Horror- und Actionfilme aus deutschen Landen sind immer so eine Sache. Meist will man dem amerikanischen Vorbild nacheifern und scheitert oft genug grandios, dann wieder versucht man, seinen eigenen Weg zu gehen und scheitert an den Erwartungen, die die Zuschauer mitbringen. Recht ambitioniert kommt die Independent-Produktion Entropie daher. Obwohl der Amateurhintergrund eindeutig zu erkennen ist, kann man die Mühe, die sich das Team dahinter gemacht hat, nicht abstreiten. Es erwartet den Zuschauer hier auch kein handelsüblicher Spielfilm, sondern eine Ansammlung von 5 Episoden, die sich thematisch stark voneinander unterscheiden. Es beginnt mit einem Kronzeugenverhör, das offenbar als roter Faden dienen soll, denn bei drei der vier folgenden Kurzgeschichten wird angedeutet, dass der Zeuge Markus diese dem Polizisten Hellmann berichtet. Aus der Rolle fällt hierbei eindeutig eine futuristisch angehauchte Sci-Fi-Story, die einen namenlosen Krieger mit Gewehr und Machete im Kampf gegen zombieartige Kreaturen begleitet und obgleich hier nicht viel Inhalt übermittelt wird, dürfte sie Gorehounds am meisten zufriedenstellen. Es fällt letztlich aber dennoch schwer, bei dem Ganzen im Finale so etwas wie eine klärende Auflösung auszumachen.
Betrachtet man die Episoden anhand ihrer Schauwerte, wäre das Werk in unzensierter Form wohl doch recht deutlich an der FSK gescheitert, zu stilisiert oder ausgewalzt ist die Gewalt an manchen Stellen. Breitwand Film hat Entropie jedoch auch in ungeschnittener Fassung im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht. Seit dem 13.04.2011 ist die Uncut-Fassung, die hier als "Unrated Director's Cut" bezeichnet wird, zu erwerben. Möchte man sich einen Eindruck von dem Titel machen, sollte man aber auch auf eben diese zurückgreifen, denn die FSK Keine Jugendfreigabe-Fassung ist doch schon recht umfangreich entschärft worden und bietet die relevanten Schauwerte nur noch ansatzweise.
Verglichen wurde die gekürzte FSK Keine Jugendfreigabe-DVD mit der ungekürzten, ungeprüften Screener-DVD (beide von Breitwand Film).
34 Schnitte, 1 x Alternativmaterial = 251,52 Sekunden bzw. ca. 4 Minuten 12 Sekunden
0:13:36: Der Gangster schreit: "Wo die kleine Schlampe ist, will ich wissen!"
3,48 Sec.
0:13:44: Das Verhör wird noch um eine Drohung erweitert: "Hör mal zu, du mieser, kleiner Pisser! Ich werd dir dir Haut vom Gesicht schneiden, wenn du mir nicht sagst, wo sie ist!"
7,32 Sec.
0:15:16: Wie das Messer in der Beinwunde etwas herumgedreht wird sowie eine Ansicht des schmerzverzerrten Gesichts wurde gekürzt. Das Herausziehen des Messers ist hingegen auch wieder in der KJ-Fassung enthalten.
2,64 Sec.
0:15:24: Der Anführer der Killer ist ziemlich ungehalten und brüllt: "Halt du deine verdammte Fresse!"
Killer 1: "Okay, schon gut."
Anführer: "Wenn ihr das nicht vermasselt hättet, dann wären wir überhaupt nicht hier, ihr Idioten!"
6,32 Sec.
0:15:47: Der splatterige Shotgun-Schuss, der das Bein zerfetzt und eine Ansicht des geschockten, blutbespritzten Gesichts, wurde geschnitten.
1,8 Sec.
0:15:53: Der Anführer weist seine Kollegen schreiend an: "Du gehst in den Stall, du gehst ins Haus und ich nehme den Hintereingang!"
4,92 Sec.
0:16:48: Eine kurze, blutige Nahaufnahme, wie das Beil in das Bein geschlagen wird, fehlt.
0,48 Sec.
0:16:52: Der Kopschuss wurde zensiert.
1,36 Sec.
0:19:14: Die nur wenige Frames dauernde Ansicht vom Gesicht, auf das der Hammer zurast, wurde geschnitten.
0,32 Sec.
0:19:47: Pia wird vom Killer beschimpft: "Du miese Schlampe! Ich mach dich fertig! Und ich lass mir Zeit dabei, das kannst du mir glauben!"
6,08 Sec.
0:19:54: Als Pia zu Boden fällt, fließt ihr von dem Schlag Blut aus dem Mund.
4,04 Sec.
0:20:11: Nun spuckt auch der Killer Blut.
2,44 Sec.
0:20:30: Eine Ansicht des Killers mit blutverschmiertem Gesicht fehlt.
3,6 Sec.
0:20:41: Der Bauer schlägt zwei weitere Male auf den im Off liegenden Killer ein, dabei spritzt Blut nach oben.
2,92 Sec.
Alternatives Bildmaterial 0:24:37: Hier verwenden beide Fassungen eine andere Szene. In der Uncut-Fassung gehen die Räuber auf die Kamera zu, dabei setzt Zeitlupe ein, was das Ganze wohl cool machen soll. Die KJ-Version zeigt hier einen der Räuber rauchend am Auto.
Nur die Uncut-Fassung wird hier bebildert. Kein Zeitunterschied
0:35:59: Der Zombie bekommt noch einen zweiten Schuss in den Hals ab.
0,6 Sec.
0:36:11: Tony streckt seine Hand in Richtung seines Kollegen. Währenddessen macht sich der Zombie an seiner geöffneten Bauchdecke zu schaffen.
0,92 Sec.
0:36:23: Der blutige Einschuss am Arm des Zombies fehlt in der KJ-Fassung.
1,04 Sec.
0:36:26: Ein suppender Brustschuss bei einem anderen Untoten musste ebenso weichen.
0,48 Sec.
0:36:42: Wirklich herumgesprochen hat sich offenbar nicht, dass Zombies durch Armschüsse nur unwesentlich aufzuhalten sind. Hier nutzt setzt unser Held die Schüsse aber ein, um dem untoten Widersacher den Arm danach abzureißen und dann die Tür wieder zu verschließen.
6,8 Sec.
0:42:06: Rico zieht sich langsam unter Qualen das Holzstück aus dem Bauch.
24,24 Sec.
42:34: Gedärme fallen aus Ricos Bauchwunde.
7,16 Sec.
0:48:08: Vier Untote sterben im Kugelhagel und erleiden blutige CGI-Treffer.
6,6 Sec.
0:48:21: Der am Boden liegende Zombie wird vom Schützen noch per Nachschuss getötet.
8,84 Sec.
0:50:25: Der namenlose Machetenschwinger enthauptet den Zombie. Aus dessen Torso spritzt ordentlich Blut an die Wand.
3,64 Sec.
0:52:16: Obgleich man hier natürlich Abstriche in Sachen Budget machen muss und daher der CGI-Einsatz sehr offensichtlich ist, ist die Auseinandersetzung zwischen dem Krieger und den 4 Zombies doch recht stylisch geraten. Mit Zeitlupeneinsatz macht er Gebrauch von seiner Machete, was für immense Blutfontänen sorgt. Zum guten Schluss köpft er den letzten Untoten auch noch. Was für ein Kerl.
104,28 Sec.
0:54:32: Der restliche Teil der blutigen Erschießung fehlt. Die Frau fällt getroffen zu Boden.
1,36 Sec.
0:54:37: Der Krieger grinst und senkt seine Waffe, während die Frau am Boden mit dem Tod ringt.
8,4 Sec.
0:54:57: Die Frau hängt an ihrem Leben, anders ist wohl kaum zu erklären, warum der Elitesoldat mehrere Hiebe benötigt, um ihr mit der Machete den Kopf abzutrennen. Er scheint es selbst kaum zu glauben. Blut spritzt umher und es gibt Zwischenschnitte auf die Frau.
13 Sec.
0:55:11: Ein weiterer, kleiner Hieb und der Kopf ist abgetrennt. Er steht auf, hält das Haupt vor sich und betrachtet es einen Moment.
9,04 Sec.
0:55:25: Eine seitliche Ansicht des abgetrennten Kopfs wurde entfernt.
1,48 Sec.
0:55:30: Recht unsanft wirft er den Kopf nach dem Foto noch zu Boden.
2,72 Sec.
1:00:06: Der blutige Kopfschuss bei Oli P. fehlt der KJ-Fassung.
0,88 Sec.
1:12:33: Hellmann spritzt jede Menge Blut ins Gesicht.
1,24 Sec.
1:12:41: Eine Ansicht des entblößten, blutbesudelten Oberkörpers der Frau fehlt.
1,08 Sec.
Die Vergleichsfassungen wurden uns freundlicherweise von Breitwand Film zur Verfügung gestellt.
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In Sachen Independent-Film in Deutschland im Bereich Horror/Thriller gehört das hier definitiv zum Besten. Irgendwie halt besser als Rose, Walz, Schnaas und Konsorten, allein von der Optik. Da darf man mal nen Blick riskieren!
Obgleich man hier natürlich Abstriche in Sachen Budget machen muss und daher der CGI-Einsatz sehr offensichtlich ist
Das hat mich wieder zu dem Gedanken kommen lassen, dass man nicht alles auf Gedeih und Verderb zeigen muss, nur weil man unbedingt will. Wenn man kein Geld für gute digitale Effekte hat, muss man entweder auf den Effekt verzichten oder ihn old school inszenieren. Viele Filme (auch A-Filme) leiden darunter, dass halbgare Billig-CGI die Kreativität im Umgang mit finanziellen und technischen Möglichkeiten verdirbt und so ansehnliche Filme kaputt macht. Also: Digitale Effekte denen überlassen, die es können. Ansonsten einfach mal wieder drauf verzichten.
Sorry aber ich finde die Effekte eigentlich ganz gelungen. Da habe ich schon weitaus schlimmeres gesehen. Der Unterschied zum Independent und einem "richtigen" Film ist eben vor allem das Budget und das KnowHow. Von daher hinken diese Vergleiche doch ganz gewaltig. Man sollte auch solch eine Leistung versuchen zu würdigen, wenn halbwegs passable Effekte und Maken dabei rauskommen. Das ist nicht selbstverständlich. Ich persönlich würde das nie so gut hinbekommen... Für mich ganz klar ein Kaufanreiz.
@Performer: A-Filme (Hollywood, Big Budget). Bei "Entropie" befinden wir uns ja eher im Gewässer der B-Filme.
@Tazman: Es war gar nicht mal so sehr auf diesen Film bezogen, sondern eine allgemeine Anmerkung, die mir beim Lesen des Schnittberichts in den Sinn kam. "Halbwegs passable" Effekte werde ich nie loben. Ich lobe ja auch den Koch im Restaurant nicht dafür, dass das Essen immerhin nicht ganz ungenießbar ist. Entweder man macht es gut oder man versucht andere Wege zu finden.
Einer der schlechtesten Filme des Jahres, und woher kommt er? Genau mal wieder aus Deutschland... Sorry aber hier hatte ich weder Spaß, noch ein Ekelgefühl.
Einfach nur... Schrott!
@rotwang: Schon richtig aber um dein Beispiel aufzugreifen: Wir befinden uns eben in einer Imbissbude und nicht in einem hochwertigen Restaurant. Von daher kann man sagen: Für Fast-Food-Verhältnisse sieht das gut aus. Verglichen mit einem Sternekoch natürlich nicht...