SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Suche:
Wolfenstein II: The New Colossus 100% uncut englische Version ab 59,99€ bei gameware Böses Spiel mit Zombies Uncut AT-PEGI mit superschnellem Gratisversand ab 39,99€ bei gameware
Pratt
Level 21
XP 9.163
Eintrag: 10.09.2017

Amazon.de


Dolls
Blu-ray 13,99
DVD 9,99



Die Reifeprüfung
Remastered Special Edition
Blu-ray 13,49
DVD 10,99
Amazon Video 9,99

Die Normannen kommen

(The War Lord)
Herstellungsland:USA (1965)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Historie

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Flandern im 11. Jahrhundert: Der normannische Ritter Chrysagon (Charlton Heston) hat die Friesen in die Flucht geschlagen und damit ein Druidendorf vor dem sicheren Untergang gerettet. Doch die Bevölkerung wendet sich gegen ihn, als er sich ausgerechnet in die schöne Brownyn (Rosemary Forsyth) verliebt, die dem Sohn des Stammesfürsten versprochen wurde.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von pratt:

Hintergrund:

Der Film ‚The War Lord – Die Normannen kommen‘ wurde von Oktober 1964 – Januar 1965 nach einigen Budgeteinschnitten für ca. 3.500.000 $ hauptsächlich auf einem Universal Studio Lot in Malibu, an Locations in Marysville und in Colusa County, Kalifornien gedreht. Das Vorhaben im britischen Sumpfland zu filmen, mit hauptsächlich englischer Besetzung fiel ebenso den Budgetkürzungen zum Opfer wie zusätzliche Statisten und einige Drehtage.

Die Hauptrolle übernahm der monumetalfilmerprobte Charlton Heston (Ben Hur, El Cid), neben ihm waren Richard Boone (Das Gewand, Have Gun – Will Travel), Rosemary Forsyth (Der Mann vom großen Fluss) Maurice Evans (The Story of Gilbert and Sullivan, Androkles und der Löwe), sowie Guy Stockwell (Zorro mit den drei Degen, New York Express) und James Farentino (Operation Pazifik, Violent Midnight) zu sehen. Regie führte Franklin J. Schaffner (Der Kandidat, Die verlorene Rose), zuvor waren David Lean und Schauspieler Peter Ustinov vorgesehen. Das Drehbuch beruht auf dem Theaterstück ‚The Lovers‘ von Leslie Stevens. Vom Theaterstück bis zum fertigen Film war es jedoch ein langer Weg, Heston der häufig sehr stark in die Sicherstellung der Finanzierung und Produktion eines Films involviert war, erwarb das Drehbuch 1962, das anfangs involvierte Filmstudio Columbia sprang ab, auch Universal hatte Bedenken, da das Studio ein gut zu vermarktendes Schlachtenepos mit dem „kampferprobten“ Heston im Sinn hatte, diesem jedoch eher eine tragische Liebesgeschichte vorschwebte. Der erste Rohschnitt von Regisseur Schaffner und Heston lief unterschiedlichen Aussagen zufolge ca. 165 min., oder laut Heston sogar 205 min., doch damit war niemand zufrieden Heston fand es gab zu viele und zu lange Schlacht- und Kampfszenen und Universal war die Geschichte und die „Romanze“ zu kompliziert, das Studio wollte laut Heston nur einen großangelegten Busen- und Schlachtenfilm haben, der Rohschnitt gilt als verschollen.  

Der Film startete am 26.11.1965 in den deutschen Kinos, war aus finanzieller Sicht wenig erfolgreich, gehörte aber zeitlebens zu Charlton Hestons Lieblingsrollen.

Story:

Der Film erzählt die Geschichte von Chrysagon, einem normannischen Ritter im 11. Jahrhundert, der ein Lehen an der heutigen belgischen Nordseeküste erhält um dieses vor Angriffen der Friesen zu schützen und zu verwalten. Chrysagon verliebt sich schnell in eine Leibeigene des Dorfes und die Katastrophe nimmt ihren Lauf …

Zum Film:

Auch dieser Film gehört, wie der von mir vor kurzem besprochene ‚Nostradamus‘, zu einer überschaubaren Anzahl von Filmen, die das Leben im Mittelalter (relativ) realistisch einfangen, nämlich düster, dreckig und brutal, als täglicher Überlebenskampf. Ähnliche Darstellungen finden sich unter anderem auch in Paul Verhoevens ‚Flesh + Blood‘, Jean-Jacques Arnauds ‚Der Name der Rose‘ oder auch in ‚Ironclad‘.

Der gesamte Grundtonus des Films ist sehr pessimistisch und schildert ein Aufeinanderprallen von Bevölkerungsschichten und Kulturen, heidnische Eingeborene, Druiden, angeblicher Hexenzauber und Aberglaube, normannische feudale Christen und einfallende, plündernde Friesen, irgendwo dazwischen ein Priester auf verlorenem Posten. Die Stimmung wird noch deutlich verstärkt durch den Wechsel zwischen düsterer und pompöser Musik von Jerome Moross, diese wurde nur sparsam eingesetzt, des Weiteren durch die großartigen Bilder von Russell Metty (Spartacus, Im Zeichen des Bösen), natürlich wurde hier auf Grund des Budgets häufig auf Matte Paintings zurückgegriffen, die man natürlich heutzutage auf hochauflösenden Medium als solche erkennt. Bildtechnisch einer der größten Pluspunkte des Films ist der einsame, nicht mal fertiggestellte Wehrturm im Sumpfland, zwar scheint die Dimension der Innenräume von der äußeren Größe des Turmes abzuweichen, aber die minimale Ausstattung und das Setting machen dieses Manko leicht wett. Man hat versucht relativ detailgetreu das 11. Jahrhundert zu beschreiben und auf die damals übliche Schönmalerei des Mittelalters wird verzichtet. So entsprechen Kleidung, Ausrüstung, Helme und Frisuren weitgehend historischen Tatsachen, gegen den Willen von Universal bestand Heston auf die damals üblichen Topffrisuren und machte sich selbst auf die Suche nach einem geeigneten Kettenhemd, obwohl man ihn bat aus Kostengründen einfach seine Rüstung aus ‚El Cid‘ zu recyceln. Die Authentizität mancher Szenen wurde aber von Historikern und Kritikern bemängelt, so zum Beispiel der Einsatz von Rammböcken und Katapulten, die historisch zu dieser Zeit nicht belegt waren, aber auch nicht ausgeschlossen wurden. Außerdem gibt es keine Belege für „das Recht der ersten Nacht“ (Lus Primae Noctis), vielmehr geht dies auf eine Erfindung der französischen Aufklärung im 16. Jahrhundert zurück, eine Art Hochzeitzoll gab es jedoch schon.(Spoiler) Anstelle einer schönen Romanze wie man sie aus Robin Hood oder König Arthus Filmen kennt, wird das Ganze hier als Besessenheit Chrysagons mit dem Bauernmädchen Bronwyn dargestellt und letztendlich verwundert es nicht, dass diese Darstellung  beim Publikum durchfiel, andererseits verwundert es schon, dass die damaligen Zensoren und das Studio Heston und Schaffner gewähren ließen, als sie hier massiv von damaligen Hollywoodkonventionen abwichen. Der Reiz des Filmes liegt, neben der unkonventionell erzählten Geschichte vielleicht auch darin, dass hier die Geschichte eines Adligen aus der zweiten Reihe und einem unwichtigen, unwirtschaftlichen Lehen erzählt wird und nicht wie üblich die Geschichte eines großen Helden oder Königs. Das Gegenteil ist hier der Fall, der Held, sowie die meisten Charaktere des Films sind desillusioniert, müde und in ihrer Situation gefangen.

Die Darsteller können allesamt überzeugen und Hauptdarsteller Charlton Heston liefert als Chrysagon eine der überzeugendsten Darstellungen seiner Karriere ab, als innerlich zerrissener, seinem Schicksaal ergebener „Held“, mürrisch, hart und trübsinnig, seine Leindwandpräsenz war überwältigend und wie gemacht für mittelalterliche und monumentale Epen. Auch Richard Boone ist erstklassig als treu ergebener Berater, Lehrer und  Vaterfigur Bors und schafft es einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, Hauptdarsteller Heston war da anderer Meinung und hielt Boone für fehlbesetzt. Rosemary Forsyth hat in ihrer ursprünglich für Julie Christie vorgesehenen Rolle wenig mehr zu tun, als jung und unschuldig auszusehen und einige Reize zu setzen, angeblich wurde sogar eine Nacktszene gefilmt. Guy Stockwell kann als Bruder des Protagonisten ebenfalls Akzente setzen und überzeugt als typischer hochnäsiger Adliger. Von den Darstellern fällt lediglich James Farentino (zumindest in der Originalfassung) mit seinem New Yorker Akzent etwas störend auf.

Der Film gehört zu den ersten Filmen überhaupt, die ich gesehen habe, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, was darin liegen mag, dass ich ihn als Kind mit sieben oder acht Jahren, Ende der 80er, heimlich und viel zu spät schaute, als ich allein zu Hause war, Jahre später konnte ich mich nur an die Schlacht um den Wehrturm erinnern und war erneut völlig gefesselt als ich ihn Jahre später endlich wiederentdecken durfte.

Fazit: ‚The War Lord‘ ist ein kraftvoller, intelligenter Film  mit großartigen, satten Technicolorfarben, bildgewaltigen Schlachtszenen und einer unkonventionellen, unglamourösen Geschichte, aus dem Niemandsland im Mittelalter, ich hoffe, dass die ursprüngliche Fassung irgendwann doch noch (wieder-)entdeckt wird.

10/10 möglichen Punkten. (Review No. 12)

Die Reviews beziehen sich immer auf die Originalfassung, niemals auf eine synchronisierte Fassung, die das Filmerlebnis in meinen Augen stark beeinflussen.

P.S. Die bisher beste Fassung des Films gibt es von Eureka Classics auf Blu-Ray & DVD in Großbritannien, die deutsche Fassung von Koch Media ist auch in Ordnung, hat aber bei weitem nicht so ein großartiges Bild und satte Farben. Ich habe versucht möglichst nicht oder wenig zu spoilern, hier zum Teil sehr schwierig.

10/10
mehr reviews vom gleichen autor
die neuesten reviews
Insomnia
tschaka17
9/10
Fire
Punisher77
7/10
Drive
Weltraumgott
10/10
Berlin
Ghostfacelooker
4/10
Sweet
Ghostfacelooker
8/10
Arlo
Ghostfacelooker
7/10
Treevenge
Horace Pinker
8/10

Kommentare

10.09.2017 18:03 Uhr - NoCutsPlease
2x
DB-Helfer
User-Level von NoCutsPlease 22
Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 10.280
Sehr interessantes Review, das Lust auf den Film macht und meiner Meinung nach wird auch nicht zu viel gespoilert. Selbst die felsige Mitrelmeerinsel Malta war mal unter normannischer Herrschaft. Mit Friesen verbinde ich vor allem Otto Waalkes, deshalb kann ich mir die nur schwerlich als kämpfende Krieger vorstellen.
Franklin J. Schaffners Werke sehe ich ohnehin gern ("Planet der Affen", "Patton", "Papillon" und "The Boys from Brazil") und dieser Film könnte auch eine Sichtung vertragen.
Die Blu-Ray-Releases von Eureka sind ohnehin großartig, deshalb wäre das auch meine erste Wahl.

10.09.2017 18:42 Uhr - TheRealAsh
1x
User-Level von TheRealAsh 6
Erfahrungspunkte von TheRealAsh 451
Ja fette Kritik, Pratt-Man. Wieder mal top ausgefallene filmaussahl, ich hab den mal als frühjugendlicher gesehen, aber irgendwie völlig vergessen. Du frischst meine Filmhistorie immer gekonnt auf, klasse

10.09.2017 18:52 Uhr - Pratt
1x
DB-Helfer
User-Level von Pratt 21
Erfahrungspunkte von Pratt 9.163
Danke für euer Lob!!!! Ist recht umfangreich geworden, ich hoffe ist noch ok...

@ NoCuts: Ja, Schaffner hat großes geleistet, meine Favoriten von ihm sind neben diesem hier, Papillon und Planet der Affen absolute Klassiker der Filmgeschichte, muss man (meiner Meinung nach) kennen!!! Die Sichtung lohnt sich!!!

@ TheRealAsh, danke, gehört zu meinen absoluten Favoriten und mir ging es früher genauso, konnte mich immer nur an den Turm erinnern und aber Filme aus dieser Zeit mag auch nicht jeder!!! Ich bemühe mich redlich, habe noch zwei weitere Reviews in der Schleife, nur die Zeit fehlt...

10.09.2017 19:40 Uhr - tschaka17
1x
User-Level von tschaka17 5
Erfahrungspunkte von tschaka17 406
Kenne ich 0 den Streifen, aber 10/10 bringen ihn mal auf die Liste. Zwar nicht ganz mein Genre, aber die Rezi macht doch irgendwie Lust!

Danke also dafür ;)

10.09.2017 20:00 Uhr - Pratt
DB-Helfer
User-Level von Pratt 21
Erfahrungspunkte von Pratt 9.163
@tschaka17, vielen Dank für das Lob. Leider ist der Film nicht sehr bekannt, da er lange Zeit nur ab und zu im Fernsehen verfügbar war. Man muss schon ein Faible für diese alten Filme haben sonst kann man damit evtl. nicht so viel anfangen (wie ich). Gehört definitiv nicht zum Einheitsbrei dieser Zeit.

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)
SB.com