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Horace Pinker
Level 19
XP 7.065
Eintrag: 09.08.2017

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Ein Fressen für die Geier

(Two Mules for Sister Sara)
Herstellungsland:Mexiko, USA (1970)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Komödie, Krieg,
Western

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,00 (5 Stimmen) Details
inhalt:
In diesem anarchischen, unkonventionellen Action-Western im Mexiko des 19. Jahrhunderts rettet ein amerikanischer Söldner (Clint Eastwood) eine scheinheilige Nonne (Shirley MacLaine) vor einer Vergewaltigung. Die zufällige Begegnung erweist sich für ihn als Glücksfall, da die Nonne über die Offiziere der Garnison bescheid weiß, in die er eindringen will. Bald stellt er fest, dass die vermeintliche Ordensschwester gar keine ist Nonne ist - während Festungsmauern der Garnison in die Luft fliegen, bahnt sich eine ebenso explosive Romanze an.
eine kritik von horace pinker:

1970 trat Clint Eastwood nach Abschluss der Dollar Trilogie und seinen ersten US Western (u.a. Hang’Em High) abermals in dem Genre durch welches er Berühmtheit erlangte.  Der Film hörte auf den Namen Two Mules for Sister Sara und wurde von Eastwoods Mentor Don Siegel (Dirty Harry, Escape from Alcatraz, arbeitete 2 Jahre davor bei Coogan’s Bluff erstmals mit Eastwood zusammen) inszeniert, das Drehbuch wurde von Howard Rodman (Madigan, The Man from U.N.C.L.E.), Dean Riesner (Dirty Harry 1-4, Play Misty for Me) und Herman Miller (Kung Fu, Rawhide) verfasst. Kurz zur Handlung der Cowboy Hogan rettet die Nonne Sara vor einer Vergewaltigung. Gemeinsam setzen die Beiden ihre Reise fort und beginnen sich miteinander anzufreunden, jedoch hat Sara ein Geheimnis und ist nicht ganz was sie zu sein scheint...

Im Vergleich zu Eastwoods späteren Western Regiearbeiten oder auch seinen Arbeiten unter Sergio Leone beinhaltet Two Mules vergleichsweise viele Elemente welche man eher mit klassischen amerikanischen Western thematisieren würde, darunter etwa ein typischer Indianerangriff oder die schwarz-weiß Zeichnung in Bezug zu den Antagonisten (in diesem Fall den französischen Truppen, welche an keiner Stelle tiefgehender charakterisiert werden). Vermischt wird dies mit einigen moderneren Elementen, welche auch in darauffolgenden Eastwood Werken eine große Rolle spielen werden, so ist Clints Figur auf keinen Fall der scheinende und moralisch hundertprozentig integre Held, sondern eher ein Antiheld der sich häufig besäuft, oft vulgär wird und zunächst nicht aus reiner Hilfsbereitschaft, sondern für seinen eigenen finanziellen Vorteil handelt. Garniert wird dies mit einigen Wendungen, insbesondere in Bezug auf die Titelgebende Geistliche, die sich recht schnell als nicht so fromm wie vermutet herausstellt. In diesem Zusammenhang ist der starke komödiantische Unterton des Films erwähnenswert, welcher bevorzugt durch die Interaktion zwischen den beiden ungleichen Hauptfiguren entsteht und dabei sowohl Wortwitz (etwa die teils sehr undamenhafte Ausdrucksweise Saras) als auch Situationskomik beinhaltet. Auf der anderen Seite wird aber auch der Spannungsaufbau nicht vernachlässigt und neben der von den Franzosen ausgehenden Gefahr, muss sich das Duo etwa auch noch gegen Klapperschlangen wehren. Etwas schade ist das, besonders in der ersten Filmhälfte, Actionszenen sehr rar gesät sind und auch meist recht schnell verlaufen, etwas entschädigt wird man dann durch das packend inszenierte, rasante und mitreißende Finale, welches durchaus in Erinnerung bleibt.

Für die Kameraarbeit zeichnete sich Gabriel Figueroa (Kelly’s Heroes, The Exterminating Angel) verantwortlich. Es gelingt ihm dabei sowohl wunderschöne Naturaufnahmen zu liefern, als auch Actionsequenzen übersichtlich aufzunehmen und auch ruhigere Szenen mit Fokus auf die Charaktere passend einzufangen. Für die musikalische Untermalung zeichnete sich Ennio Morricone (The Hateful Eight, C’era una Volta il West) verantwortlich, wobei besonders die Saras Auftritte untermalende sakral klingende Melodie positiv heraussticht.

Die Gewaltszenen weisen für einen 70iger Jahre PG Western einen recht hohen Härtegrad auf, so gibt es neben oftmals kunstbluthaltigen Einschüssen eine recht fiese Exekution und im Finale sogar einige kleinere Splatterszenen (etwa ein abgehackter Arm und eine in einen Kopf geschlagene Machete) zu sehen. Die Qualität der Effekte ist dabei ordentlich ausgefallen, wenn auch nicht immer perfekt.

Vor der Kamera fällt selbstverständlich vor allem Eastwood als der Protagonist Hogan positiv auf. Es gelingt ihn dabei sowohl in den Actionszenen zu bestechen und sein Tough Guy Image aufrechtzuerhalten, als auch einige schwache Momente seiner Figur (etwa seine Verletzung, oder das Alkohol bedingte Versagen beim Schießen) glaubwürdig herüberzubringen und auch bei den humorvollen Momenten vollauf zu überzeugen. Beinah ebenso gut ist Shirley MacLaine (The Secret Life of Walter Mitty, The Apartment) als Sara, die es sowohl schafft als fromm und gütig zu erscheinen, als auch die innere Stärke ihres Charakters zum Ausdruck zu bringen und vor allem perfekt mit Eastwood zu harmonieren. Die Nebendarsteller sind weitestgehend unbekannt und nehmen auch keine allzu große Rolle in der Handlung ein, allerdings kommt es auch zu keinen Ausfällen und es wird durchgehend ordentliche Arbeit geleistet.

In Deutschland kam der Film unter dem Titel Ein Fressen für die Geier ungekürzt mit dem 16er Siegel der FSK in die Kinos und erschien später in dieser Fassung auch auf VHS, DVD und Blu-Ray.

Zwar kommt Two Mules for Sister Sara nicht ganz an seine späteren Beiträge heran, weiß aber dennoch durch die ausgewogene Mischung aus Humor, Spannung und Action gut zu unterhalten und ist für Freunde des Westerngenres und Eastwoodfans definitiv einen Blick wert. Von mir gibt es 8/10 fluchende Nonnen.

 

Zusatzinfos: Shirley MacLaine kam während der Dreharbeite nicht gut mit Regisseur Don Siegel aus, so kam es mehrfach zu offenen Streitereien.

Ursprünglich sollte Elizabeth Taylor die weibliche Hauptrolle übernehmen, die wurde allerdings verworfen, weil Universal nicht bereit war Taylors hohe Gage zu bezahlen.

 

8/10
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Kommentare

09.08.2017 13:10 Uhr - Tom Cody
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"Sagen Sie mal, Schwester...haben Sie mich vorhin ein 'versoffenes Schwein' genannt?"

Schöne Kritik zu einem netten Western von Eastwood. Keines seiner großen Werke aber durchaus unterhaltsam. Bei mir würde der Film mit fairen 7/10 Punkten davonkommen. Die Selbstironie, die ja bereits im Originaltitel deutlich wird ("ZWEI Mulis für Schwester Sara") geht beim deutschten Titel natürlich komplett verloren.

Am Anfang des Films dominiert Eastwood's Figur die Szenerie noch komplett wie Sergio Leones "Mann ohne Namen", diese Selbstsicherheit und Überlegenheit wird dann aber Schritt für Schritt (und für den Zuschauer recht amüsant) demontiert.

09.08.2017 13:46 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 5
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 429
Sehr schön, Horatio, ich freu mich so, dass du jetzt so eine Westernliebe entwickelst. Ich stimme Tom hier zu, 8 würde er bei mir auch nicht ganz schaffen. Aber, so what... Mein Lieblings-Siegel bleibt übrigens neben "Dirty Harry" und "Charley Varrick" das Alltime-Original "Invasion of the Body Snatchers"

09.08.2017 14:38 Uhr - Horace Pinker
1x
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Vielen Dank an Tom Cody und TheRealAsh, freut mich das auch dieses Review euch gefallen hat.
Tom: Finde den deutschen Titel ebenfalls weniger schön. Die verwendete Selbstironie und Komik ist auch der größte Pluspunkt des Films.
Ash: Schön das meine Filmwahl gut bei dir ankommt :) Was die Bewertung angeht, macht ein Pünktchen mehr oder weniger ja auch nicht gerade einen Riesenunterschied. Von Don Siegel kenne ich bisher übrigens nur die Eastwoodfilme (und von Invasion of the Body Snatchers nur die Version mit Jeff Goldblum und Donald Sutherland, die ich ziemlich gut finde), bei Gelegenheit wird aber vlt. noch der ein oder andere Titel nachgeholt.

09.08.2017 16:33 Uhr - Pratt
1x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Pratt 8.874
Schönes, lesenswertes Review zu einem der ersten Filme mit Clint Eastwood, die ich je gesehen haben. Starkes Zusammenspiel von Clint und Shirley MacLaine, fand und finde den immer gut, mind. 8 Punkte von mir!!! Wie so häufig geht in der Synchronisation viel Kontext und Humor verloren... Liz Taylor hätte glaube ich nicht in die Rolle gepasst, "zum Glück" wolllte sie zuviel Kohle!!

09.08.2017 17:49 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.065
09.08.2017 16:33 Uhr schrieb Pratt
Schönes, lesenswertes Review zu einem der ersten Filme mit Clint Eastwood, die ich je gesehen haben. Starkes Zusammenspiel von Clint und Shirley MacLaine, fand und finde den immer gut, mind. 8 Punkte von mir!!! Wie so häufig geht in der Synchronisation viel Kontext und Humor verloren... Liz Taylor hätte glaube ich nicht in die Rolle gepasst, "zum Glück" wolllte sie zuviel Kohle!!

Vielen Dank fürs Lob Pratt.

10.08.2017 09:45 Uhr - NoCutsPlease
1x
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User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.175
Unser lieber Horace wandelt zwar noch nicht einmal ein Vierteljahrhundert auf unserer Erde, beweist aber immer wieder sein Gespür für gute alte Filme. :)

10.08.2017 12:45 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.065
10.08.2017 09:45 Uhr schrieb NoCutsPlease
Unser lieber Horace wandelt zwar noch nicht einmal ein Vierteljahrhundert auf unserer Erde, beweist aber immer wieder sein Gespür für gute alte Filme. :)

Danke dir NoCuts! Imho spielt das eigene Alter bei der Filmwahl (und auch in vielen anderen Bereichen) nicht unbedingt eine übergeordnete Rolle, so bevorzugen auch einige Personen aus meinem ungefähr gleichaltrigen Freundeskreis gestandene Klassiker vor dem neuesten Hollywoodblockbuster (auch wenn es natürlich durchaus hervorragende Filme neueren Datums gibt und sicherlich auch jene jungen Leute existieren für die leider alle vor 2000 entstandenen Filme quasi nicht existent sind).

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