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Horace Pinker
Level 19
XP 7.326
Eintrag: 11.09.2017

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Sieben

Gemini - Tödlicher Zwilling

(Sôseiji)
Herstellungsland:Japan (1999)
Genre:Horror, Drama, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Gemini
Gemini - Mörderischer Zwilling
Gemini - Zwillinge

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details
inhalt:
Japan zu Beginn des 20sten Jahrhunderts. Yukio (Masahiro Motoki), ein junger und erfolgreicher Arzt, gerät in starke Zweifel über die Identität seiner jüngst kennen gelernten und scheinbar an Amnesie leidenden Frau Rin (Ryo), als es zu unheimlichen Todesfällen im Hause seiner wohlhabenden Familie kommt. Die mysteriösen Vorfälle scheinen in irgendeiner Weise mit einem benachbarten, seuchengeplagten Slum in Verbindung zu stehen, einer Gegend, die Yukio und andere Personen aus seinem aristokratischen Umfeld wie die Pest meiden und deren Bewohner sie allesamt als minderwertig ansehen. Da taucht plötzlich ein Mann auf, der Yukio zum Verwechseln ähnlich sieht, und wirft ihn in einen ausgetrockneten Brunnen hinter dem Anwesen. Während Yukio dort langsam den Verstand zu verlieren droht, beginnt der Doppelgänger, das Leben des Arztes zu übernehmen...
eine kritik von horace pinker:

Der japanische Regisseur Shin'ya Tsukamoto , welcher vor allem durch seine Tetsuo Reihe Bekanntheit erlangte, zeichnet sich durch seinen ganz eigenen Stil aus. Dazu gehören meist eine hyperkinetische Optik, schnelle Schnittfolgen, Body Horror Elemente und die Beschäftigung mit dem Ballungsraum Großstadt. Dass er auch anders kann beweist Tsukamoto mit dem 1999 erschienenen Sôseiji, einem Horror Drama im historischen Gewand.  Multitalent Tsukamoto übernahm nicht nur die Regie, sondern verfasste basierend auf einer Kurzgeschichte des Autors Rampo Edogawa auch das Drehbuch und  zeichnete sich außerdem für die Kameraarbeit und den Schnitt verantwortlich. SPOILER  Die Geschichte spielt im Japan des 19. Jahrhunderts und dreht sich um den erfolgreichen und wohlhabenden Arzt Yukio. Eines Tages häufen sich seltsame Ereignisse im Haus der Familie und Yukios Eltern versterben auf mysteriöse Weise. Schließlich trifft Yukio auf einen mysteriösen Doppelgänger, welcher ihn in einen Brunnen wirft und sein Leben übernimmt. SPOILER ENDE

Die grundlegende Geschichte ist durchaus interessant geraten und hat auch eine Vielzahl von überraschenden Wendungen  zu bieten. Tsukamoto entwirft dabei ein interessantes und ungeschöntes  Portrait der Zeit und stellt vor allem den Abgrund zwischen Arm und Reich einprägsam dar, etwa durch den starken Kontrast zwischen des luxuriösen Grundstücks von Yukios Familie mit den heruntergekommenen Armutsvierteln. Auch die Figurenzeichnung ist durchaus tiefgreifend und recht dreidimensional, so gibt es kein eindeutiges Gut-Böse Schema, sondern alle Figuren haben sowohl ihre liebenswerten Eigenschaften als auch Schattenseiten (so behandelt Yukio etwa unentgeltlich einfache Soldaten, weißt aber ein krankes Kind ab um sich stattdessen um den verletzten Bürgermeister zu kümmern).  Die Dramatik entsteht dabei vor allem durch die Konstellation von Yukio, seinem Widersacher und seiner Frau bzw. der Beziehung zueinander, welche u.a. durch Verrat, Lügen, Hass, aber auch Zuneigung und Wehmut geprägt ist. Die Horrorkomponente ist eher klassischer Natur und gemahnt etwa an die Stimmung der Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe (besonders der Vergleich zu William Wilson drängt sich aufgrund der ähnlichen Thematik auf). Schrecken und Grusel kommen dabei zum Großteil weniger aus physischer Gewalt, sondern sind eher psychologischer Natur, was meist durchaus gut funktioniert. Das Erzähltempo ist dabei, trotz der vergleichsweise kurzen Laufzeit, recht gemächlich und lässt sich Zeit für den allmählichen Spannungsaufbau. Etwas gestört wird das Gesamtbild durch einige etwas alberne bzw. übermäßig theatralische Sequenzen SPOILER  so kommt es etwa ein wenig unpassend, wenn der Antagonist bei seinen Auftritten manchmal Räderschlägt oder seltsam herumtanzt SPOILER ENDE.

Bei der Kameraarbeit  setzt Tsukamoto passend zum hohen Dramenanteil auf ruhige und lange Einstellungen und verwendet seine charakteristischen hektischen und verwackelten Aufnahmen nur nuanciert als Verdeutlichung der  Verzweiflung des Protagonisten. Die musikalische Untermalung ist recht minimalistisch und besteht beinahe ausschließlich aus Variationen  eines gruselig klingenden Vokalstücks.

Wie bereits erwähnt sollte man nicht mit ausufernden Brutalitäten rechnen, von 1-2 etwas blutigeren Mordszenen abgesehen beschränkt sich die visuelle Gewalt auf Andeutungen, die Darstellung der medizinischen Behandlungen und alptraumhafte Bilder der Slums. Erwähnenswert sind noch die recht überzeugenden Make-Up Effekte. Ansonsten darf sich die Hauptdarstellerin mehrfach hüllenlos präsentieren, die jeweiligen Momente sind aber ebenfalls sehr kurz und nicht sonderlich explizit.

Vor der Kamera sticht vor allem Masahiro Motoki (The Bird People of China, Departures) in der Doppelrolle als Yukio Daitokuji  und Sutekichi positiv heraus. Es gelingt ihm die beiden Figuren klar voneinander abzugrenzen sowie, abgesehen von vereinzeltem Overacting als Sutekichi, überzeugend und glaubwürdig die Emotionen und Entwicklungen der Charaktere sowohl in den Dialogen als auch mittels Mimik und Gestik zu verkörpern. Eine weitere tolle schauspielerische Leistung kommt von Ryô (Alive, Azumi) als Rin. Sie schafft es dabei sowohl ihre innere Zerrissenheit durch die Hingezogenheit zu beiden Männern, ihre Schuldgefühle und den allmählichen Abstieg in Verzweiflung und Irrsinn passend zu vermitteln. Die restlichen Darsteller sind weitestgehend unbekannt und haben nur kleinere Rollen inne, welche sie befriedigend ausfüllen, die Ausnahme ist der recht berühmte Tadanobu Asano (Ichi the Killer, Zatoichi), welcher in einer Nebenrolle als rachsüchtiger Mann zu sehen ist.

In Deutschland erschien der Film unter dem Titel Gemini und bekam von der FSK in der ungekürzten Fassung eine 12er Freigabe.

Sôseiji ist zwar nicht unbedingt Tsukamotos beste Arbeit, kann aber trotzdem durch die gut gewichtete Mischung aus mitreißendem Drama und angenehm klassischem Grusel, einer packenden Story und einem fähigen Hauptdarsteller überzeugen. Dafür gibt es von mir 7/10 bösen Zwillingen.

 

Zusatzinfos: Allen Darstellern wurde Make-Up aufgetragen um ihre Augenbrauen zu verbergen.

Für die Brunnenszenen wurde  ein lebensgroßes Set gebaut, welches durch entfernbare Teile sowohl für nach oben als auch nach unten gerichtete Aufnahmen ausgerichtet war.

7/10
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Kommentare

11.09.2017 04:00 Uhr - Laughing Vampire
1x
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Eine schöne, informative Kritik zu diesem Film. Ich muß zugeben, daß ich mit Tsukamotos Filmen bis auf die ersten beiden Tetsuo-Beiträge, die ich wirklich liebe, nur wenig anfangen kann. Irgendwie ist mir sein Stil immer zu "limitiert", er kann mich einfach nicht überraschen. Schwierig zu erklären. Seit dem wirklich grausam schlechten Tetsuo 3 habe ich seine aktuellen Werke zudem ignoriert, obwohl ich vielleicht durchaus mal einen Blick auf sein "Nobi"-Remake werfen sollte. Aber auch diesen Film hier finde ich eher solala.

11.09.2017 10:16 Uhr - Horace Pinker
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.326
11.09.2017 04:00 Uhr schrieb Laughing Vampire
Eine schöne, informative Kritik zu diesem Film. Ich muß zugeben, daß ich mit Tsukamotos Filmen bis auf die ersten beiden Tetsuo-Beiträge, die ich wirklich liebe, nur wenig anfangen kann. Irgendwie ist mir sein Stil immer zu "limitiert", er kann mich einfach nicht überraschen. Schwierig zu erklären. Seit dem wirklich grausam schlechten Tetsuo 3 habe ich seine aktuellen Werke zudem ignoriert, obwohl ich vielleicht durchaus mal einen Blick auf sein "Nobi"-Remake werfen sollte. Aber auch diesen Film hier finde ich eher solala.

Danke Laughing Vampire, freut mich das dir mein Review trotz abweichender Einschätzung des Films gefallen hat. Ich mochte bisher fast alle bisher gesichteten Werke Tsukamotos sehr gerne und fand keinen richtig schlecht, neben Tetsuo haben mir etwa Haze und der erste Nightmare Detective Teil sehr gut gefallen. Fires on the Plaine finde ich auch sehr interessant und will ich definitiv noch nachholen, leider gibt es aber meines Wissens nach noch keine europäische DVD oder Blu-Ray Veröffentlichung, außerdem will ich noch Hiruko the Goblin nachholen, der sehr unterhaltsam klingt.

11.09.2017 14:01 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Aufschlussreiche Kritik zu einem recht interessant klingenden Film. Horrordramen der zahmeren Art treffen durchaus meinem Geschmack, den behalte ich also mal im Hinterkopf.

11.09.2017 16:04 Uhr - Horace Pinker
1x
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11.09.2017 14:01 Uhr schrieb NoCutsPlease
Aufschlussreiche Kritik zu einem recht interessant klingenden Film. Horrordramen der zahmeren Art treffen durchaus meinem Geschmack, den behalte ich also mal im Hinterkopf.

Vielen Dank fürs Lob NoCuts, schön das ich dein Interesse an Gemini wecken konnte. Nach evtl. Sichtung kannst du mit gerne eine PM mit deinen Eindrücken schicken.

11.09.2017 18:59 Uhr - Ghostfacelooker
1x
User-Level von Ghostfacelooker 14
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 3.087
Erinnert in seiner Zurückhaltung und vielleicht wegen deiner Sichtweise ein wenig an Pieta finde ich, aber bestimmt ein interessantes Werk, danke für das Review

12.09.2017 11:20 Uhr - Horace Pinker
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.326
11.09.2017 18:59 Uhr schrieb Ghostfacelooker
Erinnert in seiner Zurückhaltung und vielleicht wegen deiner Sichtweise ein wenig an Pieta finde ich, aber bestimmt ein interessantes Werk, danke für das Review

Vielen Dank Ghostfacelooker, wenn Machart und Geschichte für dich interessant klingen riskiere ruhig mal einen Blick, es gibt übrigens auch eine Verleihfassung falls du ihn dir nicht gleich kaufen willst.

12.09.2017 11:36 Uhr - Ghostfacelooker
1x
User-Level von Ghostfacelooker 14
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12.09.2017 11:20 Uhr schrieb Horace Pinker
11.09.2017 18:59 Uhr schrieb Ghostfacelooker
Erinnert in seiner Zurückhaltung und vielleicht wegen deiner Sichtweise ein wenig an Pieta finde ich, aber bestimmt ein interessantes Werk, danke für das Review

Vielen Dank Ghostfacelooker, wenn Machart und Geschichte für dich interessant klingen riskiere ruhig mal einen Blick, es gibt übrigens auch eine Verleihfassung falls du ihn dir nicht gleich kaufen willst.


Klingt seltsam, aber in unserem Breitengrad ist nichts mehr mit Verleih, ausser online^^^^^^

12.09.2017 13:28 Uhr - Horace Pinker
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.326
12.09.2017 11:36 Uhr schrieb Ghostfacelooker
12.09.2017 11:20 Uhr schrieb Horace Pinker
11.09.2017 18:59 Uhr schrieb Ghostfacelooker
Erinnert in seiner Zurückhaltung und vielleicht wegen deiner Sichtweise ein wenig an Pieta finde ich, aber bestimmt ein interessantes Werk, danke für das Review

Vielen Dank Ghostfacelooker, wenn Machart und Geschichte für dich interessant klingen riskiere ruhig mal einen Blick, es gibt übrigens auch eine Verleihfassung falls du ihn dir nicht gleich kaufen willst.


Klingt seltsam, aber in unserem Breitengrad ist nichts mehr mit Verleih, ausser online^^^^^^

Schade, dann habe ich wohl Glück das es bei mir in der Region noch viele Videotheken gibt (allein in Berlin 12 Videoworlds, dann noch jeweils eine Filiale in Potsdam und Cottbus). Ich benutze kaum Online Angebote, darum kann ich nichts genaues dazu sagen, könnte mir aber wegen der 12er Freigabe gut vorstellen das du den auch problemlos online sichten kannst.

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