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MortAhead
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XP 317
Eintrag: 22.07.2017

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The Wicker Man

Herstellungsland:Großbritannien (1973)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,65 (17 Stimmen) Details
inhalt:
Nach dem spurlosen Verschwinden eines jungen Mädchens führen seine Nachforschungen Ermittler Neil Howie nach Summerisle, einer entlegenen Insel vor der Küste Schottlands. Die mysteriöse Dorfgemeinschaft scheint alles andere als erfreut über den ungebetenen Gast und hüllt sich in Schweigen. Doch Howie lässt sich nicht einfach abschütteln. Das seltsame Verhalten der Einheimischen, die einem heidnischen Fruchtbarkeitskult frönen, löst bei dem strenggläubigen Sergeant jedoch zunehmend Unbehagen aus. Sein Instinkt trügt ihn nicht, die Gemeinschaft ist in eine tödliche Verschwörung verwickelt...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von mortahead:

Die Geschichte hinter The Wicker Man beginnt mit dem britischen Schauspieler und Autor David Pinner. Mitte der sechziger Jahre hatte er bereits die Vampirgeschichte Fanghorn veröffentlicht und spielte den Seargent Totter in Agatha Christies Stück The Mousetrap. Dabei kam ihm die Idee Elemente aus beidem zu kombinieren und so entstand die Story um den Polizisten David Hanlin, der in einem kleinen englischen Dorf einem Ritualmord auf die Spur kommen will. Zu Beginn war es noch ein Treatment für einen Film. Michael Winner, der sich später mit der Death Wish-Reihe einen Namen machen sollte, bekundete Interesse an einer Umsetzung mit John Hurt als Protagonist, distanzierte sich jedoch davon als ihm klar wurde, dass der Film gewisse unsittliche Elemente beinhalten müsste. Pinners Agent riet ihm aus der Idee eine Novelle zu machen. Nach sieben Wochen war die Story ausformuliert und erschien 1967 unter dem Titel Ritual.

1971 war der Regisseur Robin Hardy mit Christopher Lee in Kontakt gekommen. Seit Ende der Fünfziger feierte dieser Erfolg als Star diverser Dracula und Frankenstein-Filme der Hammer Studios, war jedoch dem Gothik-Horror langsam überdrüssig. Das Drehbuch schrieb Anthony Shaffner, der Pinners Novelle erst ins Gespräch gebracht hat und weitgehende Änderung an der Story vornahm, den Grundmotiven jedoch treu blieb. Mit Peter Snell als Produzent im Hintergrund entstand The Wicker Man, ein Genremeilenstein und Kritikerliebling, den das Filmmagazin Cinefastique als den Citizen Kane des Horrorfilms bezeichnete.

Alles beginnt damit, dass die Wache auf welcher der strenggläubige Polizei Seargent Neil Howie arbeitet, einen anonymen Brief empfängt, in dem die Rede vom Verschwinden eines jungen Mädchens auf der Insel Summerisle ist. Howie macht sich mit dem Flugzeug auf den Weg dorthin und merkt bald, dass die Einheimischen zwar nichts gegen seine Anwesenheit haben, aber nicht bereit sind ihm zu helfen. Keiner will Rowen Morris gesehen oder gekannt haben. Selbst ihre Mutter nicht. Er beschließt ein paar Tage zu bleiben und sich weiter umzuhören und checkt in einem Gasthaus ein, wo Willow, die Tochter des Wirts versucht ihn zu verführen. In der Nacht wird er Zeuge einer öffentlichen Orgie. Weitere seltsame Rituale begegnen ihm, während er herausfindet, dass Rowens Name im Schulbuch der Insel steht, obwohl Schüler und Lehrerin ihm versicherten, es gäbe niemanden mit diesem Namen. Nach der Entdeckung gesteht ihm Miss Rose, das Rowen vor Monaten gestorben wäre. Nach einem Besuch ihres Grabes auf einem äußerst unchristlichen Friedhof, wird ihm die Einsicht in den Totenschein verwehrt, da es keinen gibt.

Hiernach wendet er sich an Lord Summerisle, den Besitzer der Insel der ihm etwas Klarheit über die Bräuche der Insulaner verschafft. Sein Großvater hat vor Jahrzehnten die Insel erworben und durch biologische Kreuzungen Saatgut gezüchtet, welches den rauen Bedingungen der Insel widerstehen kann. Er gründete eine Gesellschaft, die dem christlichen Gott entsagte und wieder paganischen Fruchtbarkeitsgeistern huldigte und bis heute Bestand hat. Nach der Entdeckung, dass in Rowens Sarg nur ein toter Hase liegt, recherchiert Howie die Rituale des örtlichen Glaubens und ihm kommt Befürchtung, dass man Rowen wegen der Missernte des letzten Jahres als Opfer darbieten könnte.

Spoilerwarnung:

Nach einer fruchtlosen Durchsuchung jedes einzelnen Hauses, schlägt er den Wirt nieder, schlüpft in dessen Narrenkostüm (ein fatales Motiv, wenn man das Ende kennt) und läuft unerkannt im Umzug der Maifeier mit, bis er tatsächlich auf Rowen stößt. Er lässt die Maske fallen und will sie befreien doch muss feststellen, dass sie ihn hineingelegt hat und in Wahrheit er geopfert werden soll. So sehen wir ihn am Ende Gebete wimmernd in einem gewaltigen Götzenbild verbrennen, während die Einwohner von Summerisle feiern.

Spoilerende.

Die Produktion stand unter keinem guten Stern. Das Studio British Lion Films befand sich in der Krise und musste schnell einen Film produzieren. So begannen die Dreharbeiten schon im Oktober obwohl der Film im Frühling spielt. Blätter musste an Bäume geklebt werden und die Schauspieler zwischen Szenen Eiswürfel lutschen, damit man nicht ihren Atem sehen konnte. Das Budget war so gering, dass Christopher Lee und viele andere Schauspieler komplett auf ihre Gage verzichteten. Dazu sei erwähnt, dass Lee die Rolle des Lord Summerisle zeitlebens als seine liebste bezeichnete.

Am Ende zerstritten sich die Macher und das Studio auch noch über die finale Schnittfassung. Für die Veröffentlichung in Amerika fielen die Rechte an Roger Corman, der ihn auf 84 Minuten runterkürzte, um ihn im Doppelprogramm mit Wenn die Gondeln Trauer tragen zeigen zu können, in welchem es auch um einen Mann geht, der einem Mädchen nachjagt. Die Geschichte der verschiedenen Fassungen ist lange und kompliziert, da die Originalfassung als verschollen gilt. Gerüchte kusieren, dass die originale Kopie als Straßenbaumaterial endete. Es gab viele Versuche diese wieder zu finden oder zu rekonstruieren doch ist einiges Material immer noch verloren. So existiert neben der Kinoversion noch einen sogenannten Directors Cut, welcher die längste Fassung darstellt, sowie einen Final Cut, der von Robin Hardy aus verschiedenen Quellen zusammengestellt wurde. Ich persönlich tendiere zur Langfassung, doch egal für welche man sich entscheidet, man bekommt – mal mehr mal weniger – einen faszinierenden Zeitzeugen zu sehen. Fünf Jahre nach Veröffentlichung brachten Shaffer und Hardy eine Novellisierung des Films raus. 1989 schrieb Shaffner ein Treatment für eine direkte Fortsetzung unter dem Titel The Loathsome Lambton Worm, welches aus mangelndem Interesse von Seiten Hardys nie umgesetzt wurde. 2006 entstand unter der Regie von Neil LaBute ein sehr schlecht aufgenommenes Remake mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Erst 2011 drehte Hardy mit The Wicker Tree ein Sequel im Geiste. Mit The Wrath oft he Gods sollte ein Abschluss dieser losen Trilogie folgen, doch Hardy starb 2016 bevor die Produktion richtig in Fahrt kommen konnte.

The Wicker Man ist nicht leicht einzuordnen. Für einen Horrorfilm ist er recht sparsam, was die Schockmomente angeht und baut eher langsam auf, doch gerade das macht das Ende so furchtbar effektiv. Dominant sind die halluzinatorischen Bilder heidnischer Rituale, die man zur damaligen Zeit höchstens in Experimentalfilmen von Kenneth Anger finden konnte. Der Plot folgt einer slow burnende Kriminalgeschichte, verliert sich jedoch immer mal wieder in Versatzstücken aus Mystery, Erotik und sogar vor exzessiven Gesangseinlagen wird nicht Halt gemacht. Gerade der antizyklische Dreh im Herbst trägt zur traumartigen Realität des Films bei und die Bilder eines kalten Frühlings machen Howies Warnung, dass weitere Missernten weitere Opfer fordern werden umso realistischer. Dazu ein Christopher Lee in Bestform und einem fesselnden Stück Filmgeschichte steht nicht mehr viel im Weg. Aber ist er deswegen gleich ein Meisterwerk?

Ein toller Film? Sicher. Ein genialer? In mancherlei Hinsicht schon. Aber ein Meisterwerk? So hoch würde ich ihn nicht halten. Dennoch kann ich verstehen, wieso viele ihn so sehen und für mich ist er auch nicht weniger bedeutungsvoll als Friedkinds Exorzist oder Romeros Zombie. Wie diese, war er der richtige Film, zur richtigen Zeit. The Wicker Man ist eine Besessenheit in dämonischem Sinne.

Halt.

Dafür muss ich weiter ausholen. Im Rahmen des „Exorzismus von Klingenberg“, stellte sich die Frage, wieso ausgerechnet Menschen aus streng christlichem Hause dazu neigen besessen zu werden. Die christliche Erklärung wäre, dass der Teufel es gerade auf die gläubigsten Lämmchen abgesehen hat, um sie zu verderben. Die psychologische, welche der Kulturwissenschaftler Uwe Wolf tätigte, ist jedoch die interessantere. Sie sieht die Besessenheit als einzige Fluchtmöglichkeit eines rebellischen Geistes, aus den vorgelebten Zwängen der erzkonservativ katholischen Erziehung auszubrechen.

Zurück in die Sechziger.

Zeiten des Umschwungs. In Amerika werden die Rebellen ohne Grund langsam erwachsen und anders als erwartet, wissen sie genau, was sie tun. Eine junge Generation unabhängiger Filmemacher, darunter Namen wie Scorsesse, Romero und Hooper, entsagen dem zensorischen Hays-Code und halten auf Film fest, was früher noch als sittenwidrig und obszön galt. Die Hippie-Kultur erblüht und sucht den Rausch, während es in der jungen BRD die Studenten zu tausend auf die Straßen und gegen die Obrigkeit zieht. Die alten Eliten des Westens fürchten den Werteverfall der Welt die sie nach dem Krieg aufgebaut haben und in der Mitte ein Film, der den Spagat zwischen beiden Seiten schafft.

Seargent Howie ist ein Repräsentant des Staates. Des Establishments. Der Glaube, auf dem seine Moral aufgebaut ist, wird von den jungen Heiden herausgefordert. Sie scheinen glücklich in ihrer Gottlosigkeit und begegnen ihm mit Ruhe und Gelassenheit, während er tiefer gräbt. Für die Zuschauer der älteren Generation ist er der Identifikationspunkt. Seine Ängste vor dem gesellschaftlichen Verfall sind die ihren. Gleichzeitig gibt der Film der jüngeren Generation genau das, was sie suchte. Grenzüberschreitung. Ein Gefühl des Rausches stellt sich in vielen Szenen ein, doch besonders in der, als Willow versucht Howie vom Nebenzimmer aus zu verführen. Die Friedhofs-Szene am Ende von Easy Rider kommt einem in den Sinn. So kommt es auch darauf an, auf welcher Seite man steht, ob man den Humor auf Howies Kosten als solchen verstehen kann.

Als einer der ersten, weitläufig veröffentlichten Filme, die sich diesen Grad des Expliziten erlaubte, hat er von beiden Welten genug verstanden, um Anklang zu finden. Howies Tod am Ende, mag für den einen die größte Befürchtung, für den anderen die größte Hoffnung gewesen sein. Todesschreie auf der einen, Gesang und Tanz auf der anderen, lässt er beide Seiten zu Wort kommen, ohne sich jedoch für eine zu entscheiden.

„You watch the world exploding every single night

Dancing in the sun a newborn in the light

Brothers and their fathers joining hands and make a chain

The shadow of the wicker man is rising up again“

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Kommentare

22.07.2017 14:45 Uhr - dicker Hund
2x
User-Level von dicker Hund 10
Erfahrungspunkte von dicker Hund 1.534
Mit klassischen britischen Filmen habe ich es nicht so, weshalb mir "The Wicker Man" bisher nicht bekannt ist. Dein Review macht mich dabei neugierig, so weit das vor dem genannten Hintergrund möglich ist.

Allerdings würde ich empfehlen, die Stellen, an denen Du das Ende verrätst, noch einmal mit einer zusätzlichen Spoilerwarnung zu kennzeichnen.

22.07.2017 15:04 Uhr - Intofilms
3x
Definitiv ein Meisterwerk! ☺️
Zusammen mit "Dead of Night" (Ealing Studios, 1945) der für mich absolut beste britische Horrorfilm!

Christopher Lee spielt hier wahrscheinlich die Rolle seines Lebens. Die in bester Musical-Manier konsequent eingestreuten Gesangs- und Tanzeinlagen muss man natürlich auch hervorheben, da sie ganz entscheidend zu dieser leicht, doch angenehm irritierenden, surreal-befremdlich anmutenden Grundausrichtung beitragen, die mich auf ganz eigentümliche Weise anspricht und fasziniert...
Und was für ein fulminanter Plottwist am Ende! Und daraus resultierend: Was für ein unglaubliches, entsetzlich-schönes Schlussbild! Einmalig!! (Deshalb: Ja, bitte unbedingt noch die Spoilerwarnung anbringen!)

Mir bleibt jetzt nur zu sagen:
Großartige Titelwahl, exzellente Kritik! ☺️
Von mir gibt's natürlich die Höchstwertung.
Ich danke dir ganz herzlich, Morti!

22.07.2017 15:45 Uhr - TheRealAsh
2x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 551
Herausragende Kritik zu einem absolut genialen Britain-Horror-Classic der bunten und friedvollen 70er, bei denen es nicht gerade ein Manson sein musste, sondern ein tief in der Folklore verwurzelter Naturglaube, der auch ganz schön gruselig sein kann.

Das mit Klingenberg war übrigens ein interessanter Einwurf.

Und danke für das Maiden-Zitat, von denen ja bekannt ist, dass sie sich mit Literatur und Film gerne in ihren Texten auseinandergesetzt haben:D

22.07.2017 16:14 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.495
Britischer Horror ist doch immer wieder schön, vor allem, wenn es sich um diesen feinen Streifen mit seiner einzigartigen Naturkulisse und der trügerisch-idyllischen Atmo handelt.
Dazu eine anschauliche und ausführliche Kritik von Sir Morti(mer).
Das Setzen der Spoilerwarnung war echt notwendig, da hat unser Wachhund gut aufgepasst. :)

22.07.2017 20:15 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 17
Erfahrungspunkte von cecil b 5.056
Ein wirklich toller Beitrag für unser Filmlexikon, der alle Interessen abdeckt!

Deine Interpretation im Bezug auf die Zeit und die religiösen bzw. gesellschaftlichen Themen finde ich persönlich besonders interessant, und auch schlüssig.

Film: Ich liebe diesen Film! Meine altes Review habe ich schon vor langer Zeit gesperrt, denn das konnte THE WICKER MAN nicht gerecht werden, im Gegensatz zu deinem.
Ich werde von diesem Film in den Bann gezogen. Ich werde gleichzeitig von dem Geschehen angezogen, wie dass es mich verstört. Außergewöhnlich.

23.07.2017 08:51 Uhr - Dissection78
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von Dissection78 3.876
Sehr schön! Ich bekomme gerade richtig Lust, mir den Film wieder mal anzuschauen. Dem lustigen Remake muss ich zugutehalten, dass es für mich als Trash durchaus funktioniert, und ich wurde damals dadurch erst auf das Original aufmerksam.

Übrigens würde ich gerne mal auf Summerisle Urlaub machen. Nur der feurige Abschluss müsste dann aus dem Programm gestrichen werden. Da hätte ich keinen Bock drauf.

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