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Ungeheuer ohne Gesicht

(Fiend Without a Face)
Herstellungsland:Großbritannien (1958)
Genre:Horror, Science-Fiction

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
In der Nähe eines Armeestützpunkts kommt es zu mehreren seltsamen Todesfällen.Einigen Personen wird aus unerklärlichen Gründen wie von Zauberhand das Gehirn ausgesaugt. Die schlüssigste Erklärung der Obduktion ist zunächst, dass es sich um Kopfvampire (!) handeln muss. Die Bürger gehen eher davon aus, dass die Abwehr-technische Wissenschaft des Militärs damit zu tun haben könnte. Man munkelt,das Atomenergie ausgetestet wird. Da zum Beispiel die Kuh Melba sich frech(!)verhält, obwohl sie ja sonst ein ruhiges Tier ist! Major Jeff Cummings geht der Sache auf den Grund und kontaktiert Professor Walgate.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von mortahead:

1930 erschien in der März Ausgabe des Fantasy/Horror-Magazins Weird Tales die Geschichte The Thought Monster (Das Gedankenmonster) von Amelia Reynolds Long. Fast 30 Jahre später, 1958 konnte ihr Agent Forrest J. Ackerman die Filmrechte an die Brüder Richard und Alex Gordon verkaufen. Von Herbert J. Leder wurde die zehnseitige Kurzgeschichte zu einem Drehbuch umgeschrieben. Neben vielen inhaltlichen Änderungen und Erweiterungen, verlieh man dem Projekt auch einen neuen Titel. Fiend without a Face wurde von Arthur Crabtree umgesetzt, dessen Karriere sich zu diesem Zeitpunkt dem Ende hinneigte. Noch im selben Jahr kam der Film zusammen mit The Haunted Strangler in die Kinos. Ein Jahr später wurde der finanzielle Erfolg, als Ungeheuer ohne Gesicht auf deutsche Zuschauer losgelassen.

Selbst was die Absurditätsstandards der fünfziger Jahre angeht, haben wir es hier mit einem ungewöhnlichen Stück Filmgeschichte zu tun. In England gedreht, spielt die Handlung in und um eine amerikanische Militärbasis an der kanadischen Grenze. Dem First-Kill-before-Title-Schema folgend, steigen wir gleich mit dem Beginn einer Reihe seltsamer Morde ein. Während das erste Opfer unter die Erde kommt, wird ein Farmerpaar in ihrer Scheune von einem unsichtbaren Wesen angegriffen. Dies sorgt für Unbehagen unter der Ortsansässigen, die fürchten, die Tode könnten mit dem Einsatz von Atomenergie auf der Basis zusammenhängen. Generell scheinen die kanadischen Natives nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber dem Ami-Projekt. Eine Autopsie der neuen Toten bringt zu Tage, dass die Farmer zwei Löcher im Nacken haben, aus denen man ihnen Hirn und Rückgrat ausgesaugt hat. Major Jeff Cummings wird darauf angesetzt, herauszufinden, was hinter diesem Gehirnvampir steckt. Gespielt wird er von Marshall Thompson, der nach dem Wegbruch seines Vertrags mit MGM in ein Karrieretief geraten war. Dennoch gelang es ihm mit Filmen wie diesem und First Man into Space einen gewissen Kultstatus zu erreichen, bevor es wieder bergauf ging. Weniger komplex, aber immer noch so sympathisch, wie in Rakete 510, begleiten wir ihn auf seiner Suche.

Diese führt ihn zunächst zu Barbara Griselle, der Sekretärin von Dr. Walgate und Angehörigen des ersten Toten. Bei ihrem Haus angekommen, bekommen wir Kim Parker in ihrer Signature-Scene zu sehen, in der sie nur mit einem Handtuch bekleidet, aus der Dusche kommt. Diese wurde von den Machern extra so verlangt, damit sie damit Werbung treiben konnten. Tja, davon hätten sich die Leute von AIP, mit ihren abwegigen Plakaten, eine Scheibe abschneiden können. Kurz darauf kommt Sheriff Gibbons herein und es kommt zu einer kurzen Prügelei zwischen ihm und Cummings. Frustriert davon, dass Giselle offenbar nur Augen für den Major hat, gründet er mit ein paar Dorfbewohnern einen Lynch-Mob, der allerdings nicht weiß, wen oder was sie nun lynchen wollen und erstmal auf Wanderschaft in den Wald geht. Von dieser kehrt Gibbons als hirnloser Idiot zurück. Also, ich meine als noch größerer, wie zuvor.

Es kommt zu einer zusammenhangslosen Szene, in der Cummings auf einer Friedhofsgruft eingeschlossen wird. Nachdem er befreit wird, kommt er Dr. Walgate auf die Schliche. Dieser gesteht und erzählt, wie er mit seinen Experimenten zur Psychokinese, unter Abzwackung der Kernenergie vom Stützpunkt, seine Gedanken zu realen Wesen hat werden lassen. Diese konnten entkommen und belagern im Finale des Films sein Haus, während ein Übermaß an Kernenergie die Gehirnvampire, wie ich sie weiterhin nennen werde, sichtbar macht. Im Prinzip sehen sie aus, wie ihre Nahrung. Gehirne mit Wirbelsäulen, plus ein paar Fühler, die wie Raupen umherkriechen und sich auf ihre Opfer stürzen und an ihnen Festklammern, wie Facehugger. Mal Puppe, mal Stop-Motion wurden, diese von den münchner Effekspezialisten Karl-Ludwig Ruppel und dem gebürtigen Graf Florance „Flo“ Nordhoff umgesetzt. Diese sind das definitive Highlight des Films und einfach genial umgesetzt. Man könnte sie fast für Larven der Mi-Go aus Sean Branneys Whisperer in Darkness halten. Nicht nur äußerlich, sondern auch vom Verhalten her, stechen sie aus der Masse an fünfziger Jahre Monstern hervor. So versuchen sie unter anderem zunächst mit Werkzeug ins abgesperrte Haus des Doktors zu kommen, welcher ihnen im Finale des Films zum Opfer fällt. Während dessen sprintet Cummings los, um den Kernreaktor zu zerstören, damit ihnen die Energie entzogen wird. Dabei versucht einer der Gehirnvampire sogar die Lunte des Dynamits zu löschen, dass Cummings gezündet hat. Somit sind die Wesen, trotz ihres Unvermögens zu sprechen und weiterer Defizite, deutlich intelligenter als viele andere Monster. Vielleicht sogar als so mancher Mensch, wenn man sich an den ziellosen kanadischen Mob erinnert.

Ein Wissenschaftler dessen Schöpfungen Amok laufen und sich am Ende gegen ihn stellen, war schon damals nichts Neues im Genre, doch hier ist das Monster ein Gedanke; einer, der zu vielen wurde und außer Kontrolle geriet. Damit geht er noch einen Schritt weiter, als die anderen Filme und stellt provokativ die Frage, ob nicht schon manche Gedanken der Wissenschaft und nicht erst deren Umsetzung und Missbrauch gefährlich sind. Inhaltlich bezieht sich diese subtile Ablehnung, auf die Verwendung der Kernenergie, welche die Monster nährt.

Lebende Gedanken, beflügelt durch die Macht der Atomkraft, attackieren Menschen und hinterlassen Tote und Idioten. In der Klimax des Films, welche für die damalige Zeit recht rabiat zur Sache geht, werden die Gehirnvampire zerschossen und zerhackt, dass die dunkle Suppe nur so trieft. Dieses Sinnbild gedanklicher Beschneidung endet, als der Reaktor zerstört wird. Wie die Dämonen in Tanz der Teufel, zerfließen und zerbröckeln die Wesen, bis nichts mehr übrig ist. Besiegt, von einem Mann, der dafür gefeiert wird, eine Atomanlage mit Dynamit zerstört zu haben. Naivität und Stupidität, ist hier nicht abzustreiten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der erste große Zwischenfall an einem Kernkraftwerk sich erst 21 Jahre später auf Three Mile Island bei Harrisburg ereignete und die Bevölkerung damals noch keine Ahnung hatte, wie fatal ein Unfall in einer solchen Einrichtung sein kann.

Der bösen Gedanken, verenden mit der Kernkraft, die sie ins Leben gerufen hat. Auch wenn dies garantiert nicht der Hintergedanke bei der Produktion gewesen ist, scheint es umso ironischer, dass ein Film, der sich ungewollt für Zensur ausspricht, selbst Opfer eben solcher wurde. Von der FSK wurde er seiner Zeit ab 18 freigegeben (mittlerweile wurde er auf FSK 12 runtergestuft) und in einigen Ländern, durfte er nur unter Schnittauflagen gezeigt werden.

Eine Figur, welche in den Sinn kommt, wenn Dr. Walgate einen seiner kleinen Anfälle hat, wenn er letzten Endes seiner Hybris erliegt, als er glaubt seine Schöpfung unter Kontrolle bringen zu können, ist Möbius aus Friedrich Dürrenmatts Die Physiker. Dieser Wissenschaftler, welcher die Gefahr seiner Entdeckung, für die gesamte Menschheit erkennt und sich und seine Arbeit lieber selbst diskreditiert und ins Irrenhaus einweisen lässt, um die Verantwortung nicht tragen zu müssen, die die Publikmachung seiner Forschung, bedeuten würde, wirkt, wie die Antithese zu Walgate und seinen Geistesgenossen anderer Werke. Sicher hätte er sich gefreut, seine beunruhigenden Gedanken einfach erschießen zu können.

Aber man muss nicht jeden Film immer versuchen intellektuell zu durchdringen. Die erste Hälfte von Ungeheuer ohne Gesicht lässt sich als rundum nett beschreiben. Jeff und Barbara sind sympathische Figuren, die eine gewisse Chemie teilen und gut durch die Handlung führen. Die Angriffsszenen wirken beim mehrfachen Betrachten leicht lächerlich, wenn die Opfer nach etwas greifen, dass gar nicht da ist. Umso besser sind allerdings die Effekte, mit denen die Anwesenheit der Gehirnvampire gezeigt wird, wenn sie umherschleichen. Wie gesagt wirkt die Friedhofssequenz unnötig und wird nur wage erklärt, als wäre sie eingefügt worden, um die Laufzeit zu strecken. Was den Film jedoch scheinen lässt, ist die völlig absurde Idee, die geniale Umsetzung der Wesen und das übertriebene Blutbad am Ende. Das alles gibt ihm eine unabstreitbare Identität.

Zum Schluss noch ein kleiner Vergleich mit der Originalgeschichte. Da The Thought Monster vor 1964 erschien, einem Jahr, in welchem die Gesetzgebung zum Copyright in Amerika geändert wurde, befindet sich die Geschichte in Public Domain. So ist die Ausgabe von Weird Tales, in welcher die Geschichte erschien, kostenlos in digitaler Form über das Internetarchive zu beziehen. Ich könnte mich sehr lange über die Schwierigkeiten auslassen, die das Lesen der Geschichte auf dem eReader mit sich gezogen hat, aber lassen wir das einmal. Nur so viel sei gesagt: Entweder wurde beim Erstellen des Magazins oder dem des eBooks ziemlich geschlampt, was die Rechtschreibung angeht.

In der Geschichte geht es auch um eine Reihe von Morden in einer Kleinstadt. Gibbons ist hier ein Ermittler, der ein ähnliches Schicksal erleidet wie im Film. Eine Militärbasis gibt es nicht. Nach ihm kommt der der „Psychische Ermittler“ Michael Cummings in die Stadt und stellt die Theorie auf, dass es sich um übernatürliche Wesen handelt. Er und ein Dr. Bradley werden von Dr. Walgate angerufen, zu ihm zu kommen, finden da aber nur ein Tagebuch, aus dem hervorgeht, dass er die Gedankenwesen erschaffen hat. Hier komplett ohne Strom und Kernenergie, sondern nur durch intensives Denken in einem mit Blei verkleideten Raum. Dort hat er die Wesen hingelockt um sie mit UV-Licht zu töten. Das hat funktioniert, nur bleibt er am Ende als Idiot zurück.

Etwas detailreicher und aus der Sicht von Cummings erzählt, hätte dies ebenso gut eine Geschichte von Lovecraft sein können. Schade das Amelia Reynolds Long mit der Verfilmung dieser Geschichte wohl ihr größter Erfolg gegönnt war. Es wäre dem Film in meiner Ansicht auch zum Vorteil gewesen, wenn er nicht noch extra die Militärbasis und die Kernenergie hinzugefügt hätte, denn so wurde eine sehr kreative Idee in ein für damalige Verhältnisse recht ordinäres Gewand verpackt. Dennoch haben besonders Ruppel und Nordhoff mit ihrer Umsetzung der Gehirnvampire maßgeblich dazu beigetragen Ungeheuer ohne Gesicht, zu dem zu machen, was er ist: Ein sehr unterhaltsamer Streifen.

7/10
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Kommentare

17.06.2017 16:44 Uhr - Intofilms
3x
Wie bitte?!!
Facehugger-Gehirnvampire...?!! :)))))))))
Immer diese verrückten Wissenschaftler! In den Fünfzigern muss es von diesen wohl ganz besonders viele gegeben haben, hihi...

Natürlich kenne ich auch diesen Streifen noch nicht. Natürlich würde ich ihn jetzt am liebsten sofort sehen. Und natürlich ist auch diese Rezi wieder absolut hervorragend. :)

Mann, wenn ich allein schon dieses trashig-geile 50er-Jahre-Originalplakat sehe, könnte ich schier ausflippen! ☺️
Vielen Dank fürs Vorstellen, Morti!

17.06.2017 17:29 Uhr - leichenwurm
2x
DB-Helfer
User-Level von leichenwurm 5
Erfahrungspunkte von leichenwurm 420
Jau... den find ich auch super ;-)) ! Skurril, naiv, blauäugig... aber auch echt spassig und (für damalige Verhältnisse) sogar sehr drastisch. Das Finale in dem das dickflüssige Blut zu blubbernden Geräuschen schön suppt war mit Sicherheit ein echter Skandal damals... ;-)) !

17.06.2017 21:58 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 10
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.534
Mal wieder allerhöchstes Niveau, was Du uns hier kredenzt. Ein Film, der von jemandem namens "Dreckbaum" stammt, kann offenbar zu sehr schlauen Gedanken inspirieren und dabei noch unterhalten;-)

18.06.2017 17:29 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.056
Sehr schöne Kritik zu einem sehr schönen Film!

Ein Freund von mir hat die Gehirne auf einem T-Shirt abgebildet, darüber steht: Die Gedanken sind frei.

Ich selbst erinnere mich noch daran, als ich den Film das erste Mal sah. Herrlich, als eine Frau mitteilt, dass da was im Argen sein muss, da ihre Kuh Melba ganz nervös sei, was für diese ungewöhnlich sei. Ich meine dass sie sogar saure Milch gibt.

01.07.2017 16:42 Uhr - der neue1067
Die Beschreibung hat mir auch sehr gut gefallenen und neugierig auf dem Film gemacht. Sehr umfangreich und detailliert wurde der Inhalt wiedergegeben.

Der Film hätte auch wunderbar in die Reihe "Mumien, Monstren, Mutationen" gepasst die Ende der 70'er Jahre in den "Dritten" Programmen lief. Schade das es so was bei dem Überangebot der vielen Sender nicht mehr gibt, aber immerhin kann man sich den kultigen Vorspann auf YouTube anschauen.

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