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dicker Hund
Level 9
XP 1.214
Eintrag: 19.05.2017

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The Wolf of Wall Street

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Biographie, Drama, Komödie, Krimi
Alternativtitel:Wolf of Wallstreet, The

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (30 Stimmen) Details
inhalt:
Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) träumt den amerikanischen Traum – und wacht auf in der korrupten Realität des Kapitals, das nur eine Maxime kennt: hemmungslose Habgier. Als Broker jongliert Belfort bald mit Millionen, feiert Ende der 80er-Jahre exzessive Erfolge mit seiner Maklerfirma „Stratton Oakmont“ und entwickelt schon mit Anfang 20 seinen radikal luxuriösen Überflieger-Stil – was ihm den Titel „The Wolf of Wall Street“ einbringt.
eine kritik von dicker hund:

Martin Scorseses Referenzen sind mannigfaltig. Monumentale Ganovenlegenden wie "Casino" oder "GoodFellas" gehörten schon vor dem ebenfalls ausladenden, atypisch-satirischen Gangsterfilm "The Wolf of Wall Street" aus 2013 zu seinem Portfolio. Neben den üblichen Anteilen des mafiösen Subgenres mengte der Schöpfer von Klassikern wie "Taxi Driver" eine satte Portion Drogenfilm mit hinein. Prädestiniert für die Hauptrolle des Jordan Belfort war Leonardo DiCaprio schon allein deswegen, erinnert seine Performance doch frappierend an seine Junkie-Figur Jim Caroll "in den Straßen von New York" von 1995.

Hier ist er nicht nur Ich-Erzähler unter Durchbrechung der so genannten vierten Wand mit unmittelbaren Botschaften an den Zuschauer, sondern auch der betäubungsmittelabhängige Broker mit gelacktem Äußeren, hoher Sprechgeschwindigkeit und verwahrlostem Innenleben. Ihm geht es um Geld und Status-Symbole, wozu aus Sicht des Protagonisten auch Drogen und Nutten gehören. Gelernt hat er das von seinem ersten Chef bei L. F. Rothschild, den man bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt derart überzogen selbstherrlich daherreden hört, dass der Börsianer-Szene offensichtlich jede Seriösität abgesprochen werden soll. Unser meist korrekt im Anzug auflaufender Antiheld wird nach dem obligatorischen Crash an der Wall Street entlassen. Bei dem nun erforderlichen, neuen Vorstellungsgespräch in Long Island bringt er die Gretchenfrage auf den Punkt:

"Ist das hier eigentlich gesetzlich geregelt oder wie läuft das hier?"

Schon bald lernt er Donnie kennen, gespielt von dem eher aus spritzigen Komödien wie "Nie wieder Sex mit dem Ex" bekannten Jonah Hill. Diesen zieht neben dem Geld des Aufsteigers am glohreichen Neuanfang auch dessen Charisma an. Das gleicht jenem eines revolutionären Anführers im Verlaufe einer umjubelten, agitativen Brandrede, findet seine Klimax dagegen in Verkaufsansprachen. Gemeinsam gründen die beiden das halbseidene Aktienhandelsunternehmen "Stratton Oakmont", dessen Geschäftsmodell eher an einen schleimigen Gebrauchtwagenhandel mit täuschend aalglatter Fassade als an ein vertrauenswürdiges Bankhaus angelehnt ist. Die Trades werden wie so vieles im wölfischen Treiben in epischen Dialogen und Monologen zelebriert. Deren Tempo kaschiert zunächst die einzige Schwachstelle des Films. Denn bei all den flott akzentuierten Verbalkünsten fällt - unterstützt von schrillen Events wie dem Zwergen-Werfen - vorübergehend nicht auf, dass sich innerhalb der Bilderflut überwiegend Schall und Rauch wirklich schnell bewegen. Der Plot dagegen kriecht förmlich dahin, in die Länge gezogen durch viele schwer unterhaltsame und doch unnötige Nebengeschichten wie die Sache mit dem Butler, die eine der seltenen Handgreiflichkeiten bereithält (Gewalt 2/10).

Damit orientiert sich der Haupthandlungsstrang in der mit drei Stunden übers Ziel hinausschießenden Spielzeit offenbar an der Fortbewegung von Nackt-Schnecken. Was das wiederum betrifft, häufen sich für eine US-Produktion auffällig viele Provokationen wie die vulgäre Sprache, die wiederholt im Bild zentrierte nackte Haut und das verwegene Koitale (Sex 7/10). Prostituierte gehen im Firmengebäude ein und aus, während die Besprechungen auf Führungsebene eher an das Brainstorming zu einem Abitur-Scherz als an ein ernsthaftes Meeting denken lassen. Die ganze Dekadenz wird sehr schön durch das opulente Set unterstrichen, das mit schwindelerregenden Penthouse-Aussichten, einer verschwenderischen Jacht, einer riesigen Villa, schimmernden Pools und glänzenden Sportwagen protzt. Das alles kann metaphorisch als beißende Kritik am Finanzkapitalismus verstanden werden, woran Erwähnungen am Rande wie jene der "Lehman Brothers" auch kaum Zweifel zulassen. In diesem Sinne tritt das artikulierte Selbstverständnis des neureichen Gauners noch nach:

"Stratton Oakmont ist Amerika!"

Vor dem Hintergrund dieser an sich bitter ernsten Botschaft verwundert der obligatorische Niedergang der Hybris im weiteren Verlauf nicht. Kann jemand auf Dauer bei diesen Nullsummenspielen gewinnen? Machen Ehefrau und FBI das so mit? Geht mit Geld wirklich alles? Eingeblendete Kleinigkeiten wie das Foto eines Suizidenten (Horror 2/10) deuten am Rande an, dass eben schon auf dem Weg bergauf nicht alles so locker ist, wie es scheint. Dennoch legt sich der Wortwitz relativ oft ins komische Zeug (Humor 6/10), bis schließlich eine perspektivisch variierte Sequenz zum Motiv "Überdosis am Steuer" einfach nur noch zum Piepen ist. Der musikalische Teil baut auf Bekanntes aus Rock und Pop, wobei minutiös dosiert wurde und insbesondere die Präsentation der Höhepunkte durch die langlebigen Ohrwürmer Eindruck schindet.

Unter Zurückstellung aufkeimender Ungeduld entsteht eine gewisse Tragik für Belfort beim Durchleben des amerikanischen Traums, der nicht auf dem Glück als solchem, sondern auf materiellen Glücks-Symbolen und damit auf Sand gebaut ist. Das beinhaltet ein wenig Anspruch, ungeachtet der schon fast dreisten Umschreibung der illegalen Börsengeschäfte in wenigen "scheißegal"-Sätzen. "The Wolf of Wall Street" funktioniert, so wie er ist, als hervorragender Bilderreigen (9/10 Punkten). Dieses Erotikdrama im Gangstersatire-Gewand bietet viel fürs Auge und ein bißchen was fürs Herz, wobei angesichts der Frivolität die deutsche Freigabe "FSK 16" zu den international nachsichtigeren gehört.

 

9/10
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Kommentare

19.05.2017 08:32 Uhr - Dimetrodon12
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Super Review!
Für mich hatte "The Wolf of Wall Street" ein paar längen, weswegen ich wahrscheinlich "nur" 8 Punkte vergeben würde, meine letzte und einzige Sichtung war aber auch damals im Kino. Nach deinem Review ist wohl eine zeitige Neusichtung nötig. Ich habe hier auch besonders Jonah Hill positiv in Erinnerung, der war Spitze in dem FIlm.

19.05.2017 10:24 Uhr - NoCutsPlease
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Da hat sich Lumpi mal in Gefilde abseits der üblichen Goregärten bewegt und auch dort einen goldenen Knochen ausbuddeln können.
Du magst zwar deine üppigen Rundungen haben, aber in puncto graziler Wortwahl macht dir so schnell keiner was vor. ;)

19.05.2017 10:26 Uhr - JasonXtreme
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Wollt ich auch eben sagen, nicht gerade Dein Gebiet - aber super gewildert :D die Wertung halte ich!

19.05.2017 10:41 Uhr - dicker Hund
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Dankeschön!

Dieser Wildhund an der Wandstraße streunt ziemlich am Rande meines Beuteschemas herum, da habt Ihr schon recht. Der gemeinsame Nenner der von mir besprochenen Filme liegt wohl im Prädikat "schockierend / anstößig", was zumindest in kleinen Dosen auf alle bisher verbal verschnabulierten Titel zutrifft. Wenn meine Wiese ein Donut wäre, wäre Horror der Teig und seine entfernten Verwandten das Loch in der Mitte.

19.05.2017 12:09 Uhr - TheRealAsh
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Sehr gutes Review zu einem grandiosen Scorcese, vor dem ich anfangs Angst hatte, der mir dann aber auch super gefallen hat. Die Wertung unterschreibe ich.

Im letzten Satz ist dir übersehenermaßen ein U ins Herzchen gerutscht;-)

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