![]() | Nosferatu - Phantom der Nacht
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Vergleich zwischen der ungekürzten internationalen Fassung von 2000 und der deutschen Fassung
Beide Fassungen befinden sich auf der britischen Doppel-DVD von Anchor Bay, auf der dt. DVD von Arthaus/Kinowelt befindet sich nur die deutsche Fassung.
Die Zeiten beziehen sich auf die deutsche Fassung in PAL. Die int. Fassung läuft in NTSC-Geschwindigkeit.
Werner Herzogs "Nosferatu - Phantom der Nacht" ist ein Remake von Friedrich Wilhelm Murnaus gleichnamiger Verfilmung von Bram Stoker`s Buch "Dracula" aus dem Jahr 1922!
Die deutsche und englische Fassung unterscheiden sich gravierend, da Herzog den Film zweisprachig produziert hat. Man hat den Film nicht einfach synchronisieren lassen, sondern die meisten Dialogszenen gleich in zweifacher Ausführung drehen lassen.
Gründe dafür:
- Der Cast war international. Nicht alle konnten deutsch, aber alle Englisch. Dennoch mussten einige Schauspieler auf Grund ihres Akzents in beiden Fassungen synchronisiert werden, etwa Roland Topor (Renfield) oder Isabelle Adjani (Lucy). Erfreulicherweise konnte Adjani auf Grund ihrer deutschstämmigen Mutter die deutsche Fassung ebenfalls drehen, auch wenn der Akzent so stark war, dass man synchronisieren musste.
- Herzog verhandelte schon vor dem Dreh mit 20th Century Fox, die die weltweiten Vermarktungsrechte haben wollten. Eine eigenständige englische Fassung bot sich da an. Leider fanden die Amis die Originalfassung etwas arg zäh und lang und so schnitt Herzog 10 Minuten aus der ursprünglichen internationalen Fassung heraus. Im Jahr 2000 veröffentlichte Anchor Bay erstmals die ungekürzte int. Fassung und das gleich auf DVD. Das britische Pendant dient diesem Schnittbericht als Vorlage.
Sieht man sich beide Fassungen an, so kann man folgendes Muster erkennen, nachdem die Fassungen erstellt wurden:
- Fast alle Dialoge und Monologe wurden zweisprachig gedreht.
- Ausnahmen:
- Aufwändige Szenen, die sich nicht so einfach wiederholen ließen.
- Szenen in denen es nicht ersichtlich ist, in welcher Sprache die Szene gedreht wurde, z.B. weil die Kamera zu weit entfernt steht.
- Teile von oder ganze Szenen mit Nebendarstellern wie Renfield oder auch den Zigeunern, die weder englisch noch deutsch sprechen.
- Alle "Ausnahmen" liegen also in englischer Sprache vor! Primärsprache der Produktion ist Englisch!
- Manche Einstellungen haben andere Kamerawinkel.
- Manche Szenen wurden anders konzipiert, d.h. wenn in der dt. Fassung ein Satz in einer Naheinstellung zu sehen ist, dann kann er in der int. Fassung auch in einer Totale gesprochen werden. Es wurde die Einstellungsfolge in einer Szene also nicht immer 1:1 übernommen.
- Sogar auf Details wie Jonathans Tagebuch in der jeweiligen Sprache wurde geachtet.
Unbedingt zu empfehlen sind die Audiokommentare sowohl auf der deutschen als auch der UK-DVD. Hier enthüllt Werner Herzog eine Menge Details zur Produktion, aber auch zu den Fassungen!
Laufzeiten:
DF: 102:02 Min. (Anchor Bay, Ende abgeschnitten) / 102:27 (Arthaus)
INT: 106:49 Min. NTSC
Beispiele für die Unterscheidung von deutscher und internationaler Fassung
| Links: | Deutsche Fassung |
| Rechts: | Internationale Fassung |
Beispiel 1: Titel (01:08 Min.)
Beispiel 2: Englisch als primäre Produktionssprache
Man sieht eine aufwändige Szene auf dem Marktplatz, die wohl aus Aufwandsgründen nicht in allen beiden Sprachen gedreht wurde. Hier wurde die Szene nur auf Englisch gedreht und deutsch nachsynchronisiert (79:05 Min.).
Renfield, gespielt von dem Franzosen Roland Topor ist ein Beispiel für einen Charakter, der in beiden Fassungen wegen des starken Akzents synchronisiert wurde. Seine Szenen wurden nur einmal gedreht und zwar auf Englisch. Wenn in einer Szene andere Charaktere mit ihm spielen, z.B. in der Unterhaltung mit Jonathan Harker, dann gibt es ebenfalls nur eine englische Version (05:47 Min.).
Beispiel 3: Stark veränderte Einstellungen (73:00 Min.)
In diesem Beispiel wird veranschaulicht, dass die gleiche Textpassage mitunter in vollkommen anderen Einstellungen vorgetragen wird. Dracula sagt in beiden Bildern den Satz: "Er wird nicht sterben!" bzw. "He will not die!".
Beispiel 4: Unterschiedliche, aber ähnliche Einstellungen
Im Folgenden einige Beispiele für sehr ähnliche, aber nicht exakte Einstellungen. In dieser Form tritt die Zweisprachigkeit im Film hauptsächlich auf.
Im folgenden Beispiel wacht Lucy zu Beginn des Films aus dem Alptraum auf. Die Einstellung ist in beiden Fassungen etwas verschieden (02:23 Min.).
Sehr häufig aber erkennt man nicht sofort, dass es zwei unterschiedliche Einstellungen sind (82:45 Min./ 73:21 Min. / 77:35 Min.):
Beispiel 5: Unterschiedliche Kamerawinkel (38:38 Min.)
Die Szene, in der Jonathan in sein Tagebuch schreibt, beweist ganz deutlich, dass in einigen Einstellungen verschiedene Kamerawinkel benutzt wurden.
Beispiel 6: Liebe zum Detail (38:39)
Bei der Tagebuchszene sieht man auch die Liebe zum Detail, mit der man den Film gedreht hat. Sogar der Text des Tagebuchs ist in der richtigen Sprache geschrieben.
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