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cecil b
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Eintrag: 18.05.2017

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The Bird People in China

(Chûgoku no chôjin)
Herstellungsland:Japan (1998)
Genre:Abenteuer, Drama, Fantasy, Komödie
Alternativtitel:Birdpeople in China, The
Popolo degli uccelli in Cina, Il

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,33 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Der japanische Büroangstellte Wada (Masahiro Motoki) soll in ein abgelegenes Bergdorf im chinesischen Hochland reisen, um dort eventuelle Jadevorkommen zu bestätigen. Als sich der Yakuza Ujiie (Renji Ishibashi) ihm anschließt wird die Reise zu dem Dorf zu einem noch größeren Abenteuer. Im Dorf angekommen in dem die Leute glauben fliegen zu können, kommen bei den beiden Städtern Zweifel auf ob das schöne ruhige Land von der Industrie zur Jadegewinnung zerstört werden soll.
eine kritik von cecil b:

 

Bei dem japanischen Regisseur Takashi Miike (31 Auszeichnungen, über 100 Regiearbeiten!), der sagt, dass er erst während des Drehs darüber entscheidet, wie er einen Film inszenieren möchte, weiß man nie so richtig was man erwarten kann. Irgendwas zwischen Trash und Kunst am ehesten, gerne obszön und blutig. Auch sein vielseitig interpretierbarer aber unblutige THE BIRD PEOPLE IN CHINA, der in Japan 4 verschiedene Auszeichnungen erhalten hat, ist nur schwer einzuordnen. Es handelt sich dabei um die Verfilmung eines Romans des oft verfilmten Makoto Shiina (Liebe braucht keine Worte), der auch selbst schon mehrmals seine Romane verfilmte (u. a. Naran: White Horse). Da ich den Roman nicht gelesen habe, kann ich den Film und das Original nicht vergleichen. Das Drehbuch stammt von Masa Nakamura, der auch das Drehbuch zu Miikes Filmen Sukiyaki Western Django und Dead or Alive 2 verfasste. Die Protagonisten werden von Schauspielern gespielt die in Japan echte Kaliber sind. Masahiro Motoki, der für sein Schauspiel bisher 18 mal ausgezeichnet wurde, überzeugt auch als kindlich naiver Wada, der immer wieder erstaunt die Welt neu kennenlernt, und sich gegenüber des Yakuza Ujiie devot verhält. Der cholerische Yakuza mit Hang zum Wahnsinn wird kraftvoll von Renji Ishibashi gespielt, der auf japanischen Festivals bereits 5 mal ausgezeichnet wurde. Eine relevante Nebenfigur, der Chinese Shen, ist mit Mako (Oscar Nominierung für The Sand Pebbles) nicht unbedingt passend besetzt, da der im Jahre 2006 verstorbene Mako hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Dennoch spielt Mako seine Rolle routiniert. Die Kamera wird gelungen von Hideo Yamamoto geführt, der nicht nur Miike bei AUDITION und ICHI THE KILLER unterstützte, sondern auch TAKESHI KITANO bei HANA-BI. Die meist soliden aber gerade in Actionszenen nicht immer flüssigen Schnitte sind von Yasushi Shimamura, der bei den benannten Filmen von Miike mit Yamato zusammenarbeitete. Das atmosphärische Spiel der Kin, der chinesischen Saiteninstrumente, wurden von Miikes altbekannten Kôji Endô komponiert (13 Assassins, Audition), der die klassischen Anleihen durch elektronische Effekte modernisiert hat.

 

 

                                                                    WADA UND UJIIE

Man muss kein tiefgreifender Philosoph sein, um zu wissen, dass die Protagonisten ihre eigenen Lebensweisen mehr oder weniger in Frage stellen, wenn sie darüber nachdenken, ob sie die Gesellschaft, die sie in den Bergen auffinden, durch die Gesellschaft aus der sie selbst stammen beeinflussen möchten. Ausgangspunkt von Miikes Film ist ein Einblick in Wadas Leben in Japan. Kühle blaue Farben, Zeitraffer, rasante Schnitte, verzerrte Bilder und Sequenzen die einen winzigen Einblick in die Einflüsse der Bürowelt geben, decken sich mit Wadas Off-Stimme, die verdeutlich, dass er zu einem Teil von dieser Welt übermannt ist. Wada steht entschieden für ein hochgestelltes Arbeitstier der Moderne, einen Menschen der rationell einen Erfolg verfolgt. Dabei verhält sich Wada allerdings kindlich naiv, fast ein Widerspruch zur Rationalität. Er nimmt durch ein Aufnahmegerät sein Tagebuch auf. Für ihn eine Möglichkeit seine Handlungen und seine Wahrnehmung zu ordnen. Ebenso ein Stück vergängliche Zivilisation, die man immer und überall zur Hand haben kann. Sein Monolog ist damit aber auch an etwas gebunden, an das er sich festhalten kann und möchte. Der friedliche Wada, der durch sein Tagebuch reflektiert, ist noch am ehesten die Figur mit der sich der Zuschauer identifizieren kann. Der Yakuza Ujiie hält sich auch an etwas fest. An der vermeintlichen Stärke, die ihm die Härte der Yakuza gibt. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus sich zu produzieren. Ujiie prügelt wiederholt auf Wada ein, und beschimpft diesen als jemanden der wohl glaubt in seinem Anzug etwas besseres als er zu sein. Beide konzentrieren sich auf ihren bekannten Standpunkt, und begegnen damit auch naiv einer völlig anderen Lebensweise.

 

 

                                                              KULTURSCHOCK IN CHINA

In Chinas Außenbezirken erleben Wada und Ujiie schon vor ihrer Reise ins Hochland einen Kulturschock. Auf den Straßen aus Sand und Matsche variiert der inszenatorische Stil eindrucksvoll. Die stilisierten Eindrücke werden von schlichten braunen und grauen Farben ersetzt, die Gesichter sind wenig beleuchtet, die Sequenzen geben Einblicke in das einfache bäuerliche Leben. Wada und  Ujiie werden auch humoristisch mit einer völlig anderen Welt konfrontiert, wenn sie z. B. Fortbewegungsmittel nutzen müssen, die nur leidlich als Automobile bezeichnet werden können, und deren Türen und sogar Lenkräder nur provisorisch ein Fortkommen sichern. Die Chinesen, mit denen sie in Kontakt kommen, kokettieren jegliche Unzulänglichkeiten, und belächeln damit auch die Vorstellungen von Wada und Ujiie. Allen voran Shen, der versucht einen Weg zu leiten, aber auch zwischen Wada und Ujiie zu vermitteln. Und das ist ein hartes Stück Arbeit, wie sich auch auf dem Weg ins Hochland deutlich zeigt.

                                                     

                                                           DER WEG INS HOCHLAND

Auf dem Weg ins Hochland kommen imposante Bilder von schier endlosen grünen Berglandschaften, Reisterrassen und Flüssen, sowie ein dezentes jadegrünes Licht vor die Kamera. Obligatorische Szenen mit Sturmgewitter und reissenden Flüssen sind gut in Szene gesetzt, das harte Bestehen in der Natur und ihrer Gewalt bekommt sehenwert seinen Platz. Das Gefühl, in einer völlig anderen Welt zu sein, fernab jeglicher bekannten Zivilisation, wird durch jedes Bild gezeigt. Egal ob auf Chinas Straßen in den Außenbezirken, oder im bergigen Grünland, Miike weiß immer wieder durch gut geschnittene Wechsel zu Szenenbildern, die eine fotogene Zusammenfassung der jeweiligen Situation der Figuren darstellen, auch optisch den Kulturschock darzustellen. Mit ihren elementaren und existentiellen Bedürfnissen konfrontiert beginnt für Wada und Ujiie auch die Suche nach sich selbst. Die Reise zum Dorf wechselt gewöhnungsbedürftig und abenteuerlich zwischen interessanten seltsamen Vorgängen, einem teilweise fast clownesken Chen, Klamauk mitsamt übertriebenen Grimassen, schlechten CGI-Einsätzen, und einer sinnlichen Ruhe in schönen Bildern. Im Dorf angekommen werden die lauten Auswüchse zum Glück ruhiger. Das ist künstlerisch natürlich sinnvoll, lässt aber nicht alle schwächeren Szenen vergessen.

 

                                                            DIE VOGELMENSCHEN

Die Präsentation des Dorfes und dessen Bewohner, die gerne in Trachten mit Ruhe und Gelassenheit ihre Zeremonien feiern, sich aber auch verletzlich bis ungehalten zeigen, wenn Wada und Ujiie zu sehr von dem abweichen, was die Dorfgemeinschaft abergläubisch als Lebensphilosophie verfolgt, ist wirklich gut gelungen. Der Friede, der dort herrscht, wird besonders durch eine schöne Bewohnerin des Dorfes (überzeugend:  Michiko Kichise: Shikeidai no erebêtâ) spürbar, die mit sanfter Stimme einen Ohrwurm in alle Ohren setzt, der tatsächlich von Bedeutung ist. Auch bei der Begegnung mit den Dorfbewohnern dominiert der Konflikt zwischen Wada und Ujiie. Schnell wird klar dass der cholerische Ujiie mit seinen Dämonen kämpft, die ihn auch Nacht für Nacht verfolgen, und an einer Stelle mit beeindruckend bedrohlichen Farb - und Lichtspielen dargestellt werden. Er dürstet nach einer Ruhe, wie sie im Dorf vorhanden ist. Wada versucht rational zu verstehen was es mit den Vogelmenschen auf sich hat. Das Problem dabei ist dass beide versuchen mit den ihn bekannten Mitteln das greifbar zu machen was für sie unbekannt ist. Beide stellen sich die Fragen, inwiefern sich ihre Lebensziele in der ihnen bekannten Art verwirklichen, ob die neu kennengelernte Art zu leben ihr Ziel sein kann, und ob vielleicht sogar beide Lebensweisen vereinbar sind. Die Idee vom Vogelmenschen, die antik sein soll, ist auch eine Idee sich von der Diesseitigkeit loszulösen, voll und ganz loszulassen. Dieser Gedanke scheint nicht nur archaisch zu sein, er produziert sich auch in und verbindet sich mit der technisierten und modernen Gesellschaft. Vielleicht der klügste Gedanke des Films. Inwiefern man die Idee vom fliegenden Menschen als fantastisch oder metaphorisch interpretiert, liegt auch nach dem abgedrehten Ende natürlich im Auge des Betrachters.

 

 

Keine Frage, Miikes Filme fallen immer irgendwie aus dem bekannten Schema heraus. Aber seine philosophische Makoto Shiina-Verfilmung neigt dazu eine teilweise fast Hollywood-freudige Dramaturgie darzustellen. Es gibt auch ein paar komödiantische Szenen, die den schönen, teilweise trockenen, Humor verlassen, und den Hang zur Mainstream-lastigen Komödie haben. Der Kontrast zu den durchaus philosophischen Ausführungen kann seinen Reiz haben, aber etwas mehr Ernsthaftigkeit hätte der Philosophie meiner Meinung nach gut getan. Miike bietet inszenatorisch eine wirkliche sehenswerte Performance, aber in meinen Augen sind manche Abläufe unnötig in die Länge gezogen, so dass circa. 118 Minuten Spielzeit etwas langatmig sind. Und auch wenn die Schauspieler überzeugen, ihre Darstellung verliert durch die clownesken Szenen an Gewicht. Dennoch, THE BIRD PEOPLE IN CHINA ist ein interessanter und sehenswerter Film, der für Miike-Intressenten ins Programm gehört.

 

 

 

 

 

7/10
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Kommentare

18.05.2017 13:01 Uhr - TheRealAsh
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User-Level von TheRealAsh 3
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 134
Lieber Cecil, das ist ein ganz wunderschönes und für mich herausragend strukturiertes Review, das mir diesen Film sehr nahe bringt. Bird People ist auch interessanterweise einer der Miike, die ich sogar kenne, und der hat mich auch faszniert gleichzeitig wie er mich unglaublich gelangweilt hat. Da halte ich es so, dass ich den Film sehr respektiere, mir aber die Entscheidung schwer fällt, den abends anzuschauen. Dein Review tut allerdings einiges dazu bei.

Wie gesagt schon, Miike braucht einfach mehrere Sichtungen und dann erschließt sich das, was er da zeigt, letztlich schon. Izo ist ja ähnlich, von der Idee her grandios, von der Umsetzung arg zäh und am Ende doch total faszinierend. bin gespannt, welchen Miike du als nächstes wählst;-)

18.05.2017 13:21 Uhr - Horace Pinker
3x
User-Level von Horace Pinker 18
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 6.518
Wunderbare Kritik, mit einer interessanten Gliederung, nachvollziehbaren Interpretationen, einem ausgeglichenen Eingehen auf alle filmischen Aspekte und einem verständlichen Fazit. Von Birds People of China kenne ich bisher nur den Trailer, aber mein Interesse wurde definitiv geweckt, klingt die geschilderte Mischung aus Drama, Humor, Philosophie und Absurditäten doch höchst interessant. Übrigens ist Miike wohl allgemein sehr von anderen (Südost)asiatischen Kulturen fasziniert, weshalb er öfters mal derartige Aspekte in seine Filme einbringt und auch Schauspieler aus diesen Ländern in seinen Filmen verwendet.

18.05.2017 18:41 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 21
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 9.425
Naturaufnahmen, Kollision der Kulturen, philosophische Ansätze, Yakuza - mein Interesse ist dank dieser überzeugenden Kritik definitiv geweckt! :)

18.05.2017 20:55 Uhr - cecil b
3x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 16
Erfahrungspunkte von cecil b 4.843
Freut mich, dass euch diese Review gefällt! Danke für das Lob!

Der Film bietet noch viele weitere Interpretationsansätze, auch was die Kulturen und deren Geschichte angeht, aber deuten kann ja jeder noch selbst. :)

Horace Pinker: Da du gerade so viele von diesen Asiaten liest (danke für Audition!), kann der dich auch interessieren: http://www.schnittberichte.com/review.php?ID=6124

Der Text macht mir Angst, weil diese Riesenabsätze einen erschlagen können, aber der Film ist auch filmgeschichtlich interessant, was Hong Kong angeht. Daher kam vieles an Infos zusammen. Eventuell kann ich die Absätze mal ändern. ;)

20.05.2017 17:54 Uhr - naSum
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User-Level von naSum 8
Erfahrungspunkte von naSum 938
Ich muss bei Takashi Miike immer an Ichi the Killer denken, daher wundert es mich umso mehr, welche Art Film du hier mit gekonnt beflügelten Worten ganz locker flockig darstellst.

21.05.2017 16:03 Uhr - cecil b
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DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 16
Erfahrungspunkte von cecil b 4.843
Thanx a lot!!!!

Miike überrascht immer wieder. Er hat auch schon Kinderfilme gedreht. Rainy Dog empfehle ich auch, da geht Miike die Sache mal recht suptil an, was bestens funktioniert.

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