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Punisher77
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Eintrag: 22.09.2017

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Face/Off - Im Körper des Feindes

(Face/Off)
Herstellungsland:USA (1997)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:Bez Lica
Face/Off - Due Facce di un Assassino
Face/Off: Double identité

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,01 (49 Stimmen) Details
inhalt:
FBI-Agent Archer nimmt die Identität des vermeintlich toten Terroristen Castor Troy an, um dessen Machenschaften aufzudecken –doch Troy hat überlebt und spielt ein grausames Spiel mit ihm.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                           FACE/OFF - IM KÖRPER DES FEINDES

Vorsicht! Dieses Review geht auf das Ende des Films ein!

John Woo war der erste Hongkong-Regisseur, der vor der Rückgabe der (ehemaligen) britischen Kronkolonie an die Volksrepublik China im Jahr 1997 in die USA übersiedelte, um seine Arbeit dort fortzusetzen. Die Voraussetzungen waren denkbar günstig. Seine Heroic Bloodshed-Epen wie A Better Tomorrow (1986), The Killer (1989) oder Bullet In The Head (1990) wurden nicht nur von einer ständig wachsenden Fangemeinde kultisch verehrt, sondern auch von bekannten Hollywoodgrößen wie Quentin Tarantino (Pulp Fiction, 1994), Martin Scorsese (Taxi Driver, 1976) und Walter Hill (Nur 48 Stunden, 1982), so dass Kontakte zur Elite der Filmmetropole kein Problem sein sollten. Doch Woos Hollywoodeinstand verlief nicht ohne Hindernisse. Sein US-Debut Harte Ziele (1993, mit Jean-Claude Van Damme) war zwar erfolgreich, gehört zu den besten JCVD-Filmen und lässt auch Woos typischen Inszenierungsstil erkennen, krankt aber etwas an einem ziemlich bescheidenen, nicht von Woo geschriebenen Drehbuch. Außerdem musste der Film des für seine explosiven, extrem blutigen Dauerschießereien bekannten Asiaten mehrmals der Motion Picture Association of America vorgelegt werden, um ein R-Rating zu bekommen. 1995 folgte der Actionfilm Operation Broken Arrow, der zwar unterhaltsam und erfolgreich war, aber „typisch amerikanisch“ aussah – von Woos Handschrift war nichts mehr zu erkennen. Ein Regisseur wie John McTiernan (Stirb Langsam, 1988) oder Richard Donner (Lethal Weapon – Zwei Stahlharte Profis, 1987) hätte den Film wahrscheinlich ähnlich inszeniert. 1997 gelang John Woo dann endlich ein Film, der Elemente von Woos bisherigen Hollywood-Filmen mit denen seiner asiatischen Heroic Bloodshed-Streifen verknüpfte: Face/Off – Im Körper Des Feindes.

Face/Off wurde von Mike Werb (Die Maske, 1994) und Michael Colleary (The Firehouse Dog, 2007) geschrieben und war ursprünglich für Arnold Schwarzenegger (Terminator, 1984) und Sylvester Stallone (Rambo, 1982) gedacht. Werb und Colleary versuchten bereits 1990, das Buch an den Mann zu bringen, aber bis das Skript verfilmt wurde, vergingen mehrere Jahre mit mehreren Studios, die Interesse bekundeten und dann wieder absprangen; außerdem wurde das Drehbuch mehrmals überarbeitet. Als John Woo in das Projekt involviert wurde, wünschte er sich Jean-Claude Van Damme und Michael Douglas (Wall Street, 1987) als Hauptdarsteller, woraus jedoch nichts wurde. Michael Douglas blieb dem Film jedoch als ausführender Produzent erhalten. Die Hauptrollen gingen letztlich an Nicolas Cage (The Rock – Fels Der Entscheidung, 1996) und John Travolta, der bereits in Operation Broken Arrow mit John Woo zusammengearbeitet hatte. Weitere Rollen übernahmen Joan Ellen (Nixon, 1995), Gina Gershon (Red Heat, 1988), Nick Cassavetes (John Q., 2002) und Alessandro Nivola (Jurassic Park III, 2001). Mit einem Budget von 80 Millionen Dollar war Face/Off John Woos bisher teuerste US-Produktion.

Nach jahrelangen Ermittlungen hat FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) den Terroristen Castor Troy (Nicolas Cage), der einst Archers Sohn ermordete, endlich dingfest gemacht. Seit einer Flughafenschießerei liegt Troy im Koma. Es stellt sich jedoch heraus, dass dieser vor seiner Kollision mit Archer eine nukleare Bombe in Los Angeles platzierte, von der nur sein inhaftierter Bruder Pollux (Alessandro Nivola) weiß. Also lässt sich Archer zu einer letzten gefährlichen Mission überreden – mittels einer spektakulären Operation tauscht er das Gesicht mit seinem komatösen Erzfeind und lässt sich zu Pollux ins Gefängnis einschleusen. Doch dann erwacht Castor Troy wider Erwarten aus dem Koma und „übernimmt“ Archers Gesicht…

Face/Off ist einer der besten Actionfilme der Neunziger Jahre, der zwar – was Hardcorefans bemängeln mögen – nicht an den Gewaltgrad von Woos Asia-Gangsterfilmen heranreicht, aber dennoch einen echten Heroic Bloodshed-Woo-Film im Hollywoodgewand darstellt. Das Duell Travolta vs. Cage stellt nicht nur seine beiden Vorgänger Harte Ziele und Operation Broken Arrow in den Schatten, sondern ist auch (meiner Meinung nach) sein einziger amerikanischer Film, der an seine Hongkongklassiker heranreicht.

Schon die Actionszenen sind einfach nur atemberaubend. Bereits die auftaktgebende Actionszene am Flughafen ist ein Spektakel, das so manchen Actionfilm-Showdown beschämt. Hier wurde definitiv geklotzt und nicht gekleckert! Und auch der über zwanzigminütige Showdown inklusive einer spektakulären Motorboot-Verfolgungsjagd ist ein Spektakel, das sämtliche anderen 1997er-Actionfilme auf die hinteren Plätze verweist. Und auch dazwischen gibt es hervorragende Actionszenen, bei denen u.a. von der Schusswaffe massiv Gebrauch gemacht wird. Und auch wenn in Filmen wie The Killer oder Bullet In The Head weitaus mehr Blut fließt, kann man Face/Off nicht den Vorwurf machen, harmlos zu sein, im Gegenteil – die Leichen stapeln sich auch hier turmhoch und auch abseits der Kugeln, die in menschliche Körper eindringen, gibt es in Face/Off so manche Gewaltspitze. Zudem ist all das nicht gerade alltäglich inszeniert. Woo zieht alle regietechnischen Register: Es gibt zahlreiche ungewöhnliche Kameraperspektiven, ausgedehnte Zeitlupenstudien, etc. Es gibt schlichtweg alles, was man von einem John Woo-Film alter Schule erwartet. Dabei geht es Woo aber nicht nur um Action und Gewalt, sondern auch um die Inszenierung seiner Figuren. Wenn Nicolas Cage alias Castor Troy mit wehendem Mantel über das Rollfeld stolziert oder seine stylishen Waffen zieht, dann erstarrt die Leinwand (oder der TV-Schirm) vor Coolness. Ähnlich wie Sergio Leone (Spiel Mir Das Lied Vom Tod, 1968) legt auch Woo großen Wert auf den Stil seiner Figuren, was auch für den eher biederen Sean Archer gilt, den Woo als gebrochenen Familienvater in Szene setzt.

Aber die Darsteller in Face/Off sind genauso wichtig wie die Actionszenen. Bessere Hauptdarsteller als John Travolta und Nicolas Cage hätte man für ihre Rollen nicht finden können. In der einen oder anderen Szene mag man Nicolas Cage vielleicht Overacting vorwerfen, aber nichtsdestotrotz sind die Leistungen der beiden Hauptdarsteller brillant. Travolta mimt auf der einen Seite den trauernden, von seiner Ehefrau entfremdeten FBI-Agenten, während Nicolas Cage den entfesselten, skrupellosen Terroristen spielt, der gerne im Priesteroutfit minderjährigen Chorsängerinnen an den Hintern greift. Das Kunststück des Films liegt darin, dass jeder Hauptdarsteller in die Rolle seines Leinwandgegners/ Schauspielpartners wechseln muss, was beiden Darstellern hervorragend gelingt. Allerdings hat John Travolta im Duell mit Nicolas Cage die Nase vorn – er spielt den trauernden Vater ebenso überzeugend wie den schmierigen Unhold, der seiner, bzw. Archers Filmtochter lüstern hinterher starrt. Ironischerweise erweist sich Castor Troy in der Gestalt von Sean Archer als der bessere Ehemann, da er die Sorgen seiner Frau ernst nimmt und sich auch um seine Tochter kümmert. Archer – in der Gestalt seines Erzfeindes – findet dagegen Gefallen am Gangsterdasein und trauert um einen sterbenden Gangster, der im „normalen“ Leben sein Feind gewesen wäre. Diese Facetten sind es, die Face/Off neben den bombastischen Actionorgien so sehenswert machen.

Aber nicht nur die Hauptdarsteller überzeugen. Face/Off verfügt über kompetent agierende Nebendarsteller, wobei man besonders Joan Allen als vom Schicksal gezeichnete Eve Archer hervorheben muss. Allen spielt Archers trauernde, aber dennoch von Sehnsüchten geplagte Frau mit hundertprozentiger Glaubwürdigkeit. Gleiches gilt für den von Alessandro Nivola gespielten Pollux Troy und Gina Gershon, die schon so manche starke Frauenrolle in Actionfilmen spielte (Red Heat, 1988 / Deadly Revenge – Das Brooklynmassaker, 1991). Ebenfalls erwähnenswert ist die Performance von Nick Cassavetes als Troys Gangsterkumpel Dietrich.

Was Face/Off dann aber doch noch einen Dämpfer verpasst, ist sein widerwärtig kitschiges Ende, das den Zuschauer glauben machen will, dass man ein Kind einfach durch ein anderes, adoptiertes ersetzen kann. Da baut der ganze Film auf dem Rachefeldzug eines Vaters auf, dessen Sohn von seinem Erzfeind ermordet wurde,und dann sowas…? Es mag pingelig klingen, aber dieses glattpolierte, kitschige Ende ist ein Grund, warum der Film „nur“ 9/10 bekommt...da hatten die Hongkonger Highlights aus Woos filmischen Schaffen deutlich bessere Abschlüsse, die man noch lange im Herzen getragen hat.

Trotzdem ist Face/Off – Im Körper Des Feindes der beste Actionfilm, den John Woo in den USA gedreht hat und an dem sich viele amerikanische Regisseure ein Beispiel hätten nehmen sollen.

9/10
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Kommentare

22.09.2017 22:27 Uhr - NoCutsPlease
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Starke Kritik, starker Streifen!
Tempo, Spannung, Härte: Spitze! Der ist bei mir auch mindestens eine 9!

Über die spektakuläre Motorboot-Verfolgungsjagd, die ein Spektakel ist, wird sich naSum besonders freuen. :)

22.09.2017 23:18 Uhr - naSum
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Sehr wohl lieber NoCuts, gelesen und gefreut.

Am Review selbst, wie auch damals am Film, konnte ich mich ebenso erfreuen. Einfach ein verdammt starker Streifen.
Besonders die schauspielerische Leistung, einen Mann zu spielen, der einen anderen Mann spielt, hat mich stets überzeugt. Von den kontrastreichen Gegenüberstellungen ganz zu schweigen. Ich denke da speziell an die Szene im Spiegelraum, in der Cage/Travolta "sich" gegenüberstehen. Herrlich!

22.09.2017 23:33 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank an Euch :-).

@NoCutsPlease:
Schön, dass Du den Streifen genauso stark findest wie ich :-).

@naSum:
Stimmt, diese Szene ist ein besonderes Highlight!

23.09.2017 02:17 Uhr - Horace Pinker
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Tolle Besprechung Punisher! Ich bin ebenfalls ein großer Fan von John Woos Heroic Bloodshed Epen, von seinen amerikanischen Arbeiten kenne ich bisher aber nur Hard Target und Mission Impossible 2. Face/Off klingt dank der Mischung Woo typisch brillianter Actionszenen, einer spannenden Geschichte und tollen Schauspielleistungen lohnenswert und wird wenn möglich zeitnah nachgeholt.

23.09.2017 11:42 Uhr - TheRealAsh
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Endlich mal wieder ein Actioner von dir in deiner unnachahmlich kompetent-einnehmenden Art, den ich auch wieder kenne und liebe. Da lief die VHS damals so oft, dass ich sie kleben musste. Den hab ich mir immer (neben Natural Born Killers) am Freitag nachmittag nach der Arbeit als Einkland fürs Wochenende reingetan.

Mit dem Ende hast du absolut recht, aber das seh ich ihm auch nach. Und John und Nicolas waren damals einfach genial.

Finde es übrigens interessant, wie unterschiedlich die Filmkenntnis immer wieder ist, gerade, was die frühe Jugend anbelangt. Ich habe mir damals viel angeschaut, aber irgendwie auch sehr selektiv:D

23.09.2017 12:50 Uhr - Pratt
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Tolles Review, klasse Film, wäre interessant gewesen Michael Douglas in dem Film zu sehen, aber Travolta/Cage machen ihren Job klasse!!!

23.09.2017 16:06 Uhr - Weltraumgott
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Der Film liegt bei mir bei ner 5-6.
Ein geiler Actioner, aber John Woo hatte bessere Zeiten!

24.09.2017 15:16 Uhr - Punisher77
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@Alle:
Danke für das Lesen des Reviews und Eure netten Kommentare :-).

@Horace:
Unbedingt anschauen, es lohnt sich. Meiner Meinung nach stellt "Face/Off" beide Filme in den Schatten.

@Weltraumgott:
So schlecht kommt der Film bei Dir weg? Schade. Aber was gefällt Dir an dem Film nicht, dass er für Dich nur Mittelmaß ist. Das würde mich echt interessieren. Ich kann nachvollziehen, dass er etwas "glatt" und "amerikanisiert" wirken mag und weniger blutig ist, aber "Face/Off" ist - im Gegensatz zu "Harte Ziele", "Operation Broken Arrow", "Mission Impossible II" oder "Paycheck" ein echter (zumindest mich) begeisternder "Heroic Bloodshed"-Film...

24.09.2017 22:53 Uhr - Weltraumgott
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Puni, ich mag den Film wirklich. Ich finde es ist ein toller Actionkracher. Aber ich muss dir wiedersprechen, da ich, anders als du, „Harte Ziele“ als besten US-Film Woo‘s empfinde. ;)

25.09.2017 09:09 Uhr - JasonXtreme
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Hammerrezi, Hammerfilm!

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