. "Blade Runner" ist für mich einer der besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten. Punkt!

2. Meine Lieblingsfassung ist die internationale Kinofassung mit Voice-Over von Rick Deckard. Vergleiche hierzu den grandiosen Schnittbericht von Eiskaltes Grab: http://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=351613 Außerdem bevorzuge ich die deutsche Synchro mit dem großartigen Wolfgang Pampel, auch wenn mir Harrison Fords schnoddrige Originalstimme gefällt, die ja bewusst schlecht gemacht wurde, wenn man den Jungs glauben darf. Auch wenn sich Ridley Scott für diese Erzählstimme zu schämen scheint, was ja in Hollywood üblich ist, finde ich doch, dass hier die Nähe zum Roman mehr vorhanden ist. Geschmackssache, aber eben ein Trend, den man nicht unbedingt teilen muss.

3. Der Soundtrack von Vangelis ist für mich einer der besten Soundtracks aller Zeiten, da er als eine Art Hörspiel einen Gesamthörgenuss bietet, den ich nur noch vom völlig unterschätzten Soundtrack zu "Angel Heart" kenne. Wer mir hierzu noch weitere Hinweise auf diese Art von Soundtrack (Scoremusik, Songs, Dialoge und Effekte, die alle überblenden) weiß, gebe mir bitte Bescheid. Und ich spreche hier nicht von den verhunzten Tarantino-Dingern, die mit ihren Dialogfetzen alles zerhacken, wie für mich der schöne Morricone-Soundtrack zu "The Hateful Eight", den die Dialoge einfach nur zerstören.

Dies als Vorbemerkung. "Balde Runner" bietet für mich Kino und Film in Reinform. Allein der Anfang! Was für eine Vision! Eine anscheinend die ganze Erde umspannende Megacity Names Los Angeles, Feuer, Explosionen, Schornsteine, Licht. Das ist Science Fiction. Dann das Auge von Deckard, in dem sich all dies spiegelt, dieses Auge, das eigentlich selbst weiß, wer es ist und doch nicht weiß, wer es ist.

Gehen wir weiter. "Blade Runner" basiert auf dem ebenfalls grandiosen, wenn auch leicht anderen Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?" von Science-Fiction-Überguru Philip K. Dick. Seit dem Erfolg des Films wird der Roman sogar unter dem Titel "Blade Runner" verkauft, was man akzeptieren kann, aber nicht muss. Der Roman erzählt naturgemäß etwas mehr, da es ja einen Erzähler gibt, der allerdings nicht Rick Deckard ist. So gibt es im Film keinen Mercerismus (eine Art Emotionsreligionssekte), Deckard hat im Roman eine Ehefrau, der Voigt-Kampf-Test wird eindringlicher und vor allem kritischer dargestellt, was von Dick auch als eine Kritik an realen Psychotests gemeint sein sollte, und so weiter, und so fort.

Wer den Roman noch nicht gelesen hat und wem der Film gefällt, sollte ihn auf jeden Fall sichten, sich aber darauf einstellen, dass er nicht den Film geboten bekommt, sondern etwas anderes, das allerdings ebenfalls grandios erzählt ist.

Hinzufügen muss man zur Entstehung des Titels "Blade Runner", dass die für den Film verwendete Bezeichnung vom heroingeschwängerten Hirn des amerikanischen Beat-Schriftstellers William S. Burroughs stammt, der selbst megageniale, aber bewusst unverständliche Science-Fiction-Romane geschrieben hat wie "Nova Express" und das Genre eher nebenher beeinflusst hat, wie das Lovecraft letztlich ja auch getan hat, wenn auch anders. "Blade Runner (a movie)" ist jedenfalls die Drehbuchversion von Burroughs wiederum von einer Romanvorlage des Science-Fiction-Romans "The Bladerunner" von Alan E. Nourse, der mit dem Film letztlich gar nichts zu tun hat. Wichtig an diesen ganzen Verknüpfungen ist nur, dass - wie schon beim Beispiel Lovecraft - Überfilme wie "Blade Runner" eben nicht nur aus einer Anfangsquelle stammen, sondern von vielem beeinflusst sind und selbst wiederum als Art Schaltstellen für zukünftige Filme gelten, die sich der Einflüsse oft nicht bewusst sind und manchmal später diese Ureinflüsse wiederum aufarbeiten. Für leidenschaftliche Filmliebhaber also ein Mekka von Verweisen, Andeutungen und Geheimnissen.

Zum Inhalt kann eigentlich nichts anderes mehr gesagt werden, als dass der Film, wie schon der Roman, eine Welt aufmacht, die postapokalyptisch die Science-Fiction-Welt nachhaltig geprägt hat. Vor allem die Film-Noir-Anleihen sorgen hier für eine ernste und jenseits von Kinderraumschiffgeschichten stattfindende Nachvollziehbarkeit, die einen in der Jugend faszinieren und im hohen Alter sicher auch noch. 

In der Postapokalypse ist eben nicht alles nur rosig. Auch nicht im Jahr 2019 in Los Angeles. So ist Rick Deckard vom Beruf her Blade Runner, was man mit einer Art Kopfgeldjäger für Replikanten übersetzen kann. Replikanten sind wiederum künstliche Menschen, also Maschinen, die den Menschen so täuschend echt sehen und sind, dass es anderer Mittel bedarf, diese zu enttarnen (zum Beispiel mit dem Voigt-Kampf-Test).

Warum aber leben Replikanten und Menschen nicht in Frieden? Schwer zu sagen. Denn es gibt Replikanten, die sich von den Menschen ungerecht behandelt fühlen. Und das zurecht. Denn man kann sagen, dass die Replikanten so eine Art Gastarbeiter oder besser noch Sklaven sind, die hergestellt wurden, um andere Planeten zu erkunden, wo dann wiederum die Menschen leben sollten, falls möglich. Dann werden die Replikanten, wäre das nicht schon genug, auch noch mit einer verkürzten Lebensdauer ausgestattet, da die Menschen irgendwie Angst vor ihnen haben. Denn die Replikanten entwickeln dann auch noch Gefühle und wissen schon gar nicht mehr, was sie eigentlich sind. Die Grenze Mensch und Maschine ist kaum mehr vorhanden. Das macht natürlich Angst. Vor allem, wenn man meint, ein Mensch zu sein. So ist der Beruf des Blade Runners ein lohnender, wenn auch nicht so richtig gut angesehen oder vergütet.

Unser Protagonist Rick Deckard stromert sich also wie Philip Marlowe durch das düstere Science-Fiction-Los-Angeles und macht seinen Job. Wir nehmen natürlich alle an, dass Deckard ein Mensch ist. Oder? Beantworten lässt sich das nicht. Das mit den bösen Replikanten wird natürlich zur self-fulfilling-prophesy und ein paar Replikanten unter der Führung des charismatischen Roy Batty (genial gespielt von Rutger Hauer) meutern ein Raumschiff und töten dabei auch noch die menschliche Besatzung. Das geht nun wirklich nicht.

Also wird Deckard von der fiesen Tyrell Corporation, welche die Replikanten herstellt, beauftragt diese zu töten - oder besser in Rente zu schicken, wie es etwas schönmalerisch heißt. Denn ein Replikant ist ja letztlich kein Lebewesen, sondern eine Maschine. Damit hat sein Leben auch keinen Wert. Oder? Das ist jedenfalls die Frage aller Fragen, die hier gestellt wird. Aber auch die Frage nach der Liebe unter Replikanten und Menschen wird erläutert, oder ob Menschen gleich zu Göttern werden, wenn sie ein Lebewesen erschaffen. Natürlich stellt sich hier auch die Frage nach Macht und Missbrauch von Macht.

Wie dem auch sei, am Ende steht - nach einigem Hin und Her, extrem stimmungsvoller Kameraarbeit, Bauten und Kostümen, einer Atmosphäre, die gepaart mit dem Soundtrack von Vangelis und den herausragenden Schauspielern ihresgleichen sucht - Roy Batty seinem Entwickler (oder besser: Schöpfer) gegenüber und erbittet sich nichts sehnlicher als die Verlängerung seines beschränkten Replikantenlebens. Nachdem ihm dieser aber sagt, dass er das nicht kann, tötet er ihn und verfällt naturgemäß in eine schwere Depression. Bei der letzten kämpferischen Auseinandersetzung mit Deckard, der ihn ja beruflich gesehen immer noch aussschalten möchte, verschont Batty ihn allerdings und entschwindet dann ins Nirvana.

Deckard darf schließlich in meiner Lieblingsversion mit seiner Liebsten Rachael zu einer Reise ins Blaue aufbrechen, was meiner Meinung nach ein verdientes Happy End nach der ganzen Dunkelheit ist. Und vielleicht ist Deckard ja auch ein Replikant? Solche Fragen darf man sich gerne stellen. Die aus "The Shining" verwendeten Luftaufnahmen tun ihr übriges und runden für mich "Blade Runner" perfekt ab.

Aber, wie gesagt, das ist und bleibt Geschmackssache. Fakt ist, dass "Blade Runner" in jeder Version ein Film ist, der auch nach ein paar Jahrzehnten nichts von seiner Durchschlagkraft verloren hat. Dass Harrison Ford nun, ähnlich wie schon in "Star Wars" und "Indiana Jones", sein Lebenswerk als Schauspieler im dieses Jahr noch erscheinenden "Blade Runner 2049" weiterführt, macht in jedem Fall gespannt. Unter der Regie von "Arrival"-Regisseur Denis Villeneuve macht sich dann Ryan Gosling auf die Suche nach Rick Deckard, was sich schon mal gut liest. Ob es gut wird, bleibt abzuwarten. Ich bin da ganz hoffnungsvoll. Denn das "Blade-Runner"-Universum ist und bleibt für mich herausragendste Science-Fiction heute, morgen und übermorgen.

Meine Lieblingsstelle ist verständlicherweise Roy Battys Monolog, kurz nachdem er Rick Deckard gerettet hat. Worte für die Ewigkeit:

"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die."

Hier erst wird die ganze Unendlichkeit dieser postapokalyptischen Welt und die Verzweiflung des Replikanten deutlich.

In diesem Sinne: See you demnächst at the Tannhäuser Tor!

10/10
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Kommentare

21.04.2017 20:20 Uhr - cecil b
2x
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User-Level von cecil b 17
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Du schreibst einfach mit Herzblut! Es gelingt dir mMn wirklich beeindruckend, den Film und seine Hintergründe zu besprechen, ohne dabei deinen Wiederkennungswert zu verlieren!
Deine Schreibe und dein eigener Stil, deine Inhalte, echt ne Bereicherung! :)

Film: Science Fiction ist selten meins. BLADE RUNNER ist ein Genre für sich. Die Inszenierung hypnotisiert mich. Große Kunst!

Für mich ist auch interessant, dass ich vermutlich mehr Wert auf die Inszenierung gelegt hätte als auf die Hintergründe, aber dass ich deine Schwerpunkte trotzdem super finde! :)


21.04.2017 21:18 Uhr - Clemens
2x
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Hin und wieder formulierst du etwas holprig, RealAsh, aber unterm Strich haben wir Leser es hier mit einer wahren und letztlich mehr als zufriedenstellenden Fleißarbeit zu tun!

Und das war auch nötig, denn zu einem Film wie "Blade Runner" muss man schon gezwungenermaßen mehr schreiben als über den 0/8/15/-Streifen from next door. Ich persönlich liebe dieses Meisterwerk und kenne überdies nicht nur eine Person, die es zu ihrem Lieblingsfilm überhaupt zählt.

Sehr toll finde ich die vielen Hintergrundinfos (Roman, Drehbuch etc.), die mir größtenteils nicht geläufig waren. Prima!

Was freue ich mich zudem auf "Blade Runner 2049"...!!!
Ich persönlich kann mich nicht erinnern, wann mir das letzte Mal bei einem Trailer/Teaser dermaßen ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen ist, als bei Goslings Gang durch die Wüste inklusive dieses markerschütternden Soundtracks...

21.04.2017 21:40 Uhr - JasonXtreme
2x
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Ich muss dem endlich mal ne zweite Chance geben! BD liegt eh schon hier, und nach der Rezi hier hat er das nun mehr als verdient. Das Schöne ist wie cecil sagt, man merkt Dir das Herzblut an.

21.04.2017 21:51 Uhr - dicker Hund
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Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.492
Ich habe Dinge gesehen, die Ihr Menschen niemals glauben würdet...

Man erhält ein eindrückliches Bild vom Film. Sollte ich mich selbst einmal an einer Besprechung zu diesem auch von mir sehr geschätzten Sci-Fi-Klassiker versuchen, könnte ich bezüglich der Quellen locker auf Deinen feinen Beitrag verweisen;-)

22.04.2017 00:42 Uhr - Horace Pinker
1x
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Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.321
Wiedermal sehr lesenswertes Review, indem du gekonnt die Hintergründe des Films präsentierst, deine subjektive Sichtweise gut einbringst, verschiedene wichtige Aspekte ansprichst und natürlich auch deine Begeisterung deutlich machst. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Blade Runner bisher noch nicht gesichtet habe, werde dies aber nach deiner neugierig machenden Kritik schnellstmöglich korrigieren.

22.04.2017 02:30 Uhr - TheRealAsh
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Cecil: Vielen Dank, deine Meinung bedeutet mir viel! Und ohne Herzblut is ja auch langweilig.

Clemens: oh ja, gosling in der Wüste, mich hat das auch sofort gerissen

Jason: hau ihn dir rein. Du wirst sehen, das bleibt ein ewiger rewatch

Dicker Hund: freu mich schon auf rezi von dir, hab mich auch gewundert, dass den noch niemand hatte. Es gibt noch viel zu tun, packen wirs an

Horace: auch du, schau ihn dir unbedingt vor dem 2049er an, you love it!!!

Filmaficionados forever!

22.04.2017 08:40 Uhr - Necron
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Ein ganz klarer 10/10 Film, wie auch deine Review. :)

Und wir haben beide die gleiche Lieblingsstelle:

Zitat:
Meine Lieblingsstelle ist verständlicherweise Roy Battys Monolog, kurz nachdem er Rick Deckard gerettet hat. Worte für die Ewigkeit:

"I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhäuser Gate. All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die."


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