Mutant Chronicles mit Tom Jane und Ron Perlman in den Hauptrollen basiert auf einem beliebten Pen&Paper-Rollenspiel. Dessen Verfilmung war schon länger geplant und wurde sogar Regisseuren wie Stephen Norrington und John Carpenter angeboten. Letztlich wurde es der ziemlich unbekannte Simon Hunter. Lange Zeit war es still um das Projekt geworden, was auch an der langen Postproduktion lag. Sieht man den Film, kann man erahnen, was soviel Zeit gekostet hat. Fast jede Szene ist durchzogen von einem computeranimierten Ambiente. Das schließt eigentlich komplett auch die Effekte mit ein. Genau die jedoch waren der Anlass, dass Verleiher Splendid zwei Versionen des Films auf den Markt brachte.
Die FSK verweigerte der unzensierten Fassung ihr Siegel. Sie deutete die Splattereffekte als zu hart für ihre Richtlinien, obwohl diese mehr als künstlich aussehen. Vielleicht war es auch die Häufung ähnlich gearteter Szenen, die für die Entscheidung sorgte. Die Juristenkomission der SPIO sah das Ganze nicht so eng und gab den Streifen mit einer leichten Jugendgefährdung frei. Mit dem Siegel "keine schwere Jugendgefährdung" war der Film bis zu seiner Indizierung im Februar 2009 (Liste A) im Handel und Verleih als "Uncut Edition" zu finden. Nun ziert vor allem die geschnittene Kaufhausfassung die Regale.
In den USA kam am 4.08.2009 nun eine weitere Fassung des Films heraus, die von Regisseur Simon Hunter als seine Wunschfassung angepriesen wird. Geht man normalerweise davon aus, dass ein Director's Cut mehr Material zu bieten hat als die Kinofassung, ging er bei Mutant Chronicles den umgekehrten Weg.
| "Magnolia have been really great in letting me go back to the cut and removing certain sections I did not like. This is a brand new cut NEVER before seen. I think with the huge rush of finishing the picture we needed a few weeks of screening the movie to audiences - there were always things I did not like in the cut but I have now been able to correct this. This cut is really the movie I want people to see - rough, fun, choppy and lots of b movie fun - [...]" |
Naja, da hat der gute Simon wohl ein bisschen übertrieben. Denn er hat hier weder den Verlauf des Films anders angeordnet oder altes Material durch neues ersetzt, sondern lediglich einige Szenen, die das Tempo aus dem Film genommen haben, herausgeschnitten. Das macht den Film zwar schneller, aber ein Partyfilm wird daraus plötzlich sicher nicht. Man kann für sich selbst entscheiden, ob man nicht einige der entfernten Szenen zum besseren Verständnis nicht vielleicht doch lieber im Film hätte, doch sei's drum. Wann kommt es schonmal vor, dass wir in Deutschland von Anfang an die längste Fassung zur Verfügung haben?
Verglichen wurde der US-Director's Cut von Magnolia Pictures mit der ungeschnittenen SPIO/JK-DVD (keine schwere Jugendgefährdung) von Splendid.
16 Szenen = 617,16 Sekunden bzw. ca. 10 Minuten 18 Sekunden (PAL)
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0:02:04: Die Kinofassung hat eine Einblendung zu bieten, die die Info gibt, dass wir uns im Jahr 2707 befinden.
3,32 Sec.
0:08:35: Die Soldaten sind zu sehen, wie sie sich Gasmasken aufsetzen, einer erbricht sich.
11,6 Sec.
0:16:41: Hier fehlt jetzt die ganze Backstory, wie und warum plötzlich die Mutanten angreifen. Garniert wird das mit Szenen, die das Gesagte begleiten.
Bruder Samuel blättert noch in dem Buch. Dann erzählt er im Off über den Kampf im Himmel und über den "bösen Stern", der den Kampf verlor und auf die Erde fiel. Dieser habe die Menschheit und eine Maschine erschaffen, die den Toten die Seele raubt und sie zu Untoten macht. Die alten Stämme bekämpften den Feind und begruben seine Maschine unter der Erde. Doch das schützende Siegel über dem Grab wurde durch den Krieg zerstört und die Maschine wieder aktiviert. Die Mutanten entkamen aus ihrem Gefängnis und zogen die Körper der Soldaten in das Loch und die Maschine nahm wieder ihren Dienst auf. Sie mutierte die Toten und Sterbenden zu Menschenfeinden.
Selbst die Macht der vier Weltkonzerne konnte sie nicht aufhalten. In den Chroniken steht allerdings geschrieben, dass der Auserwählte in die Grube hinabsteigen und die Menschheit retten werde. Samuel ging zu den Weltkonzernen, um um Unterstützung zu bitten.
154,52 Sec.
0:19:29: Nachdem bei der Kamerafahrt von oben in den Turm die Musik schon geändert wurde (orchestral in der Kinofassung, eher bedrückend im DC), wurde auch der Dialog, in dem Constantine die Anführerin eines anderen Konzerns fragt, wie lange sie noch hätten und sie erwidert, dass es einige Tage seien, ins Off dieser Kamerafahrt gelegt. Im DC fehlt demnach eine unbedeutende Szene, wie Bruder Samuel sich auf den Tisch stützt und Constantine eine Tablette aus einer Schatulle nimmt, gefolgt von dem Dialog, der hier onscreen stattfindet.
14,4 Sec.
0:21:24: Mutter und Sohn flüchten etwas länger vor den Invasoren.
13,92 Sec.
0:26:17: Mitch ist zu sehen, wie er Rookers Frau und Tochter zu Hause aufsucht. Nachdem sie ihn hinein gebeten hat, macht sie ihm einen Tee und sagt, wie sehr er sich doch äußerlich verändert habe. Dann hat Mitch Mühe, ihr mitzuteilen, dass Rooker vermisst wird und vermutlich tot ist. Er liest den steifen Regierungstext vor und man sieht nochmal ein paar Szenen von Rooker aus dem Gefecht. Seine Frau weint und sagt verzweifelt, dass sie ihn in ihren Träumen sehe und dass sie ihm weh täten, er aber nicht tot sei. Mitch sagt hingegen, dass sie solche Gedanken kaputt machen würden und sie auch an ihre Tochter denken müsse. Sie antwortet verbittert, dass man sie sowieso hier sterben ließe und dass sie nicht wisse, was sie ihrer Tochter erzählen solle.
144,28 Sec.
0:30:49: Die Kinofassung zeigt noch die düstere Absicht von Rookers Frau, sich und ihre Tochter durch eine Medikamentenüberdosis umzubringen. Quasi im letzten Moment fällt dann der Briefumschlag mit den Evakuierungspässen durch den Briefschlitz der Tür.
30,68 Sec.
0:33:59: Von Steiner ist skeptisch, doch der Mönch entgegnet, dass die Informationen aus alten Überlieferungen und nicht aus einer Gebrauchsanweisung stammen. Die "Bombe" werde im Mittelteil der Maschine angebracht und die Symbole darauf seien wahrscheinlich Warnhinweise.
18,4 Sec.
0:34:45: Auf Jesus Frage, was passiere, wenn sie den Schlüssel nicht fänden, antwortet der Mönch in der Kinofassung, dass dann die Mission dann fehlgeschlagen sei und alle Männer, Frauen und Kinder auf der Erde sterben würden.
12,36 Sec.
0:39:05: Bruder Samuel hält die letzte Abendmesse samt Mahl ab. Dann erzählt er von Severian, der Hüterin der Chroniken, die sich ebenfalls auf in den Kampf macht, um die Menschheit zu retten.
27,04 Sec.
0:46:29: Mitch fragt den Piloten, wo sie gerade seien. Dieser antwortet, dass sie bald im Imperial-Sektor ankommen. Mitch will dann wissen, was der Pilot mache, wenn er sie abgesetzt habe, ob er vielleicht zu einem anderen Planeten fliegt, doch dieser entgegnet, dass er dafür gar nicht genug Treibstoff hätte. Mitch sagt, dass das für ihn dann ja ebenfalls ein Höllenfahrtskommando wäre, doch der Pilot meint nur, dass der Mensch alles täte, wenn er einen Grund hätte, selbst, wenn er den nicht kenne und dass er sich sonst nicht von den Mutanten unterscheiden würde.
33 Sec.
0:54:34: Die Truppe läuft durch die Stadt und geht in Deckung, als einige Mutanten auftauchen. Jesus macht noch einen Witz und will von Steiner die Bombe abnehmen. Als sie weg sind, wagen sie sich wieder hervor.
58,16 Sec.
0:59:00: Eine Ansicht der Karte fehlt. Juba sagt, dass die Kirche nicht weit entfernt mitten in der Altstadt steht.
4,48 Sec.
0:59:23: Jesus ist noch zu sehen, wie er vulgär zu Boden spuckt.
3,4 Sec.
1:12:40: Valerie fragt von Steiner, für wen seine Tickets seien, nach einigem Bohren holt er sie aus der Tasche und Valerie sagt, dass es ihr leid tue. Danach gibt Bruder Samuel noch einmal seine Glaubensvision zum Besten. Demnach sind die Menschen, die von Gott geschaffen wurden, das Lebendige, während die dämonischen Mutanten das Unlebendige darstellten. Mitch fragt, was sei, wenn man nicht an Gott glauben würde. Bruder Samuel entgegnet, dass Mitch dann gar nicht dabei wäre.
67,76 Sec.
1:39:12: Der Abspann kommt im DC direkt nach dem Fade-Out von Mitch. In der Kinofassung wird zum Sternenhimmel übergeblendet und man sieht noch das Raumschiff fliegen. Diese Einstellung wiederum geht über ein eine Schautafel, die nochmal den Filmtitel zeigt.
19,84 Sec.
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Die ungeschnittene Fassung wurde uns freundlicherweise von Splendid zur Verfügung gestellt.
Cover des Director's Cut von Magnolia Pictures
Cover der ungeschnittenen DVD von Splendid
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Kommentare
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3.
09.08.2009 01:09 Uhr -
LokiBartleby
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Um den Film ansehnlich zu machen, hätte man direkt nach dem Vorspann mit dem Schneiden anfangen müssen, und erst beim Abspann wieder aufhören dürfen.
Totaler Murks. Leider.
Und das lag gar nicht so sehr an der Optik, die zwar gewöhnungsbedürftig, aber alles in Allem doch auch irgendwie fetzig ist.
Die Schauspieler sind so lala, sonderlich ambitioniert wirkten sie alle nicht.
Aber die Story bzw. das Drehbuch sind einfach mal unglaublicher Murks.
Hahnebüchen von vorne bis hinten, alles wirkt irgendwie etwas zusammenhanglos und schlimmer noch: unglaublich öde.
So sehr dem Film eine Straffung gut tun würde, so wenig können ein paar Szenen weniger aus dem Streifen einen launigen Horroractioner machen, da bedarf es schon wesentlich mehr.
Und das Potential wäre meiner meiner Meinung nach durchaus vorhanden, wurde aber durch Skript und Regie gnadenlos verschenkt.
Danke für den Schnittbericht, interessant zu sehen, dass der Regisseur eigentlich etwas weniger murksige Ödnis auf Zelluloid bannen wollte.
Aber auch weniger Murks bleibt halt Murks. Aber sowas ist ja Geschmackssache.
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