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dicker Hund
Level 10
XP 1.492
Eintrag: 14.09.2017

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American History X

Herstellungsland:USA (1998)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,10 (105 Stimmen) Details
inhalt:
Nach der Ermordung seines Vaters sucht Derek Vergeltung, er beteiligt sich an rassistischen Anschlägen. Eines Tages enden diese mit einem brutalen Mord. Derek kommt für drei Jahre ins Gefängnis, als er entlassen wird schämt er sich für seine Vergangenheit. Zu seinem Entsetzen muss Derek feststellen, dass sein kleiner Bruder inzwischen auch Anhänger einer rechtsradikalen Gruppe ist. Wird er seinen Bruder davon abbringen den gleichen Fehler zu begehen?
eine kritik von dicker hund:

Tom Kaye drehte sechs Jahre nach dem australischen Frühwerk "Romper Stomper" einen der bekanntesten Neonazifilme überhaupt: "American History X". Es handelt sich um eine Reflektion über die verführerische Demagogie der extremen Rechten und ihre destruktive Auswirkung, welche im Resultat auf Aussteigerperspektiven aufmerksam machen möchte. Das geschieht anhand ausgefeilter Charaktere, die eine gewisse Ambivalenz aufweisen und dadurch weder eine unkritische Haltung der Regie, noch den bei solchen Produkten zu befürchtenden erhobenen Zeigefinger auf der Sollseite haben.

Hauptfiguren sind die Halbwaisen Derek und Danny. Ersterer wird von Edward Norton gespielt, der später noch als der Erzähler im "Fight Club" überzeugen sollte. Hier glänzt er mit aggressiver Körpersprache und dem hochfrequenten war wording, ohne dass er vor lauter fanatischer Agitation den Blick für die später bestehenden Herausforderungen an seine berufliche Kompetenz verlieren würde. Die Darstellung der Väterlichkeit des um Nachholung seiner Vorbildfunktion bemühten großen Bruders scheint ihm sogar recht leicht von der Hand zu gehen. Vom jüngeren Danny wird der in der militanten Gang populär gewordene Sträfling ganz schön bewundert. Edward Furlong schaut zu ihm auf wie schon zum "Terminator" Arnold Schwarzenegger beim zweiten Durchlauf des Sci-Fi-Franchises. Seine Zerrissenheit zwischen unbändiger Kraft, Stolz, Trotz, Unsicherheit und Verzweiflung ist ein anspruchsvolles, buntes Spiel, welches er ebenso gekonnt meistert wie die Set-Designer das Zimmer des Jugendlichen beeindruckend zu schmücken geschafft haben. Hier finden sich reichlich Haterockband-Plakate und Nazi-Devotionalien, die sich zu den derben Tätowierungen der Faschisten gesellen.

Die Umgebung der Protagonisten besteht aus einer Familie auf engem Wohnraum mit nunmehr alleinerziehender Mutter in dem von einem hohen Migrationsanteil geprägten, randständigen Viertel. Die pointierten Tiraden gegen die vermeintlich naive Haltung der Obrigkeit zu den angeblichen Feinden der weißen Rasse klingen hier wie ein Weckruf, wie ein mächtiges Signal zum Aufbruch aus dem Elend. Dass der Inhalt der Parolen nur von ihren wenig hilfreichen Konsequenzen ablenkt, bringt Dr. Sweeney als engagierter Lehrer mit einem überaus weisen Filmzitat auf den Punkt, in welchem es um den Denkanstoß geht, welche Fragestellungen für die Lebensführung denn nun die richtigen sein könnten. Avery Brooks, bekannt als Hawk aus der TV-Serie "Spenser", lässt dessen intellektuelle Ausstrahlung streng, überlegen und doch sympathisch erscheinen. Gerade die überhaupt nicht den verzerrten Klischees der radikalen Propaganda entsprechenden Schwarzen wie er und Dereks Mitinsasse Lamont (eine friedensstiftende "Real"-Version von Eddie Murphy: Guy Torry) führen die mit faszinierender Vehemenz vorgetragenen Hetzbotschaften der haarlosen Hasser implizit ad absurdum.

Deren Aktivitäten bieten den obligatorischen Raum für Explizites, was neben inbrünstig herausgebrüllten Pfui-Wörtern wie "Itzig" auch Schund-Freunde wie den Autor hinreichend lockt, um sich einmal mit etwas gehaltvollerer Kost zu befassen. Das eingangs rüde Gepoppe zwischen Derek und seiner Reenie-Freundin Stacey (geradezu psychotisch wütend: Fairuza Balk) geriet für US-Mainstream-Verhältnisse reichlich zeigefreudig, während die flüchtig inszenierte Männerknast-Duschenvergewaltigung eher Übelkeit als Erotik vermitteln dürfte (Sex 4/10). Ebenso wie jene in recht kurz gehaltenen Stößen gezeigt wird die rassistisch motivierte Gewalt (5/10), die dennoch rabiat die ruhigeren Passagen kontrastiert. Rechtsrock steht am Rande solcher Eskalationen bereit, während orchestrale Töne den melodramatischen Teil begleiten. Letzterer drückt manchmal ein wenig zu bemüht auf die Tränendrüse, was schon bei dem eingangs erwähnten Genrekollegen mit Russel Crowe nicht so recht funktioniert hat, hier allerdings dank der vorzüglichen Schauspieler weniger verärgert. Es entsteht insbesondere nicht der aus dem Vergleichsobjekt in unangenehmer Erinnerung gebliebene Eindruck eines fehlgeleiteten Weichspül-Pfades, der das Thema aus den Augen zu verlieren scheint. Vielmehr bleiben der Ernst und die Schockwirkung des Films durch krasse Ereignisse wie jenes am (dezent unglaubwürdigen) Ende konstant, so dass "American History X" sicher nichts für schwächere Nerven ist (Horror 4/10).

Der nonlineare Erzählstil mit seinen zahlreichen Rückblenden in Schwarz/Weiß schwächt den Eindruck einiger der härteren Szenen sicherlich ab und ist auch sonst ein bißchen gewöhnungsbedürftig, gibt dem visuellen Gesamtbild aber eine erhabene, inszenatorisch fortgeschritten wirkende Aura. Selbst nach mehrmaligem Anschauen und sogar in der deutschen Synchro regt der Film trotz seiner leicht anstrengenden Melancholie immer wieder zum Nachdenken an - und ist in der gegenwärtigen politischen Gemengelage in seinem Ursprungsland wieder aktueller geworden. Damit ist und bleibt er ein hervorragender Beitrag zum Sujet (9/10 Punkten). Fassungsinteressierte mögen vielleicht noch den langen Schnittbericht zur Rohschnittfassung und zur Entstehungsgeschichte lesen; die FSK-16-Version kann jedenfalls als ungeschnitten angesehen werden, auch dort, wo sich jemand ganz schön durchbeißen muss (Insider).

9/10
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Kommentare

14.09.2017 10:39 Uhr - naSum
4x
User-Level von naSum 10
Erfahrungspunkte von naSum 1.351
Da hast du die haarlosen Hasser ganz schön am Schopf gepackt. Deutliche Schreibe mit sorgfältig herausgelesenen Hintergründen.





ACHTUNG SPOILER:


Zum konstruierten Ende muss ich sagen, dass es doch die Aussteigerthematik sehr torpediert, da es als Auslöser des Hasses Edward Norton zurück zum Anfang bringen könnte...
Oder man sagt deutet ihm die nicht ganz vollzogene Abkehr Edward Furlongs zu und den Einfluss den die radikale Szene noch immer auf ihn hat.
Bin mir da immer etwas unschlüssig geblieben.


SPOILER ENDE

14.09.2017 11:42 Uhr - JasonXtreme
3x
DB-Helfer
User-Level von JasonXtreme 12
Erfahrungspunkte von JasonXtreme 2.291
Dem kann man nichts hinzufügen - hervorragende Arbeit!

14.09.2017 19:41 Uhr - TheRealAsh
3x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 451
Hervorragende Arbeit, Hundefreund. Ich muss leider gestehen, dass ich schon so viel über diesen Film gehört habe, ihn aber nie gesehen. Ich weiß, dass das gar nicht geht und gelobe Besserung.

14.09.2017 22:42 Uhr - tschaka17
1x
User-Level von tschaka17 5
Erfahrungspunkte von tschaka17 406
Den Film habe ich auf Empfehlung eines Kollegen erst vor einigen Monaten das erste Mal gesehen und war total geflasht und brauchte danach erstmal ne Minute zum Verdauen. Der Streifen rüttelt einen richtig durch!

Für mich hat der Schwarz-Weiß-Stil manch heftige Szenen sogar eher noch verstärkt. DIE Szene kannte ich ja auch schon vorher, aber im Filmkontext und dann so nüchtern ohne Farbe ist das schon echt heftig gewesen.

@TheRealAsh: Ich hab auch lange gebraucht American History X zu sehen, aber der ist es definitiv wert!

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