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Punisher77
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Eintrag: 01.10.2017

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Wie tollwütige Hunde

(Come cani arrabbiati)
Herstellungsland:Italien (1976)
Genre:Action, Krimi

Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,67 (3 Stimmen) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                 WIE TOLLWÜTIGE HUNDE

Wie Tollwütige Hunde (1976) ist ein hierzulande eher unbekannter Poliziottesco; er kam weder ins Kino, noch erschien er auf Video. Der Film wurde von Mario Imperoli (1931 – 1977) gedreht, verantwortlich für so anspruchsvolle Filmkunstmeisterwerke wie Kesse Teens – Die Erste Liebe (1974) und Teenager Lieben Heiß (1975), und auch die Besetzung dürfte zunächst keine Freudensprünge provozieren, besteht sie doch hauptsächlich aus selbst für den erfahrenen Genrekenner unbekannten Namen wie Piero Santi alias Jean-Pierre Sabagh, der es laut IMDb auf gerade mal sechs Credits als Schauspieler bringt und letztmalig im Erotikstreifen Blue Erotic Climax (1980) zu sehen war. Weitere Cast-Mitglieder sind Annarita Graputto (Magnum Cop, 1978), Cesare Barro (Deported Women Of The SS Special Section, 1976) und Luis La Torre (Eine Jungfrau In Blue Jeans (1975). Paola Senatore kennt man dagegen eher aus Genrestreifen wie Salon Kitty (1976) und Lebendig Gefressen (1980). Hat es sich – angesichts dieser zunächst wenig beeindruckenden Namen – gelohnt, dass Camera Obscura den Film in einer liebevoll gestalteten DVD/Blu Ray-Edition (allerdings ohne deutsche Synchronisation, da es keine gibt) veröffentlicht hat, oder gehört Wie Tollwütige Hunde eher zu den Filmen, die man lieber in den Archiven hätte verstauben lassen sollen?

Zunächst ein paar Worte zur Handlung. Der frustrierte Kommissar Paolo Muzi (Jean-Pierre Sabagh) verfolgt eine Bande von Verbrechern, die scheinbar wahllos rauben und morden. Seine Ermittlungen führen den Kommissar zu dem jungen, arroganten Schnösel Tony Ardenghi (Cesare Barro) und seinen Freunden. Da Ardenghis Vater allerdings reich und einflussreich ist, ist es im Grunde unmöglich, dem Trio etwas anzuhaben …

Eine Bande von jungen, gewalttätigen Verbrechern, gedeckt durch einen scheinbar übermächtigen Vater … ein Gewirr aus Korruption … ein einsamer, frustrierter Polizist, der allein auf weiter Flur steht … Wie Tollwütige Hunde hat alle Zutaten für einen spektakulären, brutalen Rache/Selbstjustiz-Actionreißer im Gewand eines italienischen Polizeifilms, mit vielen unschönen Hinrichtungsmethoden für die Schurken. Doch genau von diesen Erwartungen sollte man sich verabschieden, wenn man Wie Tollwütige Hunde in den Player schiebt.

Der Streifen bietet natürlich eine Dosis Action und er ist auch alles andere als harmlos, allerdings geht Imperiolis Film andere Wege als z.B. einschlägig bekannte Poliziotteschi wie Der Berserker (1974), Die Viper (1975) oder Racket (1976), was jedoch nicht bedeutet, dass Wie Tollwütige Hunde ein misslungener Film ist.

Auch wenn es die Teenie-Sexkomödien in Imperolis Vita nicht unbedingt vermuten lassen, ist Wie Tollwütige Hunde ein durchaus interessantes, zum Teil auch anspruchsvolles Werk. Viele Filmemacher, die sich dem Poliziottesco verschrieben, wollten auf Missstände in der damaligen italienischen Gesellschaft aufmerksam machen und das tut Imperoli auch. So stürzt sich die Witwe eines ermordeten Polizisten aus dem Fenster, der Mangel an Benzin und gerecht bezahlten Jobs wird regelmäßig artikuliert und auch durch die Charakterisierung der Schurken wird deutlich Kritik an der Oberschicht geübt. Der von Cesare Barro absolut glaubwürdig gespielte Tony Ardenghi ist ein skrupelloser Gewaltverbrecher, der aus einem reichen Elternhaus stammt und die menschenverachtenden Lehren seines Vaters Enrico (Herrlich kaltschnäuzig: Paolo Carlini (1922-1979) – Roman Holiday, 1953) begierig aufsaugt. Der von Carlini so überzeugend dargestellte Enrico Ardenghi erklärt seinem Sohn nicht nur seine Welt, sondern bringt ihm auch noch die „richtige“ Vorgehensweise bei, was sich auch in den Gewalttaten des Films widerspiegelt. Denn auch wenn Mario Imperolis Poliziottesco bereits über 40 Jahre auf dem Buckel hat, ist er auch aus heutiger Sicht alles andere als harmlos und bietet blutige Kopfschüsse und eine „Home Invasion“-Szene, die gern benutzt wird, um auf Parallelen zu Stanley Kubricks Meisterwerk Clockwork Orange (1971) hinzuweisen. Auch wenn diese Szene freilich nicht so virtuos inszeniert ist wie die des Meisters, schlägt sie stilistisch in die gleiche Kerbe und hat auch heute noch das Zeug dazu, ein unangenehmes Gefühl beim Zuschauer zu hinterlassen. Trotzdem werden die Schurken nicht einseitig dämonisiert, sondern auch in alltäglichen Szenen gezeigt, die zeigen, dass die Bösen nicht einfach nur böse sind.

Auf der anderen Seite ist das ohnmächtige Gesetz, verkörpert von Piero Santi, bzw. Jean-Pierre Sabagh. Santi/Sabagh ist wahrlich kein großer Schauspieler und hat nicht einmal halb soviel Charisma wie Cesare Barro, schafft es aber, die Rolle des an Gesetze gebundenen, unzufriedenen Polizisten Muzi halbwegs glaubwürdig darzustellen. Zu seinen stärksten Szenen gehört die, in der er einen Zuhälter verprügelt und dabei außer Kontrolle gerät. Hier wird die fragile Grenze zwischen Gesetzeshüter und Rächer thematisiert, die in Wie Tollwütige Hunde ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Bei all den positiven Aspekten muss aber auch erwähnt werden, dass Wie Tollwütige Hunde auch unübersehbare Schwächen hat, die ihm – meiner Meinung nach – den Zutritt zur „Hall Of Fame“ des Poliziottesco verweigern.

So verfügt Wie Tollwütige Hunde über einen wenig eindrucksvollen Hauptdarsteller. Der Film hätte sicherlich keines zweiten Clint Eastwoods oder Charles Bronsons bedurft, aber Santi, bzw. Sabagh wirkt einfach nicht charismatisch genug für seine Rolle und wird von Cesare Barro zum Frühstück verspeist.

Auch wenn Wie Tollwütige Hunde mehr sein will als ein reiner Actionfilm, hätte etwas mehr Action, bzw. Tempo dem Film nicht geschadet. Trotz seiner nicht gerade exorbitanten Spieldauer von 98 Minuten kommt einem Wie Tollwütige Hunde viel länger vor. Hinzu kommt, dass so manche Szene ins Leere läuft. Dazu gehören nicht nur Sequenzen, die das Schurken-Trio näher charakterisieren sollen, aber irgendwie nebensächlich wirken, sondern auch Muzis/Sabaghs Ermittlung im Prostituiertenmilieu, die zwar Gelegenheit bietet, eine Beinahe-Vergewaltigung und ein bisschen nackte (weibliche) Haut zu zeigen, den Film aber sonst nicht großartig weiterbringt.

Es gibt zahlreiche bessere Poliziotteschi als Wie Tollwütige Hunde und Einsteigern in das Genre seien andere Filme (wie die oben genannten) empfohlen, aber nichtsdestotrotz ist Wie Tollwütige Hunde – trotz seines „Exotenstatus“ - ein guter italienischer Polizeifilm, der eingefleischten Genrefans durchaus ein Blick wert sein sollte...Einsteiger sollten jedoch erst zu anderen Streifen greifen, wie z.B. Der Berserker oder Racket.

7/10
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Kommentare

01.10.2017 12:06 Uhr - NoCutsPlease
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Unser Experte für italienische Actionreißer der 70er Jahre hat wieder einmal effektiv zugeschlagen. :)
Bei diesem eher leicht überdurchschnittlich wirkenden Streifen werde ich wohl passen, auch wenn ich mir Poliziotteschi gern mal gebe.

01.10.2017 12:32 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank, NoCutsPlease!
Ja, dieser Film ist tatsächlich nur was für eingefleischte Genrefans und ich habe mir unter diesem Film eigentlich auch etwas anderes vorgestellt. Er ist kein Genreklassiker, aber bereut habe ich die Sichtung des Films nicht.

01.10.2017 14:22 Uhr - dicker Hund
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Ohne Deine tollen Reviews hätte ich keinen so griffigen Überblick über dieses Subgenre, ja nicht einmal Kenntnis davon. Sollte mir der "Berserker" gefallen, werde ich Deine Rezensionen noch einmal nach der zweiten Reihe durchstöbern...

01.10.2017 16:20 Uhr - Punisher77
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Danke, dicker Hund :-).

Hoffe, dass Dir der "Berserker" gefällt. Das war meine "Einstiegsdroge" in ein Genre, das viel zu bieten hat und von dem es so viele Filme gibt, die hier noch nicht erschienen sind.

02.10.2017 14:06 Uhr - TheRealAsh
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nur ganz kurz aus Zeitmangel: super Review und Film, den ich auch sehr mag:-D

03.10.2017 09:20 Uhr - leichenwurm
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Starkes Review, dass mich zum wiederholten male motiviert, mich in dem von mir bisher vernachlässigten italienischem Sub-Genre etwas mehr umzusehen. Allerdings glaub ich bleib ich erstmal bei den von dir empfohlenen Einsteigertiteln. "Racket" z.B. hatte mir echt super gefallen und "Der Bersekrer" oder "Die Viper" kenn ich auch noch nicht ;-) !

03.10.2017 21:02 Uhr - Punisher77
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Auch Euch vielen Dank!

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