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TheRealAsh
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Eintrag: 15.07.2017

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Der Mann aus Kentucky

(The Kentuckian)
Herstellungsland:USA (1955)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Western
Alternativtitel:L'homme du Kentucky
El hombre de Kentucky
Il kentuckiano
Il vagabondo delle frontiere

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Basierend auf einem Roman von Felix Holt: Den Witwer Elias Wakefield (Burt Lancaster) und seinen Sohn (Donald MacDonald) hält nichts mehr im Kentucky der 1820er Jahre, weshalb sie sich mit ihren gesamten Ersparnissen auf den Weg nach Texas begeben, denn dort soll es genug Land für jeden und den erhofften Frieden geben. Als die beiden eine junge Frau namens Hannah (Dianne Foster) von ihrer Zwangsarbeit als Dienstmagd freikaufen und dabei ihre gesamten Ersparnisse verlieren, ist Elias gezwungen für seinen Bruder zu arbeiten, um sich und seinem Sohn den Traum von Texas wieder erfüllen zu können. Dummerweise sind ihnen zwei rachsüchtige Brüder einer befeindeten Familie auf der Fährte und auch der lokale Gaststättenbesitzer (Walter Matthau) ist nicht gerade gut auf Elias zu sprechen...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von therealash:

Ich verweise hier ausdrücklich auf das großartige Review von NoCutsPlease, der mich überhaupt erst dazu gebracht hat, diese Perle meiner Kindheit wieder mal herauszukramen.

Beginnen wir mit einem Film, der tief in die amerikanische Psyche eingeschrieben ist. Hauptdarsteller und Regisseur dieses Western ist Burt Lancaster, der auf Platz 19 der besten männlichen Klassik-Cinema-Stars des American Film Institute steht, direkt neben Rita Hayworth. Lancaster kennt man in Europa wohl hauptsächlich durch Viscontis Der Leopard und insgesamt wohl für From Here to Eternity, Das Urteil von Nürnberg, Der Gefangene von Alcatraz und Elmer Ganrty, für den Lancaster den Oscar bekam.

Die Liste könnte noch lange weiter gehen, eine kleine Anekdote für Genrefans und Carpenter-Girls soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, da Lancasters Sohn Bill, der nur drei Jahre nach seinem Vater verstorben ist, das Drehbuch zu The Thing geschrieben hat (für mich einer der besten Filme aller Zeiten).

Man sieht schon, dass man es hier mit einem Großkaliber von Schauspieler zu tun hat, der neben seiner ganzen Arbeit aber nur einmal so richtig auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Da muss man ja schon ziemliche Vorschusslorbeeren für Der Mann aus Kentucky geben, oder The Kentuckian, wie er im Original heißt.

Ein paar Fakten zu Kentucky: US-amerikanischer Bundesstaat, im Idiom der Ureinwohner bedeutete der Name wohl so etwas wie weites grünes Feld oder so, Hauptstadt: Frankfort (am Kentucky River). Es gäbe natürlich noch viel mehr zu erzählen, das kann aber gerne jeder selbst recherchieren, da in Der Mann aus Kentucky sowieso ein Americana-Mythos aufgemacht wird, der über jede Geschichtsschreibung hinausgeht und mit dem Wunsch nach einer weiteren Grenze, die da heißt Texas, zusammenhängt.

Gehen wir weiter im Personenstab. Das Drehbuch schrieb A.B. Guthrie Junior, einer der bekannteren amerikanischen Schrifsteller, der für seinen Western-Roman The Way West den renommierten Pulitzer-Preis gewonnen hat, der wiederum mit Robert Mitchum und Kirk Douglas verfilmt wurde und bei uns sinnigerweise Der Weg nach Westen heißt. Guthrie hat übrigens ebenfalls das Drehbuch zu Mein großer Freund Shane geschrieben, einem der Western-Klassiker schlechthin. Der Mann aus Kentucky basiert wiederum auf einem Roman von Felix Holt unter dem Titel The Gabriel Horn.

Da kann ja nichts schiefgehen, oder? Kaum. Denn der Soundtrack stammt von Bernard "Citizen Kane Vertigo Psycho Taxi Driver" Herrmann und Roy Webb, der bei Leoparden küsst man nicht und bei den Val-Lewton-Produktionen I Walked With a Zombie, The Leopard Man oder The Body Snatcher die Filmmusik geschrieben hat.

Eigentlich müsste Der Mann aus Kentucky doch ein Klassiker seines Genres sein! So ganz nebenbei erwähnen kann man noch Ernest Laszlo, der für die Kamera zuständig war, wie auch schon für Stalag 17, Vera Cruz oder Logan's Run. Topschauspieler sind Diane Foster (Das letzte Hurra von John Ford), Diana Lynn (Meet Me at the Fair von Douglas Sirk) und last but never least ein recht junger Walther "Grumpy Cat" Mathau (Der weiße Teufel von Arkansas, Ein seltsames Paar, Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123), der hier einen seiner ersten Auftritte hat. Gefilmt wurde in Technicolori und Cinemascope und auch wenn es so aussieht, so ist Der Mann aus Kentucky kein astreiner Western im herkömmlichen Sinne, sondern eher ein Abenteuerfilm, aber darüber lässt sich streiten.

Handlungstechnisch geht es um den verwitweten "Big Eli" Wakefield, der mit seinem Sohn "Little Eli" von Kentucky nach Texas ziehen möchte, um dort neu anzufangen. Auf ihrem Weg müssen sie einige Abenteuer überstehen und treffen zwei unterschiedliche Frauen, von denen die eine sich seßhaft machen möchte, die andere mit ihnen ziehen. Der Bösewicht, der "Big Eli" gegenüber steht ist Stan Bodin, der ein Meister an der Bulllenpeitsche ist und ein ziemlicher Fiesling, Showdown inklusive.

Als letztes muss noch erwähnt werden, dass als Marketingstrategie zum Film ein Gemälde des amerikanischen Malers Thomas Hart Benton bestellt wurde, auf dem The Kentuckian heroisch in Szene gesetzt wurde und das sich jeder ansehen sollte, der sich für den amerikanischen Frontier- und Trapper-Mythos interessiert. Hart Benton ist einer der Hauptvertreter der Strömung des amerikanischen Regionalismus, den die meisten Herren der Heugabel und Horrorfreunde wohl unbewusst durch Grant Woods Gemälde American Gothic kennen.

Wie man sieht, spricht also nichts dafür, dass Der Mann aus Kentucky ein schlechter Film ist. Müsste man meinen. Denn der Film war ein ziemlicher Flop, sowohl bei den Kritikern, als auch beim geneigten Publikum, obwohl er wohl ein Leib-und-Magen-Projekt nicht nur von Burt Lancaster war.

Schauen wir uns den Film also mal genauer an. In gewisser Weise kann ich verstehen, dass dem Film kein Erfolg beschieden war, da die etwas rührseelige Story um den Vater mit seinem kleinen Sohn, die nach Texas wollen, um wohl den Tod der Mutter zu überwinden, durchaus nicht für jeden etwas ist. Die Lagerfeuerromantik mit Hund und die Sehnsucht nach dem fernen Texas, der gute Vater, die Jagd, der Wunsch nach der unberührten Natur und dem neuen Land, dem Paradies im Kopf, das voll blühender Wiesen und einer gedeienden Landwirtschaft mit guten neuen Müttern bevölkert ist, mag sicher nicht jedem harten Horror-, Western- oder Actionfan gefallen.

"Big Eli" allerdings ist natürlich schon eine Naturgewalt, der sich nicht die Butter vom Brot stehlen lässt. Welcher kleine Junge will nicht auch so einen Vater haben? Identifikationsmaterial ist hier jedenfalls enorm vorhanden. Ich muss nun also einen biograhischen Umstand gestehen, den Der Mann aus Kentucky für mich hat, da ich ihn als kleiner Junge gesehen habe und er einer der ersten "Western" für mich war und neben Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen einer meiner ersten Filme überhaupt, die mir mein Onkel damals in den Videorekorder getan hat, wenn er mal auf mich aufpassen musste. Gute Wahl übrigens, muss ich immer noch zugeben. Denn ich war natürlich völlig begeistert. Das noch junge Filmliebhaberherz wurde hier infiziert.

Vielleicht war dies tatsächlich das Problem, das Der Mann aus Kentucky hatte, in gewisser Weise ist er nämlich eine Klein-Jungen-Phantasie, mit einem starken und guten Vater an der Seite, einem Hund, ein paar gutaussehenden Frauen, die als Mutterersatz dienen könnten und mit dem Versprechen des Abenteuers, auf nach Westen zu ziehen. Die phänomenalen Technicolori- und Cinemascope-Landschaften haben schon auf VHS ihren Zauber verbreitet.

Darüber hinaus gibt es natürlich Spannung, Frauenhandel, böse Männer, Mobbing, Ungerechtigkeit und Gefahr. Eigentlich stimmt hier alles. Die Zutaten die Lancaster hier aus der Literaturvorlage zusammengewürfelt hat, sind das Abbild eines längst verlorenen Amerika, in dem der Wunsch nach dem Westen das größte Versprechen überhaupt war und in dem es noch gute und starke Männer gab, Frauen, die für sich und ihre Familie einstanden und Kinder, die mit Hund und Hut über Stock und Stein hüpfen konnten, ohne dass man ihnen ein Aufmerksamkeitsdefizit attestiert hat, das mit Tabletten behandelt werden musste.

Dabei ist hier nicht alles heile Welt, denn die zwei Frauen bieten durchaus Zündstoff für den kleinen Eli, der sich wie sein Vater ebenfalls zwischen diesen zwei Frauen entscheiden muss und der Suche nach dem Abenteuer oder dem warmen Herd, bei dem Papa am Abend mit Mama ziemlich blöde irgendwelche bescheuerten Lieder singt. Ich konnte "Little Eli" übrigens damals schon sehr gut verstehen, was seinen Frauengeschmack anbelangte. Die süße Hannah war gegenüber der etwas kleinbürgerlichen Lehrerin Susie natürlich mein Favorit. Klar.

To make a long review short, Der Mann aus Kentucky ist ein ehrlicher und sehnsuchtsvoller Abenteuerwestern, der das Gute über das Böse stellt und einen unglaublich starken Charakter hat, der nicht so zerrissen ist wie Ethan Edwards in Der schwarze Falke von John Ford, um endlich zu kapieren, dass eine neue Zeit gekommen ist und sein Rassismus da keinen Platz mehr hat. Nein, "Big Eli" ist ein Mann, der sich traut ein richtiger Mann zu sein und für den sein Sohn über allem steht. Auch wenn es ihm manchmal nicht leicht fällt, zwischen der richtigen Frau zu entscheiden. Am Ende zählt sein Sohn.

Klar, dass ich das als kleiner Junge super fand. Und das ist schließlich keine Schande.

In dem Sinne, für die Väter unter euch, das ist ein Film, den man getrost mit seinem Nachwuchs anschauen kann:

"Lieber Papi, mach mal Sonntag, bleib doch endlich mal zu Haus..."

 

8/10
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Kommentare

15.07.2017 08:26 Uhr - NoCutsPlease
2x
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Wow!!! Wo soll ich mit meinem Lob nur anfangen?
Zuallererst natürlich vielen Dank für die einleitende Erwähnung und den freudigen Hinweis auf meinen über zwei Jahre alten Text.

Deine Herangehensweise ist wirklich großartig. Du vermittelst die Hintergründe zum Film und dessen angenehm wehmütige Wesensart in Form deiner eigenen Abenteuergeschichte. Das ist ein toller, kreativer Kontrast zu meiner überwiegend sachlichen Besprechung und eine schöne Anknüpfung an den derzeitigen Westerntrend in der Reviewsparte.

Ansonsten freut es mich immer, wenn die von mir hier erstmalig besprochenen Titel eine umfangreiche Zweitmeinung spendiert bekommen, was bislang leider erst fünfmal geschehen ist.

15.07.2017 18:33 Uhr - Pratt
1x
DB-Helfer
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Klasse Review, sehr lesenswert!!! Auch bei dir zeigt sich anscheinend, dass sich Kindheitsfilme, die man meist häufiger gesehen hat, einbrennen. Ich plane da auch noch ein paar Reviews. Burt Lancaster ist toll in dem Streifen, der aber einige (zumindest subjektive) Längen aufweist, ich fand ihn immer besser in z.B. Der Rote Korsar, Der Zug oder Urteil von Nünberg um nur einige zu nennen!!! Momentan folgt ja hier ein Bombenreview auf das nächste!!!

15.07.2017 21:35 Uhr - TheRealAsh
2x
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Erfahrungspunkte von TheRealAsh 451
@NCP: dank dir, und ich habe zu danken, dass du mich an Kentuckian erinnert hast. Dass du entjungferte Titel gerne teilst rechne ich dir übrigens hoch an;-)

@Pratt: danke auch an dich. da mit den Kindheitsfilmen sagst du echt was richtiges, musste jetzt beim Schreiben an "Der Große mit dem außerirdischen Kleinen" denken, der tatsächlich mein allererster bewusst gesehener Film war und der mich voll umgehauen hat. Lancaster ist einfach ein Wahnsinnstyp, da hast du recht, da gibt es so viel. Bin schon gespannt auf nen Kindheitsfilm von dir, coole Sache!!!

Insgesamt muss ich auch noch bemerken, dass ich mir ja die Filme fürs Review immer erstmal ansehe, mach ein paar Notizen und dann lasse ich sie nochmal laufen, um das Gesehene niederzuschreiben.
Bei Kentuckian hats bei mir heute den ganzen Tag rumort, da mich vor allem das Ende wieder richtig geflasht hat und als Klein-Eli am Ende alleine im Wald steht, das fand ich schon richtig stark. Wird immer besser:-D

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