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dicker Hund
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Eintrag: 18.09.2017

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Schlappe Bullen beißen nicht

Amok Train - Fahrt ins Nichts

(Beyond the Door III)
Herstellungsland:Italien, USA, Jugoslawien (1989)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror
Alternativtitel:Death Train
Evil Train

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,21 (14 Stimmen) Details
inhalt:
Ein böses Omen kündet vom Ende des Jahrtausends.Die Studienreise einer Gruppe amerikanischer Studenten nach Osteuropa wird zu einer Reise des Grauens.Die ahnungslose Beverly ist durch ihr Geburtsmal zur Braut des Teufels auserkoren,welcher schon auf ihren jungfräulichen Körper wartet.Keine irdische Macht kann die Todesfahrt des Amok Trains stoppen.Die Schmerzensschreie der Passagiere vermischen sich mit dem infernalischen Getöse berstenden Metalls und der Zug wird nicht eher stoppen,bis das grausame Ritual vorüber ist.
eine kritik von dicker hund:

Jeff Kwitny gehört mit Sicherheit nicht zur Prominenz unter den Horror-Regisseuren, und vor "Hostel" waren amerikanisch dominierte Genre-Produktionen mit Drehorten in Osteuropa auch nicht gerade verbreitet. Schon alleine durch den Schauplatz im ehemaligen Jugoslawien erhält "Amok Train" als Okkult-Flick aus den ausklingenden 80ern den Status eines Sonderlings.

Den hat ebenfalls Hauptfigur Beverly, gespielt von der serienerprobten Mary Kohnert, die ihre Aufgabe hauptsächlich darin sieht, die Außenseiterin betroffen dreinschauen und möglichst labil und blass wirken zu lassen. Allzu ehrgeizig mag dieses Maß an Selbstanforderung nicht sein, dafür wird es aber umfassend erfüllt. Die übrigen Studenten wirken weniger bleich; viel Anderes, als in gruseligen Momenten erschrocken auszusehen, brauchen sie allerdings nicht zu leisten. Ernsthaftes Charisma hat allein Bo Svenson als Professor Andromolek. Seine comichafte Figur gefällt mit plakativen Accessoires und vorgeschobener Umsorgtheit für die Protagonistin, deren Vornamen er gerne mit dem Adjektiv "kleine" verniedlicht. Vielleicht waren es ja seine Auftritte hier und als Sheriff in dem kleinen, aber annähernd feinen "The Bite" aus demselben Jahr, die Tarantino später auf ihn aufmerksam machten, wer weiß?

Jedenfalls führt er die Lernwilligen hier zu einer Sekte aus verschrumpelten alten Leuten in dunklen Gewändern, die in Holzhütten leben und am liebsten Steine im Gleichklang gegeneinanderschlagen. Zur Erholung steht in der Nähe des Dorfes ein vernebelter See bereit, der den laublosen Bäumen Gesellschaft leistet. Dazu ertönen für die Dekade übliche instrumentale Klänge, denen eine gute Prise wuchtige Klassik beigemischt wurde. Durch diese nicht selten unheilschwangere Akustik erhalten einige inhaltlich magere Abschnitte eine atmosphärische Aufwertung, die den Örtlichkeiten das notwendige Maß an Unbehagen beimengt (Horror 5/10). Weil die Anti-Metropole praktischerweise an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden ist, muss bald ein Schauplatzwechsel her zum titelgebenden Zug, der nur alle zehn Stunden (oder so) hält. In ihm verkehren nicht minder runzelige Passagiere, die ihr ausschließlich braunes Gepäck offenbar der sonstigen Farbgebung der Sets anzupassen gedachten. So stellen sich die Amis also Serbien (damals eben als Teil Jugoslawiens) vor. Die dortige Amtssprache beherrscht außer Beverly keiner aus der Gruppe von jungen Leuten, ein Umstand, der durch englische Untertitel zu Bemerkungen in Serbisch verdeutlicht wird. Diese wurden leider mitten ins Bild geklatscht, was angesichts der breiten Balken an den Bildrändern für Unverständnis sorgt.

Die Umsetzung des von der bald wild werdenden Lokomotive gezogenen Gefährts schwankt dagegen zwischen ambitioniert, wenn die sonst schon dynamische Kamera es aus Vogelperspektiven umkreist, und trashig, wenn eine Modelleisenbahn für die Tricks herhalten muss. Letztere überzeugen erheblich besser bei den Goreszenen, die überwiegend durch übernatürlich angehauchte Unfälle im Verkehr entstehen und recht mannigfaltig gerieten, zumal in regelmäßigen Abständen jemand hops geht. Gelegentlich fliegen da schon einmal große und kleine Teile durch die Gegend (Gewalt 6/10). Allzu entsetzt dürften indes die wenigsten Zuschauer darauf reagieren, zumal die eigenwillige Geschichte das Gleisbett zur unfreiwilligen Komik verlässt (Humor 3/10). Mindestens die Blinke-Leuchte mit Donald-Duck-Stimme, die sich als "Lucifer" vorstellt, schreit geradezu nach Assoziationen mit unverschämten Ausreden für Verspätungen und Ausfälle, wie sie die meisten Fahrgäste an diversen Gleisen bereits gehäuft im realen Leben vernommen haben dürften. Wegen Störungen im Betriebsablauf wird der Regionalexpress voraussichtlich (gefühlte) acht Millionen Jahre später eintreffen. Wir bitten um Entschuldigung.

Ähnlich brauchbar wie solche Rechtfertigungen geriet leider der Plot, der ein ganzes Füllhorn von skurrilem Hokuspokus über dem Zuschauer entlädt. Wäre ja kein Problem, wenn die einzelnen Elemente aufeinander abgestimmt worden wären und wenigstens eine verschrobene, doch zumindest konsequente filmimmanente Logik daraus entstünde. Stattdessen levitiert hier ein Gegenstand, erscheinen dort Insekten, werden hüben Menschen besessen und erscheinen drüben magische Wesen. Weniger wäre da mehr gewesen, zumal trotz dieser Überladung manche Abschnitte zäh wirken, nicht zuletzt, weil der Splatteranteil nach rund zwei Dritteln der Spielzeit seinen Höhepunkt erreicht hat und das Finale nicht viel plausibler geschrieben wurde als die Grusellampe aus Entenhausen. Unklar bleibt außerdem, warum ein geradezu dreister Close-Up auf Beverlys Brüste unter der Dusche zu Beginn des Films sein musste, die späteren, anstrengend vorbereiteten Bums-Nummern dann aber ausgeblendet werden, sobald sie sich Schauwerte zueigen machen könnten (Sex 2/10).

Trotz dieser Kritik geht die Fahrt dann unter Anspielung auf den Beititel doch nicht vollkommen ins Nichts. Wie schon vom Kollegen Frank in passenden Worten zusammengefasst, hat das Szenario um die greisen Teufelsanbeter und den besessenen Zug dank gelungener Aufnahmen des professionell gestalteten Sets und ein par Weihwasserbehältern voller Kunstblut immerhin so viel auf der Habenseite, dass es für Genre-Vielseher schon Okay geht (6/10 Punkten). Dem stimmt seit 2016 auch die BPjM zu, die "Beyond the Door III" (unsinniger, irreführender Originaltitel) vom Index erlöst hat.

 

6/10
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Kommentare

18.09.2017 11:10 Uhr - JasonXtreme
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Hähä da hab ich vor Kurzem erst den Trailer auf ner US Trailer DVD gesehen - sah ganz witzig aus. Kannte den bisher nicht, und damals aus der Leihe nie mitgenommen

18.09.2017 11:11 Uhr - TheRealAsh
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leider muss ich bei dem Titel an zeitaktuelle Geschehnisse denken, womit der Film allerdings rein gar nichts zu tun hat.

Gewohnt gekonnte Rezi von der Killerdogge. Du hast schon recht, für Genre-Vielseher geht der schon in Ordnung^^

18.09.2017 11:41 Uhr - naSum
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Starke Vorstellung aber da fahre ich doch lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit.

18.09.2017 13:34 Uhr - (sic)ness_666
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Interessante Vorstellung, auch wenn ich persönlich diese Subwertungen wie "(Gore 6/10)" nicht ganz verstehe bzw. dahintersteige, woran die festgemacht werden bzw. ob oder wie die sich aufs Endergebnis auswirken.
Ansonsten toll geschrieben. Wird vielleicht mal günstig mitgenommen.

18.09.2017 13:55 Uhr - dicker Hund
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18.09.2017 13:34 Uhr schrieb (sic)ness_666
Interessante Vorstellung, auch wenn ich persönlich diese Subwertungen wie "(Gore 6/10)" nicht ganz verstehe bzw. dahintersteige, woran die festgemacht werden bzw. ob oder wie die sich aufs Endergebnis auswirken.
Ansonsten toll geschrieben. Wird vielleicht mal günstig mitgenommen.


Das musste ja mal wieder kommen;-)

Die Subwertungen sollen die Bedeutung der vier Stilmittel für alle von mir besprochenen Filme vergleichbar markieren. Auf das Endergebnis wirken sie sich nicht unmittelbar aus. Das Konzept gibt es auch anderswo, etwa in "Die Angst sitzt neben Dir" oder "Hölle auf Erden", wo zumindest mit "Härte"-Noten gearbeitet wird. Woran ich das festmache? Nun: Ich mache mir die Mühe, Rohheiten, Schlüpfriges, Schocks und Gags zu "zählen" und zu gewichten.

Danke für Eure Kommentare!

18.09.2017 14:06 Uhr - (sic)ness_666
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Anscheined musstest du das schon paar mal erklären. Aber danke für die (wohl wiederholte) Erklärung :)

18.09.2017 15:09 Uhr - Ghostfacelooker
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Das Cover könnte auch aus den 80ern einer Glamrock Band sein^^^

Hm Wuffi macht mal einen auf sarkastisch seitenhiebbespickten Genrekritiker, sehr interessant und lustig formuliert. Vor allem deine Enttäuschung ob der durch die Brüste vorbereiteten und dann doch im Keim zu erstickend drohenden Ekstase war fast schon spürbar. Ein ganzer Kerl im Reviewbereich, dank Chappie, Chapeau alter Knabe!

18.09.2017 18:09 Uhr - Punisher77
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Sehr coole Kritik zu einem Film, dessen Plakat ein echter Hingucker ist. Der Film selbst scheint es leider nicht zu sein ...

19.09.2017 21:50 Uhr - Dissection78
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Da werden Erinnerungen wach!
Ende der 80er, Anfang der 90er gab's eine Menge italienischer Horror-(Co-)Produktionen, die ich oftmals geschnitten auf VHS angeschaut und später unzensiert nachgeholt habe:
"Body Count", "Killing Birds", "Zombie 3", "After Death", "Ghosthouse", "Horror House 2", "Black Zombies", "Troll 2", "Contaminator", "Shakka", "Witchcraft", "Frankenstein 2000", "Tanz der Hexen 2", "Midnight Ride", "Contamination .7", "Lizard - Die totale Mutation", "Nightmare Beach", "Animal Rage", "The Bite", "Die Gruft", "Snake House", "Gates of Hell", "Dead Eyes" etc.pp. Man merkt, ich komme ins Schwärmen, obwohl viel absonderlicher Müll darunter war (und oft - nicht immer! - hatte Joe D'Amato mit seiner Filmirage die Hände im Spiel).
"Amok Train", der zwar nicht aus der Massaccesi-Giftküche stammt, sondern aus der von Ovidio Assonitis ("Mondo Cannibale", "Beyond the Door", "Tentacles", "Piranha II - Fliegende Killer", "Madhouse"), gefiel mir von diesen ganzen Machwerken noch mit am besten. "Aquarius" war allerdings besser.

Klasse Review im typischen, unnachahmlichen "dicker Hund"-Stil :)

26.09.2017 12:17 Uhr - Frank the Tank85
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Liest sich gut :)
Bei mir kam der einen Tick besser weg, aber das passt schon ;-)

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