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TheRealAsh
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Eintrag: 19.05.2017

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Alles, was wir geben mussten

(Never Let Me Go)
Herstellungsland:Großbritannien, USA (2010)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Fantasy, Science-Fiction

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (2 Stimmen) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Never let me go, so der englische Originaltitel, ist einer der leisesten Science-Fiction-Filme, die ich kenne. Man könnte sogar fast sagen, dass man gar nicht merkt, dass das ein Science-Fiction-Film ist, sondern eher eine dramatische, traurige Liebesdreiecksgeschichte. Denn inhaltlich geht es um Kathy, die unglücklich in Tommy verliebt ist, den sich leider Ruth geschnappt hat, weil sie die innige Beziehung der beiden schon früh bemerkt hat und sich wohl dachte, wenn Kathy den Typen gut findet, dann kann der gar nicht so verkehrt sein. Wer jetzt denkt, dass sich das arg Soap-Opera-mäßig anhört, dann kann ich dem nur zustimmen.

Bei Never let me go ist ja schon der Titel überhaupt nicht reißerisch. Lass mich niemals gehen? Liebesfilm, denkt man sich, kann man mal schauen, wenn man weiblichen Besuch hat, von mir aus... Aber für Abende mit meinen Kumpels zieh ich mir lieber Matrix rein. Bei diesem Film sieht man allerdings, dass es auf das Wie ankommt, eine Geschichte, die man vielleicht schon tausend Mal gehört hat, anders zu erzählen. Anders ist aber nicht immer so einfach und das Andere, was hier erzählt wird, macht genau die Faszination des Films aus.

Denn wir befinden uns in einer nicht näher bezeichneten Gesellschaft, wo es ganz normal ist, dass es Klone gibt. Soweit so gut. Diese Klone werden zusammen in Internaten abgeschottet gehalten, wo sie wie ganz normale Kinder normale Dinge wie Sport und Schule machen, sich hänseln, rumbrüllen und eben nicht von Nichtklonen zu unterscheiden sein müssten. Der Gag an den Klonen ist nun, dass sie ja ein reales Original haben. Und dieses Original ist meistens bekanntlich kein Klon. Wofür also die Klone?

Die Antwort ist eigentlich recht brisant und aktuell. Denn der Film zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die sich Klone von sich züchtet, um später von ihnen Organspenden zu erhalten. Diese Organspenden werden in drei Etappen ausgeführt, was nach der letzten mit dem Tod des Klons endet. Kein schönes Leben also für so einen Klon und vor allem kein besonders langes, denn wer will schon eine kaputte Leber von einem hundertjährigen Klon. So kommen die Klone als Jugendliche in sogenannte Cottages, leben dort wiederum relativ normal und warten ab, bis sie zu ihrer ersten Spende kommen. Manche haben sogar Sex und lieben sich.

Die philosophische Frage im Hintergrund fragt danach, ob Klone sowas wie eine Seele haben können. Für den Zuschauer stellt sich diese Frage meines Erachtens eigentlich nicht, da die Protagonisten sich wie ganz normale Menschen benehmen. Um die Geschichte zusammenzufassen, denn es passiert sonst auch nichts Reißerisches mehr, geht es im Kern darum, dass unter den Klonen irgendwann das Gerücht auftaucht, dass sie ihren Tod - das begrenzte Leben des Cyborgs ist übrigens ja auch ein Thema von Blade Runner - um drei Jahre hinauszögern können. Dass das eine Lüge ist, stellt sich am Ende heraus, ebenso wie der Trick der Betreuer, dass künstlerische Arbeiten der Klone in einer Galerie ausgestellt werden, da sie eigentlich nur über ihre Art sich auszudrücken feststellen wollen, ob die Klone eine Seele haben, oder was auch immer sich da an missbräuchlicher Wissenschaft da abspielt. So weit zur Realität ist da der Sprung ja nicht - aber das nur am Rande.

Der springende Punkt zwischen dem Dreiergespann Kathy, Tommy und Ruth liegt letztlich darin, dass Ruth Kathy Tommy ausgespannt hat und sich vor ihrem Tod bei ihnen entschuldigt, damit - so ihre Hoffnung - die beiden ihre wahre Liebe endlich ausleben können und drei Jahre Aufschub gewinnen. Leider ist die Geschichte, wie schon gesagt, durch und durch hoffnungslos und deprimierend, dass The Road schon fast ein Partyfilm dagegen ist.

Was man noch erwähnen muss, ist, dass Never let me go auf dem Bestseller-Roman des britischen und japanischstämmigen Schriftstellers Kazuo Ishiguro von 2005 basiert. Auf einem anderen Roman von Ishiguro basiert übrigens der ebenfalls tolle Was vom Tage übrig blieb, der von James Ivory mit dem großen Sir Anthony "the one and only Hannibal" Hopkins verfilmt wurde. Regie bei Never let me go führte der völlig unterschätzte Mark Romanek, von dem viele wohl Musikvideos kennen, die sie mit ihm gar nicht in Verbindung bringen, von Bands wie Nine Inch Nails, den Red Hot Chili Peppers oder Musikern wie Madonna, Michael Jackson und Johnny Cash. Dem ein oder anderen könnte Romanek durch den ebenfalls unterschätzten One Hour Photo bekannt sein, mit einem völlig abgefahrenen Robin Williams als stalkendem Supermarkt-Fotoladenmitarbeiter.

Die Schauspieler der Hauptprotagonisten agieren ebenfalls auf höchstem Niveau. Allen voran steht wohl Carey Mulligan, die Kathy fast noch trauriger spielt als Irene in Drive. Aber auch Andrew Garfield (The Amazing Spider-Man) und Keira Knightley (wer kennt sich nicht aus Pirates of the Carribbean) füllen ihre Rollen charaktervoll aus. In einer Nebenrolle als Internatsleiterin steht Charlotte Rampling (Der Nachtportier). Zu erwähnen ist außerdem noch der sehr stimmige und ebenfalls unter der Oberfläche sich fast versteckende und die Figuren in ihrer Trauer einhüllende Soundtrack von Rachel Portman (die als erste Frau 1997 den Oscar für die Filmmusik zu der Austen-Verfilmung Emma gewonnen hat).

Alles in allem ist Never let me go ein wunderschöner und vor allem nachdenklicher Science-Fiction-Film, der zwar keine Roboter, Aliens und fliegende Autos bietet, dafür aber fühlende Klone, die im Namen der Wissenschaft missbraucht werden. Wie ich schon an anderer Stelle gezeigt habe, ist dies ein Thema, das die Science-Fiction ja öfter beschäftigt, zum Beispiel Roboter Ash in Alien (überhaupt ein Hauptthema im Alien-Franchise) oder Marvin in Per Anhalter durch die Galaxis, um nur diese beiden zu nennen.

Wie bemerkte G.G. Allin, der alte Punk-Haudegen, schon so treffend:

"Die when you die, when you die, you gonna die."

Sterben macht leider keinen Spaß.

8/10
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Kommentare

20.05.2017 00:36 Uhr - tschaka17
2x
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Hab das Ding vom Titel jetzt erstmal stumpf mit "Perks of being a Wallflower" verwechselt. Klingt auf jeden Fall so als sollte ich micht auch in diesem Bereich mal weiterbilden.

Danke für den Tipp ;)

20.05.2017 00:45 Uhr - TheRealAsh
2x
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der ist auch toll. Du bist ja auch nicht so der Horrorfan, wie ich das in Erinnerung habe, schau einfach rein, vielleicht gefällt er dir ja, gibst recht günstig, leider aber nicht auf Bluray:-)

20.05.2017 02:45 Uhr - DriesVanHegen
2x
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Ein wirklich beklemmender Film. Wenn dem Zuschauer dann schlussendlich bewusst wird, in was für einer Situation die Klone stecken, spürt man durchaus einen Kloß im Hals.
Gerade weil das ganze Ambiente trotz Sci-Fi-Einschlag eben doch sehr authentisch und mitnichten abwegig dargestellt wird.

Romanek ist mir als glühendem NIN-Verehrer natürlich ein Name und auch wenn der Score hier stellenweise etwas arg dick aufträgt, unterstreicht er die deprimierende Stimmung doch perfekt.

Passend zu deinem schlichten aber trotzdem starken Schlusssatz: Filme dienen der Unterhaltung, dieser nicht.

20.05.2017 09:18 Uhr - NoCutsPlease
3x
DB-Helfer
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Ich bin großer Fan von Filmen, die aufgrund ihrer beklemmenden Story nicht unterhalten und die man somit durchleiden muss.
Da ich "Alles, was wir geben mussten" noch gar nicht kenne, muss dieser natürlich nachgeholt werden. Deine tolle Kritik liefert den besten Grund dazu!

20.05.2017 11:10 Uhr - freund
1x
Klone für Organe, ich musste gleich an "Die Insel" denken ;-)

Deine (wie immer ausgezeichnete) Review hat mich sehr neugierig auf den Film und seine Stimmung gemacht, wird mit Sicherheit geguckt.

20.05.2017 14:24 Uhr - TheRealAsh
2x
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@dries: nin sind groß, mein fav ist downward spiral. Dein letzter Satz ist echt stark:D

@ncp: danke, dann teil uns dein Mitleid aber auch mit, ich bin gespannt

@freund: dank dir, stimmt, Insel gefällt mir auch, ist aber ein actionfeuerwerk gegen den hier

Ich empfehle auch ausdrücklich noch mal one hour photo, bloß nicht von mrs. Doubtfire abschrecken lassen;-)

20.05.2017 14:45 Uhr - Intofilms
2x
Einer meiner Anglistik-Profs hat immer sehr von Ishiguro geschwärmt. Das muss wohl ein ganz großer Stilist sein. "Never let me go" wollte ich mir bei Erscheinen deshalb auch sofort zulegen, hab's dann aber doch gelassen. Diese Verfilmung sollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Danke für diesen hervorragenden Tipp. Rezi ist wie immer auf Topniveau. Beeindruckend, wie du dich innerhalb kürzester Zeit zu einer festen, äußerst produktiven Größe des hiesigen Reviewer-Establishment entwickelt hast. Ganz, ganz großes Kompliment, Ash! ☺️

20.05.2017 14:58 Uhr - TheRealAsh
3x
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Danke into, das freut mich sehr, ihr habt mich aber auch sehr nett aufgenommen. Ich finde schnittberichte thematisch und von der community einfach herausragend, da hier jeder was beitragen kann und das pseudogeschwängerte qualitätsgesabbel von professionellen stellen mir sowas auf den sack geht, das kann ich gar nicht anders sagen

20.05.2017 15:02 Uhr - Intofilms
2x
That's my boy! ☺️

21.05.2017 00:29 Uhr - freund
1x
@TheRealAsh
"Die Insel" hättest du ruhig erwähnen können, ist irgendwie die gleiche Ausgangssituation ;-)
"One Hour Photo" ist so ein Film, der mich übelst deprimiert, ist aber auch ein starkes Schauspiel von Robin Williams, ich finde auch, dass jeder diesen Film sehen sollte.

21.05.2017 00:57 Uhr - TheRealAsh
1x
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@Freund: absolut:-D

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