"Die Inseln von Terra" ist der dritte Teil der Might & Magic-Reihe. Erschienen 1991 für den PC, revolutionierte dieser Teil die Serie mit VGA-Grafik, Sound, vereinfachter Steuerung und Handhabung, einer komplexeren Spielwelt und einem einsteigerfreundlicheren Schwierigkeitsgrad. Die Engine erwieß sich dabei als so gut, dass sie auch für die beiden folgenden Teile mit leichten Modifikationen verwendet wurde. Portierungen auf Amiga, Mega Drive and das SNES folgten.
Allerdings leidet die Version für das SNES unter den zu der Zeit noch sehr strengen Zensurvorgaben von Nintendo.
Zudem ist diese Portierung ein technisches Inferno. Neben starken Kürzungen, auf welche im Schnittbericht eingegangen wird, leidet das Spiel und seiner extrem langsamen Geschwindigkeit, wo man für jeden Schritt eine Sekunde braucht. Die Steuerung reagiert extrem träge und ist dazu sehr umständlich ausgefallen. Die Umgebungsgrafik wurde lieblos von 256 Farben des PC heruntergerechnet und besitzt keinerlei Animation (nicht einmal das Wasser). Der Sound ist bemitleidenswert und die Musik des Originals wurde durch neue, eintönige Musik ersetzt. Es ist verwunderlich, warum die Technik des SNES so schlecht genutzt wurde, und selbst die Mega Drive-Version -welche auch an der Spielgeschwindigkeit krankt- optisch, tonal und inhaltlich überlegen ist. Alle diese Schwächen machen die SNES-Version beinahe unspielbar, und das Spielen zur Qual.
Verglichen wurde die unzensierte deutsche PC-Version mit der zensierten englischen SNES-Version. Wegen technischer Probleme war es nicht möglich von einer englischen Originalversion Screenshots zu machen, aber der Abgleich mit der deutschen Fassung zeigt (mit einer Ausnahme) eine 100% korrekte und unzensierte Übersetzung. Die Originalbegriffe setze ich daher in Klammern dazu.
Gleich zu beginn gibt es eine heftige Kürzung. Das komplette Intro fehlt auf dem SNES. Warum das Intro fehlt, ist schleierhaft. Technisch wäre es möglich gewesen, und der Platzbedarf konnte nicht so groß sein, wenn selbst die Mega Drive-Version das komplette Intro besitzt. Hier eine Zusammenfassung, was fehlt:
Zuerst sieht man das New World Computing-Logo, dann das "A Jon van Caneghem Production"-Logo (der Designer/Producer). Wir blicken auf das Weltall, und es wurden kurz die Hauptakteure genannt: Corak der Mysteriöse, Sheltem die Nemesis der Alten und eine Truppe von Abenteurern die Terra erforscht. Ein Feuerball erscheint und aus ihm eintsteht das Gesicht von Sheltem. Ein vorbeifliegender Feuerball erhellt kurz seine linke Gesichtshälfte, welcher reiner Knochen ist. Dann spricht er (Englisch, wird übersetzt):
"Ich bin Sheltem, Wächter von Terra. Zwei mal habt ihr meine Tests nun gemeistert, schickt euch an, in meine Welt einzufallen. Hütet euch auf dieser dritten Herausforderung. Und gebt acht, dass eure letzte Entscheidung wirklich das ist, was ihr begehrt. Denn einmal in Bewegung, kann der Lauf des Schicksals nicht mehr gestoppt werden. Bis zu unserem nächsten Zusammentreffen, Sterbliche..."
Sheltems Gesicht verschwindet, und die Credits beginnen, bevor schließlich zum Titelbild mit dem Hauptmenü geschaltet wird.
Schadensanimation
Original wurde Schaden am Gegner oder der Eigenen Gruppe durch einen kurzen Blutspritzer angezeigt. Dies wurde hier durch durch ein rotes X ersetzt, da Nintendo wohl kein Blut in Spielen auf ihrer Konsole duldete.
Zensierte Gegnersprites
Da alle Gegner neu gezeichnet wurden, wurde die Gelegenheit genutzt, um einige der "heikleren" Gegner optisch zu entschärfen. Barbaren und Goblins verlieren ihre blutbeschmierten Waffen, und Zombies sind nun nicht mehr verrottet und sehen aus wie Frankensteins Monster.
PC Version
SNES Version
Zudem wurde ein Gegner völlig entfernt, der Sensenmann (Reaper). Er erschien den Zensoren wohl viel zu problematisch. Dies sorgt im Grab des Terrors für ein spielerisches Ungleichgewicht, da alle Sensenmänner durch normale, zu dem Zeitpunkt im Spiel lachhaft schwache, Skelette ersetzt wurden. Selbst der Endgegner, welcher der Obersensenmann ist, was den Kampf ins Lächerliche zieht.
Umbenannte Orte
Mehrere Orte wurden umbenannt, weil sie Wörter enthielten, welche auf der Schwarzen Liste von Nintendo standen.
Schloß "Blood Reign" wurde zu Schloß "Free Reign".
Die "Blutbadkathedrale" (Cathedral of Carnage) wurde zur "Cathedral of Darkness".
Das "Höllenlabyrinth" (Maze from Hell) wurde zur "Diabolical Maze"
Der Brunnen der Athea
In der Stadt Wachbucht steht in auf dem Marktplatz der Brunnen zu Ehren der Nymphe Athea, welcher mit einer Statue selbriger geschmückt ist. Diese Freizügigkeit schien den Verantwortlichen für die Abnahme ein Dorn im Auge zu sein, denn auf dem SNES trägt die Statue (!) einen rosa Bikini.
Die Bank
Der Wachmann in der Bank von Fountain Head wurde bei der Neugestaltung des Bildes um seine Axt erleichtert, welche wohl zu martialisch war.
Der Waffenladen
Das Bild im Waffengeschäft wurde völlig neu gestaltet, um die blutbeschmierte Axt des Verkäufers zu tilgen.
Zudem wurde der Spruch des Waffenverkäufers von Wildabar entschärft. Im Original spricht er von "schönsten Mordwerkzeugen"(finest killing devices) auf dem SNES jedoch von "finest weapons".
Der Trainer
Im Original sieht man den Trainer, wie er gerade dabei ist, reitend mit seinem Schwert Melonen zu zerteilen. Scheinbar war man der Meinung, dass die roten Reste der Melonen am Schwert wie Blut aussehen, also wurde ein völlig neues, harmloses Bild gezeichnet.
Der Spruch des Trainers in Wildabar wurde entschärft. Im Original spricht er von "den tödlichsten Meistern"(deadliest of instructors), auf dem SNES von "toughest of instructors".
In der Kneipe
Es ist bekannt, dass Nintendo ein großes Problem mit Alkohol in Spielen hat, demensprechend mußte die Kneipe besonders unter Zensuren leiden. Im Original konnte man sich einen Drink bestellen, um dann mittles Trinkgeld einen Tip zu bekommen. Auf dem SNES wurde die Option "trinken"(drink) zu "eat", also "essen". Demensprechend wurde der Zustand "betrunken" (drunk) zu "stuffed", was soviel wie "vollgefressen" bedeutet. Der Spruch des Wirts "You are drunk" wurde zu "You are full".
Im Original wischt der Wirt der Kneipe von Fountain Head "Bier"(ale) vom Tresen. Auf dem SNES ist es "soda", also Limonade. Zudem torkeln im Original "betrunkene Abenteurer"(drunken adventurers) durch den Raum, wärend es auf dem SNES nur "adventurers" sind.
Der Wirt in Wachbucht bietet uns im Original "Essen und Alkohol"(food or spirits) an. Auf dem SNES wurde das zu "food or beverages".
Der rüde Wirt in Widabar sagt im Original "Zahlt vorne, spukt hinten"(Pay up front, puke up back.). Hier ist die einzige Abschwächung im Deutschen, denn es hätte "kotzt hinten" heißen müssen. Auf dem SNES wurde der zweite Teil des Satzes weggelassen.
Der Abspann
Der Abspann des Spiels wurde beschnitten und während man bei den sonstigen Veränderungen nicht direkt von Zensur sprechen kann, so zeugen sie doch von dem technischen Inferno, welches diese Fassung ist.
Es wurde entfernt, wie die Gruppe durch zwei Schleusen geht, und schließlich das Fluchtschiff erreicht. Während auf dem PC die Eingabe des Codes und das Lesen der Files mit schönen Animationen und Sound unterlegt sind, wird auf dem SNES die gleiche, graue Eigabemaske wie im ganzen Spiel benutzt. Der Rest des Abspanns -Start des Raumschiffs, Verlassen von Terra und die finale Punktzahl- sind ebenso erbärmlich gestaltet. Auch hier muß der Vollständigkeit halber gesagt werden, dass die Mega Drive-Version den kompletten Abspann mit alles Details hat.
PC Version
SNES Version
Bilder von der Mega Drive-Version
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toller Schnittbericht, vielen Dank!
Natürlich sind alle Zensuren (bis auf das Blut vielleicht) total lächerlich.
Die Kürzung des Reapers scheint ja ein Hammer zu sein... hätten sie lieber einen neuen, gleichstarken Gegner designt, statt durch einen viel zu schwachen zu erstetzen.
Der rosa Bikini ist natürlich der Abschuss :D
Schöner Schnittbericht zu einem Spiel, das ich damals sehr gerne gespielt habe. Ein schön komplexes Rollenspiel mit farbenfrohen, liebevoll gezeichneten Grafiken und (damals) leichter Bedienung. Auch wenn die Tatsache, daß die Helden altern (und im Alter dann schwächer werden) schon fast zuviel Komplexität für mich war...
@gesteckteziele:
NOA wird das aber nicht ohne Rückendeckung vom japanischen Hauptquartier gemacht haben, also hat Nintendo Japan solch lächerliche Zensuren zumindest wohlwollend gebilligt. Gut, daß Nintendo heute starke Konkurrenz hat und sich nicht mehr alles erlauben kann.
Nur eine Frage: Laut dem Outro endet die Story damit, dass mittelalterliche Zwerge, Zauberer, Krieger und was weiß ich noch mit einem Raumschiff von der Erde abdüsen, während das ganze Spiel als Fantasy-Mittelalterszenario lief? Wie Banane ist das denn...?
Besonders dämliche Zensur ist doch da, wo man das besonders bemerkt: Die Sache mit den Reapern, die Bikinis und dann in der Bar, dass man zwischen "eat" und "food" entscheiden kann... dämlich. -.-
Toller SB, ich liebe SBs zu den schön ollen Spielen! ;D
Besser war die Grafik auf dem Amiga nicht, vielleicht in deiner Erinnerung (Amiga 500-Spiele haben praktisch nie mehr als 64 Farben verwendet, meistens 16 oder 32).
@Spoox
Es wäre zu aufwendig gewesen, das Spiel auf dem SNES ehrlich zu schaffen, also habe ich Game Genie benutzt um mich ultra-stark zu machen. Daher die niedrige Punktzahl (denn das Programm hat es gemerkt).
Anmerkung zu dem Kommentar, SciFi-Elemente und dergleichen seien ja in einem "Fantasyspiel" Banane. Nein. Die ursprüngliche Fantasy kennt diese Unterscheidung im Grunde gar nicht (bis heute sogar in Japan). Wir sind halt alle sehr "tolkienisiert" und erwarten immer eine homogene, in sich geschlossene Welt ohne Anachronismen. Die frühe Fantasy sieht aber ganz anders aus, im übrigen auch die davon inspirierten frühen Fantasyrollenspiele wie D&D: dort gab es oft "Crossover" zwischen mittelalterlich geprägter Fantasy und modern anmutender Technologie sowie SF-Themen.
Mir hat gerade auch deshalb MIGHT & MAGIC besonders gut gefallen.
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