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Wir sind die Millers

zur OFDb   OT: We're the Millers

Herstellungsland:USA (2013)
Genre:Komödie, Krimi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,95 (20 Stimmen) Details
27.12.2013
Mike Lowrey
Level 35
XP 36.797
Vergleichsfassungen
Kinofassung
Label Warner Home Video, Blu-ray
Land USA
Freigabe R
Extended Cut
Label Warner Home Video, Blu-ray
Land USA
Freigabe R
Mit Wir sind die Millers konnte das produzierende Studio Warner Bros. einen stattlichen finanziellen Erfolg an den Kinokassen erzielen, der sich bei einem Budget von 37 Millionen Dollar auf einen weltweiten Erlös von 270 Millionen Dollar beläuft. Dass die Komödie mit Jason Sudeikis, Jennifer Aniston und Emma Roberts mit einem R-Rating () startete, macht zumindest den Erfolg in den US-Kinos noch ein Stück bemerkenswerter in einer Zeit, in der das PG-13-Rating für so viele Produktionen ein unumgänglicher Schritt ist, um ordentlichen Umsatz zu generieren. Der Film ist zwar vorhersehbar, kommt bisweilen aber erfrischend frech daher und verfügt über gutes komödiantisches Timing. Insofern würde auch eine Fortsetzung nicht überraschen oder gar ungelegen kommen.

In den USA erschien der Film auf DVD und Blu-ray mit einem erweiterten Extended Cut im Gepäck. Da Warner Bros. bei eigenen Produktionen keine Unrated-Releases mehr veröffentlicht, wurde auch diese Fassung von der MPAA mit einem R-Rating abgesegnet. Inhaltlich bieten die 8 Minuten durchaus ein paar mehr Schlüpfrigkeiten, man sollte also das Fehlen des "Unrated"-Begriffs nicht überbewerten. In Deutschland bekommen Käufer der DVD und Blu-ray auch den Extended Cut, der wie die Kinofassung ab 12 Jahren freigegeben wurde. Vielleicht für den ein oder anderen Synchro-Fan ein Nachteil ist, dass die Langfassung nur im englischen Original-Ton vorliegt.

Verglichen wurde die Kinofassung (FSK 12 / R-Rated) mit dem Extended Cut (FSK 12 / R-Rated) (beide enthalten auf der US-Blu-ray von Warner Bros.)

30 Unterschiede, davon
20 erweiterte Szenen
4 zusätzliche Szenen
3 erweiterte Szenen mit alternativem Bildmaterial
3 Szenen mit alternativem Bildmaterial

Der Extended Cut läuft 521,08 Sec. bzw. ca. 8 Minuten 41 Sekunden länger als die Kinofassung.

Meldungen:
Wir sind die Millers bekommt einen Extended Cut (04.10.2013)
Wir sind die Millers - Extended Cut kommt nach Deutschland (13.10.2013)

mehr Informationen zu diesem Titel

Erweiterte Szene
0:21:03: Casey geht noch durch den Metalldetektor, doch der schlägt an. Sie muss zurück, greift sich in die Hose und reicht dem Sicherheitsmann ein Intimpiercing. Kenny ist davon so beeindruckt, dass er nervös in den Rücken seines Vordermanns stolpert.
19,24 Sec.


Alternatives Bildmaterial
0:30:33: In beiden Fassungen kündigt David an, dass er eben telefonieren muss und weist Kenny an, ein Auge auf das Gras zu haben. Es gibt jedoch Unterschiede. In der KF verdreht Casey die Augen und folgt vorher noch Rose, wohingegen Kenny noch nervös Konversation mit One-Eye treiben will und sagt: "It's a nice place.", von dem grimmigen Gangster aber nur ein trockenes "Fuck you." zu hören bekommt. Daher auch sein gequältes Lächeln, das man auch in der KF sieht.
Die EX läuft 2,92 Sec. länger

KinofassungExtended Cut


Erweiterte Szene
0:30:59: In der EX schwärmt Brad noch von seiner Eisfigur, die einen Orca zeigt, während Brad auf ihm sitzt und das Atemloch des Killerwals begattet. Er hat den ganzen Tag schon dran gearbeitet.
Die EX läuft 10,2 Sec. länger


Erweiterte Szene
0:31:48: In der EX lenkt Brad beim Telefonat nochmals das Thema auf seine tolle Eisskulptur. Wenn David rechtzeitig von seinem Trip zurück kommt und die Skulptur sieht, wird ihm sicher auffallen, dass die Hoden der einzige Teil sind, der nicht anatomisch korrekt ist. Er habe sie ein bisschen größer modelliert als Tribut an seine Männlichkeit.
16,28 Sec.


Zusätzliche Szene
0:55:04: Die Campfire-Sequenz wird um einen Liederbeitrag der Fitzgeralds bereichert, bei dem die Millers bis auf Kenny äußerst unmotiviert mitmachen. Die Fitzgeralds sind dafür umso enthusiastischer. Das Lied handelt von kriminellen Machenschaften, vielleicht kommt auch daher die Zurückhaltung der Millers.
80,68 Sec.


Erweiterte Szene
1:06:03: David wirft Rose noch vor, dass sie sich ruhig noch von Edie hätte fingern lassen können, vielleicht hätten sie dann die Autoschlüssel von den Fitzgeralds kriegen können. Rose kontert und sagt, dass David Don auch oral hätte verwöhnen können, um dieses Ziel zu erreichen. David sagt daraufhin, dass er das bei Männern nur macht, wenn Liebe im Spiel ist - im Gegensatz zu Rose. Als er noch eine zweite Spitze ankündigt, fällt ihm aber nichts ein und Rose geht weg. Es fällt David dann noch was ein und er läuft ihr hinterher. Als Don und Edie dann im Zelt den Vibrator benutzen, hört man nur in der EX, wie Don noch moderiert, jetzt komme Joe Morgan (so heißt ja bekanntlich der Vibrator).
24,68 Sec.


Erweiterte Szene
1:10:51: Don bittet David in der EX noch, die Sache im Zelt letzte Nacht sowie das Vibratorengerede für sich zu behalten. Würden die Leute in Dons Kirchengemeinde davon erfahren, wäre das nicht so angenehm für ihn. David versichert ihm Stillschweigen.
12,64 Sec.


Erweiterte Szene
1:11:14: Don führt noch aus, dass das Liebesleben zwischen ihm und Edie nicht mehr so spannend ist. Ihre Streichhölzer seien feucht und er fragt David, ob er die Metapher versteht. David sagt, dass Don damit natürlich deren Geschlechtsteile meint, liegt damit aber komplett daneben. Don meint natürlich die Leidenschaft zwischen ihm und seiner Frau und David entschuldigt sich sogleich für seinen Fauxpas. Don erzählt, dass Edie im Internet auf so eine Fingermethode gestoßen sei, doch David ist das sichtlich unangenehm. Don müsse das nicht mit ihm teilen, doch der besteht darauf.
29,12 Sec.


Erweiterte Szene
1:11:51: Laut Don wirken David und Rose wie zwei frisch Verheiratete, so, wie sie einander angucken würden.
5,04 Sec.

Erweiterte Szene
1:12:03: Bevor David antwortet, welches Erfolgsrezept er für die Beziehung mit Rose hat, fragt er Don noch, ob dessen Umschreibung des "fishing hole" auch wieder eher allgemein gehalten war oder auf was Sexuelles abzielt. Verständlich nach seiner Missinterpretation vor wenigen Sekunden.
4,84 Sec.


Zusätzliche Szene
1:14:14: Der Rest der "Familie" wird noch in den Raum zu David geführt und er klärt sie auf. Offenbar gibt es noch einen echten Pablo Chacon und sie haben soeben von ihm gestohlen. Geht sicher gut aus. Chacon verlässt kurz den Raum und sagt, er sei gleich wieder da. David antwortet, er solle sich ruhig Zeit lassen.
25,64 Sec.


Alternatives Bildmaterial
1:15:00: In der KF schauen sie konsterniert auf den Peilsender am Boden und murmeln vor sich hin, in der EX reagiert Kenny fast schon enthusiastisch und fragt, ob es wirklich ein Transmitter sei. Er fängt sich dafür natürlich einen tadelnden Blick ein.
Die EX läuft 1,88 Sec. länger

KinofassungExtended Cut


Erweiterte Szene
1:15:26: Als David die Familiensituation erklärt, wirft Kenny in der EX noch ein, dass sie alle nur Freunde seien, wird aber von den anderen schreiend korrigiert.
3,6 Sec.


Erweiterte Szene
1:17:47: Mehr Zeitlupen-Strip-Gekrieche von Rose. David guckt konzentriert zu.
5,4 Sec.


Erweiterte Szene
1:17:56: Rose entdeckt beim Lapdance ein Dampfrohr und lenkt Pablo Chacon ab, indem sie ihre Brüste an seinen Kopf presst. Sie bedeutet David, dass er zum Rohr gehen soll, doch der bewundert nur ihre Performance. Sie ist verärgert und haut ihn, muss aber ihren Act fortsetzen, um keinen Verdacht zu erregen.
18,92 Sec.


Alternatives Bildmaterial
1:21:11: Als David zu Rose sagt, dass die Zeit drängt, sagt er das in der EX noch onscreen. Der relevante Unterschied ist, dass Kenny hier in einer Nahaufnahme noch sagt: "I can't feel my bingo." und dann umkippt, während er in der KF in einer Gesprächseinstellung von David und Rose zu Boden fällt. Ohne Kommentar zuvor.
Die EX läuft 2,36 Sec. länger

KinofassungExtended Cut


Erweiterte Szene
1:21:40: Brad bespaßt etwas länger seinen Orca.
5,6 Sec.


Zusätzliche Szene
1:23:05: Nach Beendigung des Telefonats sieht man Brad, wie er in seinem Büro Pablo Chacon anruft. Was sie da besprechen, wird aber nicht ersichtlich.
9,16 Sec.


Erweiterte Szene
1:26:30: David fragt Scotty P noch etwas aus über dessen Arbeit und erfährt, dass Scotty Motorrad auf der Kirmes fährt.
5,16 Sec.


Erweiterte Szene
1:26:38: Auch Scotty P fragt aus Höflichkeitsgründen, wo sie herkommen. David sagt "D-Town", doch Scottys erster Tipp mit Detroit ist falsch, sein zweiter, Denver, ist richtig. Das liegt in Colorado, auch das weiß er. Er liebt die Rockys. David ist überrascht und fragt, ob Scotty Baseball mag, doch wieder mal hat David falsch interpretiert, denn Scotty meint damit die Rocky Mountains. Peinliche Stille.
23,92 Sec.


Erweiterte Szene
1:27:17: David kostet den Schreibfehler bei Scottys "No Ragrets"-Tattoo noch ein bisschen aus und fragt nach, ob Scotty denn auch wirklich nichts bereue. Der sagt nö, das ist sein Lebensstil und er ging zum Tättowierer, um sich den Schriftzug drauf machen zu lassen. Er wünschte fast, es gäbe was, dann könnte er es erzählen. You know I'm sayin'?
16,24 Sec.


Erweiterte Szene mit alternativem Bildmaterial
1:27:35: In der EX fragt David Scotty noch, wie viele Buchstaben das Alphabet hat. Scotty sagt, irgendwas in den 20ern. David korrigiert ihn und sagt 26 und fordert ihn dann noch auf, Fragen zu stellen, die er hat. Casey wird ungeduldig, doch Scotty fragt, wie David und Rose es geschafft hätten, dass Casey so heiß geworden sei. Etwas befremdlich reagieren sie zwar, aber dann sagt David, dass das Geheimnis im Doggystyle liegt.

In der KF hingegen ist man noch bei der Reue-Sache und sieht exklusiv, wie Scotty selbstbewusst sagt, dass es bei ihm nichts gibt: "Not me!"
40,44 Sec.


Zusätzliche Szene
1:35:16: Neue Szene mit dem Musiker Ben Folds, der Brad bei Gesangsübungen am Klavier begleitet. Brad respektiert ihn aber nicht und Folds macht auch nicht den Eindruck, gerne dort zu sein. Dann nimmt Brad einen Anruf von David entgegen, der in weniger als 3 Stunden bei ihm ist. Brad lästert noch über Folds und legt dann auf, nur um ihn dann noch weiter zu bepöbeln.
61,76 Sec.


Erweiterte Szene mit alternativem Bildmaterial
1:28:36: David tänzelt in der EX noch ein bisschen albern vor ihnen herum und versucht dann, witzig zu erzählen, wie er im Wohnmobil auf der Straße entlangfuhr und plötzlich dachte, es sei doch recht langweilig, weshalb er sich entschied, die Meute wieder einzuladen. Caseys Beleidigung hat dann in beiden Fassungen einen anderen Take.
25,2 Sec.


Erweiterte Szene mit alternativem Bildmaterial
1:39:04: In der EX versucht David etwas länger, die anderen zum Wohnmobil zu kriegen. Die drehen sich aber um und wollen gehen, aber David bittet sie zu warten.
Die EX läuft 9,72 Sec. länger


Erweiterte Szene
1:39:57: David versucht noch länger, es witzig zu lösen und die anderen zum Wohnmobil zu bewegen, doch Rose unterbricht ihn und rekapituliert für ihn nochmal, dass er sie alle nicht wirklich gut behandelt hat.
28,28 Sec.


Erweiterte Szene
1:40:34: In der EX kann David es noch nicht so recht glauben, dass er jetzt wirklich auf die Knie sinken und betteln soll, doch Rose deutet mit dem Finger zu Boden.
10,56 Sec.


Erweiterte Szene
1:51:59: Outtake mit der spärlich bekleideten Aniston, die sagt, dass sie diese Momente im Film nie vergessen werde und sie hofft, dass es für Sudeikis auch so ist. Der lacht.
5,48 Sec.


Erweiterte Szene
1:52:22: Ed Helms leckt lasziv an der Eisskulptur und lacht neckisch.
2,28 Sec.


Erweiterte Szene
1:52:45: Als David sagt, dass die Werkstatt geschlossen hat, gibt Darstellerin Kathryn Hahn mehrere fluchende Reaktionen zum Besten.
13,84 Sec.

Kommentare

27.12.2013 00:07 Uhr - Nightmareone
Very lustitsch... Wer de "Kill the Boss" oder "Hangover" Humor mag wird hier auch seinen Spass haben.

27.12.2013 00:15 Uhr - Undertaker
4x
Moderator
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Ich war recht angenehm überrascht von dem Film und über ein paar gut getimte Jokes konnte ich sogar richtig lachen. Kein Meisterwerk, aber bedeutend besser als erwartet. Danke für den SB.

27.12.2013 00:16 Uhr - Kurgan
2x
yep, bin ohne große Erwartungen rein und wurde recht gut unterhalten

27.12.2013 00:33 Uhr - Kroczinsky
2x
Ich frage mich, in welche Höhen die Spießigkeit dieser amerikanischen Komödien eigentlich noch getrieben wird.

27.12.2013 00:33 Uhr - Dinosaur Bob
2x
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Erfahrungspunkte von Dinosaur Bob 79
Klasse Komödie auf jeden Fall, wurde auch köstlich unterhalten....und Jennifer Aniston's Striptease einlagen sind ein hingucker wert! ;)

27.12.2013 00:49 Uhr - schmierwurst
1x
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von schmierwurst 947
beste Komödie dieses Jahr!

27.12.2013 00:51 Uhr - Victor75
1x
27.12.2013 00:33 Uhr schrieb Kroczinsky
Ich frage mich, in welche Höhen die Spießigkeit dieser amerikanischen Komödien eigentlich noch getrieben wird.



S P O I L E R



Die Nahaufnahme eines Schwanzes mit einem geschwollenen und einem normal großen Ei findest du spießig?...ähm... wow!




Btw. vielen Dank für den Schnittbericht.
Hab den Film auch letztes WE geguckt und hat wirklich Spaß gemacht.

27.12.2013 01:03 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von cecil b 4.966
Der Film ist wohl eher weniger Meins, aber Emma Roberts ist einen Blick Wert:)

27.12.2013 04:17 Uhr - spobob13
3x
Ein gute Laune Film. Ich sag nur "black cock down" !

Echt blöd - das Warner wieder einmal den Extended nur als O-Ton Fassung präsentiert.

27.12.2013 12:46 Uhr - Xaitax
7x
Aniston will irgendwie auch nicht älter werden. Obwohl mitte Vierzig, sieht immernoch aus wie 30.

27.12.2013 12:48 Uhr - Dream-emotion
Ein echte geiler Film, habe mich teilweiße weggeschmissen vor lachen, der Film ist am besten für Luete die auch eine Familie haben, und in verstehen :-) Besonders die Szene beim Friseur hahahahahaha

PS Aniston: huuuhaaaa Lecker lecker lechz :-)

27.12.2013 14:11 Uhr - PolloxTroy
3x
Mehr Emma Roberts - wird gekauft ;)

27.12.2013 14:24 Uhr - Kroczinsky
2x
27.12.2013 00:51 Uhr schrieb Victor75
27.12.2013 00:33 Uhr schrieb Kroczinsky
Ich frage mich, in welche Höhen die Spießigkeit dieser amerikanischen Komödien eigentlich noch getrieben wird.



S P O I L E R



Die Nahaufnahme eines Schwanzes mit einem geschwollenen und einem normal großen Ei findest du spießig?...ähm... wow!


Die Spießigkeit ergibt sich daraus durch solch profane Szenen einen über die Stränge schlagenden Humor zu generieren. Wie plump so etwas ist, hat Ingmar Bergman schon 1966 bei "Persona" verdeutlicht, als ihm vorgeworfen wurde, seine Filme hätten gar keine Szenen mehr, an denen die Öffentlichkeit Anstoß nehmen könnte und er dann einfach das Bild eines erigierten Riesenpenis eingefügt hat. Die Montage des Penis hat keinerlei Rückbezug zur Handlung, aber natürlich gab es die entsprechenden (Spießer-)Kreise, die sich darüber aufgeregt haben. Dieser absichtliche Schachzug Bergman hat bereits vor fast einem halben Jahrhundert die Profanität solch eines Vorgehens offensichtlich gemacht.

Eine wirklich neue Grenzen absteckende "gross-out-comedy" wäre im heutigen Zeitalter z.B. die Geschichte eines Pädophilen, der seine Opfer anschließend zu Wurst verarbeitet. Das Ganze am besten mit heiterer Note und völliger Sympathie für die Hauptfigur, im Disney-Stil gehalten. Das wäre, angepasst an unsere heutige gesellschaftliche Umwelt, nach all den tabubrechenden Filmen der vergangenen Jahrzehnte und im Zeitalter des Internets, wesentlich kontroverser und geschmackloser (selbst ohne explizite Szenen) als die Nahaufnahme eines Penis mit geschwollenem Hodensack.

27.12.2013 15:11 Uhr - Victor75
2x
Ich kann dir leider nicht ganz folgen bzw. immer noch nicht ganz nachvollziehen, warum du diesem Film Spießigkeit vorwirfst. Ich gucke mir eine Komödie jedenfalls nicht an, weil sie noch geschmackloser als die vorherige sein soll, sondern weil ich lachen möchte. Und wenn das eben durch eine herrlich fluchende Melissa McCarthy bei "Taffe Mädels" passiert oder durch einen wunderbar komischen und schmerzfreien Will Poulter in diesem Film, dann hat das eher am Rande mit Tabubruch oder ähnlichem zu tun.

27.12.2013 15:42 Uhr - Kroczinsky
3x
27.12.2013 15:11 Uhr schrieb Victor75
Ich kann dir leider nicht ganz folgen bzw. immer noch nicht ganz nachvollziehen, warum du diesem Film Spießigkeit vorwirfst. Ich gucke mir eine Komödie jedenfalls nicht an, weil sie noch geschmackloser als die vorherige sein soll, sondern weil ich lachen möchte. Und wenn das eben durch eine herrlich fluchende Melissa McCarthy bei "Taffe Mädels" passiert oder durch einen wunderbar komischen und schmerzfreien Will Poulter in diesem Film, dann hat das eher am Rande mit Tabubruch oder ähnlichem zu tun.

Humor entsteht grundsätzlich durch Tabubruch. Das hängt mit dem Prinzip der aristotelischen Fallhöhe zusammen. Du lachst ja, weil Flucherei gegen bestimmte gesellschaftliche Prinzipien verstößt. Wären die nicht da, gäbe es auch nichts zu lachen. In einer Gesellschaft, in der es üblich wäre sich gegenseitig ins Maul zu scheißen, wären die meisten über Defäkation und ihre Folgen laufenden Gags nicht komisch oder bemerkenswert, weil keine Fallhöhe zu einer moralischen Norm besteht.

Die Gags und Konstruktionen vieler "gross-out-comedys" entsprechen einfach dem Stammtisch- und Spießer-Humor-Niveau von heute. Früher hat man sich herzhaft auf den Schenkel geschlagen, wenn der "Neger" oder "der fette Arsch" wieder mal eins drauf bekommen haben. Heute desavouiert man die Durchschnittsfamilie, in dem man ihr moralisch fragwürdiges Verhalten unterstellt. Die moralische Fragwürdigkeit wird aber von den Machern selbst überhaupt mitgebracht. Im realen Leben gibt es herzlich wenig über Mütter zu lachen, die sich als Prostituierte oder Stripperinnen verdingen müssen oder über Familienväter, die Dope verkaufen. Also wird einfach in der künstlichen Welt des Films eine Fallhöhe durch die moralisch kollidierenden Normen konstruiert und Schwupps ist es (vermeintlich) lustig.

Versteh mich nicht falsch: Ich spiele mich hier nicht als Derjenige auf, der den Leuten das Lachen über solch einen Film übel nimmt, zumal ich selbst manchmal ganz gerne über so etwas lache. Es geht mir hier nicht um die von Dir selbst ins Feld geführte Rezeptionshaltung den Filmen gegenüber. Es geht mir um die innere Konstruktion dieser Filme, immerhin Komödien, denen eine anarchistische Sprengkraft weitgehend abgeht - egal wie häufig sie einen Penis zeigen - und die eigentlich nur einen Status Quo Aufrecht erhalten. Letztgenanntes ist nun mal eine Definition von spießig.

27.12.2013 16:24 Uhr - Jerry Dandridge
2x
@Kroczinsky: Du redest so 'nen Käse raus!

27.12.2013 16:33 Uhr - Kroczinsky
2x
Du musst es ja wissen.

27.12.2013 16:35 Uhr - sonyericssohn
2x
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Da möchte ich dann schon wissen welche Tabus Charlie Chaplin in Moderne Zeiten brach. Der Humor bestand aus der Situation in die er sich begab und was daraus hervorging. Nicht wegen Tabubrüchen.
Der Humor heutzutage ist schon recht schwer zu ertragen.

27.12.2013 16:45 Uhr - Kroczinsky
2x
27.12.2013 16:35 Uhr schrieb sonyericssohn
Da möchte ich dann schon wissen welche Tabus Charlie Chaplin in Moderne Zeiten brach. Der Humor bestand aus der Situation in die er sich begab und was daraus hervorging. Nicht wegen Tabubrüchen.

Der Tabubruch bestand in seiner Figur (abgerissen und aus dem System gefallen, Fallhöhe par excellence), die eine reine Unangepasstheit ans System bei gleichzeitiger Koppelung an das identitätsstiftende Individuum symbolisierte. Ein Geniestreich des leiseren Anarchismus, im Gegenzug zum polternden der Marx-Brothers oder der Dekonstruktion von Laurel & Hardy. Oder dem Stoizismus eines Buster Keaton. Nicht zuletzt deswegen waren Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Gruppen (der Arzt wie die Bäuerin), Kulturen (man verstand ihn in der abendländischen, wie der asiatischen Kultur) oder Ideologien (er durchdrang den Eisernen Vorhang) von ihm begeistert. Die Verbrüderung mit einem, der mit der Komplexität der Ereignisse nicht zurecht kommt mit der Botschaft, dass die Ereignisse selbst Bestandteil eines unmenschlichen Systems sind. Das ist doch vor allem bei "Moderne Zeiten" erkennbar, wo der Fordismus und Taylorismus aufs Korn genommen werden und Chaplin sich sogar als unfreiwilligen Umstürzler inszeniert.

27.12.2013 17:24 Uhr - Jack Bauer
2x
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27.12.2013 00:49 Uhr schrieb schmierwurst
beste Komödie dieses Jahr!


... ist natürlich THIS IS THE END. ;-)

WE'RE THE MILLERS fand ich aber auch ganz drollig, wenngleich die besten Sachen mal wieder schon im Trailer gezeigt wurden. Ich finde, der Film fängt super an, zum Ende geht ihm dann aber merklich die Puste aus - und die Moralkeule bzw. das allzu versöhnliche Ende hätten sie sich konsequenterweise auch sparen sollen. Der Film ist über weite Strecken so herrlich versaut, politisch unkorrekt und komplett neben der Spur, dass es einfach mehr Spaß gemacht hätte, wenn das bis zum Ende durchgezogen worden wäre.

Und dass eine R-Rated-Komödie an den Kinokassen gewaltig absahnt, ist eigentlich ebenso wenig verwunderlich wie dass ein R-Rated-Horrorfilm zum Megaerfolg wird. Bei den Komödien sind es sogar häufiger die R-Rated-Filme (siehe die THE HANGOVER- oder AMERICAN PIE-Filme oder aktuell der oben genannte THIS IS THE END, um nur drei Beispiele zu nennen), die so richtig absahnen. Nur bei den Actionfilmen ziehen die Erwachsenensachen leider meist nicht mehr (siehe DREDD oder PUNISHER: WAR ZONE). Deswegen müssen wir uns ja seit Jahren mit diesen grausigen PG-13-Actionfilmen herumschlagen.

27.12.2013 20:35 Uhr - canjuaan
1x
Tolle Beiträge, Kroczinsky. Sehr fein argumentiert!

/OT

27.12.2013 20:48 Uhr - Jerry Dandridge
Kommt die Langfassung auch nach Deutschland?

27.12.2013 20:50 Uhr - D-Chan
War es eigentlich nur ein PR-Gag, oder zieht die Aniston wirklich blank in diesen Film? °-°

27.12.2013 20:56 Uhr - dok
27.12.2013 20:50 Uhr schrieb D-Chan
War es eigentlich nur ein PR-Gag, oder zieht die Aniston wirklich blank in diesen Film? °-°

sie spielt natürlich eine stripperin , die sich NICHT ausszieht - oder zumindest wird's nicht gezeigt ; richtig ? hab den film nämlich nicht gesehen . amerikanische komödien sind seit jahren eigentlich immer dasselbe .

27.12.2013 21:14 Uhr - Jack Bauer
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27.12.2013 20:56 Uhr schrieb dok
amerikanische komödien sind seit jahren eigentlich immer dasselbe .


Würde ich so nicht unterschreiben. Ich finde, dass gerade Hollywoods Comedykino oftmals noch Perlen hervorbringt, die man in anderen Genres schon lange nicht mehr zu sehen bekommt. Das effektüberlade Blockbusterkino war nie langweiliger, die Action- und Science-Fiction-Filme werden immer austauschbarer, das Horrorkino wiederholt sich auch zu großen Teilen nur noch. Demgegenüber stehen die Komödien aus der Apatow-Schmiede, die "Frat-Pack"-Filme, Komödien von Todd Phillips, Adam McKay oder Rawson Marshall Thurber oder die "Stoner"-Sachen von Seth Rogen und Konsorten - von den Filmen ist einer lustiger und origineller als der andere. Wenn Hollywood überhaupt noch in irgendeinem Genre Filme produziert, die sich wirklich lohnen, dann sind es die Komödien.

27.12.2013 21:16 Uhr - dok
1x
27.12.2013 21:14 Uhr schrieb Jack Bauer
Wenn Hollywood überhaupt noch aus irgendeinem Genre Filme produziert, die sich wirklich lohnen, dann sind es die Komödien.

da sind wir mal gar nicht einig . schlimmer noch als die komödien sind höchstens noch die romatischen komödien ...

27.12.2013 21:28 Uhr - D-Chan
1x
27.12.2013 21:16 Uhr schrieb dok
27.12.2013 21:14 Uhr schrieb Jack Bauer
Wenn Hollywood überhaupt noch aus irgendeinem Genre Filme produziert, die sich wirklich lohnen, dann sind es die Komödien.

da sind wir mal gar nicht einig . schlimmer noch als die komödien sind höchstens noch die romatischen komödien ...


Oder die komplett ohne Komödie-Anteil (Nicholas Sparks) ... (。ヘ°)

27.12.2013 22:39 Uhr - Agregator
27.12.2013 20:48 Uhr schrieb Jerry Dandridge
Kommt die Langfassung auch nach Deutschland?


Im Orginal ist sie doch auf der deutschen Bluray drauf.Das die nochmal komplett synchronisiert wird glaub ich nicht (Hangover kam ja bis jetzt auch nicht raus)!Find ich schon ziemlich schade sowas - dann brauchen sies gar nicht erst rauftun.

27.12.2013 22:42 Uhr - sonyericssohn
2x
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Erfahrungspunkte von sonyericssohn 3.840
Schlimmer noch die Komödien (eher Serien) welche einem das Lachen vormachen bzw. abnehmen.
Wann ich lache obliegt noch immer mir.

27.12.2013 23:41 Uhr - Victor75
27.12.2013 22:42 Uhr schrieb sonyericssohn
Schlimmer noch die Komödien (eher Serien) welche einem das Lachen vormachen bzw. abnehmen.
Wann ich lache obliegt noch immer mir.


Das finde ich eigentlich immer gut, weil es einem eine Art Theatersituation gibt. ABER besonders bei den deutschen Tonspuren finde ich es furchtbar, wenn für aktuelle Sitcoms uralte Lachschleifen oder Lacher verwendet werden. Ich könnte jedes Mal kotzen, wenn ich bei "2 Broke Girls" den weiblichen Juchz-Lacher höre, den man damals schon regelmäßig bei "Friends" oder den Bundys gehört hat...
Darum gucke ich sie mir auch gerne im Original an, weil es da noch (größtenteils) echte Zuschauerreaktionen sind.
Off-Topic, aber... hat irgendjemand "Bully macht Buddy" gesehen? Das soll ja auch vor Live-Publikum aufgezeichnet worden sein, aber 1. klang das für mich doch sehr nach Konservenlachern und 2. fand ich die erste Folge, die ich geguckt habe, leider so gut wie überhaupt nicht lustig und extrem platt.

27.12.2013 23:44 Uhr - Victor75
27.12.2013 22:39 Uhr schrieb Agregator

Im Orginal ist sie doch auf der deutschen Bluray drauf.Das die nochmal komplett synchronisiert wird glaub ich nicht (Hangover kam ja bis jetzt auch nicht raus)!Find ich schon ziemlich schade sowas - dann brauchen sies gar nicht erst rauftun.


Also ich finde es zwar auch schade, dass die Extended nicht synchronisiert wurde, aber sie deswegen eher gar nicht zu veröffentlichen fände ich dann doch doof.

28.12.2013 03:40 Uhr - Pyri
1x
@Kroczinsky
Diese Vorstellung, dass heute kaum ein Tabubruch mehr gelingen könnte - oft auch kein einziger subversiver Akt vorstellbar wäre - halte ich im Gegenteil für genauen Ausdruck von "Spießigkeit". Aus meiner Sicht können die kleinsten Sachen heutzutage schon Skandale verursachen - alles andere hätte ein Kulturpessimismus bloß gern und schafft dieser auch nur selbst. Ist gewissermaßen eine Bedingung unter der er überhaupt funktionieren kann.

Weil das alles letztlich immer von einer "schöngeistigen" Kapazität im Menschen ausgeht, und davon zeugt wohl auch dieses begleitende Gerede über "Geschmacklosigkeiten". Oder was sollen diese dann jeweilig auch gar sein: Fäkalhumor ist ein ganz schlechtes Beispiel.

Denn was für die einen "Humor", ist für die anderen vielleicht "Sexualität" - weniger "lustig" als vielmehr erregend. Nur ist Letzteres für das Humor rezipierende Publikum ästhetisch womöglich bereits unvorstellbar, wenn schon nicht eine regelrechte Bedrohung für deren "Familien" und Co. Sehr schön zeigte das der allenthalben verrissene "Movie 43".
Die Frage ist vielmehr von welcher Sexualmoral ein Bergman damals ausging und ob er es nicht eigentlich besser hätten wissen können - betrifft auch andere relativ Etablierte aus der Zeit, etwa wieso es in Friedkins Exorzismus-Film immer nur um Penetration geht, aber nie um die Liturgie.
Der österreichische "Dichter" Franzobel sagte solche Sachen einmal über "das deutsche Privatfernsehen", weil er sich anscheinend nichts schlimmeres vorstellen konnte und für ihn das bereits "Pornografie" gewesen ist - bevor er sich dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll anbiederte.

Ich bin im Übrigen sehr froh über diesen Film. Und dabei kann ich mit dem amerikanischen Humor eigentlich schon nichts anfangen - nur würde ich ihm das nicht vorwerfen, sondern eher nur mir selbst. Dass US-Comedy viel mit Purtanismen arbeitet ist auch nicht unbedingt Ausdruck von Einfallslosigkeit für mich, sondern ergibt sich allein bereits aus dem dortigen kulturellen Erbe. Das ist ähnlich wie mit dem Typus der Klein- oder Vorstadt. So wie "Indien" hierzulande mit der Provinz spielte - es muss ja nicht gefallen.
Früher wurden SpießerInnen wie die Griswolds um Chevy Chase noch mit einer andersgelagerten Umwelt konfrontiert - heute ist es in diesen Komödien eher umgekehrt. Das nenne ich progressiv und die Möglichkeit solcher Komödien ist für mich auch als Videospieler eine dankenswerte Wohltat Hollywoods, wenn ich mir die aus meiner Sicht äußerst rückwärtsgewandten Familienbilder aus Titel wie "The Last of Us", "The Walking Dead" von Telltale, oder "Gone Home" ansehe.
Doch schon Ivan Reitman's "No Strings Attached" hat mir gezeigt, dass sich selbst der alte Kino-Haudegen auf seine letzten Tage noch ordentlich weiterentwickeln kann, denn das wichtigste an einer Komödie bleibt für mich ihre zeitgemäße Anpassung.
Humor ist nämlich nicht nur individuell, sondern auch niemals zeitlos - wer anderes glaubt verwechselt damit normierte Bildung(sideale).

28.12.2013 05:39 Uhr - Kroczinsky
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28.12.2013 03:40 Uhr schrieb Pyri
@Kroczinsky
Diese Vorstellung, dass heute kaum ein Tabubruch mehr gelingen könnte - oft auch kein einziger subversiver Akt vorstellbar wäre - halte ich im Gegenteil für genauen Ausdruck von "Spießigkeit". Aus meiner Sicht können die kleinsten Sachen heutzutage schon Skandale verursachen - alles andere hätte ein Kulturpessimismus bloß gern und schafft dieser auch nur selbst. Ist gewissermaßen eine Bedingung unter der er überhaupt funktionieren kann.


Da bin ich völlig Deiner Meinung. Wie ich bei Post 13 erläutere, wäre heute sogar durch detaillierte Wendungen einzelner Handlungspunkte viel eher ein Tabubruch erzielbar, als mit der großen Keule. Nebenbei: Von Kulturpessimismus halte ich rein gar nichts. Das ist eine Gesellschaftschimäre, die durch den generation gap unterfüttert wird. Wahr ist aber, dass es ständige Fluktuationen innerhalb eines Gesellschaftssystems gibt, aus denen langsame Entwicklungen hervorgehen, deren Wert von Personen festgelegt wird, die retrospektiv entscheiden, ob das nun gut oder schlecht sei.

28.12.2013 03:40 Uhr schrieb PyriWeil das alles letztlich immer von einer "schöngeistigen" Kapazität im Menschen ausgeht, und davon zeugt wohl auch dieses begleitende Gerede über "Geschmacklosigkeiten". Oder was sollen diese dann jeweilig auch gar sein: Fäkalhumor ist ein ganz schlechtes Beispiel.


Letztlich geht es mehr um dekonstruktivistische Auflösung und Neubewertung, denn um Geschmacklosigkeiten. Dort befindet sich die Gesellschaft aber nicht. Wenn wir uns bei der Betrachtung eines Penis in Nahaufnahme über seine Ästhetik Gedanken machen, jenseits eines Affekterlebens seines bloßen "Gezeigt-Werdens", dann betreten wir tatsächlich eine neue Rezeptionsebene. Davor spielt sich alles nur im infantilen Bereich ab. Und Schöngeistigkeit beinhaltet bereits wieder den Normierungswillen, der sich nur aus Affektreaktionen speist.

28.12.2013 03:40 Uhr schrieb PyriDenn was für die einen "Humor", ist für die anderen vielleicht "Sexualität" - weniger "lustig" als vielmehr erregend. Nur ist Letzteres für das Humor rezipierende Publikum ästhetisch womöglich bereits unvorstellbar, wenn schon nicht eine regelrechte Bedrohung für deren "Familien" und Co.


Das ist aufgrund seiner Differenzierung ein sehr wichtiger Punkt, bei dem ich Dir auch weitgehend zustimme, doch bringst Du hier die Rezeptionshaltung des jeweiligen Individuums mit Soziologie-Heuristiken zusammen und vertrittst offensichtlich nicht die Ansicht, dass es ein approximatives Gesamtverständnis von Humor geben kann. Das sehe ich nun wieder völlig anders, da Humor durch die Ausprägung kultureller Normen und Gegebenheiten anders aussehen mag, im Kern aber immer gleich funktioniert.

28.12.2013 03:40 Uhr schrieb PyriDie Frage ist vielmehr von welcher Sexualmoral ein Bergman damals ausging und ob er es nicht eigentlich besser hätten wissen können - betrifft auch andere relativ Etablierte aus der Zeit, etwa wieso es in Friedkins Exorzismus-Film immer nur um Penetration geht, aber nie um die Liturgie.


Bergmans Sexualmoral war damals kaum eine andere als man sie heute trifft. Zumindest ergeben das Studien über das Sexualverhalten welches man - und damit komme ich Dir jetzt mal non-abstraktiv entgegen - inter-und intraindividuell vorfindet. Davon abgesehen verstehe ich die Anmerkung "hätte es besser wissen können" nicht. Er hat sich einen Witz daraus gemacht, seinen Kritikern, die ihm mangelnde Kontroverse vorwarfen, genau das durch eine Sekundenszene zu präsentieren und ihnen damit einen Spiegel ihrer eigenen Spießigkeit, die Du weiter oben sehr schön erwähnst, vorzuhalten und sich um die Kritik der vorgeblichen Spießer, die sich über den Penis aufregten, nicht weiter zu kümmern. Auch, dass sein Film damit nach damaligen Maßstäben als nicht jugendfrei eingestuft wurde interessierte ihn nicht.

William Friedkin hatte als Jude nebenbei wenig Interesse an der katholischen Liturgie, da er die sakralen Momente sowieso weitestgehend aus "Der Exorzist" heraushalten wollte, doch aufgrund Blattys Einfluss kamen diese in den endgültigen Film hinein. Dies versucht Friedkin wiederum durch die Kameraführung, insbesondere beim stattfindenden Exorzismus, durch konfrontative Positionen oder distanzierende Winkel zu unterwandern.

28.12.2013 05:40 Uhr - Kroczinsky
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28.12.2013 03:40 Uhr schrieb Pyri Ich bin im Übrigen sehr froh über diesen Film. Und dabei kann ich mit dem amerikanischen Humor eigentlich schon nichts anfangen - nur würde ich ihm das nicht vorwerfen, sondern eher nur mir selbst. Dass US-Comedy viel mit Purtanismen arbeitet ist auch nicht unbedingt Ausdruck von Einfallslosigkeit für mich, sondern ergibt sich allein bereits aus dem dortigen kulturellen Erbe.


Von Einfallslosigkeit war nie die Rede, sondern von konzeptioneller Spießigkeit. Wie wir wissen, waren die Amerikaner in ihrer Humorkonstruktion schon mal weiter. Dies mag sich durch die Einwanderungswelle erklären, aber auch ein Blake Edwards war in seiner Darstellung und seinem Selbstverständnis von Homosexualität,
Transgeschlechtlichkeit, Drogenkonsum, Prostitution und Perversion bereits weiter, als wir es in diversen heutigen US-Produktionen zu sehen bekommen, die durch das Prätentiöse versuchen an dem Käfig zu rütteln, in den sie sich Ende der 1980er u.a. durch ihre selbst auferzwungene Vorstellung von Egalität und den konservativen Backlash eingesperrt haben.

28.12.2013 03:40 Uhr schrieb PyriFrüher wurden SpießerInnen wie die Griswolds um Chevy Chase noch mit einer andersgelagerten Umwelt konfrontiert - heute ist es in diesen Komödien eher umgekehrt.


Ja, das gilt, wenn man Film nur als einen Rückgriff auf andere Filme versteht, aber nicht als einen Spiegel der Gesellschaft oder als Rückbezug zur Realität. Ein derartiger Verlust der Bodenhaftung würde heutige US-Komödien ja noch uninteressanter machen, als sie es ohnehin schon sind.

28.12.2013 03:40 Uhr schrieb PyriHumor ist nämlich nicht nur individuell, sondern auch niemals zeitlos - wer anderes glaubt verwechselt damit normierte Bildung(sideale).


Das ist jetzt nicht einer Bösartigkeit geschuldet, aber das ist mit Abstand das Unsinnigste, was ich in diesem Jahr gelesen habe. Letztlich greift da wieder, was ich weiter oben schrieb. Natürlich ist Humor unveränderlich in seiner Grundkonzeption. Nur die Ausprägungen sind einem Wandel unterzogen. Und von nicht mehr bestimmt, als den Fluktuationen kultureller und kollektiver Selbstbilder. Doch nun will ich meinerseits nicht zu heuristisch werden.

28.12.2013 08:19 Uhr - Agregator
27.12.2013 22:39 Uhr schrieb Agregator
27.12.2013 20:48 Uhr schrieb Jerry Dandridge
Kommt die Langfassung auch nach Deutschland?


Im Orginal ist sie doch auf der deutschen Bluray drauf.Das die nochmal komplett synchronisiert wird glaub ich nicht (Hangover kam ja bis jetzt auch nicht raus)!Find ich schon ziemlich schade sowas - dann brauchen sies gar nicht erst rauftun.


Ich schaus mir nur auf Englisch bzw mit Untertitel nicht an von dem her ist es für mich einfach überflüssig.Für mich ist es halt billige Werbung das es bestimmt kein Aufwand gewesen wäre die paar Szenen zu synchronisieren.Geht ja bei fast allen anderen Filmen auch siehe Wolverine oder Hobbit aktuell.

28.12.2013 13:47 Uhr - Freeman
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Der Film reizt mich jetzt nicht so sehr. Anschauen werden ich ihn mir trotzdem mal bei passender Gelegenheit. Und das die erweiterte Fassung wieder nur im Originalton vorliegt, kennt man ja von Warner Bros. mittlerweile. Typische Kosten / Nutzen Rechnung.

Und Jennifer Aniston ist jetzt nicht so mein Fall. Die Frau bringt mir optisch und schauspielerisch überhaupt nichts. Keine Ahnung, wieso.

28.12.2013 16:00 Uhr - Pyri
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@Kroczinsky
Ich bin eben kein Realist und glaube daher etwa nicht, dass ein Spielfilm sich wirklich auf "Realität" beziehen kann. Aber das nur so nebenbei.
Wenn es Dir gar nicht um die inhaltliche Ebene gegangen ist, sondern bloß um das Konzept, dann stimme ich natürlich zu. Das habe ich dann falsch verstanden und mit meinen eigenen Vorurteilen zweifellos unterschätzt: nur ich lese etwa "krank", oder hier - bei anderen - "geschmacklos" etc. Und reagiere dann drauf. Mein Fehler -
Das sind ja auch keine kleinen Filme von denen wir da reden, sondern oft Studio-Produktionen die gewissen Kalkülen folgen und sich von daher schon ökonomisch rentieren sollen. Also ich bewundere es eher, wenn sie sozusagen trotzdem versuchen gewisse Inhalte zu vermitteln welchen ich zustimmen kann.
Dass Bergman es "besser hätte wissen können" meinte ich dahingehend, dass ich die "Persona"-Montage bislang eigentlich eher als Reaktion auf gewisse Gerüchte vernahm welche die Methoden in der Werbung damaliger Zeit betrafen und wie Menschen dort manipuliert werden würden. Dass Bergman damit eigentlich auf Kritik reagieren wollte, habe ich zwar auch als jemand der dessen Rezeptionsgeschichte nicht sonderlich gut kennt schon vorher gehört, aber das wundert mich einfach weil in seinen Filmen sonst ein ganz anderes Gesprächsklima, auch über Sexualität, vorherrscht. Eine ganz andere Form der Intimität als sie diese Montage als "Provokation" ausdrücken würde. Also ich nehme Bergman als sehr aufgeklärten Filmemacher war, der sich ansonsten auch nicht in irgendwelche Vorstellungen von Sexualmoral verstrickte, als keinen Snob oder Ähnliches.
Friedkin und die Entstehungsgeschichte des "Exorzisten" kennst Du anscheinend gleich wesentlich besser als ich, weshalb ich nochmal frage: wieso geht es in diesem Film meinem Eindruck nach dann immer nur um Sex, wenn der Dämon in Regan "provozieren" will? "Der Exorzist" ist meinem Eindruck ja ein ernster Film über ein ernstes Thema, der auch nicht offensiv mit Besessenheit spekuliert, damit amüsieren will, oder insgeheim ein Sexfilm wäre. Nein: er hat eben dieses Kind in seinem Zentrum und will zeigen, welche Wandlung in ihm vorgeht. Und dieser Umgang mit Religion und Sexualität belastet in meinen Augen nicht nur diesen Film, sondern auch fast die allermeisten Exorzismusfilme nach ihm. Gerade als Katholik finde ich das immer sehr enttäuschend, denn deren Dämonen referieren (katholische) Moral eher, als dass sie die Religion, die Eucharistie oder sonst für ein Sakrament herausfordern oder gar bekämpfen würden. Sind gewissermaßen selbst durchgängig katholisch.
"Die Milchstraße" oder "Und erlöse uns nicht von dem Bösen", auch "Viridiana", finde ich deshalb wesentlich interessanter, wenn es um die Themen geht.

Zum Humor nur noch soviel: ich glaube dass da Witz damit verwechselt wird. Der Witz arbeitet wie die Pointe mit (Um-)Brüchen, welche im Idealfall zuweilen auch zweifellos erhellend sind. Nur Humor braucht das nicht sein.
Humor kann etwas sehr Primitives (im Sinne von anfänglich) und Niederträchtiges sein, dass sich etwa bloß am Leid Anderer erfreut, wie es etwa auch das selbst im englischen Sprachraum geläufige deutsche Wort der "Schadenfreude" ausdrückt.
Jetzt kann man sicher sagen: das ist kein Humor, sondern etwa Sadismus. Ja, das ist aber eine Definitionsfrage welche schon ein gewisses Maß an Bildung voraussetzt. Und das meinte ich.

Nachtrag: es war aber mal zur Abwechslung hier ein sehr interessantes Gespräch und ich bedanke mich für die ausführlichen Anmerkungen!

29.12.2013 06:17 Uhr - Der Dicke
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28.12.2013 16:00 Uhr schrieb Pyri
Nachtrag: es war aber mal zur Abwechslung hier ein sehr interessantes Gespräch und ich bedanke mich für die ausführlichen Anmerkungen!


Ich hätte jetzt auch zig Beiträge à la “Geil!”, “Voll der Scheißfilm” und “Boah die Aniston” erwartet. Da fand ich Eure Debatte viel vergnüglicher, denn sowas bekommt man hier leider nicht alle Tage zu lesen.

29.12.2013 21:17 Uhr - Kroczinsky
Gleich vorweg: Mit diesem Posting verabschiede ich mich aus der Diskussion, da der Kommentarbereich zu diesem Film damit mehr als überansprucht wurde und ich den Mods von SB dankbar bin, dass sie uns gewähren ließen. Da mir eine Antwort zu Pyris Posting aber noch auf dem Herzen lag, äußere ich mich noch mal.

28.12.2013 16:00 Uhr schrieb Pyri
Dass Bergman es "besser hätte wissen können" meinte ich dahingehend, dass ich die "Persona"-Montage bislang eigentlich eher als Reaktion auf gewisse Gerüchte vernahm welche die Methoden in der Werbung damaliger Zeit betrafen und wie Menschen dort manipuliert werden würden. Dass Bergman damit eigentlich auf Kritik reagieren wollte, habe ich zwar auch als jemand der dessen Rezeptionsgeschichte nicht sonderlich gut kennt schon vorher gehört, aber das wundert mich einfach weil in seinen Filmen sonst ein ganz anderes Gesprächsklima, auch über Sexualität, vorherrscht. Eine ganz andere Form der Intimität als sie diese Montage als "Provokation" ausdrücken würde. Also ich nehme Bergman als sehr aufgeklärten Filmemacher war, der sich ansonsten auch nicht in irgendwelche Vorstellungen von Sexualmoral verstrickte, als keinen Snob oder Ähnliches.

Diese Montage, sowie ihr Rückbezug zum Film, funktioniert sowieso auf vielen verschiedenen Ebenen. Bergman ging es ja nicht vornehmlich um eine Provokation, sondern um einen fast schon spielerischen und dennoch didaktischen (natürlich nicht so erzieherisch wie ein Godard, sondern eben leicht von der Hand) Umgang mit dem Medium. Wer sich tatsächlich an dem Penis in der Montage festhält, beweist, dass er sich mit dem Rest des Films eigentlich gar nicht auseinandergesetzt hat. Denn Persona ist ja kein Film der Penetration oder des Phallus, sondern der Duplizierung und vielleicht der darauffolgenden Intrusion der Geister. Diese didaktische Rahmung lässt sich auch am Ende des Filmes finden, wenn die beiden Frauen zu einer geworden sind und diese das Haus verlässt. Die Kamera filmt sie, bricht plötzlich die Achse, aber präsentiert uns dann nicht den entgegengesetzten Raum, welcher durch die "stille Vereinbarung" zwischen Zuschauer und Film auch außerhalb des Kameraausschnitts existieren müsste, sondern zeigt das komplette Filmteam, welches die gerade stattfindende Einstellung filmt. Wenn ich mich nicht ganz irre – meine letzte Persona-Betrachtung liegt schon mehr als 10 Jahre zurück – sogar aus einer leicht diagonalisierten Untersicht gefilmt, als würde die Kamera aus der Sicht des Konzertgrabens des Kinosaals auf das Ereignis blicken, als würde er es selbst filmen, während er genau den Ausschnitt sieht, den er nicht sehen dürfte, es sei denn, er wäre ein weiterer Kameramann.

Einer der vielen Versuche des Kinos, die vierte Wand zu durchbrechen Das dauert maximal 2 Sekunden und dann sehen wir wieder die Hauptfigur, wie sie den Gang zu ihrem Auto beendet und einsteigt. Diese Rahmung, die Montage zu Beginn, in die sich der Penis ja trotzdem einfügt und dem Gesamtkonstrukt interpretativ dienen kann, das Bloßstellen sinnfreier Provokation durch eben diesen Penis, der auf der offensichtlichen Handlungsebene nichts mit dem intensiven Psychogramm zweier (oder einer? ;) ) zu tun zu haben scheint, die Reaktionen derer, die sich tatsächlich über diese kurze Bildmontage echauffiert haben und damit zeigen, dass sie es gar nicht wert sind, den Film zu sehen (ich lasse mich etwas mitreißen) und die Fraktion derer, die sich als Bergman-Fans gaben, aber seinen Wert daran maßen, dass bitte jeder Film einen Skandal wie "Die Jungfrauenquelle" oder "Das Schweigen" auslösen sollte, sonst sei es ja kein Bergman und die mit ihrem Sensationshunger im Grunde ad absurdum geführt wurden, ohne dass manche das vielleicht überhaupt gemerkt haben werden, sorgt letztlich für interessante Diskurse auf medientheoretischer, gesellschaftlicher, künstlerischer, moralischer und letztlich sogar politischer Ebene. Dass Bergman dies alles in seiner Komplexität so erahnt hat, wage ich allerdings zu bezweifeln. Es wäre ein zu fantastisches Husarenstück seinerseits. Aber das ist letztlich die Gottaufladung des Regisseurs, die wir der Theorie über den auteur verdanken.

29.12.2013 21:21 Uhr - Kroczinsky
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28.12.2013 16:00 Uhr schrieb Pyri
Friedkin und die Entstehungsgeschichte des "Exorzisten" kennst Du anscheinend gleich wesentlich besser als ich, weshalb ich nochmal frage: wieso geht es in diesem Film meinem Eindruck nach dann immer nur um Sex, wenn der Dämon in Regan "provozieren" will? "Der Exorzist" ist meinem Eindruck ja ein ernster Film über ein ernstes Thema, der auch nicht offensiv mit Besessenheit spekuliert, damit amüsieren will, oder insgeheim ein Sexfilm wäre. Nein: er hat eben dieses Kind in seinem Zentrum und will zeigen, welche Wandlung in ihm vorgeht. Und dieser Umgang mit Religion und Sexualität belastet in meinen Augen nicht nur diesen Film, sondern auch fast die allermeisten Exorzismusfilme nach ihm. Gerade als Katholik finde ich das immer sehr enttäuschend, denn deren Dämonen referieren (katholische) Moral eher, als dass sie die Religion, die Eucharistie oder sonst für ein Sakrament herausfordern oder gar bekämpfen würden. Sind gewissermaßen selbst durchgängig katholisch.

Die Beantwortung dieser Frage würde die hier vorhandenen Möglichkeiten endgültig sprengen. Wenn wir uns, noch mal der Einfachheit halber, am Regisseur orientieren, dann ist erkennbar, dass Friedkin sich bei Der Exorzist allenfalls auf einer hawks’ianischen Ebene für die Umsetzung des Stoffes interessiert hat. Nach dem Auftragseinstieg "Good Times" und dem Debakel mit "Die Nacht als Minskys aufflog" konzentrierte er sich mit dem Pinter-Stück "The Birthday Party" und dem Schwulendrama "Die Harten und die Zarten" voll und ganz auf einen einzigen Raum und die bedingungslose Einheit von Form und Inhalt. Bei beiden Filmen handelt es sich um grandioses Theaterkino, doch Friedkin wollte kein "artsy-fartsy" sein und so kam er zu einem Projekt, bei dem er sich voll und ganz der Form widmen wollte, deren Einheit mit dem Inhalt zu einer neuen Ebene aufsteigen sollte. Dass Howard Hawks ihm das Drehbuch überarbeitet hat, ist da wohl nicht nur Zufall gewesen. Bei "The French Connection" geht es im Grunde von der ersten Sekunde an los. Die pompöse Erkennungsmelodie der 20th Century Fox wurde weggelassen, so dass der Beginn der Filmmusik beim Vorspann dem Zuschauer mit voller Wucht um die Ohren knallte. Danach sollte die Musik eine disharmonische Melange aus Kakophonie und Holzxylophonnachrichtengeräuschen erzeugen, um so eine Spektakularität aus Oper und der Sachlichkeit von Schlagzeilen zusammenzubringen. Auch den Schrifttyp der Buchstaben musste Friedkin durchsetzen, der seitlich eingeschoben werden sollte, gerade so, als würde er sich wie die neuste Nachricht in den Bildausschnitt schieben. Nach dem Crescendo der hysterischen Nachrichtentickergeräusche zeigt uns Friedkin die Stadt Marseille in einer perfekten Direktheit, die stereotypisch für das klassische Hollywood ist, und wie ein Postkartenidyll wirkt, nur um uns im nächsten Augenblick damit zu konfrontieren, dass es doch die Realität ist, in die wir als Rezipient eintauchen müssen. Als wäre das nicht genug, folgt ein Kran-Angle-Shot, der sein Ende in einer harmlosen Dialog-Szene findet (O-Sprache ohne Übersetzung, ein weiterer Tabubruch im Hollywood-Kino) und nachdem wir einer Person gefolgt sind, als Opening-Shot und damit im traditionellem amerikanischen Kino identitätsstiftend, wird dieser Person plötzlich frontal ins Gesicht geschossen. Die Beiläufigkeit ihrer Erschießung wird durch den Baguette-Abriss leicht unterstrichen. Harter Schnitt und wir sind in New York. Der Kontinent wurde übersprungen. Plötzlich sind wir an dem Ort, wo die Exekutive es mit den Endverbrauchern einer Mittelsmannstruktur – die French-Connection war damals der Vermittlungspunkt aller opiaten Drogen aus Asien und damit Omnipotent – zu tun hat und nur hilflos Schwarze schikanieren kann. Die Darstellung dieser Schikanierung ist minutiös dem Polizeihandbuch entnommen und wird von Friedkin durch einen plötzlichen Messerstich aufgebrochen, der dazu führt, dass "Cloudy" und "Popeye" den betreffenden verfolgen müssen. Dies geschieht, abseits der Absurdität, das "Popeye" den Weihnachtsmann vor schwarzen Ghetto-Kids spielt, auch durch die furiose Kamera, die von einer konventionellen Achsentreue plötzlich in die Handkamera umschwenkt und dann, bei der Verfolgung des Schwarzen, zwischen Achsentreue, objektiver Verfolgung, perspektivischem Shot, Drosselung der Umgebungsgeräusche beim perspektivischem Shot aus der frontalen Subjektivem, Sprung auf die seitliche Verfolgungsachse als Dolly – das Ganze übrigens für beide Verfolger – und dann tatsächlich in den Shoulder-Shot wechsel, umso die Verfolgung aus einer Subjektiven erlebend zu gestalten, die schlagartig die beobachtende Subjektive wechselt, so dass wir aus Distanz und gleichzeitig betroffen der Misshandlung des Schwarzen beiwohnen. Das sind, glaube ich, gerade mal die ersten 10 Minuten (ein Kritiker meinte auch mal treffend, dass die movie moments in "The French Connection" kaum zu zählen sind) aber es wird erkennbar, dass es Friedkin vorrangig um den Versuch einer formalen Konfrontation geht. Die Geschichte von "Der Exorzist" eignet sich durch den Tabubruch auf inhaltlicher Ebene – ein in die Pubertät noch nicht ganz eingetretenes Kind ist die konzentrierte Versinnbildlichung aller Elternängste, dass Sexualität die (vermeintlich) kindliche Unschuld in ein polymorph perverses Surrogat transformiert – sehr gut für diese Form der Konfrontation. Wie klar Friedkin seinen Film einem angelsächsischen Formalismus unterordnet macht er auf der Bildebene deutlich, in dem er gleich zu Beginn Pater Merrin und Pazuzu (schreibt man das so?) in einer Totalen als opponierende Duellanten wie in einem Western inszeniert, passenderweise geht die Sonne gerade unter, ich glaube sogar zwischen den beiden und die Tonspur beschwört durch Gekreische (der Kampf zweier Schakale im Ursprung) was da noch kommen wird. Auch im Folgenden verweigert sich Friedkin jeder klassischen Inszenierungsweise eine Gruselfilms und arbeitet stets mit ökonomisch aufgeräumten Bildern und der plötzlichen Konfrontation durch Montage und Ton. Seine Kameraführung ist bzgl. der Einstellungen natürlich sehr von Hitchcock geprägt (seinem Vorbild) und folgt im Konfrontationsprinzip einer amerikanischen Auslegung Eisensteinscher Montagetheorien. Es würde mich nicht wundern, wenn er sogar drauf geachtet hat, den Kotzstrahl in einer Gegenlinie zu inszenieren, aber das weiß ich nicht mehr. Dann haben wir mit "Der Exorzist" ja auch einen Film, der einem Versuch der Neuauslegung von Horror im Stile von Romero/Craven und später Hooper folgt. Horror nicht als Grusel, sondern als Terror. Horror nicht Barock, viktorianisch oder mystisch, sondern direkt vor der Wohnungstür. Im Grunde war die katholisch geprägte Geschichte für Friedkin nur Mittel zum Zweck. Wohl ein Grund, warum der Film in einem katholischen Land wie Italien Erheiterung auslöste, weil die natürlich den Umgang mit ihrer Religion als profan dargestellt erachteten (dabei zeigt Friedkin eine derart progressive katholische Kirche, wie sie weiter von der Realität nicht entfernt sein könnte, aber da war man zeitbezogen wohl noch vom zweiten Vatikanischen Konzil und seinem vermeintlich baldigem Eintreten beeinflusst, gleichzeitig zeigt es aber, dass die katholische Kirche mitnichten so einfältig ist, wie sie in der Öffentlichkeit gerne wahrgenommen wird), wohingegen Ovidio Assonitis fast zeitgleich erschienenes Rip-Off "Wer bist du?" zum Hit wurde.

28.12.2013 16:00 Uhr schrieb PyriIch bin eben kein Realist und glaube daher etwa nicht, dass ein Spielfilm sich wirklich auf "Realität" beziehen kann. Aber das nur so nebenbei.

Diesen Satz habe ich schon von anderen gelesen, verstehe aber nie so ganz, was man mir damit sagen will. Ein Film entsteht und existiert nicht im luftleeren Raum. Er wurde von Menschen gemacht, die sich aus unserer Realität generieren und die wiederum Realitäten generieren. Die Filme beeinflussen wiederum die Realität, der sie entstammen. Und Filme sind Spiegelungen der Gesellschaft auf aktueller wie auf kontinuierlicher Basis, denn Du sagst ja selbst:
28.12.2013 16:00 Uhr schrieb PyriDas sind ja auch keine kleinen Filme von denen wir da reden, sondern oft Studio-Produktionen die gewissen Kalkülen folgen und sich von daher schon ökonomisch rentieren sollen.


28.12.2013 16:00 Uhr schrieb PyriNachtrag: es war aber mal zur Abwechslung hier ein sehr interessantes Gespräch und ich bedanke mich für die ausführlichen Anmerkungen!

Dito :)

04.01.2014 22:09 Uhr - ViolenceJack
Interessanter Schnittbericht! War aber auch irgendwie wieder klar das da eine Extended version kommen muss. Der Film war okey aber auch nicht wirklich gut. Wie schon einer vor mir Erwähnte waren die ersten ca 60-70 Minuten sehr Unterhaltend und zum Teil zum Schießen. Doch wurde es dann gegen Ende wieder sehr Disney lastig. Als ob ein Zeugenschutzprogramm was feines ist.. Jeden Tag damit zu Rechnen das ein Maskierter Mann vor dir steht oder dir einfach Eiskalt in den Hinterkopf schießt stelle ich mir nicht sonderlich schön vor. Die meisten Mafiosi, Dealer die geschnappt wurden bereuen das sie zum Teil ganze Familien verraten haben. Warum? Weil sie Wissen das es Dumm war zu Denken eine Parallel Gesellschaft zu Demontieren die es offiziell gar nicht gibt. Genauso das die Polizei so kooperativ ist etc etc. Das Ende war sehr schlimm und hat den Film etwas kaputt gemacht. Klar verstehe ich die gute Botschaft dahinter, doch ist diese sehr weit her gegriffen. Und sich mit dem Mexikanischen Drogenkartell an zu legen kann ich keinem Empfehlen. Die Jungs sind gerade sehr heftig am Zerstören in Mexiko und keiner kann was machen. Daswegen ist der Film eigentlich gar nicht lustig. Ich musste trotzdem lachen da ich derben Humor mag. Ach ja und Korruption gibt es in Amerika anscheinend nicht laut dieses Filmes? :) Das schlimme ist es gibt sie Überall solange es dort Geld mangel gibt oder die Personen die das Geld erhalten selber kaum von ihrem Gehalt leben können. Die gute alte Gier hat da mit Sicherheit auch ab und zu seine Finger im Spiel.

Fazit: Der Film kann Unterhalten doch das Ende nimmt dem ganzen Film den Sinn. Das ist aber auch nur meine Meinung zu dem Thema. Drogen sind im allgemeinen eh schlecht es sei denn man ist Kreativ tätig, dann können diese auch helfen. Ist ja kein Geheimnis das viele große Denke und Künstler anscheinend auf Droge waren. (Unter Drogen zählen auch Alkohol und Tabak...)

Sehr schöner Schnittbericht muss ich sagen. Mit ein paar seltsamen Schnitten mal wieder. Man merkt richtig das dieses Extended einfach nur Geldmache ist. Es gibt ja zum Glück aber auch Ausnahmen.

Und Aniston sieht ja mal richtig knackig aus. Respekt an die Frau das sie sich so gut gehalten hat. Es sieht auch alles noch recht natürlich aus. Zumindest kein Froschmund.

Film 6/10 Wie gesagt nix besonderes aber auch nicht Scheisse. Nen Mittel Ding halt. Den einen Punkt mehr gibt es fuer Aniston. Auch wenn Blond nicht mein Fall ist bleibt ein Loch nun einmal ein Loch.


25.09.2014 02:53 Uhr - comicfan
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@Violence Jack: Es ist aber wichtig, dass es Leute gibt, die sich mit solchen Kartellen anlegen. Nicht jeder Mensch ist korrupt und das ist auch gut so.

02.05.2015 21:12 Uhr - keakzzz
04.01.2014 22:09 Uhr schrieb ViolenceJack
Film 6/10 Wie gesagt nix besonderes aber auch nicht Scheisse. Nen Mittel Ding halt. Den einen Punkt mehr gibt es fuer Aniston. Auch wenn Blond nicht mein Fall ist [u]bleibt ein Loch nun einmal ein Loch.[/u]


hammer auch, daß erst noch lobend die in diesem thread gelaufene Diskussion zwischen zwei Nutzern erwähnt wird, bevor dann natürlich nochmal sowas kommen mußte. *seufz*

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