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TheRealAsh
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Eintrag: 18.05.2017

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Twin Peaks - Der Film

(Twin Peaks: Fire Walk With Me)
Herstellungsland:Frankreich, USA (1992)
Genre:Drama, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Fuoco cammina con me
Twin Peaks - Der Film: Die letzten sieben Tage im Leben der Laura Palmer
Twin Peaks - El diario de Laura Palmer
Twin Peaks - Ogenj hodi z menoj
Twin Peaks: Fire Walk with Me, Teresa Banks and the Last Seven Days of Laura Palmer

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (8 Stimmen) Details
inhalt:
In dem kleinen amerikanischen Ort Deer Meadow wird die Leiche der jungen Prostituierten Teresa Banks gefunden. Mit dem Fall werden die FBI-Agenten Chester Desmond und Sam Stanley beauftragt, welche die Leiche untersuchen sollen. Doch die Bewohner des ansonsten so idyllischen kleinen Örtchens benehmen sich äußerst merkwürdig und scheinen etwas zu verbergen. Als Special Agent Chester Desmond spurlos verschwindet, beauftragt Gordon Cole den Kollegen Special Agent Dale Cooper, der als der beste in seinem Job gilt, den Fall zu übernehmen. Doch auch der ist nicht in der Lage, den Fall aufzuklären.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

In ein paar Tagen ist es soweit. 25 Jahre später. Die wohl längste Serienpause, die es jemals gab, wird beendet. Die dritte Staffel Twin Peaks geht endlich on air, wie man im Englischen so schön sagt. Der Großinquisitor dieser Serie ist natürlich kein anderer als David Lynch, den wir für seine abgründigen Erzählungen jenseits des Bewusstseins lieben. Ob Eraserhead, der Radiergummikopf, der in die tiefsten Tiefen der menschlichen Psyche reist und dabei merkt, dass das Vatersein ganz schön schnell gehen kann und man nicht einmal den Koitus dafür vollziehen muss, oder Betty-Diane-Rita-Camilla aus Mulholland Drive, die schon gar nicht mehr richtig wissen, wer sie eigentlich sind, David Lynch ist der Hexenmeister des Mysteriösen und des sanft-sadistischen Grauens, wie Frank Booth in Blue Velvet seinen liebevollen Kampf der Geschlechtsverwirrung treffend anspricht:

"Let's fuck! I'll fuck anything that moves!"

Der von uns Horrorfans zurecht verehrte Edgar Allan Poe (Das Pendel des Todes, usw. usf.) hat in einer seiner Erklärungen zu seiner Schreibmethode einmal gesagt, dass es in einer Geschichte nichts schöneres und spannenderes gäbe, als den Tod eines jungen Mädchens. Diesen Satz müssen sich David Lynch und Mark Frost (der für Twin Peaks ebenso verantwortlich ist wie Lynch) auf die Stirn geschrieben haben, als sie dieses Urgestein der zeitgenössischen Serienlandschaft aus dem Marmorblock gehauen haben.

Denn die gute Laura Palmer, die schöne Laura, unsere Ballkönigin, ist tot. Sie wird es auch immer bleiben, auch wenn sie als ihre Cousine Maddy wiederkommt, die dann wieder ermordet wird. Auch wenn wir sie in diesem Prequel, diesem Film, der mit der Serie so eng verknüpft ist, und doch eigenständig bleibt, endlich in voller Montur sehen dürfen, Laura bleibt für immer gestorben, wrapped in plastic und wird niemals wiederkommen. Aus. Vorbei. Dass Sat.1 den damaligen deutschen Fernsehfans aufgrund des Neides auf die hohen Einschaltquoten von RTL Plus den Mörder gespoilert hat, ist wohl einer der fiesesten Schläge gegen Fans in der deutschen Fernsehgeschichte.

Dieser ewige Cliffhanger, wer denn Laura Palmers Mörder war, hat von der großen Murder-Mystery einfach zu viel weggenommen, da er leider auch von Lynch-Frost viel zu früh gelöst wurde, was die beiden selbst bereut haben. Die anschließende Erweiterung zur Frage "Haben wir nicht alle selbst ein bisschen Laura Palmer getötet?" hat die Serie dann ein bisschen ins Abseits für das herkömmliche Fernsehpublikum geschossen. Von da an blieben nur noch knallharte Fans am Ball, die damit leben konnten, dass das Böse, oder Bob, oder wer auch immer, durch die Wälder streift und das Universum zu einem nicht ganz so sicheren Platz macht. So ganz von der Hand zu weisen ist es nämlich tatsächlich nicht, dass sowohl innere als auch äußere Welten überhaupt nicht sicher sind, wenn man sich die Kino-Version von Twin Peaks mit dem schlagenden Titel Fire walk with me ansieht. Das Feuer geht eben nicht mehr weg. Es lodert in uns allen.

Meiner Ansicht nach ist Twin Peaks - Der Film ein perfekter Lynch-Movie, der natürlich das beliebte Erbe der Serie zur damaligen Zeit nicht erfüllen konnte und wollte. Selbst eingefleischte Fans waren enttäuscht wie Klein-Fritzchen vor dem Weihnachtsbaum, als er Omas Strickpullover auspackte, den es statt des erhofften Gameboys gab. Diese Enttäuschung hing sicherlich mit dem irritierenden Anfang zusammen, wo zwei für die Serienjunkies völlig unbekannte FBI-Agenten (gespielt von Schmusebarde Chris Isaak und einem herrlich dämlich spielenden Kiefer Sutherland) die Verwirrung noch komplett machten. Auch die Geheimcodes des FBI (blaue Rosen, rote Kleider, etc.) mögen auf den ersten und vielleicht auch zweiten Blick nervig sein.

Die mittlerweile erschienene Blu-Ray-Ausgabe unter dem Titel The Entire Mystery hat jedenfalls bildlichen und soundtechnischen Referenzcharakter beim Film und macht diesen zum ersten Mal in sehr guter Qualität jenseits des Kinosaals zugänglich. Darüber hinaus wird ein genialer Bonusfilm mit über 30 geschnittenen Szenen aus dem Rohmaterial geboten, der einiges, was im Film außen vor bleibt, erklärt und erweitert, allerdings auch keine finalen Antworten bereit hält. Ein Schnittbericht ist hier zwar nicht möglich, da es ja eine Entscheidung des Regisseurs war, aber spannend wäre eine chronologische Einordnung allemal.

Ohne groß den Inhalt preiszugeben und in ein viel zu langes Schwärmen und eine unnötige Geheimnistuerei zu verfallen, möchte ich hier nur auf Lynchs selbstkritische Beschäftigung mit dem Medium Fernsehen hinweisen, die den ganzen Kinofilm durchzieht. Auch seine ureigene Geschichtenverwirrtaktik ist hier enthalten, ebenso wie seine elektrifizierende Regie. Das geilste an dem Film ist nämlich dieses ständige Flackern und Klackern, das Leuchten und Wummern, das man von Lynch kennt und liebt und das er hier entgegen der Serie voll einsetzt. Bleibt zu hoffen, dass er in der neuen Staffel dieselbe künstlerische Freiheit hatte, wie in diesem Film. Immerhin läuft ja im Gegensatz zu den ersten beiden Staffeln jede der neuen Folgen unter seiner Regie. Es bleibt also hochspannend.

Der Soundtrack von Angelo Badalamenti ist genau wie derjenige zur Serie einer der größten Soundtracks unserer Zeit und findet von der Yogastunde bis hin zu satanischen Messen immer passenden Einsatz. Ob Oma oder Enkel, jeder liebt das Twin-Peaks-Theme. Ich finde die Musik zum Film fast noch ein bisschen eindringlicher, da er insgesamt geschlossener und noch düsterer ist und mit Sycamore Trees, der vom unnachahmlichen Jimmy Scott gesungen wird, einen der unheimlichsten Songs überhaupt beinhaltet, den ich immer wieder hören kann, wenn ich mich des nächtens in den Wald begebe, um in zwei Hälften gebrochene Herzen zu suchen.

Kurzum, ich will hier nicht weiter mit meinen Fanboyäußerungen nerven, sondern vor der neuen Staffel nachhaltig diesen genialen Film in allen Punkten empfehlen. Wer wissen will, was für ein vesautes Luder unsere liebe Laura, die Ballkönigin, wirklich war, der sollte - sofern noch nicht geschehen - baldmöglichst zuschlagen. Denn Sheryl Lee spielt Laura Palmer mit so einer herausragenden Leistung, dass man dieser Figur die depressive und vor Missbrauch triefende Mittelstandsexistenz einfach abnehmen muss. Laura ist nämlich - neben Kyle MacLachlans Agent-Cooper-Personifizierung - die auschlaggebende Kompomente dieser Charakterstudie einer von Anfang an verlorenen jungen Frau. Es bleibt zu vermuten, dass die dritte Staffel sich stark auf das Doppelgängertum von Agent Cooper fokusiert (oder die Bob-Körperübernahme, wie auch immer man das nennen mag). Damit wird die eigentlich einfache Geschichte sicher noch weiter mystifiziert. Lösungen erwarte ich hier nämlich nicht.

Bleibt nur noch kurz zu erwähnen, dass in der hervorragenden Schauspielriege nach 25 Jahren der großartige Miguel Ferrer (Robocop) zwar noch in der Serie dabei sein wird, aber Anfang diesen Jahres unerwartet verstorben ist. Auch die wunderbare Log-Lady und Lynch-Muse Catherine E. Coulson ist leider schon verstorben, Jack "Eraserhead" Nance, wie auch der im Film in einer genialen Minirolle kurz auftretende Spaceman David Bowie. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Das Schöne am Film, wie auch in der kommenden Staffel ist nämlich, dass die ganzen Figuren mit den sie verkörpernden Schauspielern (fast) alle dabei sind.

Wie gesagt, ich höre hier einfach mal auf, sonst würde das hier zu lang werden. Außerdem entschuldige ich mich auch dafür, dass das alles ein bisschen wirr sein mag, aber die Welt von Twin Peaks ist nunmal sehr verwirrend. Man könnte nämlich noch so viel erwähnen: Den Man from another place, Bobby, Donna und James, Shelly, Annie und alle, die man so in sein Herz geschlossen hat. 25 Jahre waren wirklich eine lange Zeit. Ich bin sehr gespannt.

Twin Peaks - Fire walk with me ist insgesamt ein missverstandener Diamant von einem Film, bei dem man sich so weit es geht etwas frei von der Fernsehserie machen sollte und mit allen vorhandenen und nichtvorhandenen Sinnen die letzten Tage der Laura Palmer einfach genießen sollte. Es werden ihre einzigen sein.

Lieblinsszene: Laura und Donna beim Partymachen im Pink Room mit festen Untertiteln, weil die Musik viel zu laut ist.

Und immer dran denken:

"The Owls are not what they seem."

Grüße aus der Black-and-White-Lodge,

Euer Ethereal Ash

10/10
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Kommentare

18.05.2017 23:57 Uhr - Intofilms
1x
Du bist ja völlig außer Rand und Band. Was du dir hier alles zusammenreimst und wie du das Ganze dann präsentierst, ist einfach wundervoll!! :))

Der Film käme bei mir wohl 'nur' auf eine knappe 9. Aber das ist ja auch nicht schlecht, oder?! Im direkten Vergleich - und den muss man hier einfach anstellen! - ist die Serie dann doch in jeder Hinsicht eine Spur besser als der Film. Dass viele den Film überhaupt nicht mögen, kann ich aber auch nicht ganz nachvollziehen. Mit pochendem Herzen sehe ich der neuen Serienstaffel entgegen. Mann, ist das aufregend...!☺️


19.05.2017 00:01 Uhr - Horace Pinker
2x
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Mit sehr viel Herzblut verfasstes Review, dem man in jeder Zeile deine Begeisterung deutlich ansehen kann, auch wenn mir als (bisher) nicht Kenner der Serie die Bedeutung einiger Referenzen verborgen bleibt. Da ich motiviert von dem Wild at Heart Review vom dicken Hund und den dazu gehörigen Kommentaren von NoCutsPlease und Weltraumgott ohnehin gerade Lynchs Oeuvre nachhole und mit einem Gros der Spielfilme bereits durch bin, werden ich mir wohl Twin Peaks als nächstes vornehemen.

19.05.2017 10:03 Uhr - JasonXtreme
1x
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Amen :D ich wollte die Serie vor dem Start der neuen nochmal durchhauen, samt Film... aber ich packs nicht zeitlich. Für mich ist Twin Peaks insgesamt eine 10/10, ich liebe die Figuren, die ganze Welt in die man eintaucht... die Rezi les ich gleich nochmal!

19.05.2017 12:17 Uhr - TheRealAsh
2x
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@into: dank dir, ne, 9 sind auch in Ordnung, Bob wird dich dafür zwar heimsuchen, aber vielleicht überlebst du ja;-) Aber ich bin auch gespannt wie ein Flitzebogen, hätte ich nie für möglich gehalten, dass das passiert und auch alles in Lynchs Regie bleibt

@HP: danke, du Frevler, was hast du denn all die Jahre gemacht, wenn ich dir sagen würde, wie wir früher Twin Peaks geschaut haben, das war ganz schrecklich. In miesester Qualität haben wir uns die ganzen Folgen zusammen von Freunden getauscht und überspielt, weil das ja ewig nicht mehr kam und DVD-Vö auch ganz spät war. Dann haben sie zuerst ewig nur die erste Staffel rausgebracht. Es war wirklich ganz schrecklich aufstrebende junge Fans heranzuzüchten. Jetzt gibts aber die Bluray-Box und die ist wirklich mega, gibts momentan glaub ich sogar sehr günstig in ein paar Märkten. Buy it, you never bereu it!

@Jason: Amen, Bruder, Amen! ich hab auch gedacht, dass ich das nochmal schaff, aber das wird leider nix, dafür hab ich jetzt den Film einfach als freshup reingezogen. Wo schaust du dir die Serie eigentlich an, hab gesehen, dass es bei Sky-Ticket läuft, das krieg ich auf meinem alten Smart-Tv aber leider nicht her, Netflix läuft es ja nicht, das ich ab und an, wenn was gutes kommt, hole. Hoffe, dass das noch woanders läuft:-o

20.05.2017 09:25 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Was für ein Brett, Ash! :)
Du meisterst einfach souverän jede filmische Herausforderung.

20.05.2017 14:17 Uhr - TheRealAsh
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Danke, mein Lieber, es gäbe allerdings noch so viel mehr zu sagen, bald ist es soweit ;-)

22.05.2017 09:16 Uhr - JasonXtreme
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@Ash
Du ich werd die zusammen mit nem Freund schauen, der die Serie ebenso geil findet wie ich, und vor allem Sky hat :D die Frage ist nur, ob wir jede Woche ne Folge reinzerren, oder das Ganze dann am Ende wegbingen

22.05.2017 13:07 Uhr - TheRealAsh
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@Jason: okay, danke. Ich kenn leider niemanden mit Sky, hab mich aber informiert. Wenn bis in 3 Tagen keine weiteren News hierzu kommen, werd ich wohl in den Apfel beißen und mir skyticket auf den Laptop holen, um dort erstmal zu schauen. Kostet Probemonat 1€ und ist monatlich kündbar. Die Frage ist für mich nur, ob ich das jetzt über 2-3 Monate nur deshalb durchziehe oder warte, bis die Serie komplett abrufbar ist und ich spare. Aber bei Twin Peaks kann ich Spoiler schwer ertragen;-)

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